Test: Chariot Race

Nach so vielen Jahren des Spielens ist es wirklich verdammt schwer geworden, einen eingefleischten Spieler noch so richtig zu überraschen. Das gilt für Video- und Brettspieler gleichermaßen. Chariot Race von Pegasus Spiele siedelt sich thematisch im Römischen Reich an. Ein alter Hut! Einen Streitwagen-Racer haben aber dann selbst wir noch nicht so häufig gesehen. Mit Chariot Race erwartet euch ein ungewöhnlicher Titel, der sich tatsächlich ziemlich actionlastig spielt.

Die alten Römer waren nicht unbedingt dafür bekannt, besonders zimperlich zu sein. Schon gar nicht, wenn es in die Arena geht. Lasst die Spiele beginnen. In Chariot Race geht es direkt zur Sache. Kein langes Abwarten und Taktieren, kein behutsames Aufbauen oder Entwickeln. Bis zum Ende des Rennens habt ihr schließlich nur zwei Runden Zeit. Bis dahin kämpft ihr mit Haken und Ösen und nutzt jede noch so kleine Schwäche der Rivalen zu eurem Vorteil aus.

In der Arena

Schon das Spielfeld von Chariot Race wirkt ungewöhnlich. Es handelt sich um zwei Bretter, die zusammengesteckt werden und die eine ovale Arena zeigen. Die Bretter sind beidseitig bedruckt und lassen sich in allen Kombinationen miteinander verwenden. Fortgeschrittene Spieler dürfen gerne auch die schwerer bespielbaren B-Seiten verwenden.

In der Arena könnt ihr mit bis zu sechs Spielern gleichzeitig antreten. So richtig viel Laune macht Chariot Race dann auch erst mit vier Spielern und mehr. Bei zwei oder drei Teilnehmern, muss jeder von euch gleich zwei Fahrer steuern. Das klappt zwar auch ganz gut, ist aber nicht ideal.

Nachdem ihr eure Streitwägen in die Startposition gebracht habt, treibt ihr auch schon eure Pferde an. Bei jedem Streitwagen gilt es ein paar Punkte im Auge zu behalten. Deshalb bekommt ihr vor Spielbeginn einen Bogen, mit dem ihr den Zustand des Wagens verwalten könnt. Mit Schiebereglern haltet ihr Schadenspunkte, Geschwindigkeit und die Schicksalsleiste immer auf dem aktuellen Stand.

In sechs schnellen Phasen durch die Runde

Auch wenn Chariot Race durchaus einige strategische Überlegungen mit sich bringt, so ist das Regelwerk doch im Prinzip recht einfach gehalten. Ihr hangelt euch in jedem Zug durch sechs schnelle Phasen, die ihr in der vorgegebenen Reihenfolge abhandeln müsst.

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Zunächst dürft ihr Glückspunkte von der Schicksalsleiste investieren, um Schaden an eurem Streitwagen zu reparieren. Der Vorrat an diesen Punkten ist jedoch arg beschränkt. Mit dem nötigen Würfelglück könnt ihr im Verlauf des Rennens aber noch ein paar wertvolle Glückspunkte hinzugewinnen. Hat euer Streitwagen die maximale Schadenszahl erlitten, zerschellt der Wagen in der Arena und mit dem Rennen ist es für euch direkt vorbei.

In der zweiten Phase legt ihr die Geschwindigkeit des Wagens für diese Runde fest. Dabei gilt zu beachten, dass die maximale Geschwindigkeit vom Zustand des Streitwagens abhängt. Je mehr Schaden euer Gefährt also schon genommen hat desto langsamer rollt ihr auch durch die Arena. Ansonsten könnt ihr die Geschwindigkeit aber frei wählen. Je härter ihr eure Pferde antreibt, desto weniger Würfel kommen bei euch in der kommenden Runde zum Einsatz. Im langsamen Trab könnt ihr auf alle fünf Würfel zurückgreifen. In Höchstgeschwindigkeit bleibt euch nur noch ein einziger Würfel.

Diese kommen jetzt, in der dritten Phase, zum Einsatz. Ihr werft zunächst alle verfügbaren Würfel. Einmal könnt ihr jetzt noch beliebig viele dieser Würfel kostenlos erneut werfen. Danach könnt ihr das Endergebnis nur noch mit den oben schon erwähnten Glückspunkten verändern. Je nach Aufwendung der Punkte könnt ihr Würfel neu werfen oder sogar ein bestimmtes Würfelergebnis erzwingen.

Fortunas Gunst

Möglicherweise zeigen nun ein oder mehrere Würfel das Symbol der Glücksgöttin Fortuna. Für jedes geworfene Zeichen erhalten ihr jetzt, also in der vierten Phase, einen Glückspunkt hinzu. Erst dann geht euer Streitwagen in die Bewegung. In der Arena dürft ihr nun so viele Felder vorrücken, wie ihr in der zweiten Phase festgelegt habt. Durch die Würfelergebnisse kommt aber noch ein kleines Überraschungsmoment hinzu. Ein Würfelsymbol dient dazu, die Geschwindigkeit um einen Punkt nach oben oder unten zu verändern. Ein zweites Symbol lässt euch die Pferde extrem antreiben. Ihr gewinnt zwei Punkte an Geschwindigkeit hinzu. Die Pferde leiden allerdings unter dieser Aktion und nehmen einen Punkt Schaden. Bleibt noch das Symbol des Spurenwechsels.

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Dazu betrachten wir uns die Arena einmal im Detail. Die einzelnen Felder, auf denen die Streitwägen ziehen, sind leicht versetzt zueinander und in drei Reihen aufgebaut. Die Innenspur ist dabei attraktiv, da sie natürlich der schnellste Weg zum Ziel ist. Die scharfen Kurven haben aber auch ihre Tücken. Brettert ihr mit einer zu hohen Geschwindigkeit um die Ecke, nimmt der Wagen dadurch Schaden.

Vor jeder Kurve befindet sich drei Felder, die mit Zahlen versehen sind. Sie legen die Maximalgeschwindigkeit fest, mit denen der Streitwagen die Kurve nehmen kann, ohne Schaden zu nehmen. Auf der Innenspur ist diese Zahl natürlich deutlich geringer als auf der Außenbahn. Dort könnt ihr auch mit etwas höherem Speed durchpreschen. Für jeden Geschwindigkeitspunkt über der auf dem Feld angegebenen Zahl gibt es einen Schadenspunkt. Ihr solltet vor den Kurven also gut überlegen, ob ihr euren Streitwagen auf Höchstgeschwindigkeit peitscht. Die Spur könnt ihr im Verlauf des Rennens wechseln, vorausgesetzt ihr habt ein entsprechendes Würfelsymbol geworfen. Nur mit diesem könnt ihr auf eine benachbarte Spur ziehen.

Im Rennen ist alles erlaubt

Von den römischen Wagenlenkern sind aber auch noch andere Qualitäten gefragt als ihre Fähigkeiten als Jockeys. Wenn es mal auf dem sportlichen Wege nicht zum Sieg reicht, könnt ihr auch gerne brachiale Methoden wählen, um als Erstes über die Ziellinie zu fahren. Ein probates Mittel dazu ist das Rammen der anderen Streitwagen. Zieht ihr durch ein besetztes Feld hindurch oder kommt auf diesem zu stehen, führt ihr eine Ramm-Attacke durch. Beide Streitwagen erleiden dadurch zwei Schadenspunkte. Wenn das Verfolgerfeld dicht zusammen ist, kann es unter Umständen sogar zu einer Massenkarambolage kommen.

Wenn euch das noch nicht hart genug ist, habt ihr in der sechsten und letzten Phase auch noch einmal die Möglichkeit, eure Gegenspieler anzugreifen. Für einen Angriff benötigt ihr wieder das entsprechende Würfelsymbol. Mit diesem könnt ihr aus zwei unterschiedlichen Angriffen wählen. Der Krähenfuß erinnert ein wenig an die Bananenschale aus Mario Kart. Ihr lasst das Gebilde aus vier scharfen aufstehenden Spitzen hinter euch auf der Fahrbahn fallen. Der nächste Spieler, der durch den Krähenfuß hindurchrauscht, erleidet einen Schadenspunkt. Danach wird der Krähenfuß vom Spielfeld entfernt. Genau wie eine dieser Fallen funktionieren übrigens auch die zerstörten Streitwagen auf der Rennstrecke.

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Alternativ dazu könnt ihr einen anderen Spieler aber auch ganz direkt mit einem Speerwurf attackieren. Dazu darf der anvisierte Spieler jedoch nicht mehr als zwei Felder von euch entfernt sein. Der Speer findet automatisch sein Ziel und verursacht ebenfalls einen Schadenspunkt.

Über die Ziellinie

In Chariot Race gibt es also allerhand Möglichkeiten, um aus dem Spiel vorzeitig auszuscheiden. Vermutlich werden es längst nicht alle Streitwagen über die Ziellinie schaffen. Der Wagen, der zuerst die Linie überquert, gewinnt das Spiel. Die Runde wird allerdings noch zu Ende gespielt, sodass alle Spieler gleich oft am Zug waren. Gelingt es in dieser Runde mehreren Spielern über das Ziel zu fahren, dann gewinnt der Spieler, der die Linie am weitesten überschritten hat.

Eine Partie dauert rund eine halbe Stunde. Wenn ihr euch mit den Regeln vertraut gemacht habt, was eigentlich schon nach dem ersten Spiel der Fall sein sollte, könnt ihr auch die alternativen Spielweisen ausprobieren. Die B-Seiten der Arena bieten zusätzliche Fallen auf dem Boden. Steinhaufen auf der Rennbahn lassen die Streitwagen direkt zerschellen und aus dem Spiel ausscheiden. Geschickt eingesetzt, könnt ihr sie als zusätzliches strategisches Element einsetzen. Auch die Streitwagen können modifiziert werden. Alternativ könnt ihr Vehikel mit veränderten Werten auswählen. So habt ihr doch einige Möglichkeiten, das Spiel abzuändern und an eure Bedürfnisse anzupassen.

geeignet für bis zu sechs Spieler
ziemlich actionreich
weckt Emotionen
mit 2-3 Spielern nicht ideal
nichts für harmonieliebende Spieler

Sebastian Hamers

Chariot Race ist ein schöner Titel für kompetitive Spieler. Wenn ihr es bei einem Brettspiel lieber kuschelig und harmonisch haben wollt, dann gehört dieses Spiel leider nicht auf eure Wunschliste. Alle anderen bekommen einen schnellen, actionreichen und vor allem sehr unterhaltsamen Titel. Der Glücksanteil ist deutlich spürbar, aber mit einer guten Strategie helft ihr eurem Glück auch gehörig auf die Sprünge. Bei Chariot Race habe ich mich schon mächtig geärgert, aber auch schon diebisch gefreut. Ein Spiel, das Emotionen weckt… nicht die schlechteste Referenz für ein Brettspiel. Mit 15€ fällt das Spiel auch preislich nicht allzu sehr ins Gewicht. Wenn ihr den Familienfrieden zum Fest ein wenig auf die Probe stellen wollt, dann ist Chariot Race doch noch ein schönes Last-Minute-Geschenk zu Weihnachten. Merry Christmas!
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