Test: Calvino Noir

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Der in Schwarz-Weiß gehaltene Stealth-Sidescroller Calvino Noir verschlägt uns ins Wien der 30er-Jahre. Wir tauchen hierbei mit verschiedenen Charakteren in das Film Noir-Geschehen ein, dessen Geschichte mit einer Brise Dystopie verfeinert wurde. Grundsätzlich bietet Calvino Noir also gute Voraussetzungen, um ein spannendes Spielerlebnis abzuliefern. Ob das Spiel seine Versprechen halten kann, werden wir euch im Laufe des Tests näher bringen.

Willkommen bei Calvino Noir!

Der Grafikstil, welcher durch seine unterschiedlichen Graustufen die hübschen Gebäude Wiens gut in Szene setzt, kann gleich zu Beginn begeistern. Zudem machen sich die ausgesprochen kurzen Ladezeiten kaum bemerkbar. Bereits nach wenigen Schritten kommen wir erstmals in den Genuss der englischen Sprachausgabe.

Diese löste bei mir im ersten Moment gemischte Gefühle aus. Denn einerseits musste ich aufgrund des Akzents, welchen das britische Studio für englischsprechende Österreicher als passend hielt, beim ersten Mal Tränen lachen, andererseits könnte ich als Bürger ebendieses Landes die übertrieben schlechte englische Aussprache durchaus persönlich nehmen. Im Endeffekt nahm ich es jedoch mit Humor und kicherte bei den folgenden Dialogen weiter fröhlich vor mich hin.

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Leucht‘ mir nicht in die Augen, Kleines!

Nach einer kurzen Einführungsphase treffen wir bereits auf die ersten Gegner, welche sich durch ihre Taschenlampen bemerkbar machen. Wie wir mit diesen verfahren, hängt von unserem jeweiligen Charakter ab. Denn im Laufe des Spiels übernehmen wir die Kontrolle über unterschiedliche Charaktere, von welchen jeder eine einzigartige Fähigkeit bietet. Während wir mit Wilt in der Lage sind Wachen zu erwürgen und als Maulwurf sogar gänzlich von diesen ignoriert werden, müssen alle anderen Charaktere versuchen, den Wachen bestmöglich auszuweichen.

Dabei haben wir die meiste Zeit über die Möglichkeit per Knopfdruck zwischen den Charakteren zu wechseln, wobei jedoch in jedem Level unterschiedliche Charakterkombinationen zur Verfügung stehen und es auch immer mit allen spielbaren Personen das Ende des jeweiligen Levels zu erreichen gilt. Dies ermöglicht uns durchaus den Einsatz unterschiedlicher Strategien, will man sich beispielsweise zuerst mit Wilt an die Wachen heranschleichen, um diese zu erwürgen, oder erforscht man erstmal ungestört mit dem Maulwurf den Weg, um anschließend die verbliebenen Charaktere an den Wachen vorbeizuschleusen. So zumindest die Theorie.

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Lasset uns schleichen – oder doch nicht?

In der Praxis erwies sich nicht selten stumpfes drauflos Laufen als der wirkungsvollste Weg, was wiederum auch nicht immer funktionierte und mich schließlich zum wohl ausschlaggebendsten Kritikpunkt an Calvino Noir führt. Manche mögen es herausfordernd nennen, andere wiederum frustrierend, denn scheitert man mit taktischem Vorgehen das zehnte Mal am selben Kontrollpunkt und schafft anschließend das Level indem man einfach versucht durchzustürmen, wirkt dies alles andere als motivierend, vor allem nicht in einem Stealth-Spiel. Noch frustrierender wird es nur, wenn beide Wege nicht ans Ziel führen und nur noch wiederholtes Trial and Error zum Erfolg führt. Was wiederum Spaß bringt ist die Story, die zwar nicht außergewöhnlich gut ist, aber zumindest stellenweise, trotz des frustrierenden Gameplays, eine motivierende Wirkung auf mich als Spieler hatte.

Von der technischen Seite her präsentiert sich Calvino Noir die meiste Zeit über reibungslos. Es kommt zwar praktisch durchgehen zu kleineren Schönheitsfehlern wie etwa sich schließende Türen, während wir uns noch durch sie hindurch bewegen, diese beeinflussten jedoch das Spielerlebnis in keinster Weise. Lediglich einmal kam uns beim Bedienen eines Krans ein gröberer Bug unter, welcher allerdings nach Neustart des Spiels wieder verschwunden war. Der atmosphärische Sound konnte das Flair der 30-Jahre gut einfangen und pflegt sich zusammen mit der hübschen Grafik und der unterhaltsamen Sprachausgabe gut in das Film Noir-Setting ein.

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Hübsche Inszenierung
Unterhaltsame Sprachausgabe
Motivierende Story
Einsatz unterschiedlicher Charakterfähigkeiten
Frustrierendes Gameplay
Taktisches Vorgehen führt selten zum Erfolg

Alexander M.

Calvino Noir versucht vieles und macht dabei auch einiges richtig. So wirkt das Zusammenspiel des hübschen Grafikstils, der spaßigen Sprachausgabe sowie der authentische Sound-Kulisse durchaus überzeugend. Die Story ist nicht weltbewegend, wirkt aber durchaus solide und kann stellenweise doch noch motivieren. Was dem Spiel schlussendlich das Genick bricht ist das Gameplay, welches den taktischen Ideenreichtum des Spielers nur selten belohnt und somit zunehmend frustriert. Ich hätte hier liebend gerne eine Top-Wertung vergeben, da ich großes Potential in Calvino Noir vermutete. Das abgelieferte Ergebnis ist aber im besten Fall durchschnittlich.
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