Test: Checkpoint Charlie

Berlin. Deutschland ist zweigeteilt. Die Supermächte der USA und der UdSSR beobachten das Weltgeschehen mit Argusaugen. In den 60er Jahre ist das Misstrauen zwischen Ost und West auf einem Höhepunkt angelangt. Dies gilt insbesondere für das geteilte Berlin. Am Berliner Grenzübergang Checkpoint Charlie sind die Mitarbeiter der Geheimdienste immer wachsam. Schließlich soll sich dort der Oberspion mit seinen Komplizen herumtreiben. Gelingt es euch, die feindlichen Spitzel zu enttarnen?

Mit dem zeitlichen Abstand einiger Jahrzehnte lässt sich der Kalte Krieg etwas entspannter betrachten. In Checkpoint Charlie kommen so statt grimmiger Grenzwächter nun Hunde und Katzen zum Einsatz. Als Spieler übernehmt ihr die Rolle eines Spürhundes, der sich die Passanten am Grenzübergang ganz genau ansieht. Irgendwo hier muss sich der Katzen-Spion herumtreiben. Leider kennt ihr selbst nur ein einziges Merkmal, das den Spion enttarnen könnte.

Katzen-Spione am Checkpoint Charlie

Euren Spürhund-Kollegen geht es ebenso. Auch sie wissen um ein besonderes Merkmal des Katzen-Spions. Allerdings hütet jeder Spürhund sein Wissen wie seinen eigenen Augapfel. So müsst ihr nicht nur das Treiben auf den Straßen beobachten, sondern auch das Verhalten der anderen Spürhunde. Auf diese Art und Weise kommt ihr dem Ziel näher und enttarnt hoffentlich schon ganz bald die feindlichen Spione.

DieSpione lassen sich anhand von bestimmten Merkmalen erkennen. Die eine Katze, die alle fünf relevanten Merkmale erfüllt, ist der Oberspion. Vor jedem Spiel werden die Merkmale neu festgelegt. Dazu legt ihr die fünf Hinweismarker in den undurchsichtigen Beutel und lasst jeden Spieler einen Marker ziehen. Jedes Plättchen zeigt ein Merkmal auf jeder Seite, mit dem ihr das Aussehen des Oberspions festlegt. Ihr dürft euch nun für eine Seite des Hinweismarkers entscheiden. So könnt ihr den Oberspion etwa mit oder ohne Hut ausstaffieren, er kann eine Sonnenbrille haben oder nicht, mit Zeitung oder ohne daherkommen, einen Trenchcoat tragen oder einen Pullover und entweder ein graues oder ein orangenes Fell besitzen.

 Wo ist der Oberspion?

Die Kombination aus diesen fünf Optionen lassen eindeutig auf den Oberspion schließen. Leider wisst ihr nur um eines der fünf Hinweise. Ihr entscheidet euch für eine Seite des Hinweisplättchens, die gewählte Seite legt ihr nach oben und versteckt das Plättchen anschließend mit eurer Spürhund-Karte. Idealerweise spielt ihr Checkpoint Charlie mit fünf Spielern. In dieser Variante werden alle fünf Hinweisplättchen von einem Spieler gezogen. Ihr könnt jedoch auch mit drei oder vier Spielern auf Spion-Jagd gehen. In diesem Fall werden die verbleibenden Merkmale an einer frühen Stelle im Spiel für alle Spürhunde offen ausgelegt.

Die Ausgangssituation ist klar. Jeder Spieler weiß nur von seinem eigenen Hinweis, muss jedoch enttarnen, für welche Merkmale sich die anderen Spieler entschieden haben. Jetzt begebt ihr euch auf den Beobachtungsposten und checkt die verdächtigen Katzen, die in der Nähe von Checkpoint Charlie herumstromern. Die Verdächtigen werden durch 32 Karten dargestellt. Seid ihr am Zug, nehmt ihr einfach die oberste Karte vom Stapel mit den verdächtigen Katzen. Überprüft nun, ob die gezogene Karte das Merkmal unter eurer Spürhund-Karte aufweist. Falls ja, gehört diese Katze zum Kreis der Verdächtigen und ihr legt sie vor euch ab. Falls nicht, könnt ihr das Kätzchen unbehelligt passieren lassen und legt die Karte auf den Ablagestapel.

Diese Katze ist verdächtig

Eure Mitspieler werden nun sicher genau inspizieren, welche Merkmale eine Katze aufweist, die euch verdächtig erscheint. Sie muss schließlich auch das Merkmal enthalten, das sich unter eurer Spürhund-Karte verbirgt. Mit zunehmender Spieldauer werden sich vor euch immer mehr Katzen ansammeln. Irgendwann seid ihr euch vielleicht sicher: ja, der Oberspion trägt außerdem auch noch einen Hut. Durch gute Beobachtung des Verhaltens der anderen Spürhunde sammelt ihr so Merkmal für Merkmal, bis ihr vielleicht alle fünf Hinweise sicher ermittelt habt.

Liegt der Oberspion möglicherweise schon auf dem Tisch? Checkt schnell einmal die verdächtigen Katzen, die von den Spielern ausgelegt wurden. Habt ihr den Oberspion entdeckt? Dann legt schnell euren Spürhund-Marker auf die Karte. Diese Katze habt ihr nun der Spionage beschuldigt. Sollte es sich tatsächlich um den gesuchten Spion handeln, winken euch am Rundenende die meisten Punkte. Doch auch die anderen Spieler können noch ein paar Punkte für sich beanspruchen.

Die Enttarnung der Spione

Der Oberspion bringt noch einige Gehilfen mit sich. Diese sehen dem Oberspion sogar ziemlich ähnlich. Seine Komplizen weisen vier der fünf Merkmale des Spionage-Chefs auf. Knapp daneben ist in Checkpoint Charlie also nicht wirklich vorbei. Für enttarnte Komplizen bekommt ihr ebenso ein paar Punkte gutgeschrieben. Es lohnt sich in den meisten Fällen schnell zu sein. Die Runde endet nämlich sofort, wenn alle Spürhunde – bis auf einen – ihren Verdacht ausgesprochen haben. Der letzte Spürhund guckt also in die Röhre. Bei der anschließenden Punkteverteilung hat er nun keine sonderlich guten Chancen.

Beim Verteilen der Punkte kommt ein kleines Glückselement ins Spiel. Habt ihr den Oberspion festgenommen, dürft ihr euch einen goldenen Punktechip ziehen, der euch drei bis fünf Punkte einbringt. Für die Gefangennahme eines Komplizen gibt es einen weißen Chip mit einem Wert von einem oder zwei Punkten. Der langsamste Spürhund, der gar keinen Verdacht geäußert hat, muss sich einen schwarzen Chip nehmen. Dieser ist im besten Fall null Punkte wert, kann aber auch einen Minuspunkt einbringen. Einen schwarzen Chip gibt es ebenso, wenn ihr voreilig gehandelt und einen Unschuldigen verdächtigt habt.

Checkpoint Charlie wird über maximal fünf Runden gespielt. Die Partie kann aber auch früher enden, sollte es einem Spieler gelungen sein, zehn oder mehr Punkte zu sammeln. Ein vorzeitiges Ende tritt ebenso ein, wenn die Punktechips einer Farbe verbraucht sind. Ein Spiel sollte nicht viel länger als eine halbe Stunde dauern. Da bleibt doch sicher noch Zeit, um sich an den alternativen Varianten zu versuchen?

Café Adler und der Stasi-Offizier

Für mehr Abwechslung könnt ihr etwa den Stasi-Offizier mit ins Spiel nehmen. Dieser kommt in Form eines schwarzen Chips daher. Müsst ihr am Ende der Runde einen schwarzen Chip ziehen, könnt ihr nun im ungünstigen Fall den Stasi-Offizier aufscheuchen. In der nächsten Runde klebt euch also die Staatssicherheit an der Backe und legt alle eure Aktivitäten offen. Euren Hinweismarker, der sonst verborgen unter eurer Spürhund-Karte ruht, ist nun für alle Spürhunde einsehbar. Ein dicker Nachteil! Eure Rivalen sind euch so immer einen Schritt voraus. Zum Glück müsst ihr diesen Malus nur für eine Runde in Kauf nehmen. Im weiteren Spielverlauf trifft es vielleicht schon einen anderen Spieler.

Mit der zweiten Variante bringt ihr das Café Adler ins Spiel. Das Café war ein beliebter Treffpunkt für Agenten, die den Checkpoint Charlie gut im Blick haben wollten. So mancher schräge Deal mag dort gelaufen sein, genauso wie in diesem Spiel. Diese Variante ersetzt einen goldenen, zwei weiße und einen schwarzen Punktechip mit gleichfarbigen Spezialchips. Alle Chips aus dem Café Adler weisen eine ungünstige Punkteausbeute innerhalb ihrer Kategorie aus. Der goldene Chip ist lediglich drei Punkte wert, der weiße Chip bringt euch nur einen Punkt und der Besitz des schwarzen Chips wird sogar mit einem Minuspunkt bestraft. Allerdings könnt ihr die Spezialchips auch wieder loswerden, indem ihr sie einem anderen Spürhund unterjubelt. Stattdessen stibitzt ihr euch einen gleichfarbigen Chip aus seinem persönlichen Vorrat.

Checkpoint Charlie ist ein Deduktionsspiel für drei bis fünf Spieler ab etwa zehn Jahren. Erscheinen ist das Spiel über das Wiener Verlagshaus Piatnik und kostet rund 10€.

charmanter Look
klassisches Deduktionsspiel
günstiger Preis
mit zwei Spielvarianten
Plastikbeutel nicht sehr wertig

Sebastian Hamers

Checkpoint Charlie hat das eigentlich ziemlich düstere Kalter-Krieg-Szenario auf eine sehr charmante Art und Weise aufgegriffen: Spürhunde jagen spionierende Katzen, dazu gesellt sich mit dem Fuchs noch der Stasi-Offizier und selbst das bekannte Café Adler findet Verwendung. Pluspunkte sammelt Checkpoint Charlie also schon einmal durch seine liebevolle Gestaltung. Etwas billig wirkt da nur der beigelegte undurchsichtige Beutel aus Plastik. Aufgrund des geringen Verkaufspreises von knapp 10€, geht dieser Kompromiss aber meiner Meinung nach völlig in Ordnung. Checkpoint Charlie spricht in erster Linie Spieler an, die auch im Spiel gerne etwas für ihre grauen Zellen machen wollen. Logisches Denken ist das zentrale Element des Spiels. Ein kleines Glückselement kommt durch das Ziehen der Punktechips hinzu. So wird das Geschehen doch etwas aufgelockert. Gleiches trifft auch für die beiden Varianten mit dem Stasi-Offizier und Café Adler zu. Sie verleihen dem Spiel mehr Abwechslung und sorgen vielleicht so dafür, dass Checkpoint Charlie etwas häufiger auf den Tisch kommt.
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