Test: Drop it

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Der Brettspielmarkt ist so bunt wie vielleicht nie zuvor. Für jeden Geschmack findet ihr im Handel das passende Spiel. Ein wenig zu kurz gekommen sind in letzter Zeit, jedenfalls nach meiner persönlichen Wahrnehmung nach, die Geschicklichkeitsspiele. Für Kinder gibt es auch in diesem Sektor ein breites Angebot, doch für erwachsene Spieler erscheint mir das gegenwärtige Angebot vergleichsweise gering. Einer der Vertreter dieses Genres ist Drop it vom Kosmos-Verlag. Auf den ersten Blick erinnert es ein wenig an den Videospiel-Klassiker Tetris. Bunte Gebilde fallen von oben in einen Schacht und häufen sich zu einem stetig wachsenden Turm. Lückenlose Reihen sind, ganz im Gegensatz zu Tetris, dabei aber nicht zwingend von Vorteil.

Bevor ihr bei Drop it loslegen könnt, müsst ihr zunächst den „Tetris“-Turm aufstellen, in denen ihr dann die bunten Gebilde einwerft. Es handelt sich dabei um einen rechteckigen Schacht aus Plastikglas, der von einem blauen Sockel getragen wird. Seitlich lassen sich noch zwei Skalen platzieren, die ihr einfach durch den Schacht nach unten rutschen lasst. Zwei weitere Anzeigetafeln legt ihr zusätzlich an den Fuß des Schachts. Weiterhin gibt es noch ein kleines Punktebrett sowie geometrische Figuren in vier unterschiedlichen Farben. Innerhalb von einer Minute steht der Turm vor euch und es kann losgehen.

Jagd auf den Highscore

Jede Spielfarbe besteht aus neun Teilen: drei Kreise, zwei Quadrate, zwei Rauten und zwei Dreiecken. Reihum dürft ihr jeweils immer ein beliebiges Teil oben in den Schacht werfen. Je weiter oben im Schacht eure Figur liegen bleibt, desto mehr Punkte könnt ihr dafür einheimsen… zumindest potentiell. Denn es gibt einige Fallstricke, die euch die sicher geglaubten Punkte wieder rauben können. Wie gewonnen, so zerronnen.

Der Drop-it-Schacht ist in fünf Ebenen unterteilt, die durch Linien auf dem Plastikgehäuse angezeigt werden. Für jede Ebenen-Stufe gibt es einen Punkt. Es wird dabei immer die höchste Stelle eines Gebildes für die Wertung herangezogen. Befindet sich euer Teilchen also zwischen der dritten und vierten Ebene, so dürft ihr euch über vier Punkte freuen. Auf dem Schacht befinden sich auch einige Bonuskreise in unterschiedlicher Größe. Überlagert ein solcher Bonuskreis einen eurer Steine, gibt es dafür ein paar Zusatzpunkte. Im Idealfall könnt ihr mit einem Stein sogar gleich zwei diese Bonuskreis erreichen, was sich dann natürlich gleich doppelt lohnt.

Das Verletzen von Tabus

Soweit ist das Regelwerk von Drop it ziemlich simpel. Unter Umständen könnt ihr eure erzielten Punkte aber auch sogleich wieder verlieren. Im Spiel gibt es einige Konstellationen, die ihr unbedingt vermeiden solltet. Verletzt ihr eines oder mehrere der sogenannten Tabus, bekommt ihr für den eingeworfenen Stein überhaupt keine Punkte.

Im Schacht dürfen sich zwei Spielsteine der gleichen Form nicht gegenseitig berühren. Ebenso keine Punkte gibt es, wenn zwei Steine der gleichen Farbe anecken. Gut im Blick müsst ihr weiterhin die Anzeigen an den seitlichen Rändern sowie am Fuß des Schachts behalten. Betrachten wir zunächst die Anzeigetafeln an den Seitenrändern. Jede Ebene ist einer geometrischen Figur zugeteilt, die den Rand des Schachts nicht berühren darf.  Fällt euer eingeworfener Kreis beispielsweise in der ersten Ebene an den rechten Schachtrand, habt ihr damit ein Tabu verletzt und kassiert dafür null Punkte. Ganz ähnlich funktionieren auch die Anzeigen am Boden des Schachts. Hier sind alle Teilchen gefährdet, die unmittelbaren Kontakt zum Schachtboden besitzen. Je nachdem in welchem Sektor eure Figur gelandet ist, habt ihr damit ein Tabu verletzt und geht punktemäßig leer aus.

Glück und Geschick

Es ist gar nicht so leicht, die einzelnen Teile so in den Schacht fallen zu lassen, dass sie an der gewünschten Stelle landen. Manchmal legt eine Figur eine ungewollte Rotation hin und am Ende landet sie an einer ganz anderen Stelle als zunächst gedacht. Mit etwas Übung und Geschick könnt ihr eurem Glück aber durchaus gehörig auf die Sprünge helfen. Ihr solltet euch aber von der Illusion verabschieden, dass ihr in diesem Spiel die volle Kontrolle über eure Züge habt.

Das Regelwerk bietet auch noch einige spannende Varianten an. Am besten Gefallen hat mir das Spiel im Team. Hier teilt ihr euch in zwei möglichst gleich große Mannschaften auf und werft wechselweise eure Steine ein. In diesem Spiel kommen alle Teilchen zum Einsatz, da jedes Team mit jeweils zwei Farbsätzen spielt. Alternativ könnt ihr die Anzeigen an den Seitenrändern und am Fuß des Schachts austauschen. Statt der geometrischen Formen werden nun die vier Farben dort angezeigt. Tabus werden nun nicht mehr durch die Form der Teile, sondern durch ihre Farbe verletzt. Ganz pfiffig ist auch der Einbau der Joker. Jeder Spieler erhält zu Spielbeginn zwei Joker-Steine, die er einsetzen kann, um die Verletzung eines Tabus zu egalisieren. In diesem Fall erhaltet ihr die volle Punktzahl, auch wenn ihr ein Tabu verletzt habt.

Drop it ist für zwei bis vier Spieler ab acht Jahren ausgelegt. Ein Spiel dauert, selbst wenn ihr mir vier Spielern spielt, nicht länger als eine halbe Stunde. Drop it findet ihr ab sofort im Handel. Kostenpunkte: etwa 30€.

mit dem Charme von Tetris
auch im Team spielbar
einfache Regeln
Geschicklichkeitsspiel, auch für Erwachsene
kleine Fehler in der Aufbau-Anleitung

Sebastian Hamers

Eigentlich bin ich kein sonderlich großer Freund von analogen Geschicklichkeitsspielen. Möglicherweise liegt es auch daran, dass ich mit meinen Kindern schon zu viele Titel dieser Art gespielt habe. Drop it richtet sich aber keineswegs in erster Linie an Kinder. Zwar sind die Regeln innerhalb von zwei Minuten erklärt, dennoch birgt Drop it viele kleine Kniffe und überraschende Momente, die es zu einem besonderen Spielerlebnis machen. Natürlich könnt ihr einfach die Steine oben in den Schacht plumpsen lassen und gucken, was passiert. Richtig punkten werdet ihr damit aber nicht. Es gibt viele Faktoren einzukalkulieren, wenn ihr auf die Jagd nach dem Highscore gehen wollt. Ein wenig Glück gehört aber auch dazu. Die volle Kontrolle über die eingeworfenen Figuren habt ihr nicht. Immer wieder dreht sich ein Teilchen mal im letzten Moment und landet plötzlich an einer ganz anderen Position. Doch gerade solche Momente sorgen auch immer wieder für Spannung im Spiel. Mich hat Drop it so schon zu vielen Partien motiviert, obwohl ich kein sonderlich großer Anhänger dieses Genres bin. Drop it ist ein schnelles Geschicklichkeitsspiel, das nicht nur Kindern, sondern auch erfahrenen Spielern viel Spaß bringt.
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