Test: Dragonwood

Tief in den Wäldern von Dragonwood hausen zwei bösartige Drachen, die in den umliegenden Dörfern für Angst und Schrecken sorgen. Der Wald muss verflucht sein, wahre Monsterscharen treiben darin ihr Unwesen. Bis zu vier tapfere Abenteurer machen sich auf den Weg und wagen sich in den verhexten Forst hinein. Sie haben es auf den Feuer- und auf den Wasserdrachen in Dragonwood abgesehen, um ihre Schreckensherrschaft endgültig zu beenden.

Ähnlich märchenhaft wie diese kleine Geschichte zeigt sich auch der gesamte Stil von Dragonwood, dem neuen Kartenspiel aus dem Hause Game Factory. Der namensgebende Wald wird im Spiel durch Karten dargestellt, auf denen sich überwiegend die Kreaturen befinden. Diese Kreaturen gilt es zu bezwingen, um Siegpunkte zu kassieren. Im Kreaturenstapel findet ihr ein ganzes Sammelsurium an seltsamen Monstern, allesamt mit eigenen Stärken und Schwächen.

Wähle deine Waffe

In Dragonwood stehen euch drei Möglichkeiten zur Verfügung, um eine Kreatur zu bezwingen: ein Schlag, ein Tritt oder ein Schrei. Für einen erfolgreichen Angriff werft ihr eure Würfel, um den angegebenen Zielwert auf der Karte zu erreichen oder zu übertreffen. Einige Monster, wie etwa die Feuerameisen, lassen sich mit Tritten besonders leicht bezwingen, sind dafür aber wiederum recht widerstandsfähig bei Schlägen. Somit verfügt jedes Monster über drei Stärkewerte, je einen für Schlag, Tritt und den Schrei.

Welchen Angriff euer Abenteurer gegen das Monster ausführt, liegt an den Handkarten, die ihr vor dem Angriff ausgespielt habt. Für die Angriffe steht ein weiterer Kartenstapel bereit. Dieser beinhaltet die sogenannten Abenteurer-Karten, die in fünf Farben mit Zahlenwerten zwischen eins und zwölf verfügbar sind. Um einen Schlag durchzuführen, braucht ihr nur eine zusammenhängende Zahlenreihe mit euren Karten auszuspielen. Die Farbe spielt bei einem Schlag keine Rolle. Tritte hingegen könnt ihr nur mit Karten des gleichen Zahlenwerts ausführen. Für einen Schrei spielt ihr wiederum lediglich Karten mit der gleichen Farbe aus, hier sind die Zahlen auf den Karten ohne Belang.

Hilfreiche Gimmicks für den Abenteurer

Jetzt gilt es noch die Stärke des Angriffs zu ermitteln. Für jede abgelegte Abenteurer-Karte, die auf diese Art und Weise ablegt wird, steht euch ein Würfel zur Verfügung.  Wollt ihr etwa einen Schlag ausführen und legt je eine Karte mit den Zahlenwerten von drei, vier und fünf ab, so dürft ihr die Kreatur nun mit drei Würfeln attackieren. Erreicht die gewürfelte Summe nun den Zielwert auf der Karte, habt ihr das Monster in die Knie gezwungen und dürft die Karte an euch nehmen. Die dort aufgeführten Siegpunkte gehören euch.

Damit wäre das Grundspielprinzip von Dragonwood auch schon erfasst. Das Spiel hält allerdings noch einige Überraschungen für euch parat. Unter die Monster des Waldes haben sich etwa auch ein paar hilfreiche Gegenstände gemischt.  Diese Gegenstände können euch später im Kampf unterstützen. Zunächst müsst ihr sie jedoch, genau wie die Kreaturen, mit einem erfolgreichen Angriff erobern. Einen eroberten Gegenstand legt ihr einfach offen vor euch ab und setzt ihn dann bei Bedarf ein. Manche Ausrüstungsteile lassen sich nur einmalig verwenden, andere geben euch aber auch Vorteile über das gesamte Spiel hinweg. Mit der Hilfe des Tarngeistes etwa zählt ihr zu jedem Schlag-Angriff zwei Punkte hinzu.

Ein Spiel mit vielen kleinen Überraschungen

Der Wald von Dragonwood öffnet sich für euch immer Stück für Stück. Fünf Karten liegen immer in der offenen Auslage. Erst wenn eine Kreatur besiegt oder ein Gegenstand erobert wurde, wird eine neue Karte ausgelegt. Ab und zu wird dabei auch eine Ereigniskarte aufgedeckt. Durch ein plötzlich auftretendes Gewitter werden die Abenteurer bei der Drachenjagd gehandicapt und müssen eine ihrer Karten ablegen. Die Ereignisse bringen noch einen Schlag mehr Abwechslung ins Spiel. Manchmal gewinnt ihr Handkarten hinzu, manchmal verliert ihr welche. Einige Ereignisse lassen euch sogar Handkarten miteinander tauschen.

Die Abenteurerkarten sind eure wertvollste Ressource im Spiel. Sie bestimmen letztlich, wie effektiv eure Angriffe werden und wie oft ihr diese ausführen könnt. Seid ihr am Zug, habt ihr zwei Optionen. Der Angriff und das damit verbundene Ablegen von Handkarten ist die eine Variante. Alternativ dazu zieht ihr einfach eine weitere Abenteurer-Karte vom Nachziehstapel und beendet euren Zug. Habt ihr etwas Glück, zieht ihr einen der vier Glückskäfer vom Stapel. Dieser erlaubt es euch in dieser Runde direkt zwei neue Karten auf die Hand zu nehmen.

Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss

Die hohe Kunst in Dragonwood besteht darin, die eigene Angriffsstärke richtig einzuschätzen. Natürlich dürft ihr auch gleich vier Karten ablegen, um einen Albernen Kobold aus seinen Latschen zu kloppen. Seine Schwäche bei Tritten und Schlägen sorgen aber dafür, dass ihr eigentlich nur fünf Stärkepunkte aufwenden müsstet, um ihn zu besiegen. Warum also mehr Karten als nötig abwerfen? Etwaige gesammelte Ausrüstungsgegenstände helfen euch möglicherweise sogar noch im Kampf. Wie effektiv der gestartete Angriff wirklich ausfällt, bleibt zu einem Teil dem Glück überlassen. Die sechs beiliegenden Würfel sind übrigens leicht gegenüber einem Standardwürfel modifiziert. Sie zeigen lediglich Zahlen zwischen eins und vier, wobei die Ziffern zwei und drei doppelt vorkommen.

Trotz des Würfelglücks bleibt Dragonwood eine taktische Komponente erhalten. Durch das gezielte Sammeln von Gegenständen sowie den klugen Einsatz von Karten zur richtigen Zeit, könnt ihr schon etwas entspannter durch den Monsterwald wandern. Das Spiel endet, sobald sowohl Feuer- als auch Wasserdrache besiegt wurden. Keine leichte Aufgabe, denn die beiden Kreaturen weisen Stärkewerte im zweistelligen Bereich auf. Ein alternatives Ende tritt ein, wenn der Nachziehstapel mit den Abenteurer-Karten zweimal zur Neige gegangen ist.

Eine Partie dauert in der Regel kaum länger als zwanzig Minuten, selbst wenn die maximale Teilnehmerzahl von vier Spielern erreicht wird. Dragonwood sollte mittlerweile problemlos im Handel zu finden sein. Preislich müsst ihr etwa 15€ einkalkulieren.

sehr zugänglich
trotzdem mit einer guten Portion Taktik
schicke Optik
geringe Wartezeiten
nur zwei Übersichtskarten für vier Spieler

Sebastian Hamers

Dragonwood ist ein Spiel, das man einfach gerne haben möchte. Die stabile Verpackung, die klackernden Würfel und vor allem die tolle grafische Gestaltung der Kreaturen sorgen schon beim Auspacken für Entzückung. Spielerisch ist Dragonwood kein Schwergewicht. Das Regelwerk ist sehr überschaubar, sodass selbst Spielemuffel sich schnell wohl fühlen können. Fast unbemerkt werden sie an kleine taktische Finessen herangeführt. Natürlich ist der Sieg zu einem guten Teil vom Glück abhängig. Ein reines Glücksspiel ist Dragonwood aber keinesfalls. Gerade durch das geschickte Sammeln von Gegenständen könnt ihr einige mächtige Kombis spielen, die selbst den Drachen das Blut in den Adern gefrieren lassen. Außerdem ist im verfluchten Wald eigentlich immer was los. Die kleinen Ereignisse während des Spielablaufs lockern das Geschehen angenehm auf und über einen gefundenen Glückskäfer freut man sich doch immer ganz besonders. Ziemlich witzig können auch die sprachlichen Besonderheiten werden, die während des Spielens entstehen können. „Ich schreie mal den Schleimhaufen an.“ Solche Sätze werdet ihr wohl so schnell bei keinem anderen Spiel hören. Mir hat Dragonwood viel Freude bereitet, da es sich so locker und flüssig spielt, kaum Wartezeiten beinhaltet, zugänglich ist und trotzdem einen guten Schuss Taktik beinhaltet.
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