Test: Black Desert Online

Black Desert Online 2

Im Charakter Editor kann sich jeder austoben – und schauen wie er im Endgame Gear ausschaut.

Wir schreiben das Jahr 2013 – ein unbekanntes Korea-MMO setzt die MMO-Szene in Aufruhr, der Trailer zum Charakter Editor von Black Desert Online hat es in die Weiten des World Wide Web geschafft, und begeistert mit einer verblüffenden Liebe zum Detail. Ab diesem Zeitpunkt war auch bei uns das Feuer entfacht. Was ist Black Desert Online für ein MMO? Ist es gut? Kommt es in den Westen? Steckt mehr hinter der optischen Fassade, die viele Konsolentitel vor Neid erblassen lässt? Lange blieb es still um Black Desert Online, doch im Jahr 2016 zeigten sich Pearl Abyss mit Hilfe von DAUM gnädig und veröffentlichten den ehemaligen Free 2 Play-Titel auch in der westlichen Hemisphäre. Wir haben uns die letzten Wochen durch die Welt von Black Desert Online geschlagen und sind mit der Realität des Spiel in Berührung gekommen.

Optischer Leckerbissen

Wie zu erwarten war, ist die Grafik von Black Desert Online das absolute Nonplusultra in Sachen Multi Massive Online Role Play Games, selten hing unsere Kinnlade solange soweit unten. Selten hat man so viel Zeit im Charakter Editor verbracht, selten konnte man sein Alter Ego in diesem Grade personalisieren. Zum Start des MMOs in der westlichen Welt haben wir  die Auswahl zwischen einem männlichen Krieger, weiblicher Valkyrie, weiblicher Hexe, weiblichem Bogenschützen, weiblichen Tamer, männlichem Berserker und männlichem sowie weiblichen Zauberer. Ist die Auswahl auf eine der Klassen gefallen, gilt es sich sein Gesicht zu basteln. Von der Form der Wangenknochen, über die Länge der Augenbrauen, bis hin zur Form der Waden – alles lässt sich hier nach den einen Vorlieben gestalten.

Black Desert Online

Wenn auch häufig die Geschichte vorangetrieben wird, ist sie leider nur ein schwaches Mittel zum Zweck.

Wer sich allein an einer wunderhübschen Grafik ergötzen will, ist bei Black Desert Online auf alle Fälle an der richtigen Adresse, da gibt es keine zwei Meinungen. Ist der Charakter erstellt und die Welt betreten, geht die Augenweide auch gleich weiter. Sofern die Rechnerleistung es zulässt, erwartet einen eine dichte Welt, bestehend aus üppigen Wäldern, grünen Feldern und hübschen kleinen Städtchen, die zum Handel treiben einladen.

Vom Kampfsystem und Pferdezucht

Doch spielt sich Black Desert Online auch so gut wie es aussieht? Das Kampfsystem ist vor allem eines: dynamisch. Ihr hüpft, rollt und slidet beim Kämpfen um eure Gegner. Schnell wird dem gemeinen PC-Spieler klar, dass hier beispielsweise bei Diablo die Inspiration geholt wurde. Gegner, egal wie groß die Gruppe auch sein mag, fallen mit ein bisschen Können wie die Fliegen. Die Kombos gehen dabei sehr intuitiv von der Hand, denn die Fähigkeiten lassen sich nicht nur über die Ziffern 1-9 vollführen, sondern liegen auch links und rechts von dem WASD-Laufschema und den Maustasten, und werden einem nebenbei in den ersten Spielstunden beigebracht. Spaß macht das die ersten 20 Stunden schon, nur auf lange Sicht tritt hier eine gewisse Monotonie ein, denn egal wie groß der Lebensbalken ist, wirklich kein Gegner stellt den Spieler vor eine große Herausforderung. So lassen sich auch die ersten Koop-Quests, in denen große Oger und Goblins umgehauen werden sollen, sehr leicht alleine niederstrecken.

So sieht es auch später nicht viel anders aus. Wer sich ein wenig Fordern möchte, betreibt hier dann lieber PvP – die Player vs Player-Gefechte fordern hier dann doch mehr als das bloße Hämmern der Tasten, um eine der vielen möglichen Kombinationsattacken zu vollführen.

Das Kampfsystem ist sehr dynamisch und macht eine Menge Spaß

Das Kampfsystem ist sehr dynamisch und macht eine Menge Spaß

Es sei einem aber gesagt, dass gerade die Levelphase mehr als Grindlastig ist. Bereits die erste richtige Aufgabe im Spiel schickt den Spieler los, um kleine Käfer zu töten – ein intelligentes Questdesign sucht man leider vergebens. Nur spärlich offenbaren sich kleine Aufgaben, die die Monotonie des Tötens durchbrechen. Eigentlich schade!

Wer Abwechslung sucht, lässt das Leveln sein und beschäftigt sich mit dem umfangreichen Handels- und Berufesystem. Über das Node-System lassen sich Handelsrouten erschließen und mit in den Städten angeheuerten Arbeitern können dann Waren umschlagen, und ziemlich schnell viel Geld umsetzt werden. In Verbindung mit den Berufen die ihr ausüben könnt, beispielsweise Schmied, Bauer oder Angler, muss man nicht unbedingt Monster metzelnd durch die Welt laufen.  Eine andere interessante Methode, Geld zu verdienen, stellt die Pferdezucht dar. Habt ihr erstmals eure ersten beiden Pferde und sind diese männlich und weiblich, habt ihr die Möglichkeit eigene Pferde zu züchten, und anderen Spielern über einen Marktplatz gegen eine Gebühr zur Verfügung zu stellen.

Vom Housing und End Game

Besonders in westlichen MMOs ist eines Mangelware: Housing. Ein Glück ist Black Desert Online nun da. Abgesehen von Final Fantasy XIV bietet nämlich keines der größeren Genre-Vertretern die Option sich die eigenen vier Wände einzurichten. Schon früh habt ihr die Möglichkeit euch eine kleine Wohnung zu kaufen und einzurichten, vorausgesetzt das nötige Kleingeld für Möbel ist vorhanden. Gilden haben sogar die Möglichkeit sich große Gildenhäuser zu kaufen, und so kleine Städte de facto unter ihre Schirmherrschaft zu stellen. Alle umliegenden Handelsrouten können so auch unter ihre Kontrolle fallen. Eine halbwegs realistische Wirtschaft entwickelt sich so bereits früh im Spiel, und zeigt wie es auch im europäischen Mittelalter gewesen sein muss.

Black Desert Online

Ein kleiner Ausschnitt der Welt von Black Desert Online – ihr könnt euch regelrecht verlieren beim Erkunden der Landschaft.

Gildenkriege stehen dementsprechend an der Tagesordnung. Der kleine Mann bekommt von diesen aber im normalen Levelverlauf nicht allzu viel mit. Segen und Fluch des Spiels ist die Tatsache, dass Black Desert Online einem nicht vorschreibt, was ihr machen sollt, sobald ihr das maximale Level erreicht habt. Es gibt keine großen klassischen Dungeons mit dicker Beute, keinen großen Story Endboss, der die Geschichte vorantreibt. Nicht ohne Grund wurde bisher nicht ein Wort über die Handlung des Titels gesagt. Diese ist nämlich schlichtweg nicht vorhanden und trägt nichts zum Spiel bei. Sie wabert peripher vor sich her und wird mitgenommen, wann immer man sich mit ihr beschäftigen muss.

Auch das PvP-System bietet einem keine Vorteile, sobald man Level 50 erreicht hat. Abgesehen von dem Fakt, dass man gut ist und andere Spieler besiegt, bietet Black Desert Online keine andere Form der Genugtuung.

Natürlich muss sich Black Desert Online auch irgendwie finanzieren. Hier, wie bei vielen anderen F2P-Titeln auch, gibt es einen Ingame Shop und das Grundspiel muss wie bei beispielsweise Guild Wars gekauft werden. Der Ingame Shop bietet aber nur Ausrüstung kosmetischer Natur, Haus- und Reittiere und gegen eine Währung, die sich im Spiel erarbeiten lässt, auch andere Dinge wie Möbel für die eigenen vier Wände und ein weiterer Charakterslot. Den Stempel Play 2 Win muss sich Black Desert Online also nicht aufdrücken lassen.

Wunderschöne Grafik
Grandioser Charakter Editor
Dynamisches Kampfsystem
Lose Geschichte
Monotones Questen
Spärliches Endgame
PvP ohne richtiges Belohnungssystem

Ole S.

Black Desert Online ist ein wunderschönes Sandbox Spiel, ganz in der Manier von Grand Theft Auto und Co. Das große Problem von Black Desert ist aber, dass es dem Spieler zu viele Freiheiten lässt und dabei vergisst zu erklären, was du eigentlich alles machen kannst und wie es funktioniert, sofern du dich mit einer Tätigkeit beschäftigen möchtest. Jenseits des großartigen Charakter Editors und dem wirklich gelungenen Kampfsystem fehlt es an einem kohärenten Spieldesign, der viele Spieler den Spaß an dem eigentlich sehr potenten Titel raubt.
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