Test: Destiny (PS4)

Test: DestinyNach ewigem Gehype und knapp vierjähriger Arbeit, kommen die Halo-Erfinder von Bungie mit ihrem neuem Spiel Destiny um die Ecke. Ob sich der Ausflug ins All für euch lohnt hat die Redaktion in 20 actiongeladenen Stunden für euch getestet. Klar, kann nach so „kurzer“ Spielzeit  – bei einer geplanten Laufzeit von zehn Jahren – kein endgültiges Urteil abgegeben werden, dennoch soll euch unser Eindruck vermitteln, ob sich der Kauf des Shooter MMO´s für euch lohnt – oder ob ihr Abstand vom Spaziergang auf dem Mond nehmen solltet.

Düstere Zeiten

In ferner Zukunft hat sich die Menschheit mit Ihrer Faulheit und Gier selbst an den Rand der Existenz gebracht. Die natürlichen Ressourcen sind verbraucht, Rohstoffknappheit, Überbevölkerung und Umweltverschmutzung haben ihren Tribut gezollt. Doch tief aus dem Weltall, naht ein Reisender. Ein mystisches, kugelförmiges Gebilde, das den Menschen aus der Patsche hilft und ihnen Wege aufzeigt, die umliegenden Planeten des Sonnensystems zu besiedeln und deren Rohstoffe für sich nutzbar zu machen.

Nun folgen Jahrhunderte des guten Lebens. Doch wo viel Licht ist, ist der Schatten bekanntlich auch nicht weit. Und so sorgen Angriffe außerirdischer Lebensformen dafür, das sich die Menschheit aus den neu gegründeten Kolonien auf Mond, Mars und Venus zurückziehen muss, um abermals ihren Bestand zu sichern. Nur eine kleine Enklave auf der Erde dient nun als letzter sicherer Ort, an den sich die Menschen angstvoll zurückziehen konnten. Doch der Reisende hat noch ein paar Asse im Ärmel, um auf die Alien-Invasion zu reagieren: Die Hüter, also euch!

Die Qual der Wahl

So stellt ihr bei Spielbeginn zunächst einmal klar, mit welcher Klasse ihr in Destiny in die Schlacht ziehen wollt. Der mächtige Titan, der sich fast voll und ganz auf die Kraft seines Waffenarsenals verlässt, der Zauberer, welcher – man könnte es fast vermuten – ein paar mächtige, magische Attacken vom Stapel lässt und damit ganze Gegnergrüppchen hinwegfegt oder der Jäger, der mit Beweglichkeit und Schnelligkeit punkten kann. Die Unterschiede der verschiedenen Klassen sind dabei wesentlich kleiner, als man es von anderen MMO´s gewohnt ist. Also ausgesucht und rauf auf den Tower. In diesem Rückzugsgebiet genießt ihr nicht nur eine famose Aussicht, sondern könnt hier auch noch diverse andere Dinge erledigen, bevor es in die ersten Scharmützel geht. Verkauft eingesammelte Gegenstände, besorgt euch neue Rüstungsteile und Waffen, checkt eure Mailbox oder lasst codierte Gegenstände entziffern, die euch mit etwas Glück bei dem Schlachten in die Hände fallen. Ist alles erledigt düst ihr mit eurem schicken Raumgleiter in den Orbit, der hier als Lobby für anstehende Spielesessions fungiert.Test: Destiny

Du bist nicht allein!

Und das solltet ihr auch auf keinen Fall sein. Sofern es euch möglich ist, stockt eure Kampfgruppe auf drei Personen auf. Alleine wird die Ballerei schnell öde und die wichtige, taktische Komponente will  im Solo-Modus von Destiny auch nicht so richtig greifen. Einmal zusammengefunden macht ihr euch also auf den Weg zu den ersten Missionen auf Erde und Mond. Was euch dabei zuerst ins Auge sticht, ist die sehr hübsche und realistische Optik der verschiedenen Spielumgebungen. Riesige Bauten zeugen von einstiger Souveränität, Rost überzieht die meisten irdischen Strukturen mit einem sanften Bronze-Ton. Brüchiges Mauerwerk, abblätternde Farbe und knackscharfe Texturen sorgen für einen famosen grafischen Eindruck.

Auch das Spiel von Licht und Schatten wurde – nicht zuletzt dank der ständig wechselnden Tageszeiten – absolut glaubhaft umgesetzt und taucht einige Bereiche in gespenstisches Licht. Das gilt auch für die zahlreichen Innenareale, die ihr auf eurer Reise besuchen müsst. Da jede Spielfigur über eine sich automatisch einschaltende Taschenlampe verfügt, lassen sich in den  dunklen Umgebungen geniale Schattenspiele beobachten. Was die Atmosphäre angeht, kann Destiny auf jeden Fall ganz groß aufspielen. Dieser Eindruck wird durch eine absolut fantastische Steuerung untermauert. Sei es das Trefferfeedback, die angenehm flüssigen Bewegungen oder das leichte Auto-Aiming, das angenehm dezent wirkt aber trotzdem sehr effektiv ist. Das alles kommt sehr homogen rüber und ist einer der wichtigsten Punkte, mit denen ein guter Shooter steht oder fällt. Aber auch hier gibt sich Destiny absolut keine Blöße. Das haben wir selten besser gesehen, als es hier umgesetzt wurde und ist einer der absoluten Pluspunkte des Spiels.Test: Destiny

Wo seid ihr Säcke?

Leider bleibt nicht viel Zeit, um dem Blick auf die malerischen Umgebungen zu frönen – schließlich seid ihr aus einem ganz bestimmten Grund hier: Den zahllosen Gegnern und fetten Bossen das Licht auszuknipsen. Daraus ergeben sich, besonders in den höheren Schwierigkeitsstufen, astreine, spannende und fordernde Kämpfe, die dank einer guten Gegner K.I. und guten Animationen eine echte Freude sind. Die Missionen sind dabei zwar etwas gleichförmig, aber was wollt ihr von einem Shooter erwarten? Radrennen? Luftballons steigen lassen? Die gerade im Netz diesbezüglich aufkeimende Kritik an Destiny können wir so nicht nachvollziehen. In einem Shooter wird geballert und das ist auch gut so!

Habt ihr Glück, hinterlassen einige Gegner beim Ableben wertvolle Gegenstände und Munition, die ihr so schnell wie möglich aufsammeln solltet. Wir empfinden es auch als sehr angenehm, das es – zum Beispiel im Vergleich zu Diablo III – sehr wenig Loot gibt. Ihr werdet nicht mit Stuff zugeschmissen, den ihr eigentlich nicht braucht, sondern freut euch über jedes Teil, eben weil es so wenige davon gibt. Zusätzlich könnt ihr die ausladenden Umgebungen natürlich auch sorgfältig absuchen, um goldene Kisten zu finden, in denen sich neben harter Währung auch meistens ein sehr nützlicher Gegenstand versteckt. Auf jedem Planeten, den ihr besucht, gibt es fünf dieser „Goldesel“. Neben den Missionen erlebt ihr in Destiny auch oft zufällige Ereignisse, bei deren erfolgreichem Abschluss ihr mit zusätzlichen Belohnungen bedacht werdet. Diese Ereignisse sind mit einem normalen Feuerteam – bestehend aus drei Personen – nahezu unschaffbar. Deshalb dürfen auch alle Spieler ran, die sich momentan mit euch auf der Karte befinden. Zu sechst sieht die Sache dann schon besser aus. Aber keine Angst: Sobald die Kernmission für euer Team wieder weitergeht – ihr also nicht mehr sterben solltet, um einem Neustart am Anfang des Einsatzes zu entgehen, werden „betriebsfremde“ Personen weggebeamt.Test: Destiny

Welcher Level bist Du?

Das Salz in der Suppe eines MMO-Shooters ist neben neuen Waffen, besserer Ausrüstung und durchschlagenderen Fähigkeiten natürlich die Notwendigkeit des Auflevelns. Durch abgeschlossene Missionen, zufällige Ereignisse oder PvP-Matches steigt eure Spielfigur Stufe um Stufe auf, was euch in allen Bereichen bessere Werte beschert. Zudem lassen sich einige Waffen und natürlich die Spezialfähigkeiten angenehm vielfältig verbessern und erweitern. Die dafür vorhandenen Talentbäume lassen auch ein wenig Spielraum zum Experimentieren. Klar, von einem RPG-MMO ist man da natürlich mehr gewohnt, für einen Shooter reicht das Gebotene aber allemal.

Steigt ihr auf Stufe 20 auf ist erstmal Schluss, dann könnt ihr nur noch mit kleinen Änderungen an der Ausrüstung am Meta-Level basteln. Ganz nett, wir gehen aber stark davon aus, das der Entwickler das Level-Cap in den nächsten Monaten noch einmal erhöhen wird. So wurde versprochen, das es ständig neue Inhalte und Missionen für Destiny geben wird – vielleicht ist ja in Zukunft auch mal ein neuer Planet dabei? Wir sind gespannt und harren einfach mal der Dinge, die da auf uns zukommen.Test: Destiny

Famoses Gunplay
Stimmungsvolle Optik
Motivierendes Auflevel-System
Viele verschiedene Rüstungen und Waffen
Kampagne nur mit bis zu drei Spielern
Wenige Gegnertypen
Maue Story

Boris C.

Am Ende des Tages liefert Bungie mit Destiny ein sehr spaßiges und solides FPS-MMO ab, das wohl den zu stärksten Vertretern des Genres zählt. Spitzenmäßige und stimmungsvolle Optik, eine präzise und flüssige Steuerung samt genialem Gunplay und motivationsförderndes Koop-Gameplay mit Auflevel-System. Die Unterschiede der Klassen könnten ein wenig stärker sein und die Gegnervielfalt ist auch nicht gerade das, was wir als opulent bezeichnen würden. Sich aber über fehlende Abwechslung zu beklagen, liegt uns bei einem Spiel dieser Machart fern. Ein Shooter ist und bleibt eben genau das – und das hat der Entwickler ziemlich gut hinbekommen. Das die Story das Gameplay-Gerüst für die Spieldauer der Kampagne (etwa 9-10 Stunden) nicht ganz tragen kann, ist da schon beklagenswerter. Sie wirkt einfach aufgesetzt und hat große Mühe das auf dem Bildschirm Gebotene sinnhaft zu unterstreichen. Ebenso sind die Story-Schnipsel, welche man per Grimoire-Karten aufsammelt, dezent sinnlos, da man deren Inhalt nur auf der Internet-Seite des Herstellers oder auf der Begleit-App lesen kann. Sowas gehört ins Spiel, liebe Entwickler!
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