Test: Disgaea 1 Complete

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Disgaea Complete: Die HD-Umsetzung im Test @Bildquelle: NIS

Das Disgaea-Franchise ist ohne Frage eines der großen Steckenpferde des japanischen Entwicklerstudios Nippon Ichi Software, und genau dieses schickt der Entwickler nun wieder ins Rennen. Und diese Reihe besteht dabei schon ein ganzes Weilchen, immerhin seit nun über 15 Jahren. Im Januar 2003 feierte der erste Ableger, Disgaea: Hour of Darkness, sein Debüt und konnte aufgrund unterschiedlicher Merkmale mehr als nur bestechen. Dazu zählen das sehr eigene und markante Charakterdesign, der schrullige Humor und natürlich das Gameplay selbst. Seither sind insgesamt vier weitere Ableger der Hauptserie erschienen, aber auch diverse Spin-Offs. Mit dem HD-Remake Disgaea 1 Complete feiert Nippon Ichi Software nun noch einmal den Ursprung dieser beliebten Serie!

Endlos viel zu tun

Solltet ihr Disgaea noch nicht kennen, dann ist euch etwas entgangen – insbesondere, wenn ihr Anime-Fans seid. Eine Mischung aus wunderschönem Art-Design und massiver Taktik-RPG-Action wartet hier auf euch, und das nicht zu knapp. Unterstrichen wird das Spielgeschehen zudem mit der verqueren Story, in der ihr selbst in die Rollen der Bösewichte schlüpft, die auf ihre eigene Art doch recht gut zu sein scheinen.

Die Geschichte hinter Disgaea 1 Complete fokussiert den Dämonen-Prinz Laharl, der nach dem Tod seines Vaters erwacht. Sein Vater war der Overlord der Netherwelt und nun will Laharl den Thron übernehmen. In insgesamt zehn Episoden wird hier eine packende und skurril-spannende Geschichte erzählt, die fast schon einem Anime gleicht. Insbesondere der typisch-japanische Humor setzt dem Ganzen die Krone auf, was bspw. durch die amüsanten Dialoge mit der Gefährtin Etna, die selbst ganz eigene Ziele verfolgt, zum Vorschein kommt. Auch zahlreiche Fähigkeiten und Angriffe sind so von japanischer Pop-Kultur durchzogen. Dies geht teilweise so weit, dass es durchaus schwierig für westliche Spieler sein kann, die Anspielungen zu verstehen.

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Das Herz des Spiels ist allerdings nach wie vor nicht die Story, so unterhaltsam sie auch sein mag, sondern das endlose Grinden, das Verbessern und Aufleveln der eigenen Truppe und das Erstellen der zahlreichen unterschiedlichen Figuren. Jeder Charakter und jedes Monster, die ihr individuell erstellen und dem eigenen Raster hinzufügen könnt, verfügt über ganz eigene Fähigkeiten und Vorzüge. Aber nicht nur die Charaktere selbst könnt ihr aufleveln, auch vor den Items macht ihr nicht Halt.  Fans der Reihe wissen, was jetzt kommt: Die Item-Welten. Richtig gehört! Jedes Item, das ihr findet, verbirgt in sich eine eigene gigantische Welt mit zahllosen Fluren, die es zu absolvieren gilt. Je weiter ihr euch in diesen vorankämpft, desto stärker wird das Item und somit der Charakter, der dieses ausgerüstet hat.

Taktisch tiefgreifend und komplex

Das Kampfsystem in Disgaea 1 Complete kommt in isometrischer Form daher. Hier müsst ihr eure Charaktere über ein Kachelsystem steuern und feindliche Charaktere mit Attacken ausschalten. Klingt einfach, doch wie immer liegt der Clou im Detail. Denn nicht nur müsst ihr eure Charaktere und die damit verbundenen Klassen gut aufeinander abstimmen, auch kommt Disgaea 1 Complete mit sehr einzigartigen Möglichkeiten daher, Kombo-Attacken auszuführen.

So könnt ihr eure Mitstreiter aufheben und durch die Gegend werfen, um so taktisch bessere Positionen zu erreichen. Macht ihr dies mit den Pinguin-artigen Prinnies, dann explodieren diese sogar und verursachen massiven Schaden – auch wenn die Prinnies dann vorerst ausgeschieden sind. Wichtig sind auch die sogenannten Geo-Panels. In den Leveln findet ihr so farbige Paneele auf den Boden, die den darauf stehenden Figuren Buffs oder Debuffs bescheren. Nutzt ihr diese aus, kann das für euch enorme Vor- bzw. Nachteile bedeuten.

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Was hat sich verändert?

Trotz all dieser Features muss allerdings klargestellt werden, dass Disgaea schlussendlich nur ein HD-Port des Originals ist. Das ändert zwar nichts daran, dass der Titel sehr spielenswert ist, doch schlussendlich fehlen die meisten Mechaniken der vergangenen Ableger. Das Magi-Change-System und die Tower-Attacken fehlen so gänzlich, genauso wie Clubs, Evilities und einige andere Systeme. Diese haben zuletzt stets für spannende Neuerungen gesorgt, sodass es schade ist, dass diese in Disgaea 1 Complete nicht dabei sind.

Die markanteste Veränderung, auf die Spieler sich im Disgaea HD-Remake freuen dürfen, ist offensichtlicher Weise die Grafik. Mit größtenteils hochauflösenden Texturen und ebenso ansprechenden Sprites holt die Serie nun das nach, was in Disgaea 5 erstmals eingeführt wurde. Aber auch die Menüführung und einige andere Details wurden überarbeitet und entsprechend zeitgemäß umfunktioniert. Sehr angenehm ist des Weiteren, dass auch der Etna-Modus im Spiel enthalten ist. Hierbei handelt es sich um eine Portion zusätzlicher Story, die aus dem PSP-Port Afternoon of Darkness stammt.

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@Bildquelle: NIS

Großartiger Humor
Das Original nun auch in toller HD-Optik
Sehr viel spielerischer Tiefgang
Potential, Tausende von Spielstunden zu füllen
Immenses Grinding
Der Zahn der Zeit ist stellenweise spürbar
Neueste Mechaniken nicht dabei

Daniel Meyer

Disgaea ist und bleibt ein wundervolles Stück Unterhaltung für jeden Taktik-RPG-Fan, insbesondere dann, wenn man Animes liebt und einen Sinn für skurrilen japanischen Humor hat. Davon bietet Disgaea eine Menge, mindestens genauso viel wie es euch an Spielzeit abknüpfen kann. Wenn ihr wollt, könnt ihr hier im wahrsten Sinne des Wortes zahllose Spielstunden investieren, denn mit Item-Welten und Co. gibt es hier unendlich viel Optimierungsbedarf. Schade nur, dass viele neuere Kernfeatures nicht in das Remake integriert wurden, die insbesondere Disgaea 5 so herausragend gemacht haben.
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