Test: Deja-Vu

Das Sommerloch ist mittlerweile bei uns Videospielern eingetroffen. Ganz ähnlich ergeht es auch den Brettspielern. Die meisten Verlage bereiten derzeit die nächste große Welle mit neuen Spielen für den Herbst vor. Wir haben also ein wenig Zeit, ein paar kleinere Titel aus dem laufenden Jahr nachzuholen. Wie wäre es zum Beispiel mit Deja-Vu aus dem Hause Amigo? Das kleine Spiel ist bei der Veröffentlichung zu Jahresbeginn zu Unrecht etwas untergegangen.

Deja-Vu fällt sicher nicht in die Kategorie episches Brettspiel. Es handelt sich vielmehr um einen Quickie mit einfachen Regeln, der eure Köpfe aber zum Rauchen bringen wird. Im Wesentlichen spielt sich Deja-Vu wie das klassischen Memory, ist aber sehr viel cooler.

Gedächtnisprobe mit Zeitdruck

Zunächst fällt schon einmal das Material aus der Rolle. In der Schachtel befinden sich 36 Papp-Gegenstände, die ihr in der Tischmitte platziert. Weiterhin gehören 36 Karten zum Spiel, auf denen die ausliegenden Gegenstände genau zweimal auftauchen. Mal ist nur ein Gegenstand auf einer Karte zu sehen, meist sind es aber mehrere. Zu den Karten ist vor allem zu sagen, dass sie schön groß ausgefallen sind. Sie wirken dadurch sehr wertig und die gezeigten Gegenstände sind auch gut darauf zu erkennen.

Drei Karten werden zunächst aus dem Spiel genommen, sie werden erst am Spielende wieder benötigt. Anschließend deckt ihr langsam eine Karte nach der anderen auf. Immer wenn sich ein Gegenstand auf einer Karte zeigt, von dem ihr glaubt, ihn schon auf einer vorherigen Karte gesehen zu haben, greift ihr schnell nach dem entsprechenden Gegenstand in der Tischmitte.

Da alles fürchterlich schnell geht und ihr euch sicher nicht alle Gegenstände einprägen könnt, sind Fehler vorprogrammiert. Solche Fehler bestraft das Spiel allerdings brutal. Nehmt ihr euch einen Gegenstand, der sich im weiteren Spielverlauf auf einer der nächsten Karten zeigt, hat euch euer Gedächtnis wohl getrübt. Diesen Gegenstand habt ihr ganz sicher nicht schon zuvor gesehen, da er im Spiel insgesamt nur zweimal vorhanden ist. In diesen Fall scheidet ihr direkt aus er Partie aus und habt verloren.

Eingebaute Fallen

Gemeinerweise ähneln sich die ein oder anderen Gegenstände frappierend. Im Eifer des Gefechts verwechselt man schon einmal schnell die quietschgelbe Ente mit dem gleichfarbigen Seepferdchen. Es geht auch noch gemeiner. Der Hut kommt gleich viermal im Spiel vor. Zweimal davon jedoch nur als Aufdruck auf einer Briefmarke. Recht ähnlich sehen sich auch Warnweste, Verkehrsleitkegel und das rot-weiß gestreifte Shirt. Ihr seht schon, eure Konzentration wird intensiv gefordert.

Am Ende des Spiels wird es noch einmal spannend. Wenn ihr den gesamten Kartenstapel abgearbeitet habt, werden noch die letzten drei Karten aufgedeckt, die ihr vor der Partie beiseitegelegt habt. Taucht jetzt noch einer der Gegenstände auf, die ihr euch schon aus der Tischmitte geschnappt habt, könnt ihr das Spiel noch auf den letzten Metern verlieren. Das ist dann zwar extrem ärgerlich, erhöht die Spannung aber ungemein.

Am Ende des Spiels gewinnt natürlich der Spieler, der sich die meisten Gegenstände gesichert hat und nicht zuvor ausgeschieden ist. Deja-Vu ist für zwei bis sechs Spieler geeignet und dauert selbst mit vielen Teilnehmern kaum länger als eine Viertelstunde. Mehr als drei Durchläufe könnt ihr aber wohl kaum am Stück spielen. Irgendwann habt ihr keinen Überblick mehr darüber, ob ihr die Ente schon in diesem Match gesehen habt oder ob es vielleicht doch schon im Spiel davor gewesen ist. Deja-Vu steht bereits seit Anfang des Jahres im Handel und kostet zwischen 12-15€.

tolles Material
für jung und alt geeignet
fordert die Konzentration
nach drei Spielen geht nichts mehr

Sebastian Hamers

Als ich Deja-Vu zum ersten Mal gesehen habe, ließ es mich zunächst recht kalt. Ist wie Memory, eher ein Spiel für Kinder. Das stimmt auch und dann auch irgendwie nicht. Es ist kein Geheimnis, dass Kinder beim Memory-Spiel kaum zu schlagen sind. Sie haben auch bei Deja-Vu vielleicht einen kleinen Vorteil. Aber warum sollten nicht auch erwachsene Spieler daran Spaß haben? Deja-Vu lässt sich mit Spielern jeden Alters spielen - gerne auch gemeinsam. Die Kinder mögen die besseren Memory-Spieler sein, neigen aber auch zu ungestümen Handlungen und greifen sich gerne mal einen Gegenstand, bei dem sie sich nicht ganz so sicher sind. Erwachsene haben also durchaus eine reelle Chance gegen die Kleinen. Pluspunkte sammelt Deja-Vu beim Spielmaterial. Die übergroßen Karten und die Pappgegenstände wirken sehr wertig und man fasst sie gerne an. Deja-Vu eignet sich sehr gut als Familienspiel, aber auch als Auftakt oder Absacker bei einem langen Spieleabend. Ebenso lässt es sich auch gut zu zweit spielen, funktioniert aber genauso gut in einer etwas größeren Runde. Das Spiel mit mehr als sechs Spielern empfehle ich hingegen nicht, da es dann doch zu chaotisch wird. Dennoch ist Deja-Vu ein sehr vielseitiges Spiel, das bei vielen Anlässen zum Einsatz kommen kann. Deshalb bin ich heute froh, diesen fast übersehenen Titel in meiner Spielesammlung zu haben.
Test: Rone Test: Cladun Returns - This is Sengoku!
Comments