Test: Farben

In den letzten Jahren erlebte die Brettspiel-Branche einen wahren Boom. Alleine auf der Spielemessse in Essen werden weit mehr als eintausend neue Titel erwartet. Wie soll man sich da bloß entscheiden? Für viele – und da sind sich Video- und Brettspieler ziemlich ähnlich – spielt die Optik des Spiels eine entscheidende Rolle bei der Kaufentscheidung. Eine starke Grafik zieht die Blicke der Kundschaft auf sich und sorgt dafür, dass sich die Spieler zumindest mal etwas näher mit einem Titel beschäftigen. Farben ist ein kleines Kartenspiel, das auf eine opulente grafische Gestaltung pfeift und stattdessen mit einem minimalistischen Design besticht. Dieses kleine Kartenspiel kommt aus dem Hause Pegasus Spiele und hört auf den simplen Namen „Farben“. Passenderweise hat das Verlagshaus das Cover des Spiels gänzlich in Schwarz und Weiß gehalten.

Doch nicht nur die Verpackung von Farben fällt denkbar schlicht aus, sondern auch das Spielmaterial. Das Spiel besteht aus 120 Karten. Die eine Hälfte der Spielkarten zeigt lediglich einen Begriff in deutscher sowie in englischer Sprache. Farben benötigt keine schönen Zeichnungen. Die Begriffskarten sind vollkommen weiß, keine Illustrationen und kein Geschnörkel. Dafür hat jede Begriffskarte zwei Seiten, insgesamt beinhaltet Farben somit 120 Begriffe, mit denen ihr spielen könnt.

Schlichte Schönheit

In der anderen Hälfte des Kartensets kommt dann aber doch endlich Farbe ins Spiel. Jeder Spieler erhält zu Spielbeginn ein Paket aus zwölf Karten. Elf Karten davon zeigen eine Farbe, die zwölfte Karte ist hingegen bunt gestaltet. Prachtvolles Grafikdesign sieht anders aus. Dennoch, gerade in dieser grafischen Schlichtheit liegt ein besonderer Reiz. Das Design ist mutig, zweifellos. Ich persönlich finde es grandios.

Doch kommen wir zum eigentlichen Spiel. Das Kernprinzip von Farben ist uralt, im Grunde handelt es sich eine moderne Variante von Memory. Farben eignet sich allerdings nicht nur dazu, eure Gehirnzellen auf Vordermann zu bringen. Jede Partie bietet euch die Möglichkeit, euren Mitspielern kleine Geschichten zu erzählen und sie nebenbei auch etwas besser kennenzulernen.

Ein Schwank aus der Jugend

Die Regeln sind denkbar einfach. Vor der Partie legt ihr zehn zufällige Begriffskarten in der Tischmitte bereit und jeder Spieler erhält sein Kartenset, bestehend aus zwölf Farbkarten. Nun wird die erste Begriffskarte gezogen und für alle sichtbar ausgelegt. Alles dreht sich nun um den gezeigten Begriff auf der Karte. Seid ihr am Zug, wählt ihr eine eurer zwölf Farbkarten und legt sie offen vor euch aus. Nun sind eure persönlichen Assoziationen gefragt. Begründet, warum ihr die gewählte Farbe mit dem ausgewählten Begriff verbindet. Musik ist für mich violett, weil Deep Purple meine Lieblingsband ist. Mit dem Begriff Vater verbinde ich die Farbe grün, weil ich früher immer mit meinem Vater in den Wald gegangen bin.

Ihr entscheidet selbst, wie ausführlich eure kleine Anekdote ausfällt. Wichtig ist, dass ihr euch die eigene und natürlich auch die Geschichten der Mitspieler gut einprägt. Euer Erinnerungsvermögen wird jedoch erst am Ende des Spiels gefordert. Zunächst geht es weiter mit euren persönlichen Assoziationen. Alle zehn gezogenen Begriffskarten werden gespielt und mit euren Geschichten garniert. Die zahlreichen Assoziationen, die ihr in den letzten Minuten gehört habt, müsst ihr nun wieder den passenden Personen zuordnen.

Kenne deine Mitspieler

Je nach Zahl der Mitspieler werden euch nun zwei oder drei der abgehandelten Begriffskarten zugeteilt. Eure Aufgabe ist es nun, zu replizieren, welcher Spieler den Begriff mit welcher Farbe assoziiert hatte. Damit es bei der Auflösung nicht zu Verwirrungen kommt, seht ihr auf den Rückseiten der Farbkarten ein Symbol, das euch als Besitzer einer Karte ausweist.

Für jede richtig zugeordnete Farbkarte erhaltet ihr zwei Punkte. Einen Punkt gibt es zudem für den Besitzer der Karte, die korrekt zugeordnet wurde. So hat jeder Spieler einen Anreiz, eine möglichst gut replizierbare Assoziation zu kreieren. Das Spiel gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten. Je nach Teilnehmerzahl dauert ein Durchgang zwischen 45 und 75 Minuten. Farben funktioniert wunderbar ab drei Spielern. An einer Partie können maximal fünf Personen teilnehmen. Farben ist ein Spiel der Edition Spielwiese und kommt über Pegasus in den Handel. Preislich müsst ihr mit etwa 10€ rechnen. Das Spiel erscheint pünktlich zur SPIEL in Essen.

kommunikativ
fördert Kreativität
lässt euch eure Mitspieler besser kennenlernen
mechanisch simpel

Sebastian Hamers

Mechanisch betrachtet ist Farben ein ziemlich klassisches Memory-Spiel. Eure Mitspieler belegen einen Begriff mit einer ausgewählten Farbe, ihr müsst euch später an die Kombination aus Farbe und Spieler erinnern, um Punkte zu sammeln. Farben ist allerdings mehr als die pure Mechanik. Das Spiel lebt von euren kommunikativen Fähigkeiten und eurer Kreativität. Wenn die Mitspieler bereit sind, sich auf das Spiel einzulassen und es mit witzigen Geschichten aus ihrem Leben zu dekorieren, erwartet euch ein großartiges Spielerlebnis. Farben ist mehr als Memory, es ist ein Kommunikationsspiel, das es euch erlaubt, etwas Neues über eure Mitspieler kennenzulernen. Spielt ihr mit guten Freunden, erhält das Spiel möglicherweise eine ungeahnte Tiefe. In Gruppen, die sich gerade erst zusammengefunden haben, ist es vielleicht der Dosenöffner, der die Gruppe näher zusammenbringt.
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