Test: FIFA 19

Der Sommer neigt sich dem Ende zu, was nur eines bedeuten kann: Es ist wieder Fußball-Zeit! Der virtuelle Ball rollt wieder, denn pünktlich wie der Schiedsrichter pfeift EA mit FIFA 19 zur neuen Saison an. Mit dem inzwischen 25. Ableger der Reihe hat man sich auch dieses Jahr wieder vorgenommen, den Fußball-Thron zu erklimmen.

Die Besten der Besten

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Das Thema Lizenzen steht wie jedes Jahr im Vordergrund und so auch dieses Jahr, denn EA konnte mit den Rechten an der Champions League einen richtig dicken Fisch an Land ziehen. Besonders ärgerlich dürfte das für den großen Konkurrenten Konami sein, der damit das langjährige Aushängeschild von Pro Evolution Soccer verliert. Passend dazu widmet EA der Königsklasse einen eigenen Spielmodus, in dem ihr mit den aktuellen Mannschaften und dem originalen Overlay das gesamte Turnier nachspielen könnt. FIFA 19 wird dadurch tatsächlich noch attraktiver, denn das Erklingen der ikonischen Hymne zusammen mit Flutlicht und der Champions League-Atmosphäre, dürfte so ziemlich jedes Fußball-Herz erwärmen.

Atmosphäre ist auch das richtige Stichwort, denn die 99 originalen Stadien glänzen durch Detailverliebtheit und werden belebt durch schön anzuschauende Choreos und Fangesänge. Zu den bekannten Stadien gesellen sich dieses Jahr auch neue Spielorte, wie die neu erbaute „White Heart Lane“ der Tottenham Hotspurs und viele Stadien aus LaLiga. Außerdem wieder mit dabei: Der Signal-Iduna-Park des BVB, welcher in FIFA 18 aus Lizenzgründen noch fehlte.

Aber auch auf dem Platz darf man gern genauer hinschauen, denn die Stars um Lionel Messi, CR7 und Co. sind wieder richtig gut animiert und sehen ihren Alter Egos zum Verwechseln ähnlich. Schlimmer trifft es da die weniger bekannten Spieler, die im Gegensatz zu den Weltstars nur sehr dürftig modelliert wurden. Der starke Leistungsabfall zeigt deutlich die Prioritäten im Playermodelling, da die europäischen Top-Teams optisch auf dem Platz einfach mehr hermachen als kleinere Teams.

Verteidigung ist die beste Verteidigung

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Aber auch wenn es bei manchen Spielern oft anders wirkt, steht statt des Aussehens vor allem die Leistung auf dem Platz im Mittelpunkt. Wer hier bei FIFA 19 nun bahnbrechende Veränderungen sucht, erlebt leider eine herbe Enttäuschung. Jedoch gibt es sie, die kleinen Anpassungen, die einen spürbaren Unterschied zum Vorgänger ausmachen.

Gerade in der Verteidigung, welche in FIFA 18 noch stark kritisiert wurde, hat EA erfolgreich nachgebessert. Das Verteidigen fällt insgesamt leichter, was an dem verlangsamten Spieltempo, aber vor allem an der Effektivität von robusten Spielern liegt. Obwohl das Stellungsspiel immer noch ein wichtiger Bestandteil ist, gelingt es stämmigen Verteidigern nun besser, Angreifer vom Ball zu trennen, indem sie ihren Körper einsetzen. So können auch dribbelstarke Spieler nicht mehr ohne Probleme durch eure Abwehrreihe tanzen. Insgesamt macht die Defensive dadurch einen stabileren Eindruck.

Jeder Abschluss ein Abschuss

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Die zweite große Veränderung macht sich auf der anderen Seite des Platzes bemerkbar und sorgt auch bei erfahrenen Spielern zumindest anfänglich für gemischte Gefühle. Die Rede ist vom sogenannten „Timed Finishing“ oder zu Deutsch dem Abschluss-Timing. Dieses Feature erlaubt euch eine noch genauere Steuerung der Schüsse. Mithilfe eines Balkens über eurem Spieler könnt ihr dem Ball beim Abschluss durch das erneute Drücken der Schusstaste das gewisse Etwas geben – sofern ihr das richtige Timing erwischt.

Drückt ihr nämlich zu früh, können auch 100-prozentige Chancen schon mal amateurhaft am Kasten vorbeirauschen. Andererseits verwandelt das Abschluss-Timing eure Torchancen auch bei perfekter Ausführung nicht in Superschüsse. Vielmehr werden eure Schüsse veredelt, woraus sich, mit ein bisschen Übung, so manch ansehnliche Torszene entwickeln kann. Wer damit jedoch nicht zurechtkommt, oder wem es die Mühe einfach nicht wert ist, der kann entweder durch einmaliges Drücken der Schusstaste darauf verzichten oder die Funktion im Menü ganz deaktivieren.

Keine Regeln auf dem Rasen

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Worauf ihr jedoch nicht verzichten solltet, sind die neuen Spiel-Modi, die sich hinter dem Namen „Haus-Regeln“ verbergen. EA hat hier den Anstoss-Modus überarbeitet und bietet euch nun eine neue Bandbreite an wirklich interessanten Spielvarianten. Zur Auswahl stehen Spiele mit verändertem Regelwerk, sodass beispielsweise nur Tore per Volley oder Kopfball zählen, oder bei jedem erzielten Tor ein Spieler das Feld verlassen muss.

Im „Keine Regeln“-Modus könnt ihr es dann, wie der Name schon verrät, mal so richtig krachen lassen ohne, dass der Schiedsrichter euch mit Verwarnungen dazwischenfunkt. Diese Spielmodi bringen eine erfrischende Abwechslung in das gewohnte FIFA-Gameplay und machen vor allem im Couch 1-on-1 so richtig Laune.

Eine ermüdende Reise

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Leider hört es hier auch schon wieder auf mit den schönen Innovationen innerhalb der Spielmodi. Sowohl der Karrieremodus als auch die Pro Clubs gehen zur Enttäuschung vieler Fans wieder einmal leer aus. Zwar lassen sich diese Modi, genau wie in den vergangenen Jahren gut spielen, haben aber wie im Falle des Karrieremodus außer aktualisierten Mannschaften nicht viel Neues zu bieten.

Nicht ganz so dramatisch, aber ähnlich sieht es beim Story-Modus „The Journey“ aus, welcher mittlerweile in Season 3 geht. Die Story die euch geboten wird, ist wieder einmal nett zusammengestellt und statt Alex Hunter allein spielt ihr dieses Mal auch Kumpel Danny und Schwester Kim, was frischen Wind in den sonst sehr repetitiven Profi-Alltag bringt.

Dieser besteht allerdings weiterhin aus einer anstrengenden Verkettung von Dialogen, Trainingseinheiten und Spielen, sodass die Mischung, die uns zum Start des Story-Modus noch beeindruckt hat, sich nun leider in dreifacher Ausführung in die Länge zieht. Positiv zu bemerken ist aber, dass Ereignisse und Entscheidungen der vorherigen Teile den Verlauf eurer Geschichte beeinflussen.

Die besseren Karten

Für einen Großteil der Spieler weit mehr interessant ist jedoch, wie der umstrittene Ultimate Team-Modus dieses Jahr umgesetzt wurde. Fakt ist, dass FUT wohl als beliebtester Spielmodus innerhalb der FIFA-Community bestehen bleiben wird, jedoch ebenso die Kritik am Pay-2-Win-System. Spieler, die bereit sind Echtgeld in ihre Mannschaft zu investieren, haben auch weiterhin einen massiven Zeit-Vorteil gegenüber anderen Spielern und damit wortwörtlich die besseren Karten.

Gut gefallen haben uns aber die verbesserten Belohnungssysteme und Spielmodi, mit denen auch Spieler, die nicht bereit sind extra zu zahlen, eine faire Chance haben, sich schnell ihre Münzen zu verdienen. Sowohl Offline als auch Online könnt ihr euch in verschiedenen Wettkämpfen die Rangliste hochkämpfen, um immer bessere Belohnungen abzugreifen.

Starke Champions League Lizenz
Gameplay in der Defensive gut ausbalanciert
Top-Stars bis ins letzte Detail ausmodelliert...
"Haus-Regeln" bringen frischen Wind in den Multiplayer
Verbesserte Belohnungssysteme im Ultimate Team-Modus
Mehr lizenzierte Stadien
Ultimate Team-Modus weiterhin recht Pay-to-win-lastig
Story-Modus "The Journey" recht repetitiv
zum Leidwesen der restlichen Spieler

David O.

Insgesamt erfindet FIFA 19 das Rad mal wieder nicht neu. Aber ist es überhaupt das, was die Fans wollen? Die meisten Spieler begnügen sich mit einem Grafik-Update und den aktualisierten Kadern, weshalb der Druck der Community wohl nicht ganz so schwer auf EA‘s Schultern lastet. Obwohl wir von fehlenden Verbesserungen gerade im Karrieremodus etwas enttäuscht sind, so hatten wir bis jetzt eine Menge Spaß mit FIFA 19 und freuen uns über mehr Balance, sowohl im Gameplay, als auch im Ultimate Team. Die Stadien wurden wieder einmal auf Hochglanz poliert und die Atmosphäre gerade bei Champions League Spielen ist einfach umwerfend. Das Spieler Modelling ist ebenfalls wieder super gelungen, auch wenn nicht jeder Spieler etwas vom Kuchen abbekommt. FIFA bleibt halt einfach FIFA. Aber seien wir mal ehrlich: Am Ende des Tages wird sich kein Fußball-Fan zwei Mal bitten lassen, wenn der glänzende Pokal vor seiner Nase steht und aus den Boxen die wohl schönste Melodie des Fußballs ertönt.
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