Test: Crown of Emara

Crown of Emara: Das Rennen um die Krone im Test

Im Königreich Emara herrscht Harmonie und Friede. Dem weisen König Thedorius liegt das Wohl seines Volkes mehr am Herzen als die Mehrung seiner Macht. Dennoch sind dunkle Wolken über Emara aufgezogen. Der beliebte König wird nicht jünger, sodass in absehbarer Zeit die Thronfolge geregelt werden muss.

Die Untertanen wünschen sich einen König mit ähnlichen Qualitäten wie Thedorius. Daran ist auch dem König selbst gelegen. Deshalb hat er unter den jungen Adligen einen Wettbewerb ausgerufen. Sein Nachfolger soll werden, wer die meisten zugewanderten Bürger in der Hauptstadt von sich überzeugen kann. Damit dies gelingen kann, muss den Neubürgern vor allem ein Dach über dem Kopf gegeben werden. Der Adlige, der diese Aufgabe am besten meistert, soll der neue König von Emara werden.

Die Geschichte, in die Crown of Emara eingebettet ist, gewinnt keinen Kreativitätspreis. Im Vordergrund steht der geschickte Umgang mit einer Vielzahl von Ressourcen. Vier Rohstoffe sind die Grundlage vieler Aktionen im Spiel. Sie lassen sich im ländlichen Teil von Emara erwirtschaften. In der Hauptstadt könnt ihr die Rohstoffe wiederum gegen andere Güter eintauschen. Ihr erweist zudem dem Klerus die Ehre, stattet dem regierenden König einen Höflichkeitsbesuch ab, treibt den Bau neuer Wohnhäuser voran oder treibt Handel auf dem Markt.

Zwei Spielpläne – ein Spiel

Da sich Crown of Emara auf zwei verschiedenen Schauplätzen abspielt, agiert ihr mit euren Figuren auch auf gleich zwei Spielbrettern. Ein Spielfeld dienst den Aktionen auf dem Land, auf dem anderen treibt ihr euren Fortschritt in der Stadt voran. Beide Spielbretter bestehen aus jeweils vier Aktionsfeldern. Für jedes Spielbrett bekommt ihr jetzt noch ein eigenes Ratsmitglied, das ihr über die Felder bewegt und somit dort eure Aktionen ausführen könnt.

In Crown of Emara werden die Arbeiter respektive Ratsmitglieder über einen ziemlich spannenden Mechanismus über die Aktionsfelder bewegt. Gesteuert wird das Spiel über Aktionskarten, von denen ihr bei Spielbeginn drei auf der Hand haltet. Diese drei Aktionskarten spielt ihr im Laufe der Runde komplett aus, bevor ihr wieder drei neue Karten erhaltet. Das gesamte Set besteht aus neun Karten und wird genau zweimal durchgespielt. Am Ende des Tages werdet ihr also 18 Aktionen getätigt haben.

Bewegung durch Aktionskarten

Weiterhin liegt vor euch ein Spielertableau mit drei Ablageplätzen. Diese sind für die Aktionskarten reserviert. Legt ihr eure Aktionskarte in den ersten Ablageplatz, bewegt ihr ein Ratsmitglied um ein Feld weiter nach vorne. Dabei ist euch überlassen, ob sich euer Stellvertreter auf dem Land oder in der Stadt nach vorne bewegt. In beiden Arealen sind die Aktionsfelder kreisförmig angeordnet, so dass ihr eure Ratsmitglieder immer wieder durch die gleichen Gebiete wandern lassen könnt.

Eine Aktionskarte auf dem zweiten Ablageplatz lässt ein Ratsmitglied um zwei Felder bewegen, auf dem dritten Feld sind es entsprechend sogar drei Schritte. Dabei ist zu beachten, dass ihr keine Schritte verfallen lassen dürft. Genau diese Regel stellt euch nicht selten vor eine ganz besondere Herausforderung. So müsst ihr schon zu Beginn einer jeden Runde ganz genau überlegen, wie ihr eure Figuren über die Spielfelder bewegen möchtet.

Das Landleben in Emara

Die Aktionen auf dem Land sind noch vergleichsweise recht überschaubar. Je nach Aktionsfeld könnt ihr euch hier folgende Rohstoffe holen: Tuch, Getreide, Stein und Holz. Im Verlauf des Spiels lassen sich auf den Aktionsfelder noch Handwerker einsetzen, die ihr durch die Abgabe einer bestimmten Rohstoffkombination erhaltet. Eingesetzte Arbeiter erhöhen das Rohstoff-Einkommen auf dem jeweiligen Feld. Auf jedem Landschaftsfeld könnt ihr zudem Getreide in Brot umwandeln. Dieses werdet ihr später in der Stadt gut gebrauchen können, um neue Bürger in die Stadt zu locken, die sich über ein großes Nahrungsangebot freuen.

Deutlich komplexer wird das Leben des Ratsmitglieds hingegen in der Stadt. Zwar gibt es auch hier nur vier Aktionsfelder, die Möglichkeiten sind allerdings ungleich höher. Dennoch werdet ihr regelmäßig auch euer Ratsmitglied auf dem Land bewegen müssen, da euch sonst die nötigen Rohstoffe ausgehen, um in der Stadt aktiv zu werden.

Hektisches Treiben in der Stadt

Traditionell ist die Kirche ein wichtiger Ort, hat der Klerus doch einen großen Einfluss auf die Bürger in einer mittelalterlichen Welt. Gegen eine kleine Spende in Form von Rohstoffen erhaltet ihr vom Priester ein Buch, eine weitere wertvolle Ressource, die ihr an einem anderen Ort zu Siegpunkten machen könnt. Weiterhin erhaltet ihr die Gunst der Kirche. Sie zahlt sich aus, wenn ihr die Kirche ein weiteres Mal aufsucht.

In der Burg thront der König, dem ihr eure Aufwartung machen könnt. Ebenso wie die Kirche nimmt auch der König Spenden von euch entgegen. Wieder gebt ihr Rohstoffe ab, erhaltet aber diesmal einen Siegelring. Mit Siegelringen wiederum könnt ihr Adelstitel erstehen, die euch ebenso Siegpunkte einbringen. Meist benötigt ihr für den Kauf eines Titels nicht nur einen Siegelring, sondern auch die ein oder andere Münze.

Ressourcen-Roulette

Dieser erhaltet ihr natürlich auf dem Markt. Hier dürft ihr einen beliebigen Rohstoff in eine Münze umwandeln. Münzen sind besonders praktisch. Ihr braucht sie nicht nur, um einen Adelstitel zu erwerben, sondern könnt sie später auch als Joker für einen anderen Rohstoff einsetzen. Auf dem Markt werden auch die Bücher aus der Kirche wieder interessant. Sie können gegen Siegpunkte abgegeben werden.

Bleibt als letztes Aktionsfeld noch die Baustelle. Mit Steinen oder Holz könnt ihr den Bauarbeitern weiterhelfen und auch hier wieder einige Siegpunkte abstauben. Auf der Baustelle könnt ihr auch euer Brot loswerden, das ihr hoffentlich auf dem Land fleißig gebacken habt. Das Brot stellt eine besonders hilfreiche Ressource dar, wenn es darum geht, Siegpunkte zu generieren.

Siegpunkt ist nicht gleich Siegpunkt

Nachdem ihr schon mit allerlei unterschiedlichen Ressourcen hantieren müsst, kommen in Crown of Emara jetzt auch noch Siegpunkte in zwei verschiedenen Varianten vor. Prinzipiell ist eure Mission, möglichst viele Bürger in der Stadt zufriedenzustellen. Spendiert ihr dem Volk eine Menge Brot, dann ist das gut für euer Ansehen und es regnet Bürgerpunkte, die erste Form der Siegpunkte, für euch.

Am Spielende müsst ihr diesen zufriedenen Bürgern aber auch noch eine Unterkunft bieten können. Dazu sammelt ihr wiederum Baupunkte. In der Schlusswertung bringen euch lediglich die Bürger auch Punkte ein, die ein Dach über dem Kopf haben. Deshalb dürft ihr auf keinen Fall vernachlässigen, ebenso ein paar Baupunkte zu sammeln. Diese bekommt ihr vor allem, wenn ihr fleißig Steine und Holz zur Baustelle transportiert.

Angebot und Nachfrage

Wenn ihr in Crown of Emara viele Bau- und Bürgerpunkte bekommen möchtet, dann solltet ihr die Nachfrage besser möglichst schnell befriedigen. Der König und auch das Kirchenoberhaupt werden mit der Zeit immer weniger großzügig, wenn es darum geht, eure Spenden zu entlohnen. Sie fordern einen immer höheren Tribut von euch, je öfter sie bereits Spenden entgegengenommen haben, egal von welchem Spieler.

Für abgegebenes Brot oder gespendete Steine erhaltet ihr hingegen immer weniger. Bei Spielbeginn entlohnt euch das Volk zunächst noch reichlich für eure Gaben. Je länger das Spiel andauert, desto weniger springt für euch dabei raus. Schnelligkeit wird also belohnt. Auf diese Weise könnt ihr zudem auch eure Mitspieler ärgern, die dann bei ihrer nächsten Spende weniger entlohnt werden als zuvor angenommen.

Ein Spiel mit vielen Feinheiten

Ein wesentliches Problem bei der Erfüllung eurer Mission ist, dass die Auswahl der Aktionen sehr eingeschränkt ist. Mit euren Ratsmitgliedern dürft ihr nicht einfach auf beliebige Felder springen, sondern müsst eure Aktionen zuvor genau kalkulieren. Dabei spielt vor allem die Wahl des Aktionsfeldes auf dem Spielertableau eine große Rolle. Hier bestimmt ihr, wie viele Schritte die Spielfigur voranschreitet. Auf den Aktionskarten selbst sind zudem Zusatzaktionen aufgedruckt, die euren Spielraum etwas erweitern. Mal gibt es eine Bonus-Ressource für euch, mal dürft ihr zusätzlich Rohstoffe in Münzen umwandeln. Einige Karten gewähren euch sogar eine zusätzliche Aktion.

Hinzu kommen noch einige wenige Zusatzaktionen, die ihr optional ausführen dürft. Dazu zählt der Einsatz eines Handwerkers und der Kauf eines Adelstitels. Weiterhin könnt ihr in der Stadt einen Berater anwerben. Die Berater liegen in den vier Aktionsfelder der Stadt aus und können dort angeheuert werden, sofern sich eure Spielfigur in diesem Feld befindet. Sie gewähren euch Vorteile unterschiedlicher Art. Über die Berater könnt ihr einmalige, aber auch dauerhafte Vorteile erhalten, die euch bei eurem Vorhaben unterstützen.

Das Spiel endet, sobald der Stapel mit den Aktionskarten zweimal durchgespielt wurde. Nach 18 Aktionen ist die Partie also beendet. Für einen Durchlauf müsst ihr ungefähr eine Stunde einplanen, je nach Zahl der Mitspieler ein paar Minuten mehr oder weniger. Im Regelheft findet ihr sogar eine Variante für einen Einspieler-Modus. Crown of Emara ist über Pegasusspiele erschienen und steht ab sofort im Handel. Das Spiel kostet etwa 35€.

taktisch fordernd
optisch ansprechend
mit Solo-Modus
zwei Spielfelder in einem Spiel
spannende Ressourcen-Jonglage
Mittelalter-Thema ziemlich ausgelutscht

Sebastian Hamers

Das Thema, das uns Crown of Emara vermitteln soll, ist leider ziemlich beliebig. Spiele mit Mittelalter-Szenario gibt es wie Sand am Meer. So würde das Spiel eigentlich schnell wieder von meiner persönlichen Spiele-Liste verschwinden, wenn Crown of Emara nicht mit anderen Qualitäten zu überzeugen wüsste. Taktisch verlangt euch das Spiel einiges ab und stellt euch immer wieder vor schwierige Entscheidungen. Durch die Handhabung der Aktionskarten mag sich der ein oder andere Spieler vielleicht in seinen Möglichkeiten eingeschränkt fühlen. Für mich ist es jedoch gerade diese Limitierung, die das Spiel so reizvoll machen. Schon zu Beginn einer neuen Runde, wenn sich noch alle drei Karten auf der Hand befinden, müssen die Aktionen im Grunde schon durchgeplant werden. Wenn ihr die Ressourcen geschickt einsammelt und weiterverwertet, könnt ihr in spannenden Kombinationen eure beiden Siegpunktmarker in die Höhe schnellen lassen. Keine leichte Aufgabe. Wenn sie gelingt, fühlt es sich dafür umso befriedigender an. Für mich hat Crown of Emara das Zeug zum Dauerbrenner, der sich auch in den kommenden Monaten sicher immer wieder auf unserem Spieletisch wiederfindet.
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