Test: Der Pate

Das New York der 1950er Jahre ist nicht nur eine gute Bühne für Hollywood, sondern auch für Video- und sogar Brettspiele. Korruption ist an der Tagesordnung und die Unterwelt verwickelt sich in interne Machtkämpfe. Aus diesem Stoff lässt sich so einiges machen. Das vorliegende Brettspiel Der Pate kommt sogar mit der offiziellen Lizenz des Kultstreifens von 1972 daher. Dieser dient aber mehr als ein loser Aufhänger, sodass ihr euch das Spiel bedenkenlos auch ohne Kenntnisse des Films vornehmen und in die Welt der Mafiosi eintauchen könnt.

Der Pate ist ein dicker Brocken, in vielerlei Hinsicht. Das beginnt schon beim Spielmaterial selbst. Das Spiel bringt mehr als zwei Kilo auf die Waage. Neben dem großen Spielplan und den ganzen Karten, liegen dem Spiel 34 Miniaturen bei. Jede Familie erhält neben seinem Don noch zwei weitere Familienmitglieder sowie drei generische Gangster für die Drecksarbeit. Hinzu kommen noch die Autoritäten des Polizeichefs, des Gewerkschaftsbosses und des Bürgermeisters, die ihr natürlich alle schmieren könnt als gäbe es kein Morgen. Als Phasenmarker dient ein Polizeiauto und Don Vito Corleone, der Pate höchstpersönlich, führt euch als Marker durch die vier Akte des Spiels. Als Startspielermarker gibt es noch – sehr passend – den Pferdekopf. Jeder Spieler bekommt außerdem noch einen kleinen Koffer aus Metall, in dem ihr eure persönliche Schwarzgeldkasse verwahrt. Was der Pate nicht weiß, macht ihn schließlich nicht heiß.

 

Spielmaterial eines Dons würdig

Vielleicht habt ihr schon zwischen den Zeilen erkannt, dass ich vom Spielmaterial ziemlich begeistert bin. Wer schon das ein oder andere Spiel aus dem Hause CMON kennt, weiß die Qualität der Miniaturen bereits zu schätzen. Mit den detaillierten Figuren wird das ohnehin schon starke Thema wunderbar auf das Brettspiel übertragen. Wenn ihr nun vielleicht noch ein wenig kreativ veranlagt seid, könnt ihr die grauen Figuren noch bemalen. Doch auch im schlichten Grau machen die Miniaturen einiges her.

Bestnoten gibt es also schon einmal für das Material. Doch worum geht es in Der Pate überhaupt? In das Szenario sollte sich wohl jeder einigermaßen hineinversetzen können. Ansonsten zieht euch einfach den Film zum Spiel rein oder zockt mal wieder eine Runde das gute alte Mafia. Über New York wacht der Pate Vito Corleone. Er fordert von allen Familien einen Tribut, den sie am Ende jedes der vier Akte an ihn abführen müssen. Die Familien teilen dafür das Gebiet von New York unter sich auf. Jede Familie möchte sich dabei natürlich ein möglichst großes Stück vom Kuchen unter den Nagel reißen. Der Konflikt ist praktisch unvermeidlich, das Hauen und Stechen kann beginnen. Dass dabei nicht immer mit ganz fairen Mitteln zu Werke gegangen wird, sollte wohl allen klar sein.

New York unter der Fuchtel der Dons

Die Stadt teilt sich auf in sieben Territorien, in denen ihr euer Unwesen treiben könnt. In diesen Gebieten hat sich allerhand Gewerbe angesiedelt, ein gefundenes Fressen für einen Mafioso. Zu Beginn jedes Aktes eröffnet in New York immer ein neues Geschäft, die Auswahl für die eigenen Machenschaften wird also immer etwas größer. Eure Gangster können diesen Gewerben nun mal einen Besuch abstatten, dort vielleicht ein paar Stühle gerade rücken und am Ende des Tages mit etwas Kohle oder anderen Goodies nach Hause spazieren. Das Erpressungs-Business läuft auf Hochtouren.

Gewerbe lassen sich sogar auf zwei unterschiedliche Arten ausnehmen. Während die einfachen Gangster, euer Fußvolk, das Gewerbe erpressen, kassieren die Familienmitglieder Schutzgeld von den Geschäften. Der Pate unterscheidet deutlich zwischen diesen einfachen Gangster und den richtigen Familienmitgliedern. Letztere haben größeren Einfluss auf das Spiel und können ihr Wirken gleich auf mehrere Territorien ausweiten. Deshalb ist jede Gewerbekarte auch in zwei Hälften unterteilt. Der untere Abschnitt macht Angaben dazu, was der Gangster erpressen kann. Die obere Hälfte hingegen ist für das Familienmitglied reserviert, das andere Boni generiert als der Gangster.

Gebietskämpfe

Die Familienmitglieder werden jedoch nicht auf den Gewerbekarten selbst platziert. Sie werden auf die wichtigen Schnittstellen zwischen den Territorien gestellt. Je nach Position dirigieren sie aus der Ferne und beeinflussen das Geschehen in zwei oder manchmal sogar drei Stadtgebieten. Das Personal, sowohl Gangster als auch Familienmitglieder, sind gleichzeitig auch das wertvollste Kapital des Dons. Je mehr Mafiosi ihr in einem Gebiet unterbringen konntet, desto höher wird dort der eigene Einfluss. Nach Abwicklung der Hauptphase wird überprüft, welche Familie in den Gebieten am mächtigsten ist. Diese hat ab sofort die Kontrolle über das Gebiet.

Als kontrollierende Familie habt ihr im Epressungsgeschäft nun immer ein Wörtchen mitzureden. Schickt eine andere Familie ihren Gangster aus um ein Gewerbe zu erpressen, bekommt ihr selbstredend einen Anteil an der Beute. Deshalb ist es von Vorteil, seine Finger in möglichst vielen Bezirken drin zu haben. Die Beute könnt ihr gut gebrauchen, da die Gewerbe neben dem schnöden Mammon auch so manche anderen nützlichen Güter abwerfen.

Legal, illegal, scheißegal

Dazu zählen insbesondere die illegalen Güter Waffen, Blutgeld, Schnaps und Rauschgift. Mit ihnen lassen sich Aufträge erfüllen, die eine Abgabe von bestimmten illegalen Waren fordern und euch dafür Geld einbringen. Das Rauschgift ist besonders wertvoll, es kann als Joker eingesetzt werden und andere Warengruppen ersetzen.

Eine weitere nicht zu unterschätzende Ressource sind die Verbündeten. Diese werden in Kartenform dargestellt und können in der dafür vorgesehenen Phase mit Schmiergeld bestochen werden. Wer das meiste Geld bietet, darf sich die erste Karte aussuchen. Als Don mit dem geringsten Gebot geht ihr leer aus und müsst die nächste Runde ohne zusätzlichen Verbündeten auskommen. Geboten wird natürlich im Geheimen, indem ihr die Scheine auf die Innenseite eures Koffers legt. Zu den Verbündeten zählt etwa der Bürgermeister, der als Figur ins Spiel kommt und wie ein Familienmitglied für euch agiert. Der Gewerkschaftsboss kann hingegen den Job eines Gangsters erfüllen. Es gibt aber auch Karten, die euch keine zusätzliche Figur einbringen. Der Buchhalter der Familie etwa kann mit seiner kreativen Buchführung ein paar Dollar am Paten vorbeischmuggeln. Die Kohle kommt dann in den schicken Metallkoffer und ist somit vor dem Zugriff Corleones geschützt.

Der Pate fordert seinen Tribut

Der Pate ist ein geduldiger Zeitgenosse. Wirklich… jedenfalls solange ihr ihm am Ende jedes Aktes seinen Tribut zahlt. In jedem Akt gilt ein Handkartenlimit. Überschüssige Karten, egal ob es sich dabei um Geldkarten, illegale Waren oder Jobs handelt, gehen direkt an den Paten. Alle Karten, die ihr zuvor in eurem Geldköfferchen verstauen konntet, sind hingegen sicher. Am Ende geht es natürlich nur um das Geld allein. Ausschlaggebend für den Sieg sind die Scheine, die ihr vor dem Paten in Sicherheit bringen konntet.

Nach dem Abschluss des vierten und somit letzten Akts zählt ihr das gesammelte Geld und bekommt noch einige Boni für eure treuen Dienste. Zusätzliches Einkommen bekommt ihr nun, wenn ihr im Spielverlauf möglichst häufig die Kontrolle über die Gebiete innehattet. Ebenso werden die erfüllten Jobs mit ein paar Extra-Dollar belohnt. Summiert die ganzen Beträge und der Sieger des Spiels steht fest.

Am Spiel können 2-5 Spieler teilnehmen. Je nach Zahl der Mitspieler schwankt die Spieldauer zwischen 60 und 90 Minuten. Aufgrund des wirklich hochwertigen und umfangreichen Spielmaterials ist der Pate kein Schnäppchen. Zwischen 80€ und 90€ müsst ihr für das Spiel schon veranschlagen.

Thema gut übertragen
tolles Spielmaterial
gutes Maß an Interaktion
hoher Anschaffungspreis

Sebastian Hamers

Ich war schon immer ein großer Fan von Mafia-Themen. Folglich war ich auch ziemlich heiß auf das Der-Pate-Brettspiel. Die Vorfreude wurde beim Öffnen der Verpackung nochmals verstärkt. Das Material ist wirklich über jeden Zweifel erhaben. Die Miniaturen sind sehr detailreich ausgefallen und tragen somit zur Atmosphäre des Spiels bei. Genau das ist in meinen Augen auch die große Stärke des Spiels. Das Mafia-Thema wurde von Der Pate gut aufgefangen, nicht nur durch den Overkill an Material. Es sind viele Kleinigkeiten, die dazu beigetragen haben. Das fängt schon beim Pferdekopf als Startspielmarker an. Ermordete Figuren werden natürlich im Hudson River versenkt. Im Köfferchen werden Dollarscheine am Paten vorbeigeschleust. Auch die Korruption der öffentlichen Stellen und der Schwarzmarkt haben ihren Platz im Spiel gefunden. Alles in allem bekommt ihr also ein schönes Mafia-Komplettparket geboten. Stimmig ist auch der Maß der Interaktion unter den Spielern. Ihr müsst schon ein wenig im Auge behalten, was die Konkurrenz in New York treibt. Jede Aktion anderer Familien kann starken Einfluss auf den eigenen Fortschritt haben. Manchmal geht das sogar ziemlich direkt, wenn eine eurer Figuren einfach abgeknallt wird und Flusswasser saufen darf. Der Konflikt unter den Familien ist zu spüren, mal eher hintergründig, mal ziemlich konkret. Darauf muss man sich einlassen, wenn Der Pate auf den Tisch kommt. Konfliktscheue Spieler werden – Überraschung! - daher wohl kein großer Fan des Spiels werden. Freunde des Mafia-Themas werden mit Der Pate hingegen sicher viel Freude habe. Als solche erhaltet ihr eine starke Umsetzung des Themas, das auch längerfristig motiviert.
Test: Sebastian Fitzeks Safehouse Test: Ta-Ke