Test: Fairy Fencer F

Test: Fairy Fencer FSieht man von den großen, in westlichen Ländern bereits etablierten Marken ab, dann passiert es nicht allzu häufig, dass es ein JRPG zu uns nach Deutschland schafft. Die bunten Spiele mit dem Manga-Zeichenspiel bleiben meist in ihrem Heimatland. Fairy Fencer F hat die lange Reise über den großen Teich gewagt. Wir haben für euch getestet, ob der Titel uns damit einen Gefallen getan hat oder ob er lieber in Japan geblieben wäre.

Der Beginn des Abenteuers

Eure eigene, ganz persönliche Reise beginnt in Fairy Fencer F mit der obligatorischen Einleitungssequenz, in der euch die Geschichte erzählt wird, die euch in den Bann ziehen soll. Die Story ist dabei leider wenig originell: Vor langer Zeit gab es einen Kampf zwischen zwei Gottheiten, dem „Vile God“ und der „Goddess“. Da sie durch ihren direkten Kampf die Welt zerstört hätten und das nicht so schön gewesen wäre, kämpften sie stattdessen durch eine große Anzahl besonderer Waffen, den sogenannten Furies. Doch durch die Waffen versiegelten sie sich gegenseitig und die Schwerter verteilten sich über die Welt. Kämpfer, die mit diesen Waffen durch die Welt ziehen, werden „Fencer“ genannt.

Und inmitten dieser Handlung nehmt ihr die Rolle von Fang ein, einem Jungen, der eigentlich nur den Wunsch einer der Feen ausnutzen wollte, um sich etwas zu essen zu besorgen. Doch Eryn, die Fee aus dem Fury, hat andere Pläne und plötzlich findet Fang sich auf der Mission wieder, die Göttin aus ihrer Versiegelung zu befreien und die 100 Furies zu finden. Auf seiner Suche begegnet er allerlei anderen Fencern und Fairys, auch der Fencerin Tiara, die sich seiner Gruppe anschließt.

Test Fairy Fencer F Bild 1

Die versiegelte Göttin befindet sich in einer Zwischenwelt

Eurer bester Freund, die Textbox

Bereits am Anfang des Abenteuers dürfte klar sein, dass dieses JRPG sich zu großen Teilen auf Dialoge mit Standbildern verlässt. Ganz genretypisch verändern sich da die Gesichtsausdrücke und vielleicht einmal die Haltung, ansonsten passiert nicht sehr viel. Euch bleibt also nichts anderes übrig, als euch auf den Text zu konzentrieren. Glücklicherweise sind die Dialoge allerdings sehr lustig und unterhaltsam, da sich das RPG selbst nicht 100 prozentig ernst nimmt. Es ist also gar nicht so tragisch, sich einfach nur die Geschichte erzählen zu lassen.

Und egal, wie ihr das seht: Der Text wird euch so oder so nicht erspart bleiben, denn ungefähr 90 Prozent der Handlung findet in diesen Dialogboxen statt. Die anderen 10 Prozent sind Standbilder von der Hauptstadt, in der ihr in einen Pub, einen Laden oder eure Residenz zurückkehren könnt, und Dungeons. In letztere müsst ihr euch selbstverständlich auch begeben, um die 100 Schwerter zu sammeln.

Test Fairy Fencer F Bild 3

Standbilder und Textboxen: JPRG-typische Dialoge in japanischer oder englischer Ausgabe

Runden-basiert und angenehm flüssig

In jedem Dungeon von Fairy Fencer F gibt es meist ein Schwert zu holen, sowie jede Menge Gegner zum Verkloppen und Items zu looten. Nach einem langen, etwas ermüdenden Tutorial , das gut und gerne 20 Minuten eurer Zeit in Anspruch nimmt, dürft ihr dann auch endlich euren ersten Kampf im Dungeon bestreiten. Endlich Eigeninitiative!

Die Kämpfe finden in einem Runden-basierten System statt. Dabei kann man verschiedene Methoden anwenden, um den Gegner eins vor den Latz zu hauen: Magie-Angriffe, Schwertangriffe und das Fairize, in dem ihr euch ganz mecha-mäßig verwandelt. Der Kampf läuft dabei angenehm schnell und geht ineinander über: Es kommen nie lange Wartezeiten auf. Wer also rundenbasierende Kämpfe gut findet, der wird mit dem angenehm flott von der Hand gehenden Kampfsystem seine Freude haben. Maximal drei Charaktere stehen euch im Kampf bei, die nacheinander angreifen dürfen und alle ihre besonderen Fähigkeiten haben. Da Fang der Hauptcharakter ist, sind er und seine Fee Eryn aber natürlich immer im Team gesetzt.

Test Fairy Fencer F Bild 7

Die Runden-basierenden Kämpfe gehen auch gegen mehrere Gegner angenehm schnell

Lustige Charaktere mit durchschnittlicher Optik

Da es sich bei Fairy Fencer F um ein Rollenspiel handelt, sind es natürlich die Fencer, die sofort eure Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Immerhin sind es gerade die Rollenspiele, bei denen man sich mit den Charakteren identifizieren will. Fairy Fencer F hat da schon einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, denn die Charaktere sind weniger stereotyp, als es am Anfang den Anschein hat. Der Hauptcharakter Fang beispielsweise ist weder der übertrieben coole Typ, noch der typische, aufgedrehte Protagonist im Stil von Naruto, sondern ein normaler Kerl, der meistens müde ist und Hunger hat. Na wenn das keine Möglichkeiten zur Identifikation bietet!

Und das war es dann leider auch schon mit der Innovation, was wirklich schade ist. Denn meistens haben die Charaktere in Fairy Fencer F nur einen besonderen Charakterzug, auf dem dafür dann die ganze Zeit herumgeritten wird. Ein bisschen mehr Charaktertiefe wäre schön gewesen. Das haben wir in anderen JRPGs schon deutlich besser gesehen. Auch das Aussehen der Charaktere ist zwar hübsch anzusehen, aber allenfalls durchschnittlich. Die Mädchen sind mal wieder übertrieben niedlich und derart mit Deko und Schnörkeln beladen, dass man den Überblick verliert. An sich keine schlimme Sache, doch leider sticht das Spiel damit nicht gerade aus der Masse hervor.

Test Fairy Fencer F Bild 5

Das Charakterdesign ist eher 0815

Das dicke Aber: Die Grafik von Fairy Fencer F

Jaja, Grafik ist nicht alles, aber sie ist eben doch ein wesentlicher Teil eines Videospiels. Und in diesem Fall fällt das Urteil eher mau aus. Für ein PlayStation 3-Spiel ist die Grafik auf alle Fälle überholt, wenngleich Konkurrenten wie Tales of Xillia auch keine neuen Maßstäbe setzen . Besonders die Texturen der Umgebung sind pixelig und viel zu hart, aber auch die Charaktere sind zu kantig, um darüber hinweg sehen zu können. Fans von JRPGs werden dies aber möglicherweise weniger dramatisch sehen. Die Musik in Fairy Fencer F macht am Anfang noch Spaß, wiederholt sich aber irgendwann und wird dann schnell anstrengend.

Klartext muss aber auf jeden Fall in Sachen Speichersystem geredet werden. Denn das Spiel speichert nur manuell, nicht automatisch. Auf der Playstation 3 ist das etwas, dass uns so selten begegnet, dass es mal vergessen werden könnte. Und dann passiert es durchaus, dass ihr ein paar Stunden spielt, in einem Kampf sterbt und dann einfach von vorne anfangen müsst. Und das kann durchaus öfter passieren, denn der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist fordernd genug. Regelmäßiges Speichern ist also Pflicht.

Test Fairy Fencer F Bild 6

Die Grafik ist etwas hart: Besonders die Hintergrundtexturen

+ Gut ausgearbeitetes Kampfsystem
+ Originelle Charaktere
+ Schöner Soundtrack,...
+ Macht sich über Klischees lustig
- Design ist 0815
- Wenig spielerischer Freiraum
- ...der aber nach einer Zeit nervt
- Repetitive Dungeons
- Nur manuelle Savepoints

Anja

Fairy Fencer F ist auf jeden Fall etwas für Fans des Genre, die Abstriche in Punkto Story und Charakterdesign machen können, und nichts dagegen haben, viel Text zu lesen. Wen das nicht stört, kann mit dem schnellen, Runden-basierten Kampfsystem eine Menge Spaß haben, den was das angeht, hat Fairy Fencer F vieles richtig gemacht. Der fordernde Schwierigkeitsgrad versucht euch bei der Stange zu halten, schafft dies aber nur teilweise.
Test: Natural Doctrine Test: DriveClub
Comments