Test: Call of Duty: Infinite Warfare

Überraschung! Infinity Ward schickt ein neues Call of Duty in den alljährlichen Vorweihnachtskrieg, dieses Mal hört es auf den Namen Infinite Warfare. Der Titel klingt nicht nur vorweihnachtlich, sondern auch nach einer unfreiwilligen Selbstbeschreibung der noch immer sehr beliebten Spielserie. Ob die neuste Inkarnation es schafft etwas Schwung in das Franchise zu bringen, oder schlicht mit anders gefärbten Segeln als in den letzten Jahren in den Krieg zieht, lest ihr in unserem Test.

Infinite Warfare Review

PEW PEW PEW… In Space!

Was wurde nicht schon alles über den penetranten Patriotismus und die unbrechbare Amerikaliebe der Call of Duty-Spiele geschrieben. Über Weltkriege, Vietnam bis hin zu fiktiver moderner Kriegsführung versuchte man sich so ziemlich an allen Themenbereichen und allen Möglichkeiten der Ehrgewinnung die der gute alte Krieg zu bieten hat, da scheint es nur logisch nun den nächsten Schritt zu gehen und in die Zukunft zu blicken. Während Spieler diesen konsequenten Schritt durch Missmut straften und sich laut Youtube-Wertungen lieber auf den “frischen“ 1. Weltkrieg freuten, präsentieren sich die ersten Schritte in Infinite Warfare eigentlich ungewöhnlich unverbraucht für die Call of Duty-Reihe. So findet man sich in einem Zukunftsszenario wieder, in dem die Menschheit die Final Frontier schon längst überschritten hat und den Weltraum sein eigen nennen kann.

Raumschiffe gehören zum normalen Bild wenn man den Kopf gen Himmel streckt und auch Roboter sind ganz alltäglich für die Augen der Bevölkerung. Was storytechnisch in Call of Duty: Infinite Warfare geschieht ist allerdings schwer in Worte zu fassen. Nicht weil die Geschichte so emotional ist oder ausgeklügelt mit etablierten und innovativen Erzählformen jongliert, nein, ich habe schlicht und einfach nicht verstanden was mit mir und um mich herum eigentlich passiert ist. Dabei habe ich wirklich versucht dem Ganzen so gut es geht zu folgen. Nachfolgend versuche ich euch so gut es geht wiederzugeben, was ich glaube, was in Infinite Warfare passiert ist.

Call of Duty/ Playstation-4-Version/ Test

Die Menschheit hat sich zu einer großen Gesellschaft zusammengerafft, wobei wir natürlich in die Haut eines amerikanischen Heißsporns schlüpfen. Weil alle Menschen sich nun mögen wird ein großes Fest des Friedens in Genf gefeiert, welches von anderen, diesmal bösen, Menschen (?) unter der Schirmherrschaft von Jon Snow angegriffen wird. Unser aller Lord Commander Kit Harrington verkörpert eben diesen Fiesling, der sich allerdings nur als großer Werbegag herausstellt, bekommt er doch während der gesamten Kampagne ungelogen eine Screentime von höchstens drei Minuten spendiert.

Natürlich können wir diesen terroristischen Anschlag nicht auf uns sitzen lassen und versuchen daher… ja was versuchen wir eigentlich? Wollen wir nur Jon Snow um die Ecke bringen, oder gleich seine gesamte Gefolgschaft? Könnte man nicht auch Friedensverhandlungen erwägen? Warum wurde die Erde eigentlich angegriffen und wer sind die Angreifer überhaupt, sind sie Aliens oder auch Menschen? Wer nach Antworten dieser Fragen sucht ist definitiv falsch bei Infinite Warfare. Die Kampagne ist eine halsbrecherisch und explosiv inszeniert Achterbahnfahrt bei der man von der einen Attraktion so schnell wie möglich zur nächsten gebracht wird. Wieso und warum und wofür eigentlich, das spielt keine Rolle. Zwar wird das bestimmt irgendwann, irgendwo gesagt, die Dialoge von Infinite Warfare sind aber so triefend vor Pathos und gähnender Langweile, Zahlen und Namen die sich wirklich niemand je merken kann, dass es schier unmöglich ist länger als zwei Minuten aufmerksam zu bleiben.

infinite-warfare-review-2Jedenfalls… wo waren wir… ja, also dann ist man mit einem kleinen Raumschiff auf dem Weg ins Weltall um auf ein größeres Raumschiff zu gelangen, woraufhin wir grundlos sofort zum Kapitän des Schiffs befördert werden und ganz im Stile von Mass Effect unsere nächste Mission auf einer coolen Holo-Karte auswählen können. In den nächsten 6-7 Stunden freundet man sich mit seinem Robo-Buddy Ethan an und verbreitet mit Schrot und futuristischen Laserwaffen Frieden in der Galaxis. Ja… und dann stürzt man den Oberschurken (oder etwa doch nicht?) und kann sich über den Abspann freuen. Spielerisch hat mir dieser mehr als fragwürdige Michael Bay-Trip aber tatsächlich recht gut gefallen, Infinite Warfare scheut sich anders als andere Teile der Reihe nicht neue Gameplayansätze zu verbauen.

Besonders hervorzuheben sind hier die regelmäßig stattfindenden Flug-Missionen die zwar sehr simpel gehalten sind aber eine Menge Spaß bereiten. Ab und an werden euch auch kleinere Boss-Gegner in Form von großen Robotern in den Weg geworfen, oder ihr findet euch in einem komplett schwerelosen Spielabschnitt wieder. Das lockert das eintönige Kriegsgeschehen massiv auf und lässt zumindest spielerisch keine Langeweile aufkommen. Zudem bekommt ihr außerdem allerhand technische Gadgets wie kleine Drohnen, mobile Schilde oder auch Hacking Module an die Hand, damit die anstürmenden Gegnermassen nicht nur mit eurer langweiligen Flinte erlegt werden müssen. Gelobt werden sollte an dieser Stelle auch die Optik, die im Gegensatz zum generischen Artstyle des Spiels wirklich sehr hübsch ausgefallen ist.

infinite-warfare-review-4Die üblichen Verdächtigen

Neben der eigentlichen Kampagne ist die Infinite Warfare-Disk natürlich noch reichlich mit anderen Leckereien befüllt. Als erstes zu nennen wäre da mit dem Multiplayer-Modus das eigentliche Herzstück des Spiels. Viel gibt es hier aber eigentlich auch nicht zu melden, wer schon einmal ein Call of Duty in die Finger bekommen hat, weiß was er bekommen wird. Entweder man mag den blitzschnellen und reflexorientierten Ansatz von Call of Duty oder man mag ihn nicht. Neu sind hier Kampfrüstungen, die je nach Spielstil gewählt werden können und eine taktischere Komponente ins Spiel bringen sollen. Nach besonders kreativen neuen Spielmodi sucht man hier allerdings leider vergeblich.

Neben dem kompetitiven Multiplayer könnt ihr euch wie gewohnt auch in den Zombie-Modus stürzen und den untoten Horden in einem trashigen 80er-Setting den Garaus machen. Das ist wirklich cool und spaßig, viel interessanter ist allerdings das Extra welches der Legacy-Edition des Spiels beigelegt wurde. Dort bekommt man nämlich obendrauf noch einen Download-Code zum Remaster vom orginalen Call of Duty: Modern spendiert. Eine tolle Zugabe, die man sich in dieser Art für mehr Spiele wünschen würde. Einzig ärgerlich dabei ist allerdings, dass das Downloadspiel nur mitsamt der Infinite Warfare-Disk gespielt werden kann.

Spielerisch kurzweilige aber spaßige Achterbahnfahrt
Grafisch sehr hübsch
Multiplayer-Nachschub samt neuer Kampfrüstungen
Toller Zombie-Modus
Modern Warfare Remaster in der Legacy Edition
Explosionen!
Absolut alberne, wirre und unverständliche Story
Kit Haringtons Auftritt mutiert zum Werbegag
Langweiliger und generischer Artstyle
Wenige spielerische Neuerungen
Explosionen!

Jonas Dirkes

Eigentlich will man gar nicht so viel meckern, im Grunde wird einem mit Call of Duty: Infinite Warfare ja ein tolles Paket geschnürt. Man bekommt eine spielerisch kurzweilige Kampagne, einen Multiplayer der die meisten wohl abermals ein ganzes Jahr beschäftigen wird und obendrein noch ein komplettes Remaster zu Call of Duty: Modern Warfare wenn man zur Legacy Edition greift. Allerdings sollte man kein Auge zudrücken und durchaus meckern dürfen. Viel neues wagt auch dieses Call of Duty nicht und was einem hier für eine hanebüchene Story als großes Drama verkauft wird ist einfach unerträglich. Im Grunde ist Infinite Warfare die Videospiel-Variante eines Starship Troopers, nur dass es sich leider wirklich Ernst nimmt. Spieler mit Hirn bleiben so leider auf der Strecke.
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