Test: Diablo 3: Eternal Collection (Nintendo Switch)

Diablo 3: Endlich auch auf der Switch

Dämonen schlachten – Jetzt auch in der U-Bahn. Stolze sechs Jahre ist es her, dass der König der Hack’n’Slays seine furiose Rückkehr feierte. Diablo 3 ging damals durch die Decke und erhält bis heute regelmäßige Updates. Ein Jahr später durften sich auch Konsoleros über das Grindfest der Extraklasse freuen, als das Spiel erstmals für die Heimkonsolen auf den Markt kam. Nun erwartet uns allerdings die wohl größte Evolution in der Geschichte von Diablo 3, denn die Eternal Collection hat den langen Weg aus den tiefsten Tiefen der Hölle auf sich genommen, um es sich auf der Nintendo Switch gemütlich zu machen. Mit den Joy-Cons in den Pranken haben wir uns dem obersten Übel entgegengestellt und herausgefunden, ob Diablo auch auf der mobilen Hybrid-Konsole funktionieren kann.

Alles an Bord auf der Höllenfahrt

Bei der Diablo 3: Eternal Collection auf der Switch handelt es sich tatsächlich nicht um die erste Zusammenarbeit zwischen Blizzard und Nintendo. Bereits im Jahr 2000 schaffte es mit Starcraft64 ein Titel des kalifornischen Entwicklers auf eine der japanischen Heimkonsolen. Damals wie heute gilt: Ihr bekommt sämtliche Inhalte, die auch schon Teil der ursprünglichen Fassung waren. Im Falle der Eternal Collection dürft ihr euch also nicht nur über das Hauptspiel freuen, mit an Bord ist auch die bisher einzige Erweiterung Reaper of Souls sowie das Rückke1hr des Totenbeschwörers-Paket. Euch bleibt also die Wahl aus sieben verschiedenen Klassen (Mönch, Magier, Barbar, Dämonenjäger, Hexendoktor, Kreuzfahrer, Totenbeschwörer) mit denen ihr euch durch die fünf Akte des Spiels schnetzelt.

Natürlich kommt dabei auch der Support für alle aktuellen Inhalte des Hack’n’Slay nicht zu kurz. Egal ob Season-System, Herausforderungs-Portale oder der Abenteuer-Modus. Was auf PC, PlayStation und Xbox seit Jahren für richtig gute Laune sorgt, wird auch auf der Nintendo Switch unterstützt und weiterentwickelt. Darüber hinaus freuen sich Switch-Spieler über ein paar exklusive Gimmicks, die nur auf der Handheld-Konsole verfügbar sind. Mit dabei: Ein Ganondorf-Kostüm für den stilbewussten Barbaren von heute, ein Triforce-Rahmen für euer Portrait, schicke lila Zierflügel sowie ein Huhn als tierischer Weggefährte – The Legend of Zelda lässt grüßen. Zusätzlich dazu ist auch amiibo-Support angekündigt, zum jetzigen Zeitpunkt ist jedoch nicht klar, welche Charaktere als Figuren auf den Markt kommen und was ihr mit ihnen anstellen könnt.

Diablo 3 auf der Switch – Joy-congenial

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Rollen per cleverer Kippbewegung: Hier besonders nützlich

Entwarnung können wir für alle geben, die dem Switch Port schon vor Release mangelnde Komplexität vorwerfen. Nicht nur inhaltlich bleibt sich Diablo treu, auch in puncto Spielgefühl weicht das Spiel kaum vom Original von vor sechs Jahren ab. Wie schon in der Konsolenversion werden bildschirmfüllende Einblendungen durch schlanke Radial-Menüs ersetzt, die enorm intuitiv gestaltet sind und euch alle wichtigen Funktionen auf einen Blick präsentieren. Der wohl größte Unterschied liegt natürlich in der abgewandelten Steuerung der Switch. Aber auch hier müsst ihr keine Angst um eure Lieblingsfähigkeiten haben, denn das grundlegende Konzept von sechs Skills, die ihr frei belegen könnt, bleibt erhalten. Selbst wenn ihr nur mit einem Joy-Con im horizontalen Modus spielt, habt ihr Zugang zu sämtlichen Fähigkeiten – vorausgesetzt, ihr habt sie schon freigespielt.

Alternativ zockt ihr über den Joy-Con-Grip, den Pro-Controller, mit jeweils einem Joy-Con in jeder Hand oder nutzt die beiden Mini-Controller direkt an der Konsole. Grundsätzlich funktioniert das Niedermähen von Dämonenhorden in jeder Variante tadellos, einige Eingabeschemata sind allerdings deutlich besser zum Zocken geeignet als andere – ganz besonders, wenn ihr auf höheren Qual-Schwierigkeitsgraden unterwegs seid. Der Pro-Controller bleibt unser Favorit, für eine schnelle Coop-Runde in der Bahn eignen sich aber auch die Joy-Cons im horizontalen Modus. Der einzige Unterschied zur herkömmlichen Steuerung liegt hier darin, dass ihr keinen zweiten Stick zur Verfügung habt, um mit eurem Charakter zu rollen. Stattdessen kippt ihr den Controller einfach in die gewünschte Richtung und eure Figur vollführt ein Ausweichmanöver – eine clevere Umsetzung, die hervorragend zwischen verspielter Switch und anspruchsvollen Diablo-Mechaniken vermittelt.

Vier Fäuste für einen Switch-Port

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Endloser Spaß im lokalen Mehrspieler

Eure sechs Fähigkeiten liegen im Handheld-Modus auf A/B/X/Y sowie auf den beiden Schultertasten ZL und ZR und sind somit schnell erreichbar. Natürlich könnt ihr diese ganz nach eurem Gusto auf die Tasten verteilen und dementsprechend einen eigenen Spielstil entwickeln. Die direktionalen Tasten hingegen nutzt ihr, um ins Menü zu navigieren oder die Karte aufzurufen. Genau darin liegt auch der einzige Kritikpunkt, den wir in dieser Konfiguration ausmachen konnten. Aufgrund der Tatsache, dass die beiden Sticks nicht parallel zueinander angebracht, sondern leicht höhenversetzt sind, ist gelegentlich Daumenakrobatik gefordert, um während einer hektischen Phase die Ausrüstung zu wechseln oder einen Blick auf die Karte zu werfen. Allerdings werden diese Tasten ohnehin so spärlich genutzt, dass der kleine Makel kaum Einfluss auf den Spielspaß nimmt.

Deutlich mehr Einfluss auf den Spielspaß – und das im positiven Sinne – nimmt der lokale Mehrspieler-Modus, mit dem die Diablo 3 – Eternal Collection auf der Switch an den Start geht. Natürlich könnt ihr euch wie üblich per Battle.net online mit Freunden oder Fremden zusammenfinden, um gemeinsam auf große Schnetzeltour zu gehen, der eigentliche Reiz der Switch-Fassung liegt allerdings darin, dass dies nun auch offline möglich ist. Entweder gemeinsam an einem Gerät oder per Direktverbindung zwischen mehreren Konsolen tretet ihr in Sekundenschnelle einem Spiel bei und könnt loslegen.

Besonders praktisch: Anders als im Online-Modus verfügt jeder Spieler über seinen eigenen Bildschirm und kann munter weiterspielen, während die anderen Helden beispielsweise ihr Inventar aufräumen. Dieses nette Feature hat es auf den üblichen Konsolen bisher nicht gegeben. Spielt ihr hingegen an einer Konsole, dürft ihr euch leider nicht allzu weit voneinander entfernen und auch auf Season-Charaktere müsst ihr im lokalen Modus natürlich verzichten.

Von der U-Bahn ins Nephalem-Portal

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Blizzard Cinematics: Weiterhin das grafische Maß aller Dinge

Nach all dem Lob für die Umsetzung auf der Switch bleibt abschließend nur eine Frage offen: Wie flüssig spielt sich das Ganze und wie viel grafische Pracht dürft ihr erwarten? Blizzard lässt in dieser Hinsicht ganz klar der Performance den Vortritt, denn Diablo 3 spielt sich auf der Handheld-Konsole butterweich. Selbst mit vier Totenbeschwörern, ihren 30 Skeletten, schier unendlichen Dämonenhorden und brutzelnden Zaubereffekten konnten wir die Switch nicht in die Knie zwingen. Nie fiel die Framerate auch nur ansatzweise unter 50 Bilder pro Sekunde, den Großteil des Spiels erlebt ihr sogar in satten 60FPS. Im Handheld-Modus rattern solide 30 Bilder pro Sekunde über den Bildschirm.

Die Ladezeiten bleiben dabei in einem erträglichen Bereich, auch wenn der Port natürlich nicht mit den anderen Fassungen mithalten kann. Eine Eingabeverzögerung konnten wir nicht beobachten, selbst im Dock blieb der erwartete Delay aus – ein echter Segen für ein Spiel, das extrem auf präzise Eingaben setzt.

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Diablo 3: Auch auf der Switch ein Lootfest

Das exorbitant geschmeidige Gameplay des Switch-Ports kommt allerdings zu einem Preis. Diablo 3 hat inzwischen sechs Jahre auf dem Buckel, die man dem Spiel auf dem großen Screen deutlich ansieht. Abgespeckte Texturen sind an der Tagesordnung, um perfekte Spielbarkeit zu gewährleisten. Die Zaubereffekte lassen sich weiterhin hervorragend voneinander unterscheiden, selbst bei massivem Effektgewitter. Dafür bleibt die Auflösung im Dock lediglich bei 960p, während die Handheld-Variante wie üblich 720p bereithält.

Auch wenn der blutige Pixel-Brei gelegentlich etwas matschig und unscharf rüberkommt, weiß die umstrittene Comic-Grafik unschöne Parts des Spiel zu kaschieren und macht Diablo 3 somit vielleicht nicht zum schönsten Switch-Port, aber zu einer nahezu perfekten Umsetzung, wenn es um spielerische Inhalte geht. Egal ob 20 Minuten in der U-Bahn oder etliche Stunden im Reisebus: Diablo 3 und die Switch harmonieren teuflisch gut miteinander.

Die Diablo 3: Eternal Collection erscheint am 02. November für die Nintendo Switch und kostet euch 59,99€.

Sämtliche Inhalte des Spiels in der Eternal Collection
Diablo 3 endlich auch mobil spielbar
Butterweiche Performance
Exklusive Switch-Gimmicks
Gelungene Eingabeschemata
Auch offline spielbar im lokalen Modus
Season-Inhalte auch ohne Nintendo Switch Online
Kein Eindampfen von Mechaniken selbst mit nur einem Joy-Con
Grafisch nur Mittelmaß
Direktionale Buttons recht schwer zu erreichen
Online-Multiplayer nur mit Nintendo Switch Online Abonnement

Christian Böttcher

Die Diablo 3: Eternal Collection kommt endlich auch für die Switch und bleibt ein schier endloses Lootspektakel für Hack'n'Slay Fans. Am grundsätzlichen Spielprinzip hat sich dabei kaum etwas geändert, sodass nicht nur Anfänger auf dem Handheld-Hybriden neu durchstarten, sondern auch Veteranen auf ihre Kosten kommen. Der Port ist nahezu perfekt auf die Konsole abgestimmt und setzt den Fokus klar auf butterweiches Gameplay, selbst im lokalen 4-Spieler-Modus. Dafür müsst ihr jedoch Kompromisse in puncto Grafik eingehen, denn sechs Jahre Diablo 3 sieht man auch der Switch-Fassung deutlich an. Dennoch funktioniert die Symbiose aus Blizzard und Nintendo hervorragend: Das Spiel ist wie dafür gemacht, unterwegs gezockt zu werden und dabei ist es egal, ob ihr auf dem Weg in die Uni seid oder in den Sommerurlaub. Diablo 3 auf der Switch: Ein höllisches Vergnügen
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