Test: Castle Rampage

Mit der richtigen Gruppe macht fast jedes Brettspiel Spaß. Oftmals scheitert ein Spieleabend jedoch daran, dass nicht genügend Spieler aufzutreiben sind. Viele Spiele funktionieren erst mit drei oder vier Spielern richtig gut. Viele Verlage und Autoren haben sich diesem Problem angenommen und Spiele entwickelt, die sich speziell an zwei Spieler richten. Zu diesen Vertretern gehört auch das brandneue Castle Rampage von Pegasus. Das Spiel nimmt das bewährte Tower-Defense-Prinzip auf und verwandelt es in ein Kartenspiel für zwei Personen, bei dem es eigentlich ständig was auf die Mütze gibt. Schreckt ihr vor keiner Konfrontation zurück, dann ist Castle Rampage euer Spiel.

In Castle Rampage geht es direkt zur Sache. Die Regeln sind innerhalb weniger Minuten erklärt und auch sonst hält sich das Spiel nicht mit großem Vorgeplänkel auf. Euer Ziel ist klar definiert: zerstört die gegnerische Festung, bevor eure eigene Burg fällt. Jede Burg besteht aus zwei Bestandteilen, dem Burgtor und der Burg selbst. Bevor ihr die Festung des Feindes stürmen könnt, müsst ihr zunächst das Tor knacken. Ist diese Hürde einmal überwunden, kann es dem Erzfeind an den Kragen gehen.

Angriff und Verteidigung

Besonders viel Vorbereitungszeit benötigt Castle Rampage nicht. Jeder Spieler zieht zu Spielbeginn insgesamt zehn Karten. Vier verdeckte Karten stellen das Burgtor dar, weitere vier verdeckte Karten stehen für die Burg selbst. Die verbleibenden zwei Karten wandern auf eure Hand. Mit ihnen könnt ihr im Spielverlauf entweder einen Angriff starten oder aber eure eigene Verteidigung weiter ausbauen.

Jede Spielkarte verfügt über vier wesentliche Informationen: einen Angriffswert, einen Verteidigungswert für das Tor sowie auch für die Burg, hinzu kommt noch ein kurzer Text, der euch über mögliche Zusatzeffekte informiert. Anhand dieser Informationen müsst ihr nun entscheiden, ob ihr die Karte für einen Angriff oder für eure Verteidigung einsetzen möchtet.

Ausbau der Verteidigung

In eurem Zug dürft ihr maximal eine Karte verwenden, um entweder euer Burgtor oder die Burg selbst zu stärken. Dazu legt ihr die Karte verdeckt unter den Burg- oder den Torstapel. Kommende Angriffe müssen diese Karte im Spielverlauf überwinden. Je mehr Karten in euren beiden Stapeln liegen, desto schwerer wird eure Festung einzunehmen sein.

Nachdem ihr möglicherweise eure Verteidigung ausgebaut habt, geht es nun direkt in den Angriff über. Dazu spielt ihr eine Karte aus der Hand. Einige Karten verfügen über einen Angriffswert, der sich mittig auf einem Schildsymbol befindet. Dieser Wert zeigt an, wie stark der Angriff auf die feindliche Burg ausfällt.

Einige Karten verlangen zuvor, dass gewisse Kosten bezahlt werden. In Castle Rampage müsst ihr jedoch nicht umständlich mit Münzen oder anderen Ressourcen hantieren. Alle Kosten werden in Form von Handkarten bezahlt. Um eine Attacke durchzuführen, müsst ihr also manchmal erst Karten von der Hand abwerfen. Die Karten sind die einzigen Ressourcen im Spiel und daher sehr wertvoll. In jeder Runde erhaltet ihr lediglich zwei neue Karten auf die Hand, setzt eure Karten also weise ein.

Einfache Abwicklung des Angriffs

Die Angriffe selbst werden ganz einfach abgehandelt. Alle Attacken richten sich immer gegen das Tor des Gegners. Erst wenn das Tor zerstört wurde, könnt ihr auch die Burg selbst angreifen. Nach einem Angriff deckt ihr einfach die oberste Karte vom Tor-, später auch vom Burgstapel, auf. Jetzt werden Angriffs- und Verteidigungswert miteinander verglichen. Die Karten im Verteidigungsstapel weisen unterschiedliche Werte für Burg- und Torstapel auf. Relevant ist an dieser Stelle natürlich nur der Wert des betreffenden Stapels. So sind einige Karten im Torstapel wertvoller als im Burgstapel, bei anderen Karten verhält es sich wieder andersherum.

Ist der Verteidigungswert größer als der Angriffswert, so wurde der Angriff erfolgreich abgewehrt. Die Angriffskarte wandert effektlos auf den Ablagestapel. Weisen Angriffs- und Verteidigungskarte den gleichen Wert auf, so werden jetzt beide Karten abgelegt. Die Burg-Defensive wurde somit wieder um ein kleines Stück geschwächt. Falls der Angriffswert die Verteidigung übertrifft, wird sogar noch eine weitere Karte des Tor- oder Burgstapels aufgedeckt.

Alle Schadenspunkte, die von der ersten Verteidigungskarte nicht egalisiert wurden, werden nun auf die nächste Karte übertragen. Der Angriff wird so lange weitergeführt, bis alle Schadenspunkte von der Verteidigung absorbiert wurden. Bei einem mächtigen Angriff kann es so durchaus passieren, dass mit einer Attacke gleich zwei oder drei Verteidigungskarten überwunden werden.

Schnell durch und gleich nochmal

Mit diesen wenigen Regeln ist das Spielprinzip von Castle Rampage auch schon komplett. Es ist wirklich verblüffend einfach. Die weiteren Regeln seht ihr auf den Karten selbst. Hier findet ihr zahlreiche Effekte, die im Spiel für reichlich Pfeffer sorgen. Insgesamt liegen dem Spiel 118 Aktionskarten bei. Zu diesen gehören nur ein paar wenige bleibende Karten, die nach dem Ausspielen nicht direkt wieder abgelegt werden. Sie bleiben vor euch liegen und bringen euch einen dauerhaften Vorteil ein.

Glücklicherweise bleibt das Spiel auch mit diesen bleibenden Karten immer sehr übersichtlich. Ihr müsst bei euren Planungen nicht einen ganzen Haufen ausliegender Karten im Blick behalten. Castle Rampage ist auf schnellen und unkomplizierten Spielspaß getrimmt. Ihr müsst also nicht erst das ganze Kartenset mit all seinen Texten auswendig lernen, um das Spiel zu meistern.

Vielfältige Untertanen

Castle Rampage ist ein einfach zu erlernendes Spiel und erreicht sicherlich nicht die taktische Tiefe eines ausufernden 4X-Spiels. Dennoch hat das kleine Kartenspiel einige taktische Kniffe in der Hinterhand. Einige Karten lassen sich durch das Ablegen weiterer Karten kräftig aufwerten. Ein angreifender Söldner kann etwa durch das Spielen zusätzlicher Nahkämpfer verstärkt werden. So lassen sich bestimmt auch mal gleich mehrere Verteidigungskarten eliminieren.

Andere Karten hingegen haben einen Effekt auf die Handkarten. So könnt ihr bestimmte Karten einsetzen und direkt wieder einen neue Handkarte erhalten. Einige Effekte erlauben sogar einen Angriff auf die Handkarten des Gegners. Ein zerstörter Bombenleger hinterlässt bei seiner Attacke ein explosives Geschenk, mit dem er zwei Handkarten des Gegners vernichtet. Im Kartenset befinden sich zudem auch einige Karten, die ihr als Reaktion auf eine Handlung des Gegners spielen könnt. Für ein paar taktische Überraschungen sollte also gesorgt sein.

Kurz und knackig

Da es in Castle Rampage direkt zur Sache geht, ist eine Partie auch meist ziemlich schnell wieder vorbei. Eine Partie dauert nur zwischen zehn und maximal zwanzig Minuten. Dadurch ist Castle Rampage gut geeignet als kleines Spielchen zwischendurch oder auch unterwegs. Da das Spiel ausschließlich aus Karten besteht, lässt es sich gut transportieren. Auch auf dem Spieltisch ist Castle Rampage nicht besonders raumfordernd. Beinahe ebenso gering fällt der Preis aus. Für knapp 10€ könnt ihr das Spiel ab sofort im Handel erwerben.

kurz und knackig
sehr schnell erlernt
transportabel
Zwei-Spieler-Spiel
günstiger Preis
macht Schadenfreude
kein Spiel für friedliebende Spieler

Sebastian Hamers

In Castle Rampage geht es Schlag auf Schlag. Ein von langer Hand geplanter Aufbau der Festung ist in diesem Spiel sicher nicht vorgesehen. Von Bedeutung ist vor allem die kurzfristige Planung. Manchmal reicht schon eine Reihe geglückter Angriffe, um die gegnerische Burg zumindest bedenklich ins Wanken zu bringen. Komplexität wurde in Castle Rampage bewusst reduziert, der Spaß steht im Vordergrund. Frei von taktischen Überlegungen ist das Spiel allerdings auch nicht. Es gibt schon einige erfolgsversprechende Strategien, die eurem Gegner die Hölle heiß machen. Als kleiner Spiele-Snack macht Castle Rampage daher eine gute Figur. Das Spielprinzip ist sofort verinnerlicht, zudem braucht es wenig Platz, nur zwei Spieler und die Spieldauer fällt mit rund einer Viertelstunde auch sehr überschaubar aus. Das konfrontative Element sollte euch allerdings liegen, wenn ihr den Kauf von Castle Rampage erwägt. Im Spiel bekommen beide Parteien ständig auf den Deckel. Ansonsten kann ich Castle Rampage empfehlen, wenn ihr noch einen unterhaltsamen Spiele-Quickie für zwei Personen sucht, zumal der Preis von 10€ locker noch in die „Mal-eben-mitgenommen“-Kategorie fällt.
Test: The Council Test: A Thief's Fortune
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