Test: Citadels

In Deutschland erschien Citadels bereits im Jahr 2000 unter dem Namen „Ohne Furcht und Adel“. In diesem Jahr hat sich der Verlag Hans im Glück dazu entschieden, das Spiel noch einmal neu aufzulegen. Mit dabei sind auch gleich die beiden Erweiterungen „Die Dunklen Lande“ und „Die dunklen Gestalten“. Optisch wurde das Spiel außerdem einer Frischzellenkur unterzogen. Das Ganze gibt es dann zum fairen Preis von knapp 25€ und fertig ist das neue Spiel.

Thematisch siedelt sich Citadels in einer Fantasy-Welt an, in denen die Spieler darum wetteifern, der nächste Baumeister des Königreichs zu werden. Dabei versucht ihr sieben Gebäude in eurer eigenen Stadt zu errichten. Was sich zunächst gar nicht so schwierig anhört, gestaltet sich allerdings als gewagtes Unterfangen, denn die Gegenspieler haben nicht nur den gleichen Plan, sondern versuchen auch noch mit allen Mitteln den Fortschritt der Gegenspieler zu boykottieren.

Vom Assassin zum Söldner

Im Spiel übernehmt ihr die Rolle von bestimmten Charakteren. Im Gegensatz zu vielen anderen Brett- und Kartenspielen, seid ihr auf diese Rollen aber nicht das ganze Spiel über festgelegt, sondern wechselt sie Runde für Runde. Gerade diese Eigenschaft macht Citadels so interessant. In einer Partie kommen im Normalfall acht unterschiedliche Charaktere zum Einsatz, unter bestimmten Umständen kann sogar noch eine neunte Figur mit ins Spiel gebracht werden.

Beinhaltete das Original lediglich ein Set an Charakterkarten, so findet ihr in der Neuauflage gleich drei komplette Charaktersets, also insgesamt 27 Charakterkarten wieder. Da ihr die Charaktere nach bestimmten Regeln für ein Spiel miteinander kombinieren könnt, lässt sich das Spiel immer wieder auf eine neue Art erleben.

Auf jeder Charakterkarte befindet sich eine Ziffer zwischen eins und neun. In einer Partie kommt jede Ziffer immer nur einmal vor. Eine Ziffer fasst in der Regel Charaktere mit ähnlichen Eigenschaften zusammen. Auf diese Art und Wiese wurde auch sichergestellt, dass sich auch immer homogene Charakterkarten-Decks ergeben, egal für welche Zusammenstellung ihr euch auch entscheidet.

Wähle deine Waffen

Zu Beginn jeder Runde darf sich jeder von euch eine Charakterkarte nehmen. Zuvor werden allerdings, je nach Zahl der Mitspieler, noch ein paar Karten nach dem Zufallsprinzip für die laufende Runde aussortiert. Im Anschluss wird vom Startspieler ausgehend, die Charakterwahl durchgeführt. Die anderen Spieler wissen zunächst nicht, für welchen Charakter ihr euch entschieden habt.

Reihum führt ihr nun eure charakterspezifischen Aktionen durch. Es beginnt dabei immer der Spieler mit der niedrigsten Zahl auf seiner Charakterkarte. Die Reihenfolge ist im Spiel von besonderer Bedeutung. Mächtige Charaktere mit einer hohen Zahl können so ihre Aktion vielleicht schon gar nicht mehr ausführen, wenn sie an der Reihe sind. Ein Assassin hat die Nummer eins, kommt also auf jeden Fall als erster Spieler in der Runde zum Zug. Dieser Charakter darf in seinem Spielzug einen Charakter benennen, den er in seinem Zug meucheln will. Der gemeuchelte Charakter muss in dieser Runde somit leider aussetzen und kann keine Aktion tätigen. Zu bemerken ist dabei, dass der Assassin nur einen Charakter benennen darf und keinen Spieler. Da der Spieler mit dem Assassin nicht genau weiß, welcher Spieler den von ihm benannten Charakter gewählt hat, bleibt er auch zunächst im Unklaren über den Erfolg seiner Aktion. Dieses Rätsel löst sich erst, wenn der entsprechende benannte Charakter an der Reihe ist.

Baue deine eigene Stadt

In Citadels gibt es viele Möglichkeiten, um eure Gegner zu ärgern. Dabei solltet ihr aber trotzdem nicht das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren: Sieben Gebäude müsst ihr errichten, um das Spiel zu beenden. Die Gebäude liegen dem Spiel ebenso als Karten bei. Zu Spielbeginn bekommt ihr jeweils vier Karten davon auf die Hand, dazu kommt ein Barvermögen von zwei Goldstücken. Auf jeder Gebäudekarte findet ihr einen Betrag in Gold, den ihr für die Errichtung bezahlen müsst.

Gebäude dürft ihr während des eigenen Zuges bauen. Der Ablauf eines Zuges ist recht schnell erklärt. Zu Beginn wählt ihr ein Einkommen. Entweder dürft ihr euch zwei Goldstücke nehmen oder aber zwei Karten vom verdeckten Gebäudestapel, wovon ihr jedoch eine der gezogenen Karten wieder abwerfen müsst.

Danach dürft ihr noch genau ein Gebäude von eurer Hand ausspielen, sofern ihr die nötigen Kosten dafür bezahlen könnt. Zu guter Letzt kommt noch die Spezialfähigkeit des gewählten Charakters zum Tragen. Das Regelwerk ist also ziemlich schnell erklärt. Der Teufel steckt wie so oft im Detail, genauer gesagt in den Spezialaktionen der unterschiedlichen Charaktere.

Du musst ein Schwein sein

Die Charaktere sind das Salz in der Suppe bei Citadels. Auch wenn das Glück durchaus einen Einfluss auf den Sieg hat, lässt sich durch die Wahl der Charaktere einiges bewegen. Dabei spekuliert ihr auch nicht selten darauf, welche Charakterkarten denn wohl euer Mitspieler gewählt haben. Hat ein Mitspieler beispielsweise einen riesigen Batzen Gold angehäuft, könnt ihr mit der Spezialfähigkeit des Diebs ordentlich abkassieren. Doch auch der Dieb muss, ähnlich wie beim Assassinen, den Charakter benennen, den er bestehlen möchte. Anhand der gewählten Strategie des Gegners, findet ihr aber vielleicht heraus, für welche Karte er sich entschieden hat. Da vor jeder Runde einige Charakterkarten zur Seite gelegt werden, ist die Trefferquote gar nicht mal so schlecht.

Da die Charaktere immer nach der vorgegebenen Reihenfolge aufgeblättert werden, entstehen in jeder Runde immer wieder spannende Momente. Funktioniert mein Plan? Was hat der Gegner wohl geplant? Hoffentlich kommt mir mein Gegner nicht zuvor… Diese Spannung zieht sich durch die gesamte Partie hinweg.

Armenhaus und Elfenbeinturm

Doch nicht nur die Charaktere haben einen Einfluss auf den Verlauf des Spiels. Auch die Gebäude weisen Eigenschaften auf, die sich zu eurem Vorteil nutzen lassen. Citadels unterscheidet die Gebäude prinzipiell in fünf Kategorien: Religion, Militär, Adel, Handel und einzigartige Gebäude. Viele Charakterkarten geben euch Boni in Bezug auf bereits erbaute Gebäudetypen. Wählt ihr beispielsweise den Bischof, bekommt ihr für jedes Religion-Gebäude ein Goldstück zusätzlich.

Die Gebäude sind am Spielende sogar entscheidend. Sobald ein Spieler sein siebtes Gebäude ausgelegt hat, wird die Runde noch zu Ende gespielt, bevor es zur Auswertung kommt. Der Wert der errichteten Gebäude wird addiert, außerdem gibt es einen Bonus, wenn ihr mindestens ein Gebäude jedes Gebäudetyps in eurer Stadt gebaut habt. Auch die einzigartigen Gebäude können noch einmal ein paar Zusatzpunkte einbringen. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel und wird der neue Baumeister des Königreichs.

Eine Partie dauert etwa 30-45 Minuten. Durch den im Vergleich zum Originalspiel erweiterten Inhalt könnt ihr das Spiel immer wieder neu gestalten. Dies gilt sowohl für die Auswahl der Charakterkarten als auch für die Gebäude. Wenn ihr mögt, könnt ihr dem Spiel sogar noch 15 Aktionskarten hinzufügen. Diese Karten werden einfach mit in den Gebäudestapel gemischt. Mit ihnen könnt ihr einmalige Aktionen zusätzlich ausführen. Mit dem Direktor etwa dürft ihr in der laufenden Runde zwei Gebäude zusätzlich errichten, die Wahrsagerin lässt euch die Handkarten eines Mitspielers ansehen und eine davon entwenden, während euch Rasputin vor bestimmten Effekten anderer Charaktere beschützt.

sehr variabel
spannender Rundenablauf
auch für große Gruppen geeignet
kann frustig sein

Sebastian Hamers

Schon das Originalspiel „Ohne Furcht und Adel“ hat mich seinerzeit schwer begeistert. Gleiches lässt sich nun auch über Citaldels sagen. Jede Runde baut für sich eine angenehme Spannung auf, da man gebannt daraufhin fiebert, wer denn wohl welche Charakterkarte gewählt hat. Manchmal kann ein gut ausgetüftelter Plan an einer hinterhältigen Aktion eines Mitspielers noch in letzter Sekunde scheitern. Das führt sicher hin und wieder zu frustigen Momenten. Das Frustgefühl hält aber nur solange an, bis man einem Gegner seinerseits gewaltig in die Suppe spucken kann. Mir hat es außerdem gut gefallen, mit den Charakteren zu experimentieren. Im Handbuch findet ihr einige Zusammenstellungen, die sich besonders gut spielen lassen. Im Grunde ist aber so ziemlich jede Kombination der Charakterkarten möglich. Schon „Ohne Furcht und Adel“ war ein Spiel mit hoher Langzeitmotivation. Dank dem neuen Material gilt diese Aussage für Citadels natürlich ebenso. Citadels ist ein tolles Kartenspiel für Spieler, die den Chaosfaktor eines Spiels zu schätzen wissen, der vorausschauenden Planung aber auch nicht abgeneigt sind und sich vor allem von den Mitspielern nicht zu schnell ärgern lassen. Außerdem eignet sich Citaldes auch für größere Spielrunden. An einer Partie können bis zu acht Spieler teilnehmen.
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