Test: Bravo Team

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Test Bravo Team

Bravo Team schickt euch an die Front

Der VR-Shooter aus dem Hause Sony entstand unter der Regie von Supermassive Games. Seit dem 08. März sorgt Bravo Team für Schlagzeilen – nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass endlich wieder ein Titel mit Unterstützung für den Aim Controller kommt.  Viele hatten enorme Hoffnungen in diesen vergleichsweise großen VR-Titel gesteckt. Doch ist das virtuelle Geballer wirklich überzeugend?

Der Jahrmarkt ist eröffnet

Test Bravo Team

Die Gegner reihen sich auf wie Pappkameraden

Ein idyllischer Tag auf dem Rücksitz eines Millitärjeeps, der aus unerfindlichen Gründen durch eine namenlose Stadt fährt. Plötzlich bricht Alarm aus und unsere Beifahrerin, die uns gerade noch Fotos von ihren Kindern zeigte, wird aus dem Auto gezerrt. Man selbst erwacht nach einer Explosion, an das Wrack eines anderen Fahrzeugs gelehnt, und muss mit ansehen, wie einer aus der Truppe durch einen gezielten Kopfschuss ins Jenseits befördert wird. Doch jetzt beginnt der Terror erst richtig. Man erhebt sich und beginnt die anstürmenden Gegnerwellen mit dem letzten, verbliebenen Teammitglied zusammen zur Strecke zu bringen. Gleichzeitig erhält man über Funk Informationen zur Situation und Aufträge: „Wir werden nicht noch jemanden verlieren“ rauscht es durch die Ohrmuschel.

Brisanter Start für ein Spiel, das einem eine Realität vorgaukeln möchte. Doch durch verschiedene Gameplay-Entscheidungen wird die Immersion immens gehemmt. Es handelt sich nicht direkt um einen taktischen Shooter, denn das Ganze entwickelt sich eher zu einer Schießbude. Also einem Railshooter, bei dem ihr selbst entscheidet, von wo aus ihr die hirnlosen Maskenmänner eliminiert. Ein weiterer Dämpfer ist die permanente Änderung der Perspektive, wenn man nicht gerade hinter einer Deckung ausharrt oder die Gegner mit Sperrfeuer penetriert. Beim Deckungswechsel, bei der Munitionsaufnahme  oder beim Warten auf die Wiederbelebung wandert die Kamera aus der Egoperspektive und lässt den Spieler die Spielfigur von außen betrachten. Außerdem findet der Deckungswechsel nicht durch Eigenbewegung , sondern durch das Auswählen der Position und der darauffolgenden Betätigung des X Buttons, statt. Dies sind alles Faktoren, die verhindern, dass man sich wirklich als Teil der Situation fühlt.

 

Plastik aus der Rüstschmiede

Test Bravo Team

PS VR Aim ist essenziell für das Spielgefühl

Eine extreme Bereicherung für das Spiel ist der Sony PS VR Aim Controller. Die minimalistische Nachbildung einer Langfeuerwaffe ermöglicht besseres Zielen und das Gefühl, tatsächlich eine Waffe in der Hand zu halten. Leichte Vibrationen beim Abdrücken unterstützen den Effekt. Tatsächlich ist es aber auch kaum möglich, Bravo Team ohne den speziellen Controller zu spielen, denn Kimme und Korn sind essenziell. Problematisch wird es, wenn man auf die sekundäre Einhandwaffe wechselt. Es fühlt sich einfach falsch an, eine Pistole im Griff eines Gewehres zu halten. Man hätte hier tatsächlich auf kleinere Waffen verzichten sollen. Außerdem macht das Zielen zwar Spaß, erfordert aber, dass ihr kurzfristig ein Auge schließt, was das VR-Gefühl weiter behindert.

Im Multiplayer könnte sich doch ein taktisches und vielleicht auch spaßiges Spielgefühl etablieren. Mit einem Freund von Deckung zu Deckung zu hechten und sich beim Geballer abzusprechen bringt etwas Fahrt in das Spiel. Die KI Kumpanen hingegen helfen kaum. Man kann zwar taktische Befehle geben und Positionen festlegen, doch ein wirklicher Mehrwert entsteht nicht. Dazu muss man sich noch hirnrissige Kommentare wie:“ Jaa, kein Sieg für die Bösen“ anhören. Das Spiel enthält neben der Kampagne noch einen Punktemodus, dieser wirkt aber eher wie ein vergeblicher Versuch, die kurze Story zu kaschieren.

Ernüchterung im Kampfgetümmel

Test Bravo Team 4

Grafisch solide und trotzdem ernüchternd

Grafisch ist Bravo Team leider auch nicht auf dem höchsten Niveau. Wahrscheinlich machten die Entwickler hier einige Kompromisse, um die Performance zu verbessern, doch was Detailgrad und Texturen angeht, hat man in anderen PS VR-Spielen schon deutlich besseres gesehen.

Alles in allem ist die Erfahrung Teil des Bravo Teams zu sein eher ernüchternd. Man schießt sich durch leblose Betonlandschaften und weiß nicht mal genau warum. Das Spiel nimmt nicht wirklich Fahrt auf und nutzt nicht alle Möglichkeiten der PS VR. Die Möglichkeiten, die genutzt wurden, sind mehr schlecht als recht umgesetzt und der eigentliche Sinn, sich im Geschehen eines erbitterten Kampfes gegen Terroristen wiederzufinden, wurde verfehlt. Wenn man bedenkt, dass das Spiel im Bundle mit dem notwendigen Controller rund hundert Euro kostet, raten wir euch eher vom Kauf ab.

PS VR Aim Controller ermöglicht handliches Zielen
VR-Möglichkeiten verfehlt
Schwache Story
Kaum Handlungsspielraum
Verblödete KI
Zähes Pacing

Giacomo Wiesenberg

Bravo Team hätte der erste große Hit für den VR-Markt werden können. Einen actiongeladenen Shooter hautnah mitzuerleben, wäre eine Spielerfahrung gewesen, welche der virtuellen Realität Tür und Tor geöffnet hätte. Leider bleibt es hier beim hätte, denn die Entwickler haben ihre Möglichkeiten nicht genutzt. Selbst kleine Indie Titel weisen eine höhere Immersion auf als der eintönige Railshooter. Fragwürdige Design- und Gameplay-Entscheidungen führen dazu das der ersehnte Spielspaß zum stumpfen Niedermähen von Pappkameraden verkommt.
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