Test: Elex

Elex Test

Die Welt von Elex

Elex ist das neueste Werk von Piranha Byte. Von dem deutschen Entwicklerteam kennen wir bereits die Gothic und die Risen Spiele. Diesmal haben sie sich an ein neues Projekt gewagt, welches auf den klangvollen Namen Elex hört und ein Fantasy-Sci-Fi Game ist. Wem diese ungewöhnliche Mischung möglicherweise gefallen könnte und was euch beim Rollenspiel Marke Germany erwartet, lest ihr in unserem umfangreichen Test.

Die Welt

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Magalan ist ein sehr wandlungsfähiger Planet, auf dem es einiges zu entdecken gibt

Zuerst einmal wollen wir euch ein wenig den doch sehr passenden Begriff Fantasy-Sci-Fi erklären. Denn eine Welt wie die in Elex haben haben wir in solch einer Zusammenstellung noch nirgends sonst erkennen können. Das zu bereisende Land Magalan, welches übrigens komplett offen steht, ist in vier große Herrschaftsmächte unterteilt. Auf der einen Seite haben wir einen immergrünen Wald, der durch sogenannte Weltenherzen instand gehalten wird. Das bewaldete Gebiet gehört den Berserkern.

Zu den einzelnen Fraktionen kommen wir später noch einmal ausführlicher zu sprechen. Östlich der Wälder liegt eine große Wüste mit Namen Tavar. In diesem Ödland leben die gesetzlosen Outlaws und verbringen ihre Zeit damit, Schrott zu sammeln und mit Stimulanzien zu handeln. Weit im Nordwesten finden wir einen immensen Vulkan mit jeder Menge Lava. Inmitten diesem unwirtlichen Land befindet sich der Hort der religiösen, technisch begabten Kleriker. Weit im Norden liegt das Gebiet der Albs. Diese sind jedoch nicht sonderlich erpicht darauf, mit euch zu reden oder gar euch aufzunehmen. Schon zu Beginn der Story wird euch klar, warum.

Die riesige Spielwelt gehört ohne Zweifel zu den Stärken von Elex. Dabei stellen sich jedoch nicht nur die kargen Ebenen von Magalan als hartes Pflaster heraus. Auch die Charaktere sind von echtem Schrot und Korn. In typischer Piranha Bites-Manier erwarten euch also derbe Sprüche und Obszönitäten im Übermaß. Viel mehr als detailverliebte Szenerien und der ein oder andere Plausch mit den Bewohnern von Magalan ist leider nicht drin. Elex fordert eure Phantasie und verlangt, dass ihr euch Nebengeschichten aus den vielen Bruchstücken der Spielwelt selbst erarbeitet.

Elex und die Fraktionen

Elex ist eine mysteriöse neue Ressource, mit der man so ziemlich alles anstellen kann, was erdenklich ist. Die Welt Magalan, auf der wir uns befinden, wurde von einem großen Meteor getroffen. Dieser beinhaltet das sogenannte Elex. Das bringt uns wieder zu den einzelnen Fraktionen. Den jede von ihnen verwendet das Elex auf eine andere Art und Weise und hat eine bestimmte Vorstellung, wie die Welt die neue Ressorce zu nutzen hat. Daher herrscht auch eine weniger harmonische Stimmung unter den einzelnen Parteien.

DIE BERSERKER IN EDAN

Der Meteor brachte zwar Leid, aber auch eine Chance mit sich, die Welt neu wachsen zu lassen. Die Berserker fanden einen Weg, Elex in pures Mana umzuwandeln, und verwandeln nun damit die zerfurchten Ödlande Magalans in üppige, lebendige Waldgebiete. Während die Albs den Rest der Welt gewaltsam zu unterdrücken versuchen und die Kleriker die Technologie der Vergangenheit predigen, bieten die Berserker Anlass zur Hoffnung. Durch das Ersetzen von Technologie durch Magie bieten sie den Bewohnern von Magalan eine Zukunft.

DIE OUTLAWS IN TAVAR

Tavar, ein steiniges Wüsten-Ödland, ist das Zuhause der Outlaws. Sie durchstöbern die Ruinen nach Waffen und Ausrüstung und huldigen keinem Gott. Sie wollen sich weder den strengen Regeln der Berserker beugen, noch einem Leben voller emotionsloser Konflikte hingeben. Der Meteor brachte den Outlaws eine Chance auf Freiheit, auf Alternativen, und auf eine Welt, in der es jeder an die Spitze schaffen kann. Die Outlaws leben nach dem Motto: „Der Stärkere überlebt.“, denn das Leben mag zwar hart sein, aber dafür ist es auch zwanglos.

DIE KLERIKER IN IGNADON

Als Einschlagsort des Meteors wird Ignadon von ständiger vulkanischer Aktivität zerrüttet. Man hielt Ignadon für ausgestorben, weshalb es das perfekte Versteck für die Kleriker war, um dort an Macht zu gewinnen. Als Anhänger des Gottes Calaan betrachten sie den Konsum von Elex in jeglicher Form als Sünde. Stattdessen treiben sie damit ihre Maschinen an. Als Wächter der Technologie setzen die Kleriker ihr Vertrauen in Calaan, Plasmawaffen, Mechanik und die Macht steten Fleißes, und hoffen auf ein Magalan, das aus der Asche aufersteht und noch fortschrittlicher ist als zuvor.

DIE ALBS IN XACOR

Die Albs sind der Auffassung, dass der Meteoriteneinschlag der Menschheit eine neue Zukunft gegeben hat – Elex. Die Macht Elex‘ für Technologie nutzbar zu machen, ist für sie nur der Anfang. Der Konsum von purem Elex kann Menschen stärker machen, sie klarer denken lassen und von ihren Emotionen befreien. Ehrgeizig, konzentriert und, dank dem Elex-Konsum auch völlig gewissenlos, versuchen die Albs von ihrer Basis in den Bergen Xacors aus, ganz Magalan zu erobern. Sie sehen Elex als ihren rechtmäßigen Besitz und kein Problem darin, Schwächere zu opfern, damit Magalan überleben kann.

Jede dieser Fraktionen bietet einzigartige Herausforderungen und eigene Vorteile. Im Hauptpfad werden wir uns für uns die Berserker, Outlaws oder Kleriker entscheiden müssen.

Der Held

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Jax, die Bestie von Xacor

Warum euch die Albs nicht wirklich wohlgesonnen sind, erfahren wir schon zu Beginn. In einer kurzen Sequenz wird uns erklärt, dass wir in die Rolle von Jax, die Bestie von Xacor, schlüpfen. Xacor nennt man eben dieses im Norden liegende, eiskalte Gebiet der Albs. Wir sind auf einer äußerst wichtigen Mission unterwegs. Mit einem technisch hochwertigen Fluggerät, genannt Gleiter, düst unser Held über die Wälder der Berserker.

Als eben dieser Gleiter aus einer Schützenstellung einfach aus dem Himmel geholt wird, sehen wir wie Jax, der wie von Zauberhand den Absturz überlebt hat, von einem gewissen Kallax, ebenfalls ein Alb, exekutiert wird. Jedoch nicht so erfolgreich wie sein Kollege dachte. So stehen wir, als Jax, wieder auf und bemerken, dass plötzlich unsere gesamte Ausrüstung fehlt. Zudem hat unser Held einen starken Elex-Entzug, weshalb er sich seine Macht anderweitig wieder erarbeiten muss. Das Unterfangen, die Ausrüstung wieder zu beschaffen und unsere ursprüngliche Stellung zurückzuerlangen, wird unsere erste Aufgabe sein.

So verwirrend es auf den ersten Blick scheinen mag, dass Jax gleich zwei tödliche Ereignisse auf einmal überlebt, so konfus gestalten sich auch die übrigen Sequenzen. Nicht nur der Prolog, sondern das gesamte Spiel ist mit eher schlecht inszenierten, fast schon trashigen Sequenzen übersät und generell wird in puncto Handlung nicht wirklich viel erklärt. Einen echten Spannungsaufbau vermissen wir schmerzlich. Warum, wieso und von wem Jax aus dem Himmel geholt wurde, erfahren wir erst ganz am Ende des Spiels. Dennoch bleiben zu viele Fragen am Ende ungeklärt.

Kampfsystem

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Fernkampf ist okay – Nahkampf der technische Super-GAU

Das Kampfsystem ist wirklich grausig. Daher müssen wir Elex hier leider einige Punkte abziehen. Die Waffenauswahl ist vom Grundprinzip ganz nett gedacht. Leider blieb es bei dem Gedanken. Uns stehen Einhand-Waffen und Zweihand-Waffen zur Verfügung. Fernkampf und sogenannte schwere Waffen. Sofern wir uns im Laufe der Story einer Partei anschließen, erhalten wir noch mehr Fähigkeiten. Dennoch haben wir grundlegende Probleme mit dem Kampfsystem.

Im Nahkampf haben wir kaum eine Chance, unseren Fokus auf die Gegner zu verändern. Bedeutet: Haben wir erst einmal einen Feind „anvisiert“, dürfen wir erst wechseln, wenn wir soweit wegrennen, dass der Kampf wieder neu startet oder aber der Gegner besiegt ist. Gerade bei mehreren Feinden fehlt uns daher komplett die Möglichkeit, nach links oder rechts zu blocken. Das Resultat: Wir sterben unglaublich oft. Nicht, weil das Spiel wirklich eine große Herausforderung darstellt, sondern eher, weil die Steuerung nicht das macht, was sie eigentlich sollte.

Fernkampf gestaltet sich zwar ein wenig angenehmer, kann das Ruder aber auch nicht mehr herumreißen. Hier können wir zwischen den Feinden wenigstens hin- und herschalten. Kommt uns allerdings ein Gegner zu nah, benötigen wir gefühlte 100 Jahre, um in den Nahkampf zu wechseln. Daher scheitern wir auch mit dieser Waffenwahl mehr an der katastrophalen Steuerung als an den eigentlichen „schwierigen“ Feinden. Mit dem unzugänglichen Kampfsystem haben sich die Macher leider keinen Gefallen getan. Vor zehn Jahren hätte man die klobigen Gefechte sicher verschmerzen können, zeitgemäß sieht allerdings anders aus.

Grafik

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Hübsch anzusehen – mit einem großen Aber

Zugegeben, die Welt wartet mit etlichen Details und kleinen Anspielungen und bietet uns unglaublich viel Raum für Erkundungen. Wenn wir also nicht grade auf eine Horde Feinde treffen, die uns von allen Seiten belagern, und wir diese dank der „klasse“ Steuerung, nicht vernünftig bekämpfen können, haben wir die Möglichkeit, uns so ziemlich überall umzusehen. Kaum eine Tür bleibt uns verschlossen und wir haben die komplette Freiheit über unser Handeln. Die Hauptstädte der Fraktionen und die verschiedenen Umgebungen sehen wirklich toll aus und bieten jede Menge Abwechslung für das Auge.

Alles im allem gestaltet sich die Welt recht bunt und ein wenig befremdlich. An dieser Stelle sieht man die Leidenschaft der Entwickler zu ihrer neuen Welt. Die Feinde und auch die Animation wirken wiederum ein wenig holzig. Das Schlimmste im Bezug auf die Grafik sind allerdings teils massive Einbrüche der Bildrate. Reisen wir zu einem anderen Ort in einem anderen Herrschaftsgebiet, zum Beispiel den Vulkanen in Ignadon in die Wälder von Edan, kann es schnell passieren, dass wir unter die Karte schlüpfen oder uns in Zeitlupe fortbewegen. Teils ist es so buggy, da hilft leider nur ein Neustart. Auch hier hinkt Elex modernen Rollenspielen meilenweit hinterher.

  • 02.11.2017 um 10:02
Offene Welt
Handlungsfreiheit
Genre-Mix sehr gut durchdacht
katastrophales Kampfsystem
massive Grafikbugs
schwacher Storyaufbau

TT

Elex ist ein Spiel, an dem sich die Geister scheiden. Zum einen ist es ein wirklich gut durchdachter Story-Mix, der durchaus potenzial für einen Nachfolger hat, zum anderen ist es fast unspielbar für Menschen ohne Geduld. Den so hoch gepriesene "Schweres Gameplay"-Ansatz, wie ihn etwa die Dark Souls Spieler erwarten, haben wir bemerkt. Jedoch nicht an den furchterregend gestalteten Feinden, sondern an der Horror-Steuerung. Dennoch sind diese Bugs bei den Fans von Gothic oder Risen schon jetzt eine Art Kult. Daher raten wir jedem, der mit Gothic und Risen warm geworden ist, sich Elex einmal anzusehen. Wer ein solides Spiel und herausfordernde Kämpfe sucht, der sollte jedoch zu einem anderen Game greifen.
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