Test: Die Siedler History Collection


Test_Die Siedler History Collection_header3Spannt die Zelte auf und legt eure Spitzhacke bereit – Die Siedler feiern Geburtstag! Mit der History Collection bringt Ubisoft alle sieben Die Siedler Teile in einer optimierten Fassung für den modernen PC raus. Wir haben uns mal angeschaut wie gut Städteplanung á la Siedler im Jahre 2018 noch funktioniert und ob sich der Kauf lohnt.

An die Schaufeln, fertig, los!

Die Siedler History Collection

Als Die Siedler 1993 auf den Markt kam, war der Wuselspaß ein absolutes Brett. Über Jahre hinweg hat uns und vermutlich auch euch der Siedlungsbau vor die 4:3 Röhren gefesselt. Offenbar wusste auch der Schaffer der putzigen Wuselmännchen, Volker Wertich, um die Zukunftssicherheit seiner Idee. So beteuert er in der Anleitung zum ersten Teil noch, dass wir mit der Anleitung etwas in den Händen halten, “das möglicherweise in den nächsten Monaten (unser) Leben und Freizeitverhalten nachhaltig zu verändern vermag.” Obgleich die Anleitung uns schon so ausnehmend selbstsicher begrüßt, sollte der letztliche Erfolg der Reihe weit über einige Monate anhalten.

Im Zug des boomenden Indiespielemarktes haben auch Aufbaustrategiespiele (Rimworld, Frost Punk etc.) eine kleine Renaissance erfahren, weshalb wir uns natürlich gefragt haben, wie gut der Städtebau Altmeister da mithalten kann.

Neue Technik, alte Stärken

Der spielerische Inhalt der Titel ist in der Neuauflage unangetastet geblieben, lediglich das technische Backend wurde auf den neusten Stand gehoben. Somit handelt es sich bei der History Collection nicht um eine Remake- oder eine Remaster-Version, sondern eben um einen nostalgischen Rückblick. Die einzelnen Teile könnt ihr bei Uplay auch solo erhalten, oder eben in der Collection, die es sowohl digital als auch in der Retail Edition zu kaufen gibt. Hierbei lohnt sich unser Meinung der Gang zum Händler kaum, denn der Collection liegen lediglich drei Sammelpostkarten bei, die allerdings allesamt nostalgisch schön ausgefallen sind.

Über Uplay könnt ihr dann auch ab dem dritten Teil im Online-Multiplayer spielen. An dieser Stelle sei gesagt, dass alle Spiele (glücklicherweise) auch im Offline-Modus laufen, der einzige Haken: Ihr müsst die Titel natürlich erst einmal über Uplay herunterladen. Zum einen bedeutet das, ihr seid an die digitale Rechteverwaltung von Ubisoft gebunden, zum anderen müsst ihr euch mit den instabilen Ubisoft Servern rumplagen. Wir haben mehrere Anläufe gebraucht, um auch wirklich alle sieben Teile auf unseren Rechner zu bekommen. Kauft ihr alle Spiele in dem historischen Bundle spart ihr knapp 27 Euro gegenüber den Einzelkäufen – bleibt also die Frage zu klären: Lohnt sich der Kauf aller sieben Teile heute noch?

Die Siedler nach 25 Jahren: Gut gereift oder schlecht gealtert?Test_Die Siedler History Collection_Siedler1

Also, wie war das noch gleich: Bäume umkloppen, Stein abbauen, Holz verarbeiten – alles klar! Jetzt brauchen die Arbeitern noch was zu Essen und eine Unterkunft – aber Moment: Getreide wächst hier schlecht? Und wieso ist die Sägemühle immer noch nicht fertig? Wasser haben wir hier auch keines und unser Schloss steht auf einem Berg. So ein Mist, jetzt müssen alle Arbeiter den langen Weg drum herum laufen. Gab es nicht auch sowas wie einen Geologen, um die Mineralien im Boden zu prüfen?

Wenn es euch auch so geht wie uns, und ihr den ersten Teil der Siedler nach 25 Jahren nicht mehr lebt und atmet, dann werden ihr wohl um den einen oder anderen Blick in die Anleitung nicht herumkommen. Das Spiel läuft flüssig auf Windows 7/8/10 und lässt sich in drei Anzeigegrößen, bis hin zur maximalen Bildschirmgröße, skalieren. Die 25 Jahre, die das Ding auf dem Buckel hat, fühlen sich dabei allerdings an wie ein spielerischer Kulturschock.

Wie 1993 üblich kommt das Spiel gänzlich ohne Erklärungen aus, wobei traditionell das Regelwerk Abhilfe schafft. Die stolzen 138 Seiten Handbuch liegen dankenswerterweise als PDF dabei und helfen über den ersten Schreckmoment hinweg.

Hat man sich erstmal mit den Komfortfunktionen der Steinzeit angefreundet, begeistert Die Siedler sogar mit einem lokalen Mehrspieler Modus – im Splitscreen! Ein Feature, das wir heute eher in einem Mario Kart als in einem aufwändigen Städteplaner vermuten, lässt euch mit Kumpel oder Kumpeline sowie bis zu zwei KI-Siedlern um die Wette bauen. Leider geht das Wettsiedeln erst ab der History Edition von Die Siedler 2 mit zwei Mäusen, so muss einer der beiden Spieler mit dem Controler ans Werk. Tatsächlich ist der Mehrspieler-Modus witzig. Die Steuerung mit dem Stick aber so unpräzise, dass leider kein faires Spiel zustande kommt.

Kurzfazit

Tatsächlich macht Die Siedler auch nach einem Vierteljahrhundert noch Spaß, eignet sich dank fehlender Erklärungen, winziger Pixelmenüs und klotziger Steuerung aber eher für das hauseigene Spielemuseum, als für den ernsthaften Einstieg in die Reihe.

Die Siedler 2 – Wuselt sich auch heute noch gutTest_Die Siedler History Collection_Siedler2

Mit Die Siedler 2 hält der Vollbildmodus Einzug in die History Collection, auch passt sich die Bildgröße nun tatsächlich an euren Bildschirm an – hurra! Einziger Wehrmutstropfen ist das Interface, denn das bleibt auf HD- und UHD-Auflösungen teilweise so klein, dass wir doch lieber auf die Tastenkürzel zurückgreifen. Der zweite Teil spielt sich auch schon wesentlich frischer als der erste und lässt sich sogar dazu herab, dem Spieler in einer Kampagne zu erklären, was denn eigentlich zu tun ist. Außerdem steht euch nun auch der Geologe zum Erkunden von Erzvorkommen zur Verfügung und verschwindet nicht mit dem Schlossbau wie noch im vorherigen Teil.

Außerdem könnt ihr auch wieder im Splitscreen zu Werke gehen, diesmal allerdings mit zwei Mäusen – absolut empfehlenswert.

Kurzfazit

Die Siedler 2 macht seinem Ruf als bester Serienteil alle Ehre und spielt sich auch heute noch fantastisch. Gerade das Ultragewusel, zu Zweit an einem Bildschirm, ist ein echtes Highlight und funktioniert auf heutigen Monitoren richtig gut. Besonders für Fans des strategischen Wegebaus ist Die Siedler 2 der richtige Teil.

Die Siedler 3 – Wegebau adé Test_Die Siedler History Collection_Siedler3

Jedem Siedler-Veteran dürfte bekannt sein, dass mit dem dritten Teil der Serie nicht nur Neuerungen hinzu kamen, sonder auch alte Features rausgeflogen sind. So beschäftigte die digitalen Städteplaner vor 20 Jahren das plötzliche Fehlen der Wegebaufunktion. Im Gegensatz zu dem umständlichen Getüftel der Vorgänger, in denen ihr die Wege selbst möglichst effektiv gestalten musstet, sorgt der stetige Verkehr zwischen den Bauten nun selbst dafür. Über Uplay könnt ihr Freude in euer Spiel einladen und die Bildgröße (diesmal inklusive des Interfaces) skaliert bis auf 4k mit.

Kurzfazit

So komfortabel haben wir noch nie gesiedelt. Die höhere Auflösung heutiger Monitore gibt euch einen fantastischen Überblick über eure Siedlung. Die leicht fremdschämigen Cutscenes und knuffigen Siedler verleihen dem dritten Teil aber auch heute noch einen besonderen Charm.

Die Siedler 4 – Mehr vom Gleichen Test_Die Siedler History Collection_Siedler4

Im Prinzip gibt es zum vierten Teil der Saga auch in der History Edition nicht viel zu sagen. Der Teil spielt sich strenggenommen identisch wie der Vorgänger und wurde lediglich um leicht aufgehübschte Grafik und einen zentralen Antagonisten erweitert. Alle drei spielbaren Fraktionen müssen sich mit dem Magier Möbius herumschlagen. Der bringt dann auch das einzige wirklich neue Feature: Das dunkle Volk. Hat sich das dunkle Volk erstmal über eure Länderein hergemacht, müsst ihr mit der neuen Gärtner-Einheit erstmal euren grünen Daumen beweisen.

Die neuen Einheiten wie Kriegsschiffe oder den Manakopter-Truppentransporter sind nicht wirklich der Rede wert und so spielt sich Die Siedler 4 auch heute eher wie eine Erweiterung des dritten Teils, als ein eigener Titel. Technisch wurden hier die selben Anpassungen vorgenommen wie in Teil drei: Auflösung, Multiplayer, Bugfixes.

Kurzfazit

Die Siedler 4 ist nicht mehr als eine nette Dreingabe in der History Collection, aber nicht zwingend den individuellen Kauf wert.

Die Siedler 5 – Make Siedler not Warcraft Test_Die Siedler History Collection_Siedler5

Mit dem fünften Teil der Reihe wollte Entwickler Blue Byte Die Siedler in eine neue Richtung lenken. Ein wesentlich ernsteres Setting, große Echtzeitschlachten und ein Tag-Nacht-Wechsel versprachen mehr taktische Tiefe. Tatsächlich hat Siedler 5 seine Fangemeinde, bleibt jedoch hinter den Vorgängern weit zurück. Bei den Echtzeithelden wurde sich stark bei Warcraft bedient und der starke Fokus auf die Schlachten nahm der Städtebaulegende seine Stärken. Zwar sorgt der Tag-Nacht Wechsel dafür, dass wir effektiver Planen müssen, damit unsere Arbeit auf dem Weg zur Arbeitstätte keine Zeit verlieren, allerdings geht dies auf Kosten der Warenkreisläufe. Auch den fünften Teil könnt ihr jetzt in 4k spielen, obwohl hier die Schrift nicht richtig mitskalieren will.

Kurzfazit

Die Siedler 5 ist auch heute noch gut spielbar, nimmt sich für unseren Geschmack allerdings ein wenig zu ernst und opfert die Stärken der Vorgänger zu Gunsten einer Annäherung an die zeitgenössische Konkurrenz.

Die Siedler 6 – Das Volk hat Hunger Test_Die Siedler History Collection_Siedler6

Orientierte sich Siedler 5 noch stark an Echtzeitstrategie Vorbildern wie Warcraft III, besonn sich der sechste Teil wieder auf die alten Aufbaustärken. Auch Die Siedler 6 Aufstieg eines Königreiches kommt dabei nicht ohne Fremdinspiration aus. So spielt sich der sechste Teil der Reihe fast wie ein Anno. Komplizierte Warenkreisläufe wurden für das bekannte Genörgel der Bewohner getauscht, weshalb ihr euch permanent um das Wohlbefinden eurer Schützlinge kümmert. Ihr sorgt dafür, dass auch genügend Met über die Theken eurer Wirtshäuser fließt und alle heiratswilligen Bürger auch die Möglichkeit dazu bekommen.

Das Spiel sieht auch heut noch ansehnlich aus und profitiert von der hohen Auflösung, diesmal macht auch die Schrift, was sie soll.

Kurzfazit:

Es ist nicht zu leugnen, die selben Suchtmechanismen wie bei der Anno Reihe greifen auch hier sofort. Siedler 6 macht auch heute noch Laune, opfert aber die Komplexität der Produktionsketten gänzlich einem anderen Spielprinzip.

Siedler 7 – Alte Stärken, neuer GlanzTest_Die Siedler History Collection_Siedler77

Wir müssen gestehen, der damalige Shitstorm um die Notwendigkeit, Siedler 7 always-on zu spielen sowie die katastrophale Serverleistung beim Launch, sind damals an uns vorbeigegangen. Aus heutiger Perspektive können wir aber sagen: Der siebte Teil ist richtig gut! Ähnlich wie in Siedler 6 sind die Gebiete in Sektoren unterteilt, denen wir nun mit ganz unterschiedlichen Strategien zu Leibe rücken können. Wahlweise besetzten wir ein Gebiet militärisch, oder versuchen die Einwohner mit Engelszungen zu bestechen. Die Komfortfunktionen und Steuerung sind auch acht Jahre nach Release noch zeitgemäß und technisch hat bei uns auch das Hochskalieren prima funktioniert.

Kurzfazit:

Siedler 7 gehört neben Siedler 2 zu unseren Favoriten der Reihe. In 8 Jahren ist der letzte Teil der Reihe nicht sichtlich gealtert, was nicht zuletzt an dem stilisierten Comic-Look liegt. Rundum besinnt sich Siedler 7, nach den beiden Ausflügen in anderen Genres, auf die alten Stärken und hat uns richtig viel Spaß gemacht.

fairer Preis
auch offline spielbar
faszinierende Zeitreise durch 25 Jahre Videospielgeschichte
Bindung an Uplay
diverse technische Macken

Vincent Rieger

Gerade für Fans der Reihe, die auf hoher Auflösung und heutigen Betriebssystemen siedeln wollen, lohnt sich der Kauf der History Collection. Schade, dass nicht alle Teile ohne technische Schwierigkeiten auskommen, aber alles in allem erwartet euch eine gelungene Reise durch die Videospiele Geschichte, mit Halt bei allen großen Strategiespieletrends. Für alle Skeptiker empfehlen wir zumindest den Kauf von Siedler 2, das mit 5 Euro nicht allzu sehr zu Buche schlägt.
Test: Götterdämmerung Test: #NoSecrets
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