Test: Century Die Gewürzstraße

Schöne Grafik mögen wir doch alle. Das gilt für uns Videospieler genauso wie für die Brettspiel-Junkies. Letztere dürften im Fall des vorliegenden Spiels Century: Die Gewürzstraße sicher zufriedengestellt werden. Tolle Zeichnungen auf übergroßen Karten, Metallmünzen und sogar vier Gewürzschalen aus Plastik zur Aufbewahrung der verschiedenfarbigen Holzwürfel, machen das Spiel zu einem optischen und haptischen Erlebnis.

Century führt euch zurück ins 15. Jahrhundert. Es war eine Zeit, in der sich durch den Handel mit Gewürzen schnell ein kleines Vermögen verdienen ließ. Also macht ihr euch als Karawanenführer auf die Reise entlang der Gewürzstraße.

Lukrative Geschäfte auf der Gewürzstraße

Bricht man Century auf die spielmechanischen Aspekte herunter, dann habt ihr ein Kartenspiel mit einem Sammel- und Tauschgerüst vor euch, gepaart mit einem guten Schuss Deckbuilding. Ihr sammelt mit eurer Karawane die vier unterschiedlichen Gewürze Kurkuma, Safran, Kardamon und Zimt. Die gesammelten Gewürze tauscht ihr später in Siegpunkt-Karten. Hier gibt es immer eine offene Auslage aus fünf Karten in einer Reihe. Jede Karte zeigt euch eine Kombination aus Gewürzen, die ihr für den Kauf derselbigen aufbringen müsst.

Je nach Wert der bezahlten Gewürze springen mal mehr und mal weniger Siegpunkte für euch heraus. Nun mögen einige Punktekarten attraktiver oder zumindest bezahlbarer erscheinen als andere. Jene werden von euch dann vermutlich nicht so schnell als Ziel der Begierde auserkoren. Durch eine simple Verschiebemechanik werden diese Karten jedoch früher oder später an den Anfang der Punktekarten-Reihe gespült. Die Auswahl dieser Karten wird euch dann mit klingender Münze versüßt. Jede Münze bringt euch am Spielende nochmal ein paar Extra-Siegpunkte ein. So können sich auch zunächst weniger attraktive Karten irgendwann richtig lohnen.

Neue Handelspartner – neue Möglichkeiten

Doch wie kommt ihr eigentlich an die teuren Gewürze, mit denen ihr später Siegpunkte sammelt? Der gesamte Gewürzhandel wird mit Karten gesteuert. Zu Spielbeginn erhält jeder Spieler ein Set aus zwei Startkarten. In der Tischmitte befindet sich eine zweite offene Auslage mit sechs sogenannten Händlerkarten. Genau wie bei den Punktekarten sind auch die Händlerkarten reihenförmig ausgelegt. Seid ihr am Zug, könnt ihr euch die erste Karte in der Reihe ganz ohne jegliche Gebühr auf die Hand nehmen.

Auf jeder Karte, die ihr bei der Auswahl überspringt, müsst ihr allerdings ein Gewürz eurer Wahl platzieren. Liegen auf der von euch gewählten Karte schon Gewürze, dürft ihr diese aufnehmen und eurem Vorrat hinzufügen. Ähnlich wie bei den Punktekarten können auch die Händlerkarten in der offenen Auslage an Attraktivität gewinnen, wenn sich auf ihnen schon ein paar Gewürze als Bonus angesammelt haben.

Mit den beiden Startkarten werdet ihr nicht sonderlich weit kommen. Trotzdem bilden sie ein gutes Grundgerüst für euer künftiges Deck. Eine der beiden Karten bringt euch zwei Kurkuma-Gewürze ein, die ihr zu eurem Vorrat legt. Die zweite Karte lässt euch hingegen zwei Gewürze, die sich in eurem Vorrat befinden um je eine Stufe aufwerten.

Zimt: Wertvoller als Gold

Die vier Gewürze im Spiel unterliegen einer klaren Hierarchie. Kurkuma stellt das günstigste Gewürz dar. Safran steht eine Stufe darüber, gefolgt von Kardamon. Der Zimt in der vierten Ausbaustufe ist demnach das wertvollste Gewürz im Century-Universum. Mit der zweiten Startkarte könnt ihr also zum Beispiel zwei Kurkuma in zwei Safran verwanden. Möglich ist aber auch zuerst ein Kurkuma in ein Safran umzuwandeln und aus diesem direkt ein Kardamon zu machen.

Die weiteren Händlerkarten, die im Spielverlauf in euer Deck wandern, erweitern eure Möglichkeiten. Einige Karten fügen Gewürze direkt eurem Vorrat hinzu, andere lassen euch Gewürze tauschen, meist zu einem besseren Kurs selbstverständlich.

Mit Timing zum Sieg

Century: Die Gewürzstraße spielt sich angenehm flüssig. Selbst in der Maximalbesetzung von fünf Spielern müsst ihr nicht lange auf den nächsten eigenen Zug warten. Seid ihr an der Reihe, dürft ihr lediglich eine von vier möglichen Aktionen ausführen. Anschließend ist sofort der nächste Spieler mit seinem Zug an der Reihe. Das sollten selbst die Obergrübler und Chef-Analytiker eurer Spielegruppe in absehbarer Zeit bewältigen können.

Als Aktion könnt ihr eine Händlerkarte von der Hand spielen, eine Punktekarte kaufen, eine neue Händlerkarte aus der offenen Auslage auf die Hand nehmen oder aber eine Rast einlegen. Letztere Aktion lässt euch alle eigenen bereits gespielten Karten wieder zurück auf die Hand nehmen. Sie stehen euch ab der nächsten Runde wieder zur Verfügung.

In Century spielt das Ressourcenmanagement eine zentrale Rolle. Achtet dabei auch darauf, was die Gegenspieler so treiben. Möglicherweise versuchen sie gerade die gleiche Gewürzsammlung zusammenzustellen und euch die anvisierte Punktekarte vor der Nase wegzuschnappen. Deshalb ist das Zeitmanagement mindestens ebenso bedeutsam wie der Handel mit den Gewürzen selbst.

Das Spiel endet sobald ein Spieler seine fünfte (bei mehr als drei Spielern die sechste) Punktekarte erworben hat. Auch dieser Umstand erlaubt es euch unterschiedliche Strategien anzuwenden. Ihr könnt etwa versuchen möglichst schnell viele günstige Punktekarten mit eher wenigen Siegpunkten zu kaufen. Auf diese Weise habt ihr schnell die fünfte Punktekarte gesammelt, bevor die Gegner erst so richtig ins Spiel gekommen sind. Ihr könnt aber auch auf die hochwertigen Karten abzielen und möglichst viele Punkte sammeln. Sammelt einfach so viele Punkte, dass euch die Gegner nicht mehr gefährlich werden können, selbst wenn sie zuerst das Fünf-Karten-Limit geknackt haben. Vergesst aber auch hier nicht die Rivalen im Blick zu behalten. Sonst ist das Spiel möglicherweise plötzlich vorbei, während ihr noch auf eine teure Punktekarte spart.

Nachfolger schon in den Startlöchern

Überhaupt ist Century: Die Gewürzstraße kein Spiel, das sich ewig in die Länge zieht. Selten braucht ihr viel länger als eine halbe Stunde. Vielleicht ändert sich das ja aber, wenn der Nachfolger im kommenden Jahr in den Handel kommt. Insgesamt sind drei Serienteile geplant, die sich sowohl einzeln, aber auch in Kombination mit einander spielen lassen. Das vorliegende Spiel lässt sich jedenfalls auch ohne künftige Zusätze bestens spielen.

tolles Spielmaterial
spielt sich sehr flüssig
einsteigerfreundlich
für beinharte Strategen zu wenig Futter

Sebastian Hamers

Optisch hat Century: Die Gewürzstraße richtig Eindruck auf mich gemacht. Sowohl die Illustrationen als auch die haptische Erfahrung mit den großen Karten, den Metallmünzen und dem restlichen Zubehör tragen zur Spielatmosphäre bei und sorgen dafür, dass ich es gerne aus dem Schrank hole. Spielerisch fällt Century weniger komplex aus. Die Regeln begnügen sich mit gerade einmal zwei Seiten. Dadurch ist das Spiel wirklich sehr leicht zu erlernen. Auch Brettspiel-Neulingen erschließt sich das Prinzip sofort. Trotzdem muss Century nicht auf jegliche strategischen Ansprüche verzichten. Im Spiel steht ihr immer wieder vor kleinen, aber bedeutsamen Entscheidungen, die euch auf die Siegerstraße führen können oder eben auch nicht. Vor allem aber greifen die Spielmechanismen gut ineinander. Der ganze Spielfluss wirkt sehr organisch. Pluspunkte gibt es auch für die geringe Wartezeit bis zum nächsten eigenen Zug, die selbst bei fünf Spielern noch moderat ausfällt. Century: Die Gewürzstraße ist ein vielversprechender Auftakt einer Brettspiel-Trilogie, die Lust auf mehr macht.
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