Test: Aven Colony

AvenColony (9)Szenarien, dass wir Menschen von unserer Erde umsiedeln müssen, gibt es fast so viele wie den Sand am Meer. Ob in Filmen, wie zuletzt Passengers mit Chris Pratt und Jennifer Lawrence, oder in Büchern, unsere Fantasie trifft immer wieder auf solch futuristischen Gedanken. Auch in Computerspielen wurde dieses Thema schon einige Male aufgegriffen. Nun kommt mit Aven Colony aber ein Spiel, das aus der Masse herausstechen will.

Vor einigen Wochen haben wir bereits die Beta in einer Preview ausgiebig beschrieben. Da sich vom Spielerischen nicht wirklich viel verändert hat, wir nur mehr Inhalte der Kampagne spielen konnten, bleibt die Beschreibung die gleiche. Allerdings haben wir neue Inhalte hinzugefügt und die weiteren Missionen beschrieben. Denn da gibt es einiges, was sich ändert.

Aven Colony bietet euch zu Beginn ein kleines Tutorial namens Holo Sim in zwei Teilen an, in denen das Spiel euch die Grundlagen beibringt. Zuerst erfahrt ihr, wie ihr am besten eure Kameraposition einstellen könnt. Diese ist recht flexibel und lässt euch so gut wie jeden beliebigen Winkel einnehmen. Weiter erklärt euch das Holo Sim, welche Ressourcen für euch wichtig sind und wie ihr diese an- bzw abbauen könnt. Dafür wird euch auch der einfache Bau von Gebäude erklärt. Zusätzlich erklärt sich so auch das Interface am unterem Rand des Spiels, der euch verschiedene Indikatoren und Menüs anzeigt.

aven colony tutorial

Auf in die Kampagne

Nachdem das Tutorial durchgespielt ist, führt euch das Spiel direkt in die erste Kampagne namens Vanaar. Manch Anfänger mag sich vielleicht fragen, was all die anderen Gebäude und Ressourcen sind, die im Tutorial nicht auswählbar waren und wie sie wissen sollen, was sie machen müssen. Hier kann aber Entwarnung gegeben werden. Während der Kampagne erhaltet ihr immer wieder neue Missionen, die euch den Bau bestimmter Gebäude nahelegen und gleichzeitig erklären. So erhaltet ihr auch während des freien Spiels weiterhin Unterstützung beim Erbau eurer Kolonie.

Was ein bisschen irritierend sein kann beim Start der Kampagne, ist die Tatsache, dass es praktisch keine Ladebildschirme oder Anzeigen gibt. Im ersten Moment habt ihr Gefühl, das Spiel wäre abgestürzt oder der Rechner hätte sich aufgehangen. Hier gilt es, einfach ein wenig Geduld zu wahren und dann geht es ins Spiel. Dies war sowohl in der Beta schon so und hat sich leider auch nicht zur neuen Version verändert. Aber wenn es nur das ist, soll es uns auf Dauer nicht stören.

Überblick Aven Colony Kampagne

Während der ersten Kampagne baut ihr eure Zukunftssiedlung immer weiter aus. Hierfür müsst ihr aber eure Indikatoren im Auge behalten. Ihr müsst für genügend Strom für eure Gebäude sorgen, was ihr durch Wind- und Solaranlagen schafft. Aber Vorsicht: Die Solaranlagen funktionieren nur im Sommer. Eine Besonderheit des Spiels ist nämlich der Ablauf eines festen Zyklus. So heißt eine Periode auf dem fremden Planeten Sol. In einer Sol, vergleichbar mit unserem Tag, durchstreift ihr aber alle Jahreszeiten jeweils einmal. So wird es in der Nacht gleichzeitig eiskalt und die Sonne steht euch nicht mehr als Energiequelle zur Verfügung.

Dies wirkt sich aber auch auf andere Gebäude aus. Durch den Winter ist es euren Farmen nicht möglich, Reis, Melonen oder andere Grundressourcen anzubauen. Warum nun gerade Melonen, können wir nicht sagen. Aber jeder mag ja Melonen. So müsst ihr euch also auf den Winter vorbereiten und dafür Lager bauen. Sollten die Vorräte allerdings knapp werden, könnt ihr die Verteilung an die Einwohner über politische Verordnungen (Police) einschränken. Dies wirkt sich zwar etwas negativ auf die Moral eurer Bewohner aus, aber ist eben ab und an notwendig.

Bürger Kamera Aven Colony

Wechselwirkung der Indikatoren

Die Moral ist ein weiterer wichtiger Indikator. Im Laufe des Spiels werdet ihr automatisch zur Wahl des Gouverneurs antreten. Um eure jetzige Position zu verteidigen, braucht ihr mindestens die Hälfte aller Stimmen der Bürger. Also ist es wichtig, die Moral eurer Gefolgschaft hoch zu halten. Dies funktioniert in erster Linie, indem alle eine Arbeit haben. Dafür müsst ihr nur eure Stadt vergrößern, da die meisten Einrichtungen automatisch Arbeiter brauchen. So wächst eure Kolonie nach und nach.

Zwischendurch werdet ihr immer wieder vor einige Herausforderungen gestellt, die ihr bewerkstelligen müsst. Sei es eben, die Luft zum Atmen in eurer Kolonie wieder zu reinigen oder eine Polleninvasion eines so genannten Creepers zu verhindern. Das Spiel erklärt euch aber, wie ihr mit diesen Aufgaben umzugehen habt. Auf diese Weise lernt ihr immer mehr, was in eurer Stadt alles möglich und zu beachten ist. So beginnt irgendwann der Handel mit anderen Kolonien, wofür ihr wiederum seltene Güter entwickeln müsst und durch ein Immigrationszentrum erhaltet ihr neue Bewohner, um euren Mauern stätig zu erweitern.

Drohnen bauen die Gebäude in Aven Colony

Ein weiteres Features sind in späteren Kampagnen die Entdeckungen auf diesem fernen Planeten. Mit Drohnen erkundet ihr alte Ruinen und erfahrt nach und nach, wie die Vergangenheit in dieser Gegend einmal ausgesehen hat. Dabei könnt ihr Artefakte sicherstellen, müsst aber umso mehr gegen die Eigenarten dieser Welt kämpfen und euch in Acht nehmen. Aber es gibt genügend Geheimnisse, die sich lohnen, sie aufzudecken.

Auch Abwechslungen im Gameplay sind durch die nächsten Missionen vorhanden. So müsst ihr als nächstes eure Siedlung in einer Wüste aufbauen, wo ihr entsprechend wenige Flächen für den Ackerbau habt. Dafür gibt es mehr Gesteinsvorkommen und so konzentriert ihr euch auf den Handel. In dieser zweiten Missionen werdet ihr dann auch in eure Erkundungsaufgaben eingeweiht. Ihr lernt, wie ihr ein Expeditionszentrum baut und euer Entdeckungsschiff auf die Reise schickt. Die Missionen können ganz unterschiedlich aussehen. Mal müsst ihr verschollene Personen bergen, mal müsst ihr Daten über alte Ruinen sammeln.

Durch die steigende Komplexität steigt auch der Schwierigkeitsgrad. In der dritten Mission kommt die Vegetation extremst zu kurz. Ihr befindet euch in einer Eis- und Schneelandschaft. Dort wächst noch weniger als in der Wüste und ihr müsst euch komplett auf den Handel konzentrieren. Und auch hier müsst ihr wieder all die Parameter beachten, die ihr vorher gelernt habt. Im weiteren Fortschritt erhaltet ihr auch weniger Aufgaben vom Spiel, die euch den einfachen Aufbau erläutern. So müsst ihr selbst darauf achten, für gute Luft und ausreichend Verpflegung zu sorgen. Dadurch bleibt das Spiel ansprechend und herausfordernd, bietet euch aber genug neue Aufgaben. So entsteht immer das Gefühl, stetig voranzuschreiten.

Ein komplexes Aufbauspiel

Das Spiel kommt in einer netten Grafik daher, die durch die flexible Kamera von allen Seiten zu betrachten ist. Während des Spielens hört ihr im Hintergrund einen entspannten und ruhigen Soundtrack, der nicht vom Wesentlichen ablenkt, aber euch unauffällig im Ohr sitzt. Die Steuerung ist mit der Maus und der Tastatur recht einfach gehalten wie bei den meisten Aufbau-Spielen. Mit der Maus klickt ihr alles wichtige an und die Tastatur dient vornehmlich für Shortcuts.

Andere Welten in Aven Colony

Die unerklärlichen Abstürze aus der Beta-Version sind nun auch nicht mehr vorhanden. Das Spiel läuft flüssig und ohne Probleme auf unserem Testrechner. Da haben die Entwickler auf jeden Fall gute Arbeit geleistet und den Fehler behoben.

Am Ende steht ein sehr komplexes Aufbaustrategiespiel, welches aber auch entspannt gespielt werden kann. Wie bei anderen Aufbauspielen ist es euch überlassen, wie weit ihr euren Ausbau voranschreiten wollt. Im Sandbox-Modus, also dem offenen Endlosspiel, habt ihr die volle Kontrolle. In der vorgefertigten Kampagne arbeitet ihr kontinuierlich auf das große Ziel hin und müsst dabei immer verschiedene Herausforderungen bewältigen. Dabei gilt es, darauf zu achten, nicht zu sehr in verschiedene Abhängigkeiten von Rohstoffen zu versinken. So kann Aven Colony euch tief in den Bann ziehen oder schnell frustrieren. Es liegt an euch.

Anspruchsvolle Grafik
Ruhiger Soundtrack
Komplexe Abhängigkeiten
Politische Einflüsse im Spiel
Viele verschiedene Baumöglichkeiten
Spannendes Entdeckungssystem
Herausfordernder Tag/Nacht-Zyklus
Abwechslungsreiche Missionen und Aufgaben
Ladebildschirme wirken wie Abstürze
Nicht alle Steuerungen und Shortcuts sind sofort erkennbar
Fehlende Shortcuts für Gebäude und den Bau
Je größer die Kolonie ist, umso schwieriger ist es, einzelne Gebäude zu erkennen

Philipp

Aven Colony macht auf jeden Fall richtig Spaß. Als Aufbaustrategiespiel bietet es alles, was wir Spieler uns wünschen. Viele Gebäude, ein ausgereiftes Ressourcen-System und komplexe Abhängigkeiten der Bedürfnisse. Dadurch ergibt sich ein immer fortlaufender Spielfluss, der einen regelrecht in seinen Bann ziehen kann. Das Setting ist mittlerweile nichts neues oder ungewöhnliches mehr, aber die Entwickler haben ihre eigenen Kreationen geschickt mit eingebaut, so dass es nicht zu futuristisch wirkt. Die ersten Kampagnen haben Lust auf mehr gemacht und mit nicht einmal 30 Euro als Preis ist Aven Colony sicherlich für Fans des Spiele-Genres ein willkommenes Spiel für nicht ganz so viel Geld.
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