Test: Assassin’s Creed Origins – Die Verborgenen (DLC)

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Nachdem Assassin’s Creed Origins im vergangenen Jahr mit frischen Ideen und einer Spielwelt auftrumpfen konnte, welche sowohl die spielende Masse als auch Kritiker in Erstaunen versetzte, dreht sich Anfang 2018 alles um die Anfänge der Assassinen. Die Verborgenen (The Hidden Ones) entführt euch auf die Sinai-Halbinsel und konfrontiert euch mit den ersten Stolpersteinen auf dem Weg zu einer rechtschaffenen Bruderschaft.

Die Bruderschaft erhebt sich

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Vier Jahre sind seit dem glorreichen Sieg über den verschwörerischen Orden ins Land der Pharaonen und Pyramiden gezogen. Aus einem verstreuten Grüppchen zäher Widerstandskämpfer ist eine Organisation erwachsen, die unter dem Decknamen Bruderschaft den Verlauf der Geschichte verändern wird. Im alten Ägypten sind die Streiter für Freiheit und Recht allerdings noch unter einem anderen Titel bekannt: Die Verborgenen. Mit Bayek als Galionsfigur agieren sie aus den Schatten heraus und versuchen verzweifelt, den Frieden zu wahren – und das trotz römischer Besetzung. Doch nicht überall fruchtet diese Idee.

Bayek folgt dem Ruf seiner Brüder und reist von Memphis auf die sagenumwobene Sinai-Halbinsel, die große Landzunge zwischen dem heutigen Suezkanal, Israel und dem Roten Meer. Dort angekommen, präsentiert sich dem charismatischen Assassinen ein Bild des Schreckens. Die Landbevölkerung wird von den römischen Invasoren tyrannisiert und versklavt. In den vielen Steinbrüchen der Gegend schuften die Unterdrückten – Männer, Frauen und sogar Kinder – bis zur völlligen Erschöpfung. Schnell findet Bayek heraus, dass hinter dem Unrecht ein römischer General namens Rufio steckt. Den brutalen Machthaber zu Fall zu bringen, stellt die Verborgenen vor ihre erste große Bewährungsprobe und soll sich als wegweisend für die junge Bruderschaft herausstellen.

Templer vs. Assassinen: Wie alles begann

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Die Verborgenen läutet als erster von zwei DLCs die bodenständige Erweiterung des ohnehin schon riesigen Grundspiels ein. Bevor wir uns in einigen Monaten tief in die ägyptische Mythologie begeben und in „Fluch der Pharaonen“ mit Monstern aller Couleur konfrontiert werden, geht es zunächst den guten alten Römern an den Kragen. In den Vordergrund der Geschichte rückt dabei die altbekannte Frage: Wie weit darf man gehen, um seine Ideale durchzusetzen?

In vier bis acht Spielstunden findet ihr langsam heraus, für welchen Weg sich die Bruderschaft entscheidet. Bahnbrechendes dürft ihr von der Erzählung allerdings nicht erwarten, auch wenn Ubisoft in den wenigen nachdenklichen Momenten durchaus die richtigen Töne anzuschlagen weiß. Für kurzweilige Unterhaltung taugt die flott und ohne große Längen erzählte Story rund um die aufkeimenden Assassinen und ihren Erzfeind, aus dem sich später der Templerorden entwickelt, ganz sicher.

Die Suche nach dem Aha-Effekt

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Ansonsten verlaufen die Story-Missionen nach dem altbekannten Schema. Zunächst sucht ihr das Büro der Verborgenen auf und sammelt Informationen, indem ihr mit Opfern des Tyrannen sprecht. Anschließend folgt ihr der Spur der Verwüstung, schart Freunde um euch, erledigt auf dem Weg noch den ein oder andere Handlanger, bis ihr dem Fiesling von Angesichts zu Angesicht gegenübersteht. Gefallen hat uns besonders der Bosskampf am Endes des DLC, bei dem richtiges Duell-Feeling aufkommt.

Auch die Nebenmissionen haben uns überzeugt. Mit der narrativen Wucht eines Witcher 3 kann Assassin’s Creed Origins weiterhin nicht mithalten, die Charaktere sind jedoch immer charmant, die Aufgaben gut geschrieben und ihre Auflösung zeitweise sogar überraschend. Besonders ans Herz legen möchten wir euch in diesem Zusammenhang die Schatzsuche von Si-Mut, welche euch über sämtliche Gebiete der Erweiterung hetzt. Die Belohnung ist es aber allemal wert.

Ein felsiges Wiedersehen

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Schauen wir uns die Sinai-Halbinsel einmal genau an und ziehen den Vergleich zum Hauptspiel, fällt das Ergebnis eher ernüchternd aus. Die Bergregion präsentiert sich zwar – hier Louis de Funés Zitat einfügen – wunderbar bergig, die vielen Steinbrüche laden mit ihrem vertikalen Layout, Seilwinden und Klippen zum Experimentieren ein, aber trotzdem hätten wir von der Spielwelt des DLC etwas mehr erwartet.

Konnte Origins noch mit seinen vielfältigen Landschaften überzeugen, wirkt Sinai doch etwas karg. Neu ist in den drei Gebieten der Erweiterung nur die schicke rötliche Farbe der Felsformationen, die allerdings sehr großzügig über die Halbinsel verteilt wurde. Lediglich die typischen Sehenswürdigkeiten der Reihe sorgen für optische Akzente. Das Highlight bildet hier sicher der Tempel von Toth mit seinem tiefschwarzen Obelisken auf der Spitze.

Grundspiel 2.0

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Wer das Hauptspiel schon plattiniert hat und neues Futter für den Komplettierungs-Wahn sucht, findet in den drei Abschnitten Klysma, Madiama und Arsinoe natürlich wieder eine Vielzahl kleiner Nebentätigkeiten. Die Verborgenen hält sich dabei sehr dicht am Hauptspiel. Ihr könnt malerische Aussichtspunkte erklettern, Banditenlager ausräuchern oder gleich die Leoparden-Population der Halbinsel dezimieren.

Für den nötigen Anreiz wurde das Maximallevel auf 45 angehoben, einige neue Waffen finden ihren Weg in das Spiel und auch im Crafting-System erwarten euch zwei neue Stufen, in die ihr eure hart verdienten Materialien pumpt. Schade ist dabei nur, dass Ubisoft kaum neue spielerische Akzente setzt. Keine neuen Gegnertypen, Tiere oder einzigartige Waffen – Hier hätten wir uns von Ubisoft gewünscht, dem DLC doch etwas mehr Eigenständigkeit zu gönnen.

Einblicke in die Entstehung der Bruderschaft
Charmante Charaktere und Aufgaben
Neues Futter für 100%-Junkies
Vier bis acht Stunden Spielzeit für 10€
Spielwelt etwas karg
Keine spielerischen Neuerungen
Kaum eigenständiger Charakter

Christian Böttcher

Die Verborgenen ist eine gelungene Ergänzung für Assassin's Creed Origins - nicht mehr und nicht weniger. Wer mehr über die Bruderschaft der Assassinen und ihre anfänglichen Schwierigkeiten erfahren möchte, ist mit der Geschichte des DLC bestens bedient. Sie hält euch nur kurzweilig bei Laune, punktet dafür aber mit charmanten Charakteren und gut geschriebenen Texten. Habt ihr das Grundspiel schon komplettiert, findet ihr in drei neuen Gebieten eine Vielzahl an Nebenbeschäftigungen, mit denen ihr rund vier bis acht Stunden verbringt. Die Areale sind weiterhin atemberaubend, hätten allerdings mit mehr Sorg- und Vielfalt deutlich besser abgeschnitten. Der wohl größte Kritikpunkt: Leider hat es Ubisoft versäumt, dem DLC seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken und so bleibt ihr am Ende mit dem Gefühl zurück, dass Die Verborgenen mehr ein kleines Update als eine vollwertige Erweiterung ist. Für den Preis von 10€ oder als Teil des Season Passes lohnt sich der Trip nach Sinai jedoch allemal.
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