Test: City of Rome

Es gibt Themen und Genres, sowohl in der Video- als auch in der Brettspielwelt, die regelmäßig wieder hervorgeholt werden. Der Städtebau etwa ist so eine Disziplin. Auf der SPIEL in Essen tauchte mit City of Rome ein Vertreter des Genres auf, der in den Hitlisten vieler Spieler nach ganz oben kletterte. Thematisch siedelt sich das Spiel in der Blütezeit des alten Roms an. Als Baumeister dieser Epoche liegt es an euch, die Metropole neu zu errichten und ihr zu neuem Glanz zu verhelfen. Jeder Baumeister brütet dabei über seinem eigenen Stückchen Rom. Mit gezielter Planung strickt ihr dabei ein Netz aus Wohngebieten und öffentlichen Gebäuden, das den Bürgern von Rom zu Reichtum und Wohlstand verhelfen soll.

Die Frage, warum Rom überhaupt neu errichtet werden muss, wird in City of Rome nicht näher erörtert. Das Römer-Thema schlägt im Spiel letztlich auch nicht so richtig durch. City of Rome hätte ohne größere Probleme auch in ein anderes Setting verfrachtet werden können. Ob City of New York, City of Shanghai, City of Mars oder City of Bottrop-Kirchhellen… alle Spieletitel ließen sich mit ein paar kleinen Veränderungen bewerkstelligen. Dies mag aber auch schon der größte Kritikpunkt des Spiels sein, denn in Sachen Spielmechanik läuft City of Rome wie geschmiert.

Ein Baumeister im alten Rom

Dreh- und Angelpunkt von City of Rome sind die sogenannten Aktionsstreifen, von denen ihr sechs unterschiedliche im Spiel vorfindet. Jeder Aktionsstreifen verfügt über fünf Felder, auf denen ihr euren Baumeister einsetzen könnt. Die Felder auf den Aktionsstreifen sind stets die gleichen, sie beinhalten jeweils drei Bau- sowie zwei Produktionsfelder. Lediglich die Anordnung dieser Felder variiert mit jedem Streifen ein wenig.

Je nachdem an welcher Position in euren Baumeister einsetzt, seid ihr früher oder später mit eurem Zug an der Reihe. Seid ihr als erster Spieler an der Reihe, verfügt ihr über freie Hand bei der Wahl der Gebäudekarten, die ihr später in eurem Stadtteil verbauen könnt. Leider seid ihr dadurch im weiteren Verlauf des Zuges an anderer Stelle in euren Möglichkeiten eingeschränkt. So kann jede Position des Baumeisters auf dem Aktionsstreifen Vor- und Nachteile haben.

Schwierige Entscheidungen zu Rundenbeginn

In jeder Runde steht euch eine kleine Auswahl an Gebäudekarten zur Verfügung. Es ist also auf jeden Fall ein Vorteil, möglichst früh seine Wahl treffen zur können. Pro Runde kann sich jeder Spieler nur eine Gebäudekarte aneignen. Entsprechend bedeutsam ist es daher, hier eine gute Wahl zu treffen. Die neue Gebäudekarte nehmt ihr zunächst auf die Hand. Im weiteren Verlauf des Zugs habt ihr nun genau zwei Optionsmöglichkeiten.

In jeder Runde dürft ihr genau ein Gebäude bauen sowie einmal die Produktion aller bereits ausliegenden Produktionsstätten auslösen. Beide Aktionen müssen jedoch vorher bezahlt werden. Die Bezahlung erfolgt jedoch nicht in Münzen, sondern ihr müsst die vorgegebenen Aktionspunkte ausgeben. Die Zahl der zur Verfügung stehenden Aktionspunkte variiert wiederum mit der Position des Baumeisters auf dem Aktionsstreifen. Je später ihr ein Gebäude wählen durftet, desto mehr Aktionspunkte könnt ihr nun ausgeben. Damit steht ihr in jeder Runde vor einer schweren Entscheidung. Entweder sicher ihr euch eine begehrte Gebäudekarte frühzeitig oder generiert eine größere Zahl an Aktionspunkten.

Bauen und Produzieren

City of Rome kennt diesbezüglich zwei verschiedene Währungen. Über den Aktionsstreifen könnt ihr Bau- sowie Produktionspunkte erhalten. Um ein Gebäude von der Hand in euren Stadtteil zu legen, müsst ihr – je nach Karte – zwischen einem und drei Gebäudepunkten investieren. Um die Produktion eurer schon gebauten Produktionsstätten anzustoßen, benötigt ihr hingegen zwei Produktionspunkte. Münzen können euch dennoch bei euren Bauvorhaben unterstützen. Für je zwei Münzen könnt ihr einen weiteren Baupunkt hinzukaufen. Einen zusätzlichen Produktionspunkt gibt es sogar schon für eine Münze. Geld fungiert somit als eine Art Joker im Spiel. Am Spielende sind Geldmünzen allerdings auch Siegpunkte wert. Es ist also erneut eine nicht ganz leichte Entscheidung, ob sich diese Investition am Ende rentiert.

Letztlich hängt alles von der geschickten Anordnung der Gebäude in eurem eigenen Stadtteil ab. Eine zentrale Position nehmen dabei die Wohngebiete ein. Sie sind in verschiedenen Wertigkeiten vorhanden. Gelingt es euch, ein zusammenhängendes Gebiet aus gleichwertigen Wohngebieten zu errichten, habt ihr gute Chancen auf eine hohe Punkteausbeute. Die Werte aller dieser Wohngebäude werden addiert und mit der Anzahl der verschiedenfarbigen öffentlichen Gebäude in unmittelbarer Reichweite multipliziert. Auf diese Art und Weise könnt ihr euer Punktekonto in die Höhe schnellen lassen.

Auf die Anordnung kommt es an

In Rom könnt ihr im Wesentlichen vier verschiedene öffentliche Einrichtungen erbauen. Dazu zählen Markt, Arena, Schule und die Therme. Sie stellen nicht nur den zweiten Multiplikator in Kombination mit den Wohngebieten dar, sondern verfügen auch selbst über hilfreiche Fähigkeiten. Je nach Art der öffentlichen Einrichtung könnt ihr zusätzliches Einkommen, neue Gebäudekarten, Siegpunkte oder Einfluss gewinnen.

Letztgenannter ist in City of Rome eine schwer zu berechnende Größe. Durch bestimmte Gebäude sammelt ihr im Spielverlauf Einflusspunkte. Während des Spiels werden mit den neuen Gebäuden auch immer wieder die sogenannten Einflusskarten nach oben gespült. Diese lösen eine kleine Zwischenwertung aus. Der Spieler mit den meisten Einflusspunkten erhält die neu gezogene Einflusskarte, die euch am Spielende wiederum ein paar Siegpunkte einbringt. Als Gegenleistung müssen die schon erworbenen Einflusspunkte an dieser Stelle dann allerdings abgegeben werden.

Aquädukte und Tempelanlagen

Neben den Wohngebieten und den öffentlichen Gebäuden, die in Abhängigkeit voneinander Siegpunkte einbringen, gibt es in Rom aber noch einige andere hilfreiche Einrichtungen. Aquädukte etwa erweisen sich als eine gute Möglichkeit, flexibel auf gewisse Umstände zu reagieren. Die Wasserversorgung ist den Römern so wichtig, dass ihr mit einem Aquädukt sogar ein schon vorhandenes Gebäude überbauen könnt. Pro Reihe und Spalte darf sich allerdings auch nur ein solches Bauwerk befinden. Es könnte sich aber durchaus lohnen, so viele Aquädukte wie möglich zu bauen. Je mehr solcher Einrichtungen in eurem Stadtteil installiert werden, desto mehr Siegpunkt springen am Ende des Spiels für euch heraus.

Eine hohe Bedeutung haben bei den Römern auch die Tempelanlagen. Insgesamt zehn römischen Göttern könnt ihr eure Aufwartung machen und ihnen zu Ehren einen Tempel errichten. Jeder Tempel bringt euch einen individuellen Bonus, der jedoch an eine Bedingung geknüpft ist. Der Tempel des Amor etwa gibt euch zusätzliche Siegpunkte, wenn ihr mindestens vier Wohngebäude mit dem Wert von zwei Punkten gebaut habt. Merkur hingegen belohnt die reichen Spieler am Spielende, für je drei Münzen gibt es nochmal einen Extrasiegpunkt. Mit den Tempelbauten könnt ihr schnell eine ganze Menge Siegpunkte erreichen, wenn ihr den Stadtbau etwas danach ausrichtet. Vorausschauende Planer sind klar im Vorteil.

Produktive Römer

Der ganze Luxus in Rom muss jedoch auch irgendwie finanziert werden. Ohne Produktionsgebäude läuft selbst im alten Rom nicht viel. Mit der Hilfe von Gemüse-, Getreide- oder Schlachthöfen lassen sich Geld, Einfluss oder Baupunkte hinzugewinnen. Befinden sich in eurem Stadtteil viele solche Einrichtungen, kann es sich richtig lohnen, die Produktion in jeder Runde zu aktivieren. Das spült reichlich Boni in eure Kassen.

Nach genau vierzehn Runden sind die römischen Stadtteile fertiggestellt. Läuft alles glatt, steht dann ein Gebiet aus 4×4 Feldern vor euch. Anschließend kann es auch direkt zur großen Endabrechnung kommen. Jetzt zeigt sich, wer von euch Roms bester Baumeister ist. Um die Abrechnung zu erleichtern, liegt dem Spiel ein Punkteblock bei, mit dem ihr die relevanten Faktoren nacheinander überprüft. Viele Punkte bringen die Wohngebiete ein, zumindest dann, wenn ihr sie geschickt in der Nähe öffentlicher Gebäude platziert habt. Weitere Punkte gibt es für Tempelanlagen und Aquädukte. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist das verbleibende Geld. Jede Münze bringt immerhin einen Siegpunkt. Zu guter Letzt könnt ihr nochmals durch euren Einfluss in Rom punkten. Hier zählen die gesammelten Einflusskarten sowie, zu einem geringen Teil, auch die noch verbliebenen Einflusspunkte.

Nach einer guten Stunde habt ihr den besten Baumeister von Rom gekürt. Am besten funktioniert City of Rome mit drei oder vier Spielern, bei zwei Spielern kommen ein paar kleine Sonderregeln hinzu. City of Rome ist über Abacusspiele erschienen und kostet etwa 30€. Das Spiel ist ab sofort erhältlich.

fordert schwierige Entscheidungen
leicht zu erlernen
hoher Wiederspielreiz
Thema eher nebensächlich

Sebastian Hamers

City of Rome war auf der diesjährigen SPIEL schon eine kleine Überraschung. Nicht viele hatten das Städtebauspiel so richtig auf dem Schirm. Dennoch sorgte es im Verlauf der Messe für Furore. Die Gründe dafür sind vielfältig. Mit seinen nicht zu umfangreichen Regeln ist es selbst im Messe-Chaos schnell erklärt. Das Prinzip ist flott verstanden, stellt aber trotzdem eine Herausforderung dar, selbst für taktisch versierte Vielspieler. Hinzu kommen weitere Faktoren, die City of Rome zu einem guten Messe-Spiel machen: überschaubare Spieldauer, beliebtes Thema und natürlich auch ein guter Verkaufspreis. Nach Spielende fangen dann die Diskussionen und Überlegungen an. Was hätte ich besser machen können? Was wäre passiert, wenn ich ein anderes Gebäude gewählt hatte? Solche anschließenden Gespräche sind ein untrügliches Zeichen: vor uns liegt ein gutes Spiel. Aus den eingangs schon genannten Gründen hat City of Rome das Potential, ziemlich oft auf den Spieletisch zu kommen. Es ist zwar ein wenig schade, dass die Römer-Thematik etwas aufgesetzt wirkt, angesichts der sonstigen Qualitäten des Spiels, hätte hier aber sicherlich sogar Julius Cäsar seinen Daumen gehoben.
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