Test: Dark Souls Remastered (Nintendo Switch)

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Dark Souls Remastered: Endlich auch mobil genießen

Praise the sun – jetzt auch im Sommerurlaub! Rund fünf Monate lang sterben sich Spieler auf PS4, Xbox One und PC inzwischen schon durch das düstere Lordran und erfreuen sich an den verbesserten Texturen und Komfortfunktionen von Dark Souls Remastered. Nintendo entfacht das Zeitalter des Feuers nun von Neuem und bringt den Action-RPG-Dauerbrenner endlich auch für die Switch. Ornstein und Smough am Strand – Kann das funktionieren?

Steht Dark Souls drauf, steckt Dark Souls drin

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Mit an Bord: Der Artorias of the Abyss DLC

Auch wenn From Software mit Dark Souls Remastered den ersten Abstecher auf die Nintendo Switch wagt, bleibt die allseits beliebte Formel des Spiels genau wie wir sie seit 2011 kennen, lieben und hassen gelernt haben. Als untoter Erbe des Feuers durchstreift ihr eine verlassene Welt und macht euch auf, einen uralten Fluch zu brechen, um Lordran entweder zu befreien oder ins ultimative Chaos zu stürzen. Euer Vermächtnis besteht darin, den korrumpierten Hüter der Flamme, Gwyn, zu finden und die erste aller Flammen neu zu entfachen – Keine leichte Aufgabe wie sich recht schnell herausstellt.

Dabei ist es egal, ob ihr im Handheld-Modus euer Glück versucht oder per Dock auf dem großen Bildschirm antretet, Dark Souls Remastered tritt euch auf der Switch ebenso fest in den Allerwertesten wie auf allen anderen Plattformen. An Möglichkeiten zu Sterben mangelt es kaum, denn das Remaster umfasst – wie gewohnt – nicht nur das Hauptspiel, sondern auch den Artorias of the Abyss DLC. Euch erwartet also auch hier keine „Scholar of the First Sin 2.0 Edition“, sondern lediglich eine aufgehübschte Variante des ursprünglichen Spiels mit kleineren Komfortfunktionen.

Läuft und Läuft und Läuft

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Stabile 30 Bilder pro Sekunde: Auf der Switch garantiert

Wie schon die ursprüngliche Fassung auf PlayStation3 und Xbox 360 läuft Dark Souls auf der Switch in 30 Bildern pro Sekunde. Dies gilt sowohl für den Dock- als auch den Handheld-Modus. Mit butterweichen 60FPS auf den anderen Konsolen und dem PC kann das ausführende Studio Virtuos also nicht mithalten, was allerdings kaum ins Gewicht fällt, da selbst in den Tiefen von Blighttown keine fiesen Framedrops lauern und die Spielerfahrung somit größtenteils flüssig bleibt – ein absolutes Muss für einen Titel, der primär von Gameplay lebt, das wenige Fehler verzeiht. Einziger Wermutstropfen: Virtuos bekommt die From Software-typischen Probleme beim Frame Pacing nicht in den Griff, sodass in seltenen Fällen winzige Sprünge zwischen den Bildabläufen auftreten. Gehört ihr nicht zur Grafikhuren-Fraktion, solltet ihr diesen kleinen Makel im Spielfluss jedoch kaum bemerken.

Deutlich bemerkbar macht sich der Unterschied zwischen dem Original aus 2011 und dem Switch-Remaster allerdings in puncto Auflösung. Im portablen Modus rendert Dark Souls Remastered mit einer nativen Auflösung von 1280×720 und stellt damit bereits ein Update zur ursprünglichen Fassung dar. Nutzt ihr die Switch hingegen im Dock, könnt ihr die Welt der dunklen Seelen darüber hinaus in Full-HD bereisen, vorausgesetzt die dynamische Auflösung des Remaster spielt mit. Je nach Last schraubt sich die Auflösung nämlich automatisch zurück und kann mit etwas Pech selbst per Dock im Bereich von 1280×720 landen. Als Zwischenlösung bietet das Spiel 1600×900 Pixel an. In unserer Testsession mit dem Spiel rutschte die Auflösung jedoch nur ein einziges Mal unter 1920×1080 und blieb ansonsten beim scharfen Full-HD. 4K-Unterstützung wie auf Konsole und PC liefert die Switch selbstverständlich nicht.

Texturen und Sound: Nur selektiv neu

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Remastered: Nur an einigen Stellen

Grundsätzlich lässt sich also sagen: Dark Souls Remastered auf dem Handheld ist kein grafischer Meilenstein, punktet dafür aber mit verlässlicher Performance und stellt das Original letztlich in den Schatten. Einige Entscheidungen von Virtuos, eigentlich Experten in Sachen HD-Neuauflagen, stoßen bei uns jedoch auf Unverständnis. Ganz besonders im Bereich der Texturen zeigt sich DSR auf der Switch inkonsequent. Manche Texturen, insbesondere die Vegetation und Gebäude, sind problemlos auf einem Level mit denen der übrigen Konsolen, während Nebeltore, Ausrüstungen sowie Waffen auf wundersame Art und Weise wirken als wären sie im Jahr 2011 hängengeblieben. Da fragen wir uns natürlich, was zwischen PC- und Switch-Remaster vorgefallen ist, denn auf dem Rechner glänzen die wabernden Levelbegrenzungen im brandneuen Look.

Ein weiteres Problem: Der Sound. Auch wenn sich qualitative Unterschiede zwischen dem Switch-Remaster und seinen Vorgängern nur marginal bemerkbar machen, gibt es trotzdem einen großen Kritikpunkt, der die Switch-Version ins Abseits schießt. An einigen Stellen fehlen schlichtweg kurze Sound-Abschnitte wie zum Beispiel beim Herausziehen der Waffe nach einer Visceral Attack, andere Sounds lassen ein leichtes Rauschen hören, das wohl aufgrund einer fehlerhaften Kompression zustande kommt. Besonders, wenn Waffen auf Wände oder Gegner treffen, werden kleinere Störgeräusche offenkundig. Ein schlechteres Spiel entsteht aus diesem kleinen Makel sicher nicht, dennoch darf man angesichts der deutlich verzögerten Veröffentlichung zumindest gleichwertige Qualität im Vergleich zu den anderen Neufassungen erwarten.

Dark Souls im Sommerurlaub

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Bosskampf in der U-Bahn

Warum also das Remaster für die Switch kaufen, wenn das gleiche Spiel ohnehin schon für sämtliche Konsolen verfügbar ist und dort sogar besser aussieht? Ganz einfach: Auf der Switch erwartet uns erstmals ein Dark Souls, das wir nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern in Bus, Bahn, Wartezimmer oder gar im Sommerurlaub zocken können. Bereits der Port von Skyrim hat bewiesen, dass umfangreiche Rollenspiele und Nintendos Konsole die besten Freunde sein können, sofern die Umsetzung stimmt. Dark Souls lässt euch hier die freie Auswahl aus den gängigen Steuergeräten. Für optimalen Spielkomfort empfehlen wir euch natürlich den Pro-Controller, aber auch mit den Joy-Con-Grips spielt sich DSR enorm gut. Das größte Verkaufsargument für DSR auf der Switch bleibt schlicht und ergreifend die Tatsache, dass wir nun endlich auch mobil verzweifeln und genießen können.

Gewöhnungsbedürftig zeigt sich hingegen die Steuerung, wenn wir beide Joy-Cons lose in den Händen halten. Nach einigen Minuten Eingewöhnungszeit entwickelt sich aber auch daraus eine echte Alternative zum herkömmlichen Controller. Problematisch wird es lediglich, sobald wir die kleinen Controller direkt an die Switch docken. Wir hatten immense Probleme damit, in Kämpfen die gewohnte Übersicht und Bewegungsfreiheit beizubehalten, denn die beiden Analogsticks sind schließlich nicht parallel angebracht, sondern leicht höhenversetzt. Besonders mit kleinen Händen fällt das Navigieren somit schwer und auch die Nutzung des unter dem linken Sticks gelegenen Steuerkreuzes, für Dark Souls enorm wichtig, leidet unter diesem Layout. Letztlich findet ihr rund um die Switch aber sicher Möglichkeiten, Dark Souls so zu zocken wie es für euch am bequemsten ist. Besonders praktisch: Die Schleifen an den Joy-Cons verhindern den unweigerlichen Controller-Tod, ausgelöst durch fieses, aber forderndes Leveldesign.

Sonnenseiten für Controller-Akrobaten

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Der ultimative Sunbro – Ein nettes Gimmick für Fans

Für die Zukunft würden wir uns natürlich ein Upgrade zur Bewegungssteuerung wünschen, sodass wir mit einer gekonnten linken Rückhand Gegner parieren oder mit der rechten Hand die Movesets unserer Waffen  voll ausnutzen – Sicher nur ein kurzfristiger Spaß, aber ein echte Abwechslung zum Dark Souls Alltag. Eine weitere Neuerung der Switch-Version bezieht sich auf die Eingabeschemata. Im Menü könnt ihr die wichtigsten Tasten nämlich nach eurem eigenen Gusto belegen. Das ist besonders hilfreich für alle, die bisher nur die Nachfolger gespielt und deshalb an die Sprungmechanik über den linken Analogstick gewöhnt sind. Schade ist hierbei lediglich, dass ihr keine Möglichkeit habt, auch die Plus- und Minus-Taste mit in die Eingabe einzubinden.

Eine weitere nette Spielerei, die ihren Weg in Dark Souls Remastered auf der Switch gefunden hat, sind Nintendos schicke amiibos. Zum offiziellen Release des Spiels am 19.10.2018 erscheint deshalb eine Figur, die ein jeder Dark Souls Spieler kennen und lieben gelernt hat: Der gute Solaire von Astora. In seiner typischen Praise the Sun-Pose findet er den Weg zu euch nach Hause, ist solide verarbeitet und kann – wie alle amiibos – ins Spiel integriert werden. Beim Auflegen auf die Kontaktfläche tut euer Spielcharakter es dem gutmütigen Ritter gleich und vollführt ebenfalls die legendäre Geste. Für 19,99€ dürfte Solaire bei den meisten zwar eher die heimische Vitrine schmücken als wirklich zum Einsatz kommen, denn mehr als ein Gimmick bleiben die amiibos auch bei Dark Souls Remastered nicht.

Dark Souls endlich auch für unterwegs
Stabile Bildrate mit soliden 30FPS
Neue Texturen...
Mit sämtlichen Eingabegeräten kompatibel
Spielgefühl des Originals bleibt erhalten
Potenzial für kreative Bewegungssteuerung in der Zukunft
Grafisch nicht zeitgemäß
Probleme mit der Sound-Kompression
...allerdings nur für ausgewählte Objekte
Bugs weiterhin ein Problem

Christian Böttcher

Dark Souls Remastered auf der Switch gibt uns endlich die Möglichkeit, auch unterwegs zu verzweifeln, Hidetaka Myiazaki persönlich die Pest an den Hals zu wünschen und jeden Bosskill mit Jubelschreien zu feiern - ob unsere Mitreisenden das nun wollen oder nicht. Dafür müssen wir jedoch eine ganze Menge einstecken. Auch fünf Monate nach dem durchwachsenen Remaster auf den anderen Plattformen ist aus DSR keine wirklich gute Neuauflage geworden. Zu viele technische Schnitzer, halbherzig aufbereitete Texturen und Bugs, die schon vor 7 Jahren tierisch genervt haben, hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack. Dabei bleibt das Spiel selbst über jeden Zweifel erhaben und verdient die mobile Umsetzung auf der Nintendo Konsole in jedem Fall. Wer also hinter die vielen Schwächen des Remaster blickt und das spielerische Meisterwerk dahinter entdecken kann, darf vor allem als Dark Souls-Neuling gern zugreifen. Könnt ihr darauf verzichten, im Sommerurlaub Dämonen zu zerhacken, bleibt besser beim Original oder greift zum PC-Remaster.
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