Test: Deadline

Deadline: Das kooperative Detektivspiel im Test

Geschichtslastige Spiele haben auch im Jahr 2019 Hochkonjunktur. Nachdem Brettspiele eine lange Zeit oft auf ihre Mechanik reduziert wurden, durften wir zuletzt eine kleine Schwemme mit Spielen erleben, bei denen eine spannende Geschichte im Vordergrund steht. Eine gute Mischung aus Mechanik und Geschichte möchte euch das kooperative Deadline bieten. Während ihr euch intensiv mit dem mechanischen Ablauf des Spiels befasst, erlebt ihr die Detektivgeschichte im Hintergrund ganz nebenbei. Erst am Ende des Falls rückt die Story des Spiels wieder stark den Fokus. Dann geht es darum, das Rätsel aufzulösen und den Fall zu den Akten zu legen.

Ein erster Blick auf die Grafik von Deadline hinterlässt bei mir direkt ein zufriedenes Lächeln. Der grafische Stil erinnert mich an meine Ausflüge nach Rapture in BioShock. Die Art-Deco-Optik entführt uns jedoch nicht in eine Unterwasserwelt, sondern in das New York der 1930er Jahre. Als Privatdetektiv haben wir die Schnauze voll von billigen Ehebrecher-Jobs. Jetzt ist die Zeit für die ganz großen Aufträge gekommen. Der Spieleschachtel liegen gleich zwölf Fälle vor, die es kooperativ, mit bis zu vier Spielern, zu lösen gilt.

Den Tatort untersuchen

Bevor es auf Verbrecherjagd geht, sucht ihr euch allerdings erst noch euer Alter Ego aus. Ihr habt die Wahl zwischen acht Detektiven. Jeder von ihnen verfügt über eine ganz besondere Fähigkeit, die ihr einmal pro Fall einsetzen könnt. Anschließend sucht ihr euch einen der zwölf Fälle aus. Zu jedem Fall gehört ein eigenes Kartenpaket, mit dem ihr die Geschichte des Falls stückweise entschlüsselt. Am Anfang einer jeden Geschichte stehen euch nur ein paar wenige Hinweise zur Verfügung. Ihr entscheidet gemeinsam, welcher Spur ihr zuerst nachgehen möchtet.

Auf jeder Hinweiskarte seht ihr zunächst den Ort, den ihr nun abchecken könnt. Ansonsten findet ihr dort zunächst keine weiteren hilfreichen Informationen. Diese müsst ihr euch erst durch kluge Ermittlungsarbeit verdienen. Auf den Hinweiskarten sind einige Symbole abgebildet wie Geldbündel, Revolver, Zigarettenschachtel oder Hut. Alle abgebildeten Symbole müsst ihr erst mit euren Handkarten ausspielen, bevor ihr die Hinweiskarten herumdrehen dürft und somit weitere Informationen über den Fall herausfindet.

Neue Spuren aufnehmen

Damit ihr die geforderten Symbole ausspielen könnt, stehen euch zwischen drei und fünf Handkarten zur Verfügung, je nach Zahl der Mitspieler. Die Handkarten zieht ihr von einem gemeinsamen Nachziehstapel, der Karten zwei unterschiedlicher Kategorien enthält. Da wären zunächst die Spurenkarten. Diese enthalten jeweils drei verschiedene Symbole, wie ihr sie auch auf den Hinweiskarten findet. Bei den restlichen Karten handelt es sich um sogenannte Plot-Wendungen, die jedoch meist nichts Gutes verheißen.

Reihum legt ihr nun jeweils eine Spurenkarte auf. Besonders viele Regeln müsst ihr beim Auslegen nicht beachten. Mit der gespielten Karte müsst ihr aber immer mindestens ein bereits ausliegendes Symbol überlappen. Ein Symbol dürft ihr dabei aber immer nur mit einem gleichen Symbol überdecken. Hut-Symbole überdeckt Hut-Symbol und Revolver-Symbol überdeckt Revolver-Symbol. Auf diese Art und Weise gelingt es euch, eure Symbolreihen in die Breite zu ziehen. Hilfreich dabei sind vor allem die Joker-Felder. Sie enthalten kein Symbol und können von jedem anderen Zeichen überlappt werden. Das funktioniert sogar umgekehrt. Mit einem freien Joker-Feld dürft ihr auch jedes andere Symbol zudecken.

Erfolg oder Fehlschlag

Seid ihr am Zug, müsst ihr zwingend eine Karte spielen. Andernfalls scheidet ihr aus der laufenden Runde aus und könnt zur Aufklärung dieses Hinweises nichts mehr beitragen. Könnt ihr keine Karte ausspielen, bleiben euch jedoch noch zwei kleine Auswege aus der Misere. Alternativ zum Ausspielen einer Spurenkarte könnt ihr auch die Sonderfähigkeit eures Detektivs aktivieren. Das hält euch zumindest für eine weitere Runde im Spiel. Die zweite Möglichkeit besteht im Auslösen eines „Heißen Tipps“.

Manche Spurenkarten bringen euch einen kleinen Zusatzvorteil ein, wenn ihr sie auslegt. Sie zeigen ein Streichholzbriefchen eines New Yorker Etablissements. In diesem Fall dürft ihr den passenden „Heißer Tipp“-Marker umdrehen und bereitmachen. Bis zu vier heiße Tipps könnt ihr sammeln und sie im Spielverlauf einzusetzen, um gewisse Vorteile zu erhalten. Auch der Einsatz eines heißen Tipps hält euch im Spiel.

Vorsicht: Plot-Wendung

Sollte es euch doch einmal erwischen, indem ihr keine Aktion tätigen könnt, müsst ihr eine Karte „Plot-Wendung“ von der Hand spielen und vor euch auslegen. Plot-Wendungen bringen neue Regeln ins Spiel, die sich in den allermeisten Fällen negativ für euch auswirken. Einige Plot-Wendungen betreffen alle Detektive, andere gelten nur für euch selbst. Durch den Einsatz eines heißen Tipps könnt ihr diese Nachteile aber zum Glück auch wieder loswerden.

Die Plot-Wendungen bleiben euch auch erhalten, wenn ihr den aktuellen Hinweis abgeschlossen habt. Sie gelten für den gesamten Fall oder bis ihr die Plot-Wendung durch einen heißen Tipp aus der Welt geschaffen habt. Die heißen Tipps können also wirklich sehr hilfreich sein. Mit ihnen könnt ihr euch zudem auch neue Karten auf die Hand holen. Sprecht euch auf jeden Fall gut ab, um das Beste aus euren Spurenkarten herauszuholen.

Kommunikative Ermittler

Mit einer guten Absprache gelingt es euch dann hoffentlich auch, die geforderten Symbole auf dem Tisch auszulegen. Jetzt dürft ihr die Hinweiskarte endlich herumdrehen und ihr kommt in der Geschichte wieder ein gutes Stück voran. Häufig schaltet eine gelöste Hinweiskarte auch wieder neue Hinweiskarten frei. Diese legt ihr wieder verdeckt vor euch ab. Ab sofort könnt ihr diesen Hinweisen nachgehen, indem ihr wieder versucht, die geforderten Symbole zu sammeln. Solange sich noch nicht gelöste Hinweiskarten auf dem Tisch vor euch befinden, wird die Recherche fortgesetzt.

Allzu viele Fehlschläge solltet ihr euch aber nicht leisten. Wenn alle Detektive in ihrem Zug passen mussten, also keine Aktion durchführen konnten, handelt ihr euch einen Fehlschlag ein. Drei Fehlschüsse habt ihr frei. Misslingt eure Detektivarbeit zum vierten Mal, müsst ihr eine Hinweiskarte aus dem Spiel entfernen. Möglicherweise habt ihr dadurch nicht die Chance, auch wirklich allen Hinweisen nachzugehen. Eure Detektivarbeit weist somit erste Lücken auf.

Das große Finale

Sobald keine Hinweise mehr ausliegen, denen ihr noch nachgehen könntet, geht es mit großen Schritten auf die Auflösung des Falls zu. Jetzt nehmt ihr das Buch der Fragen zur Hand. Euch werden nun einige Fragen gestellt, die ihr mit Hilfe der entschlüsselten Hinweise nun hoffentlich beantworten könnt. Ob eure Schlussfolgerungen tatsächlich richtig waren, erfahrt ihr aus dem Buch der Lösungen. Hier könnt ihr noch einmal in aller Ruhe nachlesen, was sich tatsächlich zugetragen hat.

In der frühen Spielphase steht das mechanische Anlegen von Spurenkarten im Vordergrund. Regeltechnisch ist Deadline gar nicht mal so fürchterlich komplex. Der Teufel steckt jedoch im Detail. Um die geforderten Symbole eines Hinweises tatsächlich auszulegen, bedarf es einer wirklich guten Absprache. Gerade bei den schwereren Fällen werdet ihr sonst grandios scheitern. Aufgelockert wird das Spiel dann durch die immer wiederkehrenden Storyfetzen, die sich durchaus spannend lesen und das Spiel angenehm abrunden.

Deadline ist mittlerweile im Handel verfügbar. Es enthält zwölf Fälle, für die ihr jeweils eine bis eineinhalb Stunden braucht. Wenn ihr auf das kooperative Detektivspiel neugierig geworden seid, müsst ihr preislich mit etwa 35€ rechnen.

kooperative Spielweise
grandiose Optik
12 packende Kriminalfälle
kommunikationsfördernd
Geschichte eher zweitrangig

Sebastian Hamers

Optisch ist Deadline ein echter Hingucker. Die grafische Gestaltung passt wunderbar zum New York der 1930er Jahre. Beim ersten Anblick hätte ich jedoch mit einem Detektivspiel gerechnet, das einen noch größeren Fokus auf Rätsel und Geschichte legen würde. Dies trifft bei Deadline nur bedingt zu. Zwar bekommt ihr in jedem Fall eine spannende und stimmige Geschichte serviert, sie ist jedoch mehr Beiwerk als hauptsächlicher Bestandteil von Deadline. Das ändert allerdings nichts daran, dass mir Deadline viel Spaß gemacht hat. Der kooperative Ansatz steht im Mittelpunkt des Spiels. Mit einer guten Absprache könnt ihr sehr weit kommen, ein wenig Glück gehört jedoch ebenfalls dazu. Spanend ist Deadline in jedem Fall, wenn auch vielleicht etwas anders als zunächst gedacht. Der Druck, in jeder Runde eine Aktion durchführen zu wollen, verbunden mit den Plot-Wendungen, fordern euch auf, jeden Hinweis bis ins Kleinste zu planen. So spielt sich Deadline wirklich sehr packend und steuert mit der Auflösung des Falls auf seinen Höhepunkt zu. Das Spiel zieht seinen Reiz vor allem aus der Interaktion zwischen den Spielern, die sich gut miteinander absprechen müssen. Als kleines Bonbon erhaltet ihr eine spannende Geschichte, die sich nach und nach entblättert. Eine Kombination wie diese, hat man auch noch nicht so häufig gesehen.
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