Test: Calavera

Schwer im Trend: Roll’n’Writes

Es ist immer wieder spannend zu sehen, welchen Trends und Bewegungen unsere Hobbies unterworfen sind. Mal ist Echtzeitstrategie schwer in Mode, mal sind Rollenspiele en vogue oder es sind die Action-Adventures, die einen enormen Aufwärtstrend erleben. Bei den Brettspielen gibt es ähnliche Phänomene. Derzeit erfreuen sich Roll’n’Writes einer großen Beliebtheit. Das Spielprinzip ist dabei genauso wenig neu wie kompliziert. Ihr würfelt mit einer Zahl von Würfeln und notiert Ergebnisse auf einem Blatt Papier. Den gleichen Grundmechanismus hat Kniffel schon in den 1950er Jahren praktiziert. Als einer der modernen Nachfolger bringt der Moses-Verlag nun sein Spiel Calavera in den Handel. Der Autor des Spiels ist beileibe kein Unbekannter. Klaus-Jürgen Wrede ist ebenso Vater des Millionensellers Carcassonne.

Die Verwandtschaft mit Kniffel lässt sich nicht leugnen. Genau wie beim Klassiker werft ihr in Calavera mit fünf sechsseitigen Würfeln. Anschließend dürft ihr zweimal neu würfeln, bevor ihr ein Ergebnis auf eurem Spielblock eintragt. Alles wie gehabt also. Ein dreister Kniffel-Klon ist Calavera aber nicht. Vor allem echte Zocker kommen bei diesem Spiel voll auf ihre Kosten.

Es wird bunt

Ein erster Unterschied zu Kniffel tritt bereits beim Betrachten der Würfel zutage. Statt der Augenzahlen seht ihr auf den Würfelflächen vier verschiedene Farben sowie zwei Sondersymbole. Die Farben finden sich auch auf dem Spielblock wieder. Dieser verfügt über vier Zeilen, eine für jede Farbe. Nach dem dritten Wurf dürft ihr euch für eine Farbe entscheiden und für jeden Würfel, der die passende Farbfläche zeigt, ein Kreuz in der Reihe der Farbe markieren.

Erst wenn ihr in einer Farbreihe das sechste Kreuz gemacht habt, bekommt ihr für diese Reihe am Spielende auch Siegpunkte. Je mehr Kreuze ihr macht, desto mehr Punkte springen für euch heraus. Allerdings dürft ihr die Jagd nach den Kreuzchen auch nicht übertreiben. Am Ende einer jeden Reihe wartet die Todeszone auf euch. Habt ihr also zu viele Kreuze gemacht, fällt eure Punktzahl drastisch ab. Ein Feld weiter und sie fällt auf null, im letzten Feld der Reihe gibt es sogar Minuspunkte.

Die Mitte finden

Folglich solltet ihr am besten irgendwann aufhören, weitere Kreuze in einer Reihe zu machen. Ihr könnt euren Punktestand sichern, indem ihr eine Reihe abschließt. Dies ist mit den Rosen-Symbolen möglich, die sich auf den Würfeln befinden. Je nachdem wie weit ihr mit euren Kreuzen schon vorangekommen seid, benötigt ihr entweder zwei oder drei Rosen-Symbole, um eine Reihe abzuschließen. Die Punkte einer abgeschlossenen Reihe kann euch niemand mehr nehmen.

Wollt ihr gerade keine Reihe abschließen, könnt ihr die Rosen auch als Joker verwenden und sie für jede andere Farbe einsetzen. Neben den Farbflächen und den Rosen weisen die Würfel noch ein weiteres Symbol auf: den Totenkopf. Er verspricht natürlich nichts Verheißungsvolles. Wenn ihr euch einen Totenkopf erwürfelt, bleibt dieser immer liegen. Ihr dürft ihn im zweiten oder dritten Wurf nicht erneut werfen. Habt ihr das Pech und vor euch liegen gleich drei oder mehr Totenköpfe, dann ist euer Zug sofort beendet und ihr dürft diesmal überhaupt kein Kreuz machen.

Verfluchte Totenschädel

Was des einen Pech, ist des anderen Glück. Eure Mitspieler werden nun von eurem Würfelpech profitieren. Sie dürfen den Würfelwurf nun zu ihren Gunsten einsetzen, sich für eine Farbe entscheiden und ihre Kreuze auf dem eigenen Spielbogen setzen. In etwas abgeschwächter Form wird diese Regel nach jedem Wurf angewendet, auch wenn keine drei Totenköpfe geworfen wurden.

Nach dem Abschluss eines Wurfes dürfen sich alle passiven Spieler für eine Farbe entscheiden und sie auf ihrem Bogen eintragen. Sie dürfen dabei allerdings nicht die Farbe wählen, für die sich schon der aktive Spieler entschieden hat. Diese ist exklusiv für ihn reserviert. Drei geworfene Totenköpfe sind aber natürlich trotzdem ziemlich ärgerlich. Zum einen dürft ihr selbst keine Kreuze zeichnen, zum anderen haben die anderen Spieler nun möglicherweise die Chance auf ein ziemlich attraktives Ergebnis.

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Werfen wir nochmal einen Blick auf den Spielbogen. Er besteht wie bereits erwähnt aus vier Farbreihen. Sie sind in verschiedene Sektionen unterteilt. Im ersten Teil werden noch keine Punkte vergeben, im Mittelteil erhaltet ihr zwischen vier und zehn Siegpunkten. Dann geht es in die Todeszone. Zusätzlich wird das Feld noch durch drei rote Linien unterteilt. Diese roten Linien stellen kleine Zwischenetappen dar, mit denen ihr zusätzliche Punkte generieren könnt.

Sobald ihr eine Linie mit allen vier Farbreihen überschritten habt, werden euch die Bonuspunkte gutgeschrieben. Schnelligkeit wird dabei belohnt. Gelingt euch diese Aufgabe als Erster, bekommt ihr ein paar Punkte mehr als die Spieler, die das Ziel nach euch erfüllen. Unter Umständen können diese Bonuspunkte am Ende über den Sieg entscheiden.

Kurz und knackig

Das Spiel endet, sobald es einem Spieler gelungen ist, alle vier Farbreihen auf seinem Bogen abzuschließen. Anschließend müsst ihr noch schnell die Siegpunkte dazu addieren, um den Sieger zu ermitteln. In der Regel braucht ihr für eine Partie nur selten länger als zwanzig Minuten. Das gilt selbst dann, wenn ihr Calavera in der Maximalbesetzung mit vier Spielern zockt. Calavera ist ab sofort im Handel für rund 10€ verfügbar.

weckt den Zocker in dir
schnell erklärt und schnell gespielt
üppiger doppelseitiger Spielblock
ansprechend verpackt
Würfel etwas klein

Sebastian Hamers

In den letzten Monaten kam eine Vielzahl an wirklich guten Rol’n’Write-Spielen in den Handel. Braucht es da ein Spiel wie Calavera überhaupt noch? Natürlich ähnelt der Vertreter von Moses den anderen Genre-Kollegen in einigen Belangen, wartet aber dennoch mit ein paar besonderen Eigenheiten auf. Im Mittelpunkt steht vor allem die stark ausgeprägte Zocker-Mechanik. Bei der Jagd nach den Punkten seid ihr darauf bedacht, eure Farbreihen schnell mit möglichst vielen Punkten zu bestücken. Ab einem bestimmten Punkt im Spiel stellt sich die ganze Sache aber auf den Kopf. Jetzt bloß möglichst keine Kreuze mehr einsammeln und die Reihe schnell zum Abschluss bringen. Je gieriger ihr beim ankreuzen gewesen seid, desto schwieriger wird das Abschließen der Reihe allerdings. Eure Mission wird zudem hin und wieder durch ein Totenkopf-Trio boykottiert. Obwohl selbst dieses Trio Infernale euch manchmal zum Vorteil geraten kann. In der Schlussphase kommt es vor, dass sich eure Mitspieler vielleicht sogar über eure Totenschädel ärgern, da sie dann gezwungen werden, ihre Kreuze zu setzen. Das sind die Momente, in denen Calavera besonders spannend wird und für einige Überraschungen sorgen kann. Das perfekte Roll’n’Write für Zocker!
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