Test: Deckscape – Raub in Venedig und Das Schicksal von London

Auch im Jahr 2018 sind die Escape-Room-Spiele schwer im Trend. Um ein Escape-Room-Erlebnis zu erfahren, müsst ihr nicht zwingend in die nächste Stadt fahren und einen Batzen Geld ausgeben. Zahlreichen Brettspiel-Varianten sei Dank, könnt ihr ebenso gut zu Hause knackige Rätsel lösen und aus eurem fiktiven Gefängnis ausbrechen. Für knapp 10€ bekommt ihr schon eine Ausgabe von Deckscape, dem Escape-Room-Spiel für die Hosentasche. Im letzten Jahr bildete Deckscape: Der Test den Auftakt, in diesem Jahr erschienen über Abacusspiele zwei weitere Ausgaben für Rätselknacker.

Das wesentliche Spielprinzip hat sich bei den beiden neuen Deckscape-Spielen nicht verändert. Sowohl Deckscape: Das Schicksal von London als auch Deckscape: Raub in Venedig bestehen aus 60 extragroßen Karten, die ihr in der vorgegebenen Reihenfolge bearbeitet. Das Lesen von Regeln fällt komplett weg. Direkt nach dem Entfernen der Schutzfolie, legt ihr den kompletten Kartenstapel auf den Tisch und schon geht es los.

Neue Geschichten nach bewährtem Konzept

Die ersten paar Karten der Spiele dienen der Einführung der Geschichte. Lest euch einfach gemeinsam den Text auf der Karte vor, bevor ihr die Anweisung ganz unten befolgt. So arbeitet ihr euch nach und nach durch den Kartenstapel und löst immer wieder neue Rätsel. Taucht auf einer Karte auf ein neues Rätsel auf, findet ihr die Lösung immer auf der Rückseite. Wirklich feststecken, wie es früher in so vielen Old-School-Adventures auf dem PC war, könnt ihr also nicht.

Fehler bei der Detektiv-Arbeit werden aber dennoch bestraft. Auf einem separaten Blatt haltet ihr eure Fehltritte fest und bekommt daführ am Ende des Abenteuers Punktabzug. In den Kartenstapel haben sich aber auch noch Hilfekarten gemischt. Kommt ihr einmal partout nicht auf die Lösung, findet ihr auf diesen eine kleine Hilfestellung, die euch vielleicht doch noch auf die richtige Spur führt. Falls nicht, hilft alles nichts, ihr dreht die Karte herum, guckt euch die Lösung des Rätsels an und müsst dann eben mit dem kleinen Malus am Spielende leben.

Analoges Adventure für bis zu sechs Spieler

Auf den Kartenrückseiten wird zudem noch erklärt, wie das Rätsel genau zu lösen ist. Ihr müsst also nicht dumm sterben, wenn ihr eine Aufgabe mal nicht erfüllen konntet. Im Nachhinein seid ihr immerhin etwas schlauer geworden, das macht es dann auch nicht ganz so frustrierend.

Für das Entschlüsseln einiger Rätsel werden hin und wieder auch ein paar Zusatzkarten benötigt. Das können beispielsweise bestimmte Gegenstände sein, die ihr einsetzen müsst oder auch versteckte Hinweise auf den Karten. Oft lohnt es sich also tatsächlich, sich die Karten noch einmal ganz genau zu betrachten. Damit wären wir dann auch schon bei einem kleinen Problem, das es schon beim ersten Deckscape-Spiel gab.

Wenn ihr nur zu zweit oder zu dritt vor dem Kartenstapel hockt, ist alles okay. Die Karten sind groß genug, dass man sie sich nicht unbedingt direkt vor die Augen kleben muss, um alle Details zu erkennen. In einer etwas größeren Runde neigt man dann aber doch mal schnell dazu, sich die Karte zu nehmen und sie aus der Nähe zu betrachten. Dadurch wird dann aber natürlich der Blick frei auf die nächste Karte im Stapel , welche die Geschichte schon weiterführt. Richtig dramatisch ist das zwar nicht, da die Lösung ohnehin auf der Kartenrückseite steht, aber die Geschichte sollte eben doch erst weitergehen, wenn das Rätsel auch gelöst wurde.

Mit sechs Spielern, der auf der Verpackung angegebenen maximalen Spielerzahl, werden die Deckscape-Geschichten so doch etwas anstrengend. Am besten spielt es sich mit zwei oder drei Spielern. Wer mag, kann natürlich auch alleine durch das Abenteuer ziehen. Ich persönlich empfinde das gemeinsame Lösen der Rätsel aber als befriedigender.

Von leicht bis schwer

Der Schwierigkeitsgrad der Rätsel hat eine ziemlich große Bandbreite. Einige Aufgaben hat man direkt beim ersten Hinsehen gemeistert, andere verlangen euch ordentlich Gehirnschmalz ab. Logisch und schlüssig sind die Rätsel aber allesamt, krude Lösungswege wie ihr sie vielleicht aus einigen der alten LucasArts-Adventures der 90er Jahre kennt, müsst ihr nicht befürchten. Ein Spiel lässt sich daher auch in rund einer Stunde meistern.

Wie so viele Escape-Room-Spiele ist auch Deckscape ein – wortwörtlich – einmaliges Erlebnis. Nachdem ihr das Abenteuer einmal bestritten habt, sind euch die Rätsel natürlich alle bekannt, was den Wiederspielwert auf null senkt. Im Gegensatz zu den beliebten Exit-Spielen von Kosmos, wird in Deckscape jedoch kein Material vernichtet. Das Spiel bleibt komplett erhalten. Bringt einfach die Karten wieder in die richtige Reihenfolge und Deckscape ist wieder einsatzbereit.

Neue Abenteuer in London und Venedig

Inhaltlich möchte ich von Deckscape: Raub in Venedig und Deckscape: Das Schicksal von London natürlich nicht zu viel verraten. Bei „Das Schicksal von London“ seid ihr als Top-Agenten von Scotland Yard in der britischen Metropole unterwegs. Die Stadt steht unter einer ganz besonderen Bedrohung, vier Bomben wurden im Londoner Wahrzeichen Big Ben versteckt. Ihr müsst die Sprengsätze finden und entschärfen, bevor es zu einer Katastrophe kommt.

Ganz anders ist die Situation in „Raub in Venedig“. Sechs Einbrecher haben sich zur Ruhe gesetzt, werden aber von einem Unbekannten erpresst. Nur wenn die Kriminellen den 1-Milliarde-Euro-Poker-Chip aus dem Casino in Venedig stehlen, bleibt ihre Identität gewahrt und die drohende Gefängnisstrafe bleibt ihnen erspart. Jeder Spieler übernimmt in diesem Abenteuer die Kontrolle über einen oder mehrere dieser Super-Gauner. Jeder Ganove ist Spezialist auf einem anderen Gebiet und verfügt über ganz besondere Fähigkeiten. In diesem Abenteuer spürt ihr die Atmosphäre er Ocean‘s-Eleven-Filme.

Deckscape: Raub in Venedig und Deckscape: Das Schicksal von London findet ihr ab sofort im Handel. Jedes Spiel kostet knapp 10€ und ist für ein bis sechs Spieler ab zwölf Jahren geeignet.

knackiger Rätselspaß für kleines Geld
verbessertes Storytelling
transportabel
mit 5-6 Spielern zu anstrengend

Sebastian Hamers

Erfolgreiche Spiele führen fast unweigerlich zu einem Nachfolger. Als Videospieler kennen wir dieses ungeschriebene Gesetz seit einer gefühlten Ewigkeit. In der Brettspiel-Welt finden sich zwar deutlich weniger „zweite Teile“, doch warum sollte es nicht auch bei den analogen Spielen gut funktionieren? Bei Deckscape sind die Voraussetzungen ziemlich gut. Die beiden Nachfolger verfügen über die gleichen Stärken wie schon der erste Teil. In Sachen Storytelling haben die Abenteuer in London und Venedig sogar noch einmal einen kleinen Sprung gemacht. Rätselfreunde können mit allen drei Deckscape-Spielen nicht viel falsch machen. Für rund 10€ werdet ihr als Gruppe für eine Stunde ziemlich gut unterhalten und könnt das Spiel anschließend auch noch problemlos weiterverschenken, da kein Material zerstört wird. Außerdem ist das Hosentaschen-Escape-Room-Spiel nicht nur transportabel, sondern nimmt auch auf dem Tisch nicht sonderlich viel Platz in Anspruch. Ihr könnt es so zum Beispiel auch ohne große Probleme in der Bahn spielen. Mir haben alle drei Deckscape-Spiele gut gefallen, mein Favorit ist „Raub in Venedig“, das ich hinsichtlich der Geschichte am spannendsten finde.
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