Test: Das kriminelle Talent

Wenn ihr an Brettspiele denkt, kommt euch sicher fast unweigerlich auch das gute alte Monopoly in den Sinn. Kein Wunder, schließlich ist Monopoly eines der erfolgreichsten Brettspiele überhaupt. Es wurde in über einhundert Ländern verkauft und in fast vierzig Sprachen übersetzt. Die erste Version des Spiels erschien bereits 1933. Weniger bekannt, aber nur unwesentlich jünger ist Das kaufmännische Talent, das drei Jahre später das Licht der Welt erblickte. In seinem Heimatland Österreich genießt DKT, so die offizielle Kurzform des Spiels, allerdings seit jeher Kultstatus. Warum also nicht mal einen Blick in die Alpenrepublik werfen, insbesondere wenn es jetzt eine neue vielversprechende Variante von DKT gibt?

Die Geschichte von Das kaufmännische Talent ist ziemlich interessant. Genau wie das bekannte Monopoly basiert auch das DKT auf dem Spiel The Landlord’s Game von Elizabeth Magie, das bereits im Jahr 1904 gespielt wurde. Zunächst erschien DKT unter dem Namen Spekulation. Der Verlag Stomo Spiele entschied sich seinerzeit jedoch für eine Namensänderung, da Monopoly im nationalsozialistischen Regime verboten war. Seit Anfang der 40er Jahre ist DKT eine bekannte Marke in Österreich. Einige Turbulenzen musste DKT aber dennoch überstehen. Dazu gehörten vor allem die vielen Wechsel der verantwortlichen Verlage. Seit gut zehn Jahren hat sich die Lage aber stabilisiert. Mit dem Wiener Verlagshaus Piatnik scheint DKT jetzt wieder eine neue Heimat gefunden zu haben.

Das kriminelle Talent

Im letzten Jahr entschloss sich der Verlag Das kaufmännische Talent um eine weitere Variante zu bereichern. Nachdem es schon Ableger wie Weltreise, Europa oder Junior gegeben hat, taucht das DKT jetzt ab in die Unterwelt. In Das kriminelle Talent nutzt ihr euer Vermögen auf altbewährte Art, investiert es jedoch in illegale Machenschaften. Statt Straßen erwerbt ihr Etablissements mit kriminellem Anstrich.

Wie üblich werden immer zwei oder drei Gewerbe zu einer gemeinsamen Farbe zusammengefasst. Ihr kennt diesen Zusammenschluss aus Monopoly, wo etwa Parkstraße und Schlossallee eine Einheit bilden. Beim kriminellen Talent bilden beispielsweise Schlägerverleih Knockout Mike, Waffenhandlung Patronen Pepi und Bestattung Adieu Gustl gemeinsam den Sektor der Brutalität. Andere Geschäftsbereiche sind etwa Amüsement, Selfservice, Mobilität oder Lässigkeit. Als geschickter Investor trachtet ihr danach, möglichst alle Gewerbe eines Geschäftsbereichs an euch zu reißen, um so (Achtung!) ein Monopol aufzubauen.

Beschleunigter Spielablauf

Wie gewohnt würfelt ihr in jedem Zug mit zwei Würfeln und bewegt eure Spielfigur um die entsprechenden Augenzahlen nach vorne. Landet ihr auf einem freien Geschäftsfeld, dürft ihr das Gewerbe kaufen. Jedes Gewerbe lässt sich zusätzlich aufwerten, nicht durch die bekannten Häuser und Hotels, sondern durch Sterne. Das Prinzip ist jedoch gleich, je mehr Sterne auf dem Feld liegen, desto teurer wird die Angelegenheit, wenn ein anderer Spieler auf diesem Feld landet.

Allerdings könnt ihr in jeder Runde einen Stern hinzukaufen. Dazu müsst ihr euch nicht zwingend auf dem Feld befinden, auf das ihr einen weiteren Stern legen möchtet. In dieser Beziehung lässt euch Das kriminelle Talent viel Freiraum. Pro Runde dürft ihr sogar gleich für mehrere Geschäftsfelder Sterne erwerben, solange ihr genügend Kohle aufbringen könnt. Die einzige Begrenzung: pro Gewerbe kann in jeder Runde nur ein Stern erworben werden. Diese Regel beschleunigt das Hochziehen von besonders effizienten Geschäften doch ganz erheblich.

Wir brauchen mehr Security

Maximal vier Sterne könnt ihr pro Geschäftsfeld besitzen. Habt ihr dieses Maximum erreicht, seid ihr in der glücklichen Lage, euch eine Security-Figur aneignen zu können. Die vier Sterne werden dann abgeräumt und durch die Figur ersetzt. Jetzt könnt ihr auch die höchstmögliche Summe aus euren „Kunden“ herauspressen, wenn sie euer Etablissement aufsuchen. Die Security hat bei DKT aber noch eine andere Bedeutung, dazu gleich mehr.

Neben den Figuren der Spieler befinden sich noch zwei schwarze Erpresser-Figuren auf dem Feld. Habt ihr alle regulären Aktionen absolviert, werft ihr nun die beiden Extra-Würfel, die natürlich ganz in schwarz gehalten wurden. Mit diesen bewegt ihr nun eine der beiden Erpresser. Diese können – im Gegensatz zu den Spielerfiguren – im oder gegen den Uhrzeigersinn bewegt werden.

Jetzt versucht ihr möglichst auf einem Geschäftsfeld eines anderen Spielers zu landen. Mit dem Erpresser könnt ihr den Besitzer des Gewerbes um ein paar Moneten erleichtern. Je wertvoller das Geschäfts ist, desto mehr Geld kann der Erpresser abgreifen. Befindet sich jedoch eine Security-Figur auf dem anvisierten Feld, kann der Erpresser nichts ausrichten und gehe somit leider leer aus.

Lösegeldforderung

Alternativ dazu lassen sich die Erpresser auch auf andere Spielfiguren ansetzen. Landet ihr mit dem Erpresser auf deinem Feld, auf dem sich die Spielfigur eines anderen Spielers befindet, könnt ihr eine Lösegeldforderung stellen. Für jede gefangene Figur springen 100€ für euch heraus. Wenn ihr mit dem Erpresser also in einen Pulk von Spielfiguren lauft, kann sich die Aktion gleich doppelt und dreifach lohnen. Die Security-Figur beschützt dabei übrigens nicht nur das eigene Gewerbe, sondern auch alle Figuren, die sich darauf befinden. Mit dem Erpresser könnt ihr kein Lösegeld von einer Figur fordern, die sich auf einem Feld mit einer Security-Figur befindet.

Zieht ihr den Erpresser auf das Feld mit der eigenen Spielfigur und habt dort zuvor Miete gezahlt, könnt ihr euch die Miete mit Hilfe des Erpressers sogar zurückholen. Das übliche Erpressungsgeld fällt dabei natürlich noch obendrauf an. Durch den Einsatz der schwarzen Figuren stehen euch in jeder Runde also nochmals ein paar Optionen offen. Damit hebt sich DKT auch spielerisch von Monopoly ab.

Auflockerung durch Sonderfelder

Andere bekannte Funktionen aus Monopoly und dem klassischen DKT haben auch ihren Weg ins Spiel gefunden. Nicht fehlen darf natürlich der Arrest. Dorthin gelangt ihr, wenn eure Figur auf dem Feld der Polizeistation landet. Für ein kleines Bestechungsgeld kommt ihr aus dem Knast sofort wieder frei. Ansonsten müsst ihr zwei Runden aussetzen, was gerade im späteren Spielverlauf durchaus ein Vorteil sein kann.

Vielleicht noch ärgerlicher ist ein Besuch beim Finanzamt. Hier kann es richtig ins Geld gehen. Jede Besitzurkunde kostet euch jetzt 21 Flocken. Großgrundbesitzer gelangen so schnell an den Rand des Ruins. Nicht ganz so dramatisch ist das Feld mit der „Grundlosabgabe“, die mit 80€ noch vergleichsweise günstig ausfällt. Neues Einkommen generiert ihr, auch das ist sicher bekannt, wenn ihr das Startfeld passiert.

Besonders beliebt ist zudem das Casino von Jeton Toni. Sobald eine Spielfigur auf diesem Feld landet, muss jeder Spieler einen Einsatz von 50€ leisten. Anschließend wird um den Sieg mit zwei Würfeln gespielt. Der Spieler mit der höchsten Augenzahl gewinnt den Pot. Im Falle eines Gleichstandes gibt es ein Stechen, solange bis ein Sieger feststeht.

Ein kleines Kartenpaket, abseits der Besitzurkunden, liegt dem Spiel auch noch bei. Dabei handelt es sich um Aktions- und Bankkarten, die beim Betreten von bestimmten Feldern gezogen werden müssen. Die Handhabung der Karten ist simpel. In den meisten Fällen entrichtet ihr eine kleine Abgabe in Form von ein paar Scheinen. Eher seltener dürft ihr euch über einen kleinen Bonus freuen.

Kein Endlos-Spiel

Das Spiel endet, wenn nur noch ein Spieler über finanzielle Mittel verfügt. Dies kann sich natürlich etwas hinziehen, da etwaige Sterne, Security-Figuren und Besitzurkunden auch wieder verkauft werden können. Durch die Möglichkeit, die eigenen Geschäftsfelder in kurzer Zeit aufzurüsten, verläuft die Partie aber dennoch schneller als gedacht. Das Regelwerk schlägt zudem vor, eine feste Spieldauer zu vereinbaren. Nach Ablauf der Zeit wird dann einfach der reichste Spieler zum Sieger gekürt. Das kriminelle Talent ist für 3-6 Spieler geeignet, ist über Piatnik erschienen und kostet etwa 30€.

Charmante Gestaltung
Für bis zu 6 Spieler geeignet
Erpresser-Figuren bringen neuen Schwung ins Spiel
Sehr keine Geldscheine
Altbekanntes Spielprinzip

Sebastian Hamers

Das kriminelle Talent ist dem bekannten Monopoly natürlich sehr ähnlich. Die gemeinsamen Wurzeln lassen sich auch durch das neue Thema nicht verleugnen. Der neue Anstrich von DKT ist aber durchweg sympathisch. Der comichafte Stil und die witzigen Bezeichnungen der Geschäftsbereiche beweisen Charme. Der Einsatz der beiden Erpresser-Figuren haucht dem Spiel auch deutlich mehr Eigenständigkeit ein als der x-te Monopoly-Aufguss. Gefallen hat mir auch die Möglichkeit, ein Gewerbe innerhalb kurzer Zeit von einer Bruchbude bis zum Vorzeigeobjekt aufzumotzen. Monopoly-Freunde erhalten mit DKT eine Variante, die sich sanft vom Klassiker abhebt. Das Lernen von vielen neuen Regeln bleibt euch trotzdem erspart. Auf den sechs reichlich bebilderten Seiten erfahrt ihr viel Altbekanntes, sodass der Einstieg in Das kriminelle Talent wirklich sehr einfach ausfällt. Wenn ihr von Monopoly nicht genug bekommen könnt, dann werft doch mal einen Blick über den Tellerrand und gebt dem österreichischen Pendant eine Chance.
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