Test: Divinity – Original Sin 2

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Alteingesessene Rollenspielfans werden sich an die glorreiche Zeit der isometrischen Rollenspiele um die Jahrtausendwende herum erinnern. Hier wussten Titel wie Neverwinter Nights, Icewind Dale und Baldurs Gate mit zahllosen Stunden an Spielspaß und Abenteuern zu begeistern. In den letzten Jahren haben sich diverse Entwickler wieder an dem isometrischen Erfolgsrezept orientiert und klassische RPGs auf den Markt gebracht – und wie sich zeigt mit Erfolg. Dazu gehörte unter anderen auch der Vorgänger zum nun erschienenen Divinity: Original Sin 2, welcher unter Fankreisen immens zu bestechen wusste. Nun wird die Saga fortgeführt und das mit einer wahnsinnigen Tiefe.

Tiefgang der seinesgleichen sucht

Der Spielstart von Divinity: Original Sin 2 unterscheidet sich nur wenig von den zahllosen anderen Rollenspielen auf dem Markt. Zunächst gilt es sich für einen Charakter zu entscheiden. Dass diese Entscheidung allerdings sehr weitreichende Folgen hat, lässt sich sehr schnell erkennen. Denn es steht euch eine breite Anzahl an vorgefertigten Story-Charakteren als auch generischen Figuren zur Auswahl. Die generischen Charaktere können wir nach Belieben erstellen, wohingegen die vorgefertigten mit eigener Storyline daherkommen. Und genau diese gilt es im Verlauf der Geschichte zu verfolgen.

Zu diesen Charakteren zählt bspw. die Elfin Sebille, die als Sklavin gehalten wurde und nun ihren früheren Besitzer ausfindig machen will. Was mit diesem anschließend passiert, das überlassen wir eurer Fantasie. Des Weiteren haben wir hier zudem noch Fane, einen uralten Untoten, der als letzter seiner Art aus einem Schlummer erwacht ist sowie Lohse, eine Musikerin, in deren Körper ein Wesen haust welches eben diesen übernehmen will. Im Verlauf des Spiels kommt es so immer wieder zu Momenten, wo die Geschichte der Charaktere weitererzählt wird, was vom erzählerischen Standpunkt perfekt gelungen ist und zusätzliche Abwechslung bietet.

Aber auch inhaltlich bietet Divinity: Original Sin 2 einen unfassbaren Tiefgang. Ähnlich wie bei klassischen isometrischen RPGs gilt es auch hier viel Zeit zu investieren, und das allein schon um die Welt und deren Bewohner zu erforschen und kennenzulernen – ganz abgesehen von all den komplexen Mechaniken wie Crafting, Skills, usw. Der Fokus liegt hier selbstverständlich stark auf der Geschichte und den damit verbundenen Quests. Je nachdem wir ihr euren Charakter entwickelt, welche Talente und Skills dieser erlernt, können neue Wege eingeschlagen werden. Ein Elf, der euch bisher noch ignorierte, kann mit den richtigen Überredungskünsten dazu bewegt werden euch Informationen preiszugeben. Aber auch spielt die Rasse eures Charakters eine wichtige Rolle, denn NPCs reagieren oft auf Genossen der eigenen Spezies offener.

Quests und Kämpfe

Im Vergleich zu vielen Genrevertretern fällt Divinity: Original Sin 2 insbesondere durch das Questdesign positiv auf. In einem Fall stießen wir am Strand auf einen Wahnsinnigen, der gerade Menschenkadaver verspeiste. Mit sich reden ließ dieser kaum, da dieser wie besessen eine bestimmte Pflanze erwähnte. Hätten wir die Pflanze bei uns gehabt, hätte sich die Geschichte gänzlich anders entwickeln können, denn so resultierte diese Begegnung unweigerlich in einem Kampf. Viele Situationen in Divinity: Original Sin 2 zeigen so oft erst im späteren Verlauf, wie man sie hätte noch bewältigen können, sodass die eigene Unwissenheit oder fehlendes Erforschen der Umgebung den eigenen Pfad vorherbestimmen. Dies ist insofern löblich, da wir hier nicht stets die optimale und rechtschaffenste Lösung dargeboten bekommen, sofern wir uns nicht entsprechend vorbereiten. Ein wesentlich realistischerer Ansatz.

Die Kämpfe des Spiels kommen wie gewohnt in rundenbasierter Form daher. Hier sei zudem direkt vorgewarnt, dass beim ersten Spieldurchlauf nach Möglichkeit ein höherer Schwierigkeitsgrad ignoriert werden sollte. Divinity: Original Sin 2 ist einfach immens komplex mit seinen Charakterentwicklungen, dem Craftingsystemen, den Wechselwirkungen in Kämpfen und der tiefgreifenden Welt. Verbindet man dies dann noch mit dem ohnehin anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad, so kann und wird dies unweigerlich in Frustrationen enden. Insbesondere gilt dies, da gestorbene Charaktere nur mit Wiederbelebungszaubern zurückgeholt werden können, die hier stark begrenzt sind.

Tödliche Umgebung

Insgesamt kann eure Party aus vier Charakteren bestehen, die kurz nach dem Start des Spiels rekrutiert werden können. Ein guter Klassenmix ist hier zudem wichtig, damit in den Kämpfen die nötige Flexibilität besteht. Gerade die große Breite an Fähigkeiten sowie die Wechselwirkungen von Elementen, sorgen für sehr durchdachte, komplexe und taktisch gute Kämpfe.

Wie schon im ersten Teil können unterschiedliche Elemente in den Kämpfen genutzt werden, um Vorteile zu erlangen. Öl auf dem Boden verlangsamt nicht nur Gegner sondern kann auch in Brand gesetzt werden. Regenzauber können diese Brände löschen, durchtränken allerdings gleichzeitig den Boden. Dieses Wasser kann dann mit Feuer in Dampf gewandelt oder mit Elektrizität unter Strom gesetzt werden. Dies sind nur einige Beispiele dafür, wie die Begebenheiten der Welt zum eigenen Vorteil genutzt werden können.

Qualität ist das Zauberwort

Divinity: Original Sin 2 fühlt sich von Anfang bis Ende extrem stimmig an. Dies beginnt schon bei der sehr atmosphärischen und detailverliebten Darstellung der Welt, sodass wir mit Fug und Recht behaupten können, dass es sich hierbei um eines der optisch schönsten isometrischen Games auf dem Markt handelt. Aber nicht nur hier wurde viel Wert auf Qualität gelegt, auch im gesamten Storytelling.

Nicht nur bieten sich viele unterschiedliche Lösungswege für Quests an, auch lohnt es sich gerade mit Nebenaufgaben intensiv zu beschäftigen. Aufgrund der Größe der Welt ist es zwar nicht immer leicht Questgeber zu finden –  zumal diese nicht immer als solche erkennbar sind – doch lohnen kann sich dies durchaus. Durch das erfolgreiche Lösen von Nebenquests werden oft neue Informationen und Handlungsstränge aufgedeckt. Diese können sich im späteren Spielverlauf als nützlich erweisen. So kann es sein, dass ihr hier auf bekannte Figuren erneut stoßt, oder aber sich neue Dialogoptionen eröffnen. Dadurch wird ein enormer Widerspielwert gegeben.

Optisch wunderschön und atmosphärisch
Entscheidungen haben langreichende Auswirkungen
Abwechslungsreiches und authentisches Questdesign
Komplexe und gut durchdachte Welt
Tiefgreifendes und anspruchsvolles Kampfsystem
Spannende Charaktere mit eigenen Origin-Stories
Schwierigkeitsgrad nachträglich nicht veränderbar

Daniel Meyer

Divinity: Original Sin 2 eine wahre Goldgrube für Rollenspielfans. Von Anfang bis Ende ist das Game ein großartiges Abenteuer voll Wunder und epischer Erlebnisse, welches euch zudem immense Freiheiten in der eigenen Charakterentwicklung anbietet. Abwechslungsreiche und spannende Quests, ein unfassbar tiefgreifendes Kampfsystem, weitreichende Handlungsstränge, bei denen die eigenen Entscheidungen enorme Auswirkungen haben können und generell eine wunderschöne Welt versprechen hier hunderte von Stunden an Unterhaltung. Das Spiel ist sogar so perfekt gelungen, dass es wirklich schwer ist, den Larian Studios irgendetwas anzukreiden. Wenn überhaupt wäre eine nachträgliche Umstellung des Schwierigkeitsgrades wünschenswert gewesen, aber dies stellt Meckern auf hohem Niveau dar. Rollenspieler sollten sich Divinity: Original Sin 2 entsprechend keinesfalls entgehen lassen, denn es handelt es sich ohne Frage um eines der besten RPGs der letzten Jahre.
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