Test: Castlevania Requiem

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Im Test: Vampirjagd in Castlevania Requiem

Still ist es geworden um Konamis traditionsreiche Castlevania-Reihe. Seit Castlevania: Lords of Shadow 2 im Jahr 2014 haben wir keinen Release aus der Hauptreihe gesehen, neue Titel sind weit und breit nicht in Sicht. Um die Fanbase aber bei Laune zu halten, hat Konami zwei Klassiker der Reihe neu für PS4 rausgebracht. Castlevania Requiem heißt die kleine Sammlung und beinhaltet sowohl Rondo of Blood als auch dessen Sequel Symphony of the Night. Beide Spiele – erschienen jeweils 1993 und 1997 – gelten heute als Klassiker der Reihe. Ob sie diesem Titel aber noch gerecht werden und die Neuauflage sinnvolle Neuerungen mit sich bringt, haben wir für euch getestet.

Eines vorweg: So wirklich neu ist diese Sammlung nicht, tatsächlich ist Requiem ein Re-Release der Dracula X-Chronicles. Diese kamen schon 2007 für die PSP raus, damals zusätzlich mit einem 2.5D Remake von Rondo of Blood. Was wir hier erhalten ist dementsprechend ein Port eines Ports, sozusagen.

Castlevania – Rondo of Blood

Das 1993 für PC Engine erschienene Rondo of Blood ist eines der letzten Castlevania-Spiele, die noch nach dem ursprünglichen Schema der Reihe funktionieren. Ihr spielt als Richter Belmont, eines der vielen peitschenschwingenden Mitglieder der Belmont-Familie. Die Belmonts, ihres Zeichens Vampirjäger, stehen schon seit Jahrhunderten im Krieg mit Graf Dracula, ebenso auch Richter. Für ihn ist der Kampf gegen Dracula allerdings eine persönliche Angelegenheit, der Blutsaugerfürst hat nämlich seine geliebte Annette gefangen genommen. Eure Aufgabe ist nun recht simpel: Schloss Castlevania durchforsten, Scharen von Monstern besiegen, Dracula umhauen und Annette befreien.

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Das Gameplay ist ähnlich simpel wie die Prämisse. Ihr könnt springen, eure Peitsche als Hauptwaffe benutzen und gefundene Nebenwaffen einsetzen. Dabei seid ihr aber recht limitiert, eure Peitsche könnt ihr lediglich horizontal nach links oder rechts schwingen, anders als noch in Super Castlevania (1991, SNES), wo 8-Richtungs-Angriffe eingeführt wurden. Mit diesem recht begrenzten Moveset müsst ihr euch durch neun Level kämpfen, jedes davon mit einem Bosskampf am Ende, um schließlich Dracula als Endboss herauszufordern. Wie genau ihr dort hinkommt, ist abhängig von den Wegen, die ihr unterwegs einschlagt.

Es gibt insgesamt vier alternative Routen, auf denen ihr jeweils andere Bosse bekämpft oder gar komplett überspringt. Das bringt einen gewissen Wiederspielwert, der dem Spiel gut zu stehen kommt, vor allem weil ein Durchlauf mit entsprechendem Skill nur knapp eineinhalb bis zwei Stunden dauert.

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Neben Richter könnt ihr auch noch als seine entfernte Verwandte Maria Renard spielen. Diese kommt mit einem Doppelsprung daher und verursacht mit ihren Angriffen mehr Schaden als Richter, nimmt selber aber auch dementsprechend mehr Schaden bei Treffern.

Besondere Anerkennung verdient auch der Soundtrack, der die bereits bekannten Melodien der Castlevania-Spiele in hochpoliertem 90’s Synth-Pop neu interpretiert. Das klang schon in der früheren PC-Engine-Version fett und ist auch heute noch mindestens genauso eingängig wie damals.

Ein paar Altersflecken

In einigen Aspekten merkt man Rondo of Blood sein Alter schon an. Das Leveldesign in Verbindung mit der Gegnerplatzierung beispielsweise zeugt von der hohen Schwierigkeit, für die Castlevania schon früher berüchtigt war. Viele Gegner bewegen sich zu unberechenbar und richten dafür zu hohen Schaden an, wodurch so mancher Tod gefühlt eher zu Schulden des Spiels als des Spielers geht. Außerdem ist die Steuerung nach heutigen Standards schlecht gealtert. Richters Bewegungstempo ist arg langsam und ihr könnt im Sprung nicht die Richtung wechseln. Auch die Steuerung mit dem Analog-Stick funktioniert mehr schlecht als recht, da das Spiel zu sensibel mit den Eingaben umgeht. Schon bei kleinsten Änderungen im Neigungswinkel beginnt Richter sich zu ducken, anstatt weiter in die gewollte Richtung zu gehen. Steuerung mit dem D-Pad ist hier also empfohlen. Im Großen und Ganzen funktioniert der Port ansonsten und tut was er soll: Ein klassisches Castlevania auf die PS4 bringen.

 

Castlevania – Symphony of the Night

Im Vergleich zu Rondo of Blood ist Symphony of the Night ein komplett anderes Biest. Der direkte Nachfolger von RoB erschien 1997 für die PS1 und bricht mal eben mit einem Großteil der alteingesessenen Castlevania-Formel. Richter hat, wenig überraschend, Dracula besiegt. Fünf Jahre später verschwindet Richter allerdings spurlos, während Schloss Castlevania sich erneut materialisiert. Da dieses Mal kein Mitglied der Belmont-Familie gegen die Dämonenhorden antreten kann, erwacht kurzerhand Alucard, der Sohn Draculas, aus seinem Schlaf und betritt Schloss Castlevania, um herauszufinden, was während seiner Abwesenheit vor sich gegangen ist.

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Erstmals spielt ihr in Symphony of the Night einen Nicht-Belmont als Hauptcharakter, die altbekannte Peitsche als Hauptwaffe fehlt ebenfalls. Generell bricht SotN stark mit den alten Traditionen. Anstatt euch Level für Level voranzukämpfen, serviert euch dieser Teil das gesamte Schloss auf einmal als zusammenhängende, vertrackte Spielwelt. Ähnlich wie bei Metroid – daher auch der Name MetroidVANIA für Spiele dieser Art – könnt ihr das gesamte Schloss erforschen, um einige Wege und Räume zu begehen, müsst ihr aber vorher ein entsprechendes Upgrade oder eine Fähigkeit finden. So erschließt ihr euch nach und nach sämtliche Bereiche, tötet unterwegs Bosse und findet heraus, was mit Richter vorgefallen ist. Dazu bringt SotN einige Rollenspiel-Elemente ins Geschehen. Ihr steigt im Level auf, findet Ausrüstung und neue Skills und könnt für Geld Items und Rüstungen kaufen.

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Was im Gameplay aber sofort auffällt, ist die wesentlich zackigere und dynamischere Steuerung von Alucard. Nicht nur bewegt ihr euch grundsätzlich schneller, ihr könnt jetzt eure Bewegungsrichtung im Sprung ändern, kurze Dashes ausführen und Doppelsprünge machen. Auch die Waffen haben gutes Trefferfeedback und insgesamt hat das verbesserte Gameplay und die clever designte, vertrackte Spielwelt diesen Teil wesentlich besser altern lassen als andere Vertreter der Reihe. Dass Symphony of the Night also den Status als eines der besten Spiele der PS1 genießt, kommt nicht von ungefähr.

 

Klasse Spiele, mäßiger Port

Leider wird das Gesamtbild von Castlevania Requiem aber durch den Umfang und die Optionen außerhalb der beiden Spiele arg getrübt. Zunächst einmal habt ihr die Auswahl, die Spiele in einem kleinen Fenster, oder gestreckt zu spielen. Schön und gut, wenn im gestreckten Modus auch das Seitenverhältnis auf 16:9 angepasst würde. Stattdessen müsst ihr in beiden Modi hässliche Balken an den Kanten hinnehmen, auf die ihr in den Optionen zwar verschiedene Hintergründe setzen könnt, wirklich verschönern tun sie das Ganze aber nicht.

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Kurios: Dieses völlig wirre Hauptmenü

Auch die weiteren Bildoptionen sind entweder nur für den Nostalgiefaktor da oder gar völlig unsinnig. So könnt ihr auswählen, ob ihr Scanlinien, Interlacing oder einen Glättungseffekt aktivieren wollt. Kurzum: Wenn ihr die hochskalierte Pixel-Art der beiden Teile auskosten wollt, lasst die Finger von diesen Optionen. Das Interlacing sorgt für ekelhaftes Flimmern, der Glättungseffekt vermatscht die Grafik und die Scanlinien emulieren die kleinen Linien, die ihr bei alten Röhrenfernsehern ertragen müsstet. Für einen Nostalgiefaktor ganz nett, empfehlenswert aber definitiv nicht.

Erstaunlicherweise sind diese paar Features das einzige, was der Kollektion an zusätzlichem Inhalt beiliegt. Leider verzichtet Konami auf jeglichen Fanservice oder Content, der Fans der alten Schule in irgendeiner Weise dazu veranlasst, SotN oder RoB neu anzufangen. Mit Castlevania Requiem bekommt ihr lediglich die Ports und nichts als die Ports.

  • 01.11.2018 um 10:40
Großartiger 90's Soundtrack in beiden Spielen
Symphony of the Night ist hervorragend gealtert
Die charmante, bunte Grafik und die Animationen sind heute noch schön anzusehen
Schwammige Steuerung in Rondo of Blood
Ports lediglich von PSP übernommen
Verzicht auf jegliche weitere Inhalte

Joost Rademacher

Wenn man es auf die enthaltenen Spiele runterbricht, bietet Castlevania Requiem zwei gute bis großartige Vertreter der Reihe. Für schmales Geld könnt ihr hier einen Klassiker und einen zuvor Japan- oder Handheld-exklusiven Teil endlich auf der Heimkonsole neu erleben. Leider wird das Bild der Kollektion durch die oberflächliche Aufbereitung und den Mangel an Content arg getrübt. Wer seinerzeit die Spiele verpasst hat, oder in die Reihe neu einsteigen möchte, darf gern zugreifen. Fans und Veteranen werden hier allerdings nichts Neues entdecken.
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