Test: Die Sims 4

Test Die Sims 4 (3)Ganze 14 Jahre sind seit dem Debüt des Franchsies vergangen und nun schicken Maxis und Electronic Arts die Spieler mit Die Sims 4 erneut in die virtuelle Welt, um dort das alles zu tun, was sie auch im realen Leben machen könnten, nur schneller, witziger und wesentlich abstrakter. Eine Familie gründen, als Karriereziel Meister-Köchin oder Elite-Gamer werden oder einfach nur die Nachbarschaft mit allerlei Schabernack terrorisieren? In die Sims 4 stellt dies keinerlei Problem dar. Das Spiel ist schöner, intuitiver und bietet einige neue Features, die es zu entdecken gilt. Aber auch sollten sich Fans des Vorgängers darüber im Klaren sein, dass inhaltlich noch viel auf sich warten lässt.

Was muss ein Entwicklerstudio leisten um einen neuen Ableger eines Franchises zu rechtfertigen? Neues! Eine Fortsetzung muss dem Spieler in der Regel eine neue Story, neue Herausforderung oder ganz exklusive neue Features bieten, mit denen der Vorgänger sich nur wenig messen kann. Die Sims 4 bietet zahlreiche Neuerungen, aber leider ist keine mit dabei, die dem Spieler vor Staunen vom Hocker reißt. Im Gegensatz, gerade im Bereich des Inventars fehlt derzeit sogar noch das Gefühl der Qual der Wahl. Zwar steht eine beachtliche Anzahl an Items zur Verfügung, aber gerade Spieler vom Die Sims 3 und dessen Add-Ons sollte ihre Erwartungen zunächst etwas zurückschrauben und sich mit dem Begnügen, was der Titel bietet.Test Die Sims 4

Erstelle deinen Sim

Beim Charakter-Editor von Die Sims 4 hat Maxis alles richtig gemacht. So könnt ihr euren Sim schnell und intuitiv gestalten, aber auch sehr weit ins Detail gehen, sofern ihr euch die Zeit nehmen möchtet. Durch ein simples Klicken auf verschiedene Körperteile wird es euch ermöglicht, hier schnell und einfach das Aussehen zu ändern, beispielsweise den Umfang verschiedener Körperteile, die Frisur oder die Kleidung. Neben zahlreichen Vorlagen könnt ihr aber auch individuelle Anpassungen vornehmen, wie die Gesichtszüge. Euch passt die Nase nicht? Dann ziehen wir sie halt wie bei Pinocchio in die Länge!

Sobald ihr euren Sim erstellt habt, könnt ihr mit diesem in eine Wohngegend eurer Wahl ziehen und euch ein passendes Häuschen oder leeres Grundstück zum Bebauen suchen, sofern eure Geldbörse dies zulässt. Der Anfang ist gerade für Neueinsteiger im Sims-Franchise sehr freundlich gestaltet, denn man wird intensiv an die Hand genommen und jedes mögliche Feature des Spiels bekommt der Spieler via kleinen Pop-Ups erklärt. Nun geht es aber erst einmal ins harte Sim-Leben, in dem es heißt Bedürfnisse stillen, einen Job suchen und sich frei zu entfalten!Test Die Sims 4 (4)

Herrliches Gefühlschaos

Wie im Vorgänger auch bekommen wir es in Die Sims 4 wieder mit einem Bedürfniss-System zu tun, welches die wichtigsten Grundbedürfnisse der Sims anzeigt, wozu u.a. Hunger, sozialer Kontakt und Schlaf gehören. Diese gilt es zwar auch weiterhin zu erfüllen, dabei fällt dieses System allerdings nicht mehr so penetrant aus, was insbesondere an den neuen Emotionen liegt. Die Sims können nämlich immer wieder in verschiedene Stimmungen verfallen, die durch bestimmte Geschehnisse im Alltag ausgelöst werden. Erwischt der Sohn den Vater beim Duschen, so verfällt der junge Knabe in einen beschämten Zustand, der nach einigen Stunden wieder aufgehoben wird. Aber auch durch verschiedene Aktivitäten kann hier Abhilfe geschaffen werden, wie durch ein motivierendes Gespräch mit dem eigenen Spiegelbild.

Das gesamte Emotions-System macht einen besonders guten Eindruck, da es nicht nur sehr vielfältig ist, sondern sich auch auf alle möglichen Bereiche des Sim-Lebens auswirkt. Ist ein Sim nach einer nachdenklichen Dusche inspiriert, so können sich hier besondere Möglichkeiten eröffnen, wie spezielle Gemälde zu malen, die unter normalen Umständen nicht verfügbar wären. Auch stehen immer drei unterschiedliche Mini-Aufgabe zur Verfügung, die komplett sekundär zu erfüllen sind. Diese rotieren sehr oft und hängen gelegentlich auch von der aktuellen Emotionslage ab. Ihr Zweck ist des Weiteren das Verdienen von Simeleons, eine Punktewertung mit der ihr eurem Charakteren Bonus-Merkmale oder Objekte kaufen könnt.Test Die Sims 4 (1)

Künstler, Staatsfeind Nr.1 oder Gamer?

Die Karriere-Laufbahn wurde in Die Sims 4 überarbeitet und bietet wieder zahlreiche lustige und spannende Möglichkeiten eine berufliche Laufbahn einzuschlagen. Besonders gefiel uns hier der schleichende Prozess der kleinen Belohnungen. Ein Sim, der die Laufbahn des Gamers einschlägt, erhält so im Verlauf seiner Karriere immer mehr Zugriff auf neue Spiele und Fähigkeiten. So kann dieser Sim später auch Games im Internet streamen oder an Turnieren teilnehmen und somit etwas zusätzliches Geld verdienen. Ein Koch im Vergleich erhält Zugriff auf neue und immer bessere Rezepte, die dieser auch zu Hause zubereiten kann. Beim Erreichen der höchsten Stufen einer Karriere werden zudem noch einzigartige Objekte freigeschaltet, die ihr in eurer Wohnung platzieren könnt, was den Anreiz alle Karrieren durchzuspielen enorm erhöht.

Technisch gut, aber mit diversen Haken

Optisch macht Die Sims 4 einen sehr guten Eindruck. Insbesondere die Mimik der Sims selbst wirkt ansprechend und kommt gut rüber. Allerdings, wie schon bei dem Sim City-Debakel, hat Maxis bei Die Sims 4 an der „Machen wir das Gebiet kleiner“-Schraube gedreht. Denn die Stadt des Spiels ist in mehrere Nachbarschaften, bestehend aus wenigen Häusern,  unterteilt. Verlasst ihr diese, bekommt ihr es mit einem nervigen und langen Ladebildschirm zu tun. Aber zu allem Unverständnis werdet ihr nicht nur beim Verlassen eurer Nachbarschaft damit konfrontiert, sondern sogar wenn ihr eurem Nachbarn einen Besuch abstatten möchtet!Test Die Sims 4 (2)

Der Editor zum Bebauen des eigenen Grundstückes ist hingegen grandios geworden. Insbesondere das schnelle und zudem einfache vergrößern des Hauses, durch Verschieben der Wände, weiß zu gefallen. Ebenso ist die Menüführung durch die zahlreichen Bauoptionen an nahezu jeden Geschmack angepasst worden, was eine einfache Navigation durch die vielen Objekte und Texturen erlaubt. Wer in Die Sims 4 übrigens seine Nachbarschaft mit weiteren, ausgefalleneren Sims bevölkern möchte, der kann mit dem Community-Tool die Sims und sogar Gebäude anderer Spieler herunterladen eben die eigenen hoch!

Im Bereich der K.I. haben wir in Die Sims 4 einige Probleme erfahren müssen, aber nicht alles ist schlecht. Insbesondere die neue Fähigkeit des Multi-Taskings eine tolle Ergänzung, die das Leben eurer  Sims wesentlich glaubwürdiger gestaltet. So nimmt die Mutter schon mal ihr Abendessen mit ins Kinderzimmer, um beim Essen mit dem Sohn zu reden. Allerdings kam es insbesondere beim Abräumen von dreckigem Geschirr des Öfteren zu Problemen. So nahmen unsere Sims das Geschirr zwar auf, legten es aber auch sofort wieder ab. Ebenso ist es nicht sehr intelligent wenn der Vater mit dem Kochen anfangen will und dafür teure Lebensmittel aus dem Kühlschrank nimmt, während die Mutter schon seit 30 Minuten dabei ist ein Menü für die Familie auf den Tisch zu zaubern.

Intuitive Charaktererstellung
Umfangreiches Tutorial
Solides neues Emotionen-System
Endlich Mulitasking (sogar für Männer!)
Hohes Suchtpotential
Keine frei begehbare Welt
Störende Ladezeiten
K.I. stellenweise am Schwächeln
Events wiederholen sich arg oft

Daniel M.

Zugegeben, die ersten paar Spielstunden waren schon etwas zäh, die Zahl der Haushaltsgegenstände und Texturen hält sich noch in Grenzen und auch ist die Entscheidung, keine große, frei begehbare Welt anzubieten, mehr als fragwürdig. Nichtsdestotrotz ist Die Sims 4 ein sehr solides Spiel, das speziell im späteren Spielverlauf, sobald man nicht direkt für mehrere Sims verantwortlich ist, sehr viel Ansporn bietet. Der Umfang ist derzeit zwar noch ein wenig gering, aber aufgrund zahlreicher Herausforderungen und Achievements lassen sich viele Stunden mit dem Spiel verbringen und die Zeit zudem sehr schnell aus dem Auge verlieren. Wir sind jetzt gespannt, wann EA das erste Add-On ankündigt und hoffen, dass die DLC-Schiene zum Kauf einzelner Objekte nicht befahren wird.
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