Test: Forum Trajanum – Städtebau auf römische Art

Forum Trajanum: Bauen und Wirtschaften wie die alten Römer

Geschäftiges Treiben herrscht in Rom zu Zeiten Kaiser Trajans, denn das Forum Trajanum soll fertiggestellt werden. Auch in den großen Städten, den von Trajan gegründeten Colonias, wird kräftig gebaut. Die Stadthalter scharen ihre wichtigsten und einflussreichsten Bürger um sich und beschäftigen Baumeister, Arbeiter und Tribune, um die eigene Colonia in prächtigem Glanz erblühen zu lassen. Außerdem schicken sie Abgesandte nach Rom, um dort ihren Einfluss auszubauen und schließlich die Gunst des Kaisers zu erwerben.

In diesem Aufbau- und Einsatzspiel für 2-4 Personen werbt ihr Arbeiter an, errichtet Gebäude und versucht Euch im richtigen Moment die besten Plätze in Rom zu sichern, um den größten Einfluss, die besten Boni und letztlich die meisten Siegpunkte zu erhalten.

Von der Straße abgeworben

Zunächst einmal lässt sich feststellen, dass das eigene Spielertableau, welches Eure persönliche Colonia darstellt, zu Beginn des Spiels eine Menge Einwohner enthält. Diese „Gesandtenplättchen“ bevölkern jedes der 6 x 6 Felder, mit Ausnahme der bereits aufgedruckten vier Tempel. Sie sind gleichzeitig der Kern des Spielmechanismus. Gespielt wird in insgesamt 12 Runden, gleichmäßig aufgeteilt auf drei Durchgänge, an deren Ende je eine Wertung steht.

 

Zu Beginn einer Runde wählt jeder Spieler zwei seiner Gesandten und darf sich die Rückseiten ansehen. Auf diesen seht ihr unterschiedliche Ressourcen. Dabei bestimmen zwei für alle Spieler am Rundenanfang aufgedeckte Karten, aus welchen Zeilen oder Spalten Eurer Colonia ihr die üblicherweise verdeckten Plättchen auswählen dürft. Auch dürft ihr nur eines behalten, während ihr das andere Plättchen an euren rechten Nachbarn weitergebt. Da ihr natürlich ebenfalls eines vom anderen Nachbarn erhaltet, sind es schließlich wieder zwei, aus denen reihum jeder Spieler eines dann tatsächlich ausspielen darf.

Hat man einen oder zwei Tribune in seinem Vorrat und gibt diese ab, lassen sich beide Beschränkungen aushebeln. Für die Abgabe eines Tribuns darf man einen Gesandten frei aus der ganzen Colonia wählen. Gibt man gleich zwei her, darf man sogar beide Plättchen, die man am Ende besitzt, auch verwenden und so seinen Ressourcenertrag praktisch verdoppeln.

Die auf diese Art zu erhaltenden Ressourcen sind vor allem Arbeiter, Baumeister, Assistenten und besagte Tribune. Diese erhaltet ihr in Form von Holzfiguren. Die ersten drei Figuren könnt ihr dazu verwenden, unterschiedlichste Gebäude in der eigenen Colonia auf einem der nun freien Felder zu errichten.

Ein grauer Baumeister zum Beispiel darf eines von vier möglichen grauen Gebäuden errichten, die je nach Art des Gebäudes direkte Siegpunkte oder auch einen Schritt auf einer zugehörigen Fortschrittsleiste einbringen. Die löst wiederum Sonderaktionen aus oder spült weitere Ressourcen in den eigenen Vorrat.

Blau + Braun = Gelb

Neben diesen grauen Gebäuden gibt es noch vier farbige Bauwerke, die ihr in Eurer Colonia errichten könnt. Hierzu gehören blaue Brunnen, grüne Parks, gelbe Heulager und rote Wohnhäuser. Dazu gebt ihr jeweils einen gleichfarbigen Arbeiter aus. Sollte Euch einmal der richtige Spezialist fehlen, könnt ihr über die Abgabe eines beliebigen Arbeiters und eines braunen Assistenten ein beliebiges farbiges Plättchen auslegen.

Da in jeder Runde nur eine Bauaktion erlaubt ist, werdet ihr schnell anfangen, in Richtung der Doppelgebäudeplättchen zu schauen, die aber neben den kombinierten Baukosten beider Gebäude auch doppelt so viel Platz in der Colonia benötigen. Hier müsst ihr also schon zu Beginn der Runde darauf achten, beim Auswählen der Gesandtenplättchen genügend Platz dafür freizulegen.

Auch die farbigen Gebäude bringen Sonderaktionen ein. Für jedes Gebäude einer Farbe dürft ihr einen Gesandten nach Rom schicken. Diese Gesandten werden von den eigenen Gesandtenplättchen genommen, welche man zuvor (auch in vorhergehenden Runden) für die Ressourcen ausgewählt hatte. Da hier in jeder Runde maximal eines hinzukommt, kann der Vorrat dafür also schon einmal knapp werden- Dadurch entfällt das Einsetzen nach Rom schmerzlicherweise. Gewisse Vorausplanung und Spielübersicht sind hier also notwendig.

Bürgerverpflichtung

Ein weiteres Element, welches ihr auf Eurer Colonia wiederfindet, sind die Bürger. Jedet der sechs Zeilen eurer bebaubaren Colonia ist ein Bürger zugeordnet, welcher Sonderfähigkeiten mit sich bringt. Dadurch lassen sich zum Beispiel Assistenten in Arbeiter oder Baumeister umtauschen oder ihr erhaltet Vorteile bei Boni oder Punktewertungen.

Allerdings sind die Bürger nicht von vorneherein aktiv. Sie müssen zunächst rekrutiert werden. Das besorgen wiederum die Gesandtenplättchen vom Anfang der Runde, da es neben den Ressourcensymbolen auch die entsprechenden Symbole für einen Bürger auf ihrer Rückseite gibt. Wählt man ein solches als Aktion aus, kann man einen entsprechenden Bürger rekrutieren. Ab sofort könnt ihr nun auch direkt dessen Sonderaktion nutzen. Baut ihr einen Bürger auf Stufe zwei aus, erhaltet ihr außerdem noch einen Sofortbonus. Zusätzlich erhöhen Bürger den Siegpunkteertrag von grauen Gebäuden in ihrer Zeile. So lohnt sich ihr Einsatz auch entsprechend. Der Preis dafür ist allerdings, dass ein Gesandter weniger zur Verfügung steht. Dieser kann nun nicht mehr nach Rom geschickt werden. Er wird stattdessen als Markierung für den rekrutierten Bürger auf dem Colonia-Tableau ausgelegt. Was hat es aber nun mit Rom auf sich?

Alle Gesandten gehen nach Rom

Schaut man auf den Rom-Spielplan, dann finden sich dort je nach Spieleranzahl unterschiedlich viele farbige Felder. Diese entsprechen den Farben der Arbeiter und Häuser, die in die eigene Colonia eingebaut werden. Baut ihr nun ein farbiges Haus und schickt somit einen Gesandten nach Rom, dürft ihr diesen auf ein Feld der entsprechenden Farbe setzen. Ziel dabei ist es, sich letztlich neben Adlerfelder zu setzen, um später Siegpunkte zu kassieren, möglichst große zusammenhängende Gebiete mit eigenen Abgesandten zu bilden, was ebenfalls in jeder Wertung Siegpunkte einbringt oder/und bei einem farbigen Gebiet den letzten verfügbaren Platz zu füllen, wofür ihr einen Sofortbonus erhaltet (mit dem richtigen Bürger in Eurer Colonia sogar zwei). Rom ist also ein, wenngleich wichtiger Nebenschauplatz.

Nachdem jeder Spieler vier Spielzüge hatte, wird zum ersten Mal gewertet. Bevor es jedoch Siegpunkte hagelt, müssen zunächst die Bürger der eigenen Colonia bezahlt werden. Jeder Bürger kostet eine Münze, die ihr ebenfalls als Ressourcen oder als Boni erhalten könnt. Ansonsten wird er inaktiv und kann erst in der nächsten Wertung oder durch einsetzen von Stufe zwei des gleichen Bürgers wieder aktiviert werden.

Dann gibt es in jeder Wertung Punkte für unterschiedliche graue Gebäude einer Zeile, aufgewertet, wenn sich in der entsprechenden Zeile ein aktiver Bürger befindet. Jede farbige Gebäudesorte kann individuell, aber nur einmal pro Spiel gewertet werden. Dabei kommt eine ungewöhnliche Punkteverteilung zum Zuge. Die Siegessäule, die aus drei Teilen besteht und während des Spiels den Durchgang anzeigt, in der man sich befindet, zeigt an, wie viele Siegpunkte ein farbiges Bauwerk bei einer Wertung einbringt. Sind dies in der ersten Wertung noch drei Punkte pro Bauwerk, sind es in der zweiten nur noch zwei und in der letzten Wertung sogar nur noch ein Punkt.

Abrechnung in Rom

Hier müsst ihr gut abwägen: Wollt ihr früh im Spiel werten für viele Punkte, wenn ihr noch nicht so viele Gebäude habt, oder lieber später mit mehr Gebäuden, aber für weniger Punkte. Da die Farbwertung schon während eines Durchgangs durch Wegnehmen eines Gesandten in einer der farbigen Ecken des Colonia-Spielplans aktiviert werden muss, müsst ihr hin und wieder Risiken eingehen und je nach Straßenkarten, die aufgedeckt werden, kann es sogar passieren, dass manches Wertungsplättchen gar nicht ohne zusätzliche Hilfe freigelegt werden kann.

In Rom werden schließlich die zu den Adlerfeldern benachbarten Gesandten mit Punkten belohnt, sowie die größte zusammenhänge Ansammlung von Gesandten jedes Spielers mit Punkten bedacht. Diese letzte Punkteanzahl hängt nicht nur von der Menge an Gesandten ab, die benachbart stehen. Sie wird auch nach rechts zu schieben, werden die durch Gesandte in Rom gesammelte Punkte deutlich mehr und gerade die letzten Felder der Wertungsleiste auf die punkteträchtigsten Stellen zu schieben, kann am Ende spielentscheidend sein.

Der letzte Wertungsaspekt des Spiels betrifft die Trajankarten. Zu Beginn des Spiels werden davon drei ausgelegt, die den jeweiligen Durchgängen, also Wertungen, zugeordnet sind. Darauf abgebildet sind jeweils zwei kleine „Missionen“, die ihr bis zur Wertung erfüllt haben müsst, um Sonderpunkte zu kassieren. Eine der Missionen ist dabei eine Baumission, die es erfordert in der Colonia bestimmte Gebäude in bestimmten Anordnungen zueinander gebaut zu haben. Die andere Mission ist eine Sammelmission und fordert, bei der Wertung bestimmte Ressourcen und/oder Gebäude zu besitzen. Die Punkte für das Erfüllen der Trajanmissionen sind wieder abhängig von der Position der eigenen Wertungsleiste. Auch hierfür lohnt es sich also beides im Blick zu behalten.

Viele kleine Stellschrauben

Letztlich bietet Forum Trajanum viele kleine Stellschrauben, die ineinandergreifen und von denen ihr, wie bei dieser Art Spiel üblich, nicht alle gleichermaßen und nach Wunsch beeinflussen könnt. Es stehen einfach nicht genügend Aktionen und manchmal nicht genügend Ressourcen oder Gesandte zur Verfügung, um sich vollkommen frei entfalten zu können. Ihr müsst also Prioritäten setzen und das Beste aus dem machen, was das Spiel Euch bietet.

Dabei seid ihr aber keinesfalls nur dem Schicksal ausgeliefert. Denn über die Tribune, sowie die Sonderaktionen der Bürger oder Bonusleisten lassen sich häufig an den entscheidenden Stellen die Dinge so zu seinen Gunsten ändern, dass der erhoffte Plan doch noch funktioniert oder sich zumindest ein anderer sinnvoller Zug ergibt. Dadurch fühlt man sich bei Forum Trajanum nie abgehängt, sondern ist bis zum Ende des Spiels aktiver Teil des Ganzen. Einfluss auf seine Mitspieler hat man vor allem in Rom und bei der Weitergabe des Gesandtenplättchens zu Beginn einer Runde, so dass das Spiel vor allem zu einer persönlichen Optimierungsaufgabe wird.

hat einige schöne neue Ideen
flüssiger Rundenablauf
verschiedene Strategien führen zum Sieg
gut verzahnte Mechaniken
Symbolvielfalt zunächst verwirrend

Dennis Schwarz

Forum Trajanum ist ein weiterer Vertreter eines schon lange existierenden Spieletyps. Vieles kommt bekannt vor. Ressourcen sammeln und ausgeben, Gebiete verbinden, Bonusleisten entlangwandern und Siegpunkte durch Aufträge ansammeln. Auch das mittelalterliche Thema mit Baumeistern und Arbeitern ist inzwischen weitläufig umgesetzt worden. So ergibt sich grafisch auch hier nicht viel Neues. Dennoch bringt das Spiel in den Details einige Neuerungen bzw. geschickte Abwandlungen von bekannten Spielmechaniken. Das ergibt letztlich eine neue Komposition, die clever und durchaus spannend gemacht ist. Auch wenn man sich durch die vielen Wertungsmöglichkeiten und Zusammenhänge zunächst eine Weile im Spiel orientieren muss, spielt es sich letztlich recht zügig. Mit etwas Erfahrung müsst ihr auch keine ausufernde Spieldauer befürchten. Es bietet genügend Tiefe, um verschiedene Herangehensweisen zu erlauben. Am Ende erfindet das Spiel das Rad jedoch nicht neu. Wer auf der Suche nach einem kurzweiligen, mittelmäßig komplexen und intelligenten Vertreter eines Ausbauspiels ist, wird mit Forum Trajanum bestens bedient. Das trifft vor allem auf jene zu, die bisher kaum Spiele dieser Art besitzen oder die sich nach neuen Zusammenhängen sehnen, die sie ergründen können.
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