Test: Big Cityz

Mit lehrreichen Spielen ist es immer so eine Sache. Lernen lässt sich mit ihnen zwar oft schon etwas, leider bleibt der Spaß dabei aber nicht selten auf der Strecke. Das vorliegende Big Cityz vom Moses-Verlag wagt trotzdem den Spagat zwischen Wissensvermittlung und Spielspaß. Im Spiel dreht sich alles um das Thema Erdkunde, genauer gesagt um die großen Metropolen der Welt, von denen ihr spielerisch so einiges erfahren könnt.

In Big Cityz geht es auch nicht darum, einzelne Städte um Detail zu kennen. Es reicht meist schon, eine grobe Vorstellung davon zu haben. Ihr habt also durchaus gute Chancen auf den Sieg, selbst wenn ihr kein Erdkunde-Lehrer seid.

Wie viele Einwohner hat eigentlich Kiew?

Auf dem Spielfeld werden zunächst vier große Karten mit unterschiedlichen Aussagen platziert. Insgesamt liegen dem Spiel zwölf dieser Aussagen bei, die auf eine Stadt zutreffen können. Die Kategorien lauten im Folgenden: Wurde vor 1700 gegründet, Liegt südlich des Äquators, Liegt höher als Garmisch-Partenkirchen (708m ü. NHN), Hat eine Durchschnittstemperatur wie Freiburg im Breisgau (11°C) oder höher, Ist fünf oder mehr Zeitzonen von Berlin entfernt, Hat einen internationalen Flughafen, Hat 1 Million oder mehr Einwohner, Hat mehr Fläche als München (310 km²), Auf den Straßen der Stadt gilt Linksverkehr, Liegt in Europa oder Asien, Liegt am Meer, Ist die Hauptstadt des Landes.

Jetzt fehlen nur noch die Städte. Mit 200 Städtekarten ist das Spiel ziemlich gut ausgestattet. Auf jeder Karte seht ihr den Namen der Stadt auf der Vorderseite, auf der Kartenrückseite befinden sich alle relevanten Informationen. Wenn ihr an der Reihe seid, nehmt ihr die obere Städtekarte vom Nachziehstapel. Jetzt gilt es, die Stadt einer der vier ausliegenden Aussagen zuzuordnen.

Größer oder kleiner?

Auf jeder Aussagenkarte befinden sich vier Felder mit unterschiedlicher Punkteausbeute. Auf den zwei grünen Feldern könnt ihr, Bezug nehmend auf die gezogene Stadt, der Aussage zustimmen. Wählt ihr eines der beiden roten Felder, so widersprecht ihr der Aussage. Bleiben wir beispielsweise bei der Stadt Kiew. Ihr könnt die Städtekarte einer der ausliegenden Aussagen zuordnen und dieser entweder zustimmen oder widersprechen. Wenn ihr glaubt, dass Kiew mehr als eine Million Einwohner hat, schiebt ihr die Karte auf ein grünes Feld der Aussagenkarte. Ihr denkt, dass Kiew eher kleiner ist? Dann legt ihr die Karte einfach auf ein rotes Feld.

Möglicherweise seid ihr euch aber auch nicht ganz sicher, was die Einwohnerzahl der Stadt betrifft. Vielleicht findet ihr jedoch auf dem Spielfeld eine andere Aussage, bei der ihr euch sicherer fühlt. Kiew? Das ist doch die Hauptstadt der Ukraine. Bingo! So lassen sich die Punkte kassieren, ohne auch nur einen Schimmer davon zu haben, wie viele Einwohner die Stadt nun eigentlich hat. Da euch immer verschiedene Aussagen offenstehen, steigen auch die Chancen, einen Treffer zu landen.

Expertenmeinung

Auf dem Spielbrett befinden sich noch einige weitere Ablagefelder für die Städtekarten. Sie befinden sich zwischen den Aussagekarten. So könnt ihr gleich zwei Aussagen miteinander kombinieren. Kiew hat mehr als eine Million Einwohner? Check! Kiew ist eine Landeshauptstadt? Doppel-Check! Legt nun die Karte auf das passende Feld zwischen den beiden Aussagenkarten, um zusätzliche Siegpunkte einzuheimsen. Doch Vorsicht! Geht der Tipp in die Hose, handelt ihr euch ein paar Strafpunkte ein.

Damit es nicht zu einseitig wird, werden die Aussagekarten im Spielverlauf immer wieder ausgetauscht. Der Austausch ist möglich, sobald eine Aussagenkarte mit einer bestimmten Anzahl von Städtekarten bestückt wurde. So kommen ständig neue Auswahlmöglichkeiten ins Spiel.

Veto!

Weiterhin habt ihr noch die Möglichkeit, während des Spielzugs eines Mitspielers ein paar Extra-Punkte zu generieren. Wenn ihr euch sicher seid, dass sich ein Mitspieler mit seiner Vermutung total verhauen hat, dürft ihr ein Veto einlegen. Habt ihr mit eurem Veto Recht behalten, gibt es eine Belohnung von drei Zusatzpunkten. Falls nicht, werden jedoch drei Punkte wieder vom Konto abgezogen. Jeder Spieler darf zweimal pro Partie vom Veto-Recht Gebrauch machen.

Das Spiel endet, sobald es einem Spieler gelungen ist, mit dem Siegpunktzähler einmal das Spielfeld zu umrunden. Dies dauert meist nicht viel länger als eine halbe Stunde. Big Cityz lässt sich mit zwei bis sechs Spielern ab 12 Jahren spielen und kostet etwa 20€.

lehrreich und trotzdem spaßig
kompaktes Wissen über 200 Städte
benötigt kein langes Regelstudium
für Geographie-Legastheniker frustreich

Sebastian Hamers

Man muss kein Geographie-Crack sein, um in Big Cityz abzuräumen. Ein gesundes Halbwissen ist jedoch von Vorteil. In vielen Fällen lässt sich eine Stadt damit irgendwo halbwegs sicher ablegen. Ist euch die Stadt völlig unbekannt, tappt ihr allerdings im Dunklen. Höchstens an der Schreibweise des Städtenamens kann dann noch eine vage Vermutung über eine Aussage angestellt werden. Wenn sich diese Vermutung am Ende sogar noch als richtig erweist, stellt sich ein zufriedenes Gefühl ein. Ein wenig Interesse an geographischem Wissen solltet ihr aber schon mitbringen, um an Big Cityz Gefallen zu finden. Wenn ihr das gesamte Spiel über einfach nur blind raten müsst, erstickt der Spielspaß im Keim. Mir hat Big Cityz sehr viel Spaß gemacht, auch wenn ich über die meisten Städte nur ein sehr rudimentäres Wissen verfüge. Doch das reicht vollkommen aus, um mit dem Spiel eine gute Zeit zu haben.
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