Test: Gaia Project

Darauf haben Fans des Strategiespiel-Knallers Terra Mystica sehnlichst gewartet. Gaia Project verlegt das Szenario des Brettspiels aus der Fantasy-Welt in ein Science-Fiction-Setting. Allerdings hat Gaia Project mehr zu bieten als einen schlichten Wechsel des Themas. Viele der bekannten und beliebten Spielprinzipien wurden eingebettet in neue Abläufe, die für eine dichte Weltraum-Atmosphäre sorgen sollen.

In Gaia Project rivalisieren verschiedene Weltraumvölker miteinander. Sie alle sind in den Weiten des Alls auf der Suche nach neuem Lebensraum und wertvollen Ressourcen. Leider sind die benötigten Lebensbedingungen der Völker recht unterschiedlich. Längst nicht alle Planeten sind bewohnbar. Mit moderner Technik lassen sich diese jedoch umwandeln und so für bestimmte Sternenvölker bewohnbar machen. Dadurch ist der Konflikt bereits vorprogrammiert. Das Volk der Nevlar etwa bevorzugt eine eisbedeckte Planetenoberfläche. Sie werden es vermutlich nicht sonderlich lustig finden, wenn die Xenos einen vielversprechenden Planeten vor ihrer Nase in eine Wüstenwelt verwandeln.

Die Nähe zu anderen Völkern bietet aber auch Vorteile. Sie stellen potentielle Handelspartner dar und mehren so die eigene Macht. So bliebt es letztlich eine Frage der Strategie, ob ihr in entlegenen Winkeln des Alls auf Expansionskurs geht oder ob ihr eure Kolonien in der Nähe der zentralen Umschlagplätze errichtet und somit von der Anwesenheit anderer Völker profitiert.

Kolonisierung transdimensionaler Planeten

Im Weltall gibt es neun unterschiedliche Arten von Planeten. Jedes Volk kann nur auf einer dieser Planetenarten existieren. Eine Besonderheit stellen die transdimensionalen Planeten dar. Sie sind für alle Völker unbewohnbar. Vor der Kolonisierung müsst ihr zunächst ein spezielles Vehikel namens Gaiaformer bauen. Es kann sich durchaus lohnen in den Einsatz eines solchen zu investieren, sollte sich ein transdimensionaler Planet in einer strategisch günstigen Position befinden.

Allerdings ist das Projekt einer solchen Transformation ein ziemlich kostspieliges Unterfangen. Die erste Hürde ist bereits der Bau des Gaiaformers. Hier ist das Wissen um die nötige Technologie gefragt. Erst wenn ihr im Bereich der Forschung um das „Gaia Projekt“ den nötigen Level erreicht habt, stehen euch auch die Gaiaformer zur Verfügung.

Vorsprung durch Technik

Damit wären wie euch gleich schon bei einem weiteren wichtigen Bestandteil von Gaia Project: der Forschung. Das Wissen um bestimmte Technologien bringt euch mächtige Vorteile im Spiel ein. Der Bereich der Forschung erstreckt sich über sechs Kategorien: Terraforming, Navigation, Künstliche Intelligenz, Gaia-Projekt, Wirtschaft und Wissenschaft. Jeder Fortschritt in einem Forschungsbereich bringt euch in anderen Disziplinen nach vorne. Meist erhaltet ihr zusätzliche Ressourcen, mit denen ihr euch im Spielverlauf ein erweitertes regelmäßiges Einkommen sichert. So könnt ihr mit den erhaltenen Ressourcen ein wenig freier jonglieren.

Zu den Ressourcen zählen in erster Linie Credits, Erz und Wissen. Diese werden benötigt, um Gebäude zu errichten, Planeten zu terraformen oder die Forschung voranzutreiben. Einen besonderen Stellenwert nehmen jedoch Macht und die sogenannten Q.I.C. (Quantum Intelligence Cubes) ein. Mit ihnen lassen sich besonders wirkungsvolle Aktionen durchführen. Das Auslösen einer solchen Aktion bringt etwa einen extradicken Boost in Bezug auf eine Ressource oder lässt euch direkt eine neue Technologie entdecken, die euch wiederum weitere Boni einbringt.

Das Spiel mit den Variablen

Neue Technologien ergeben sich auch durch den Bau von bestimmten Gebäuden. Bei der ersten Kolonisierung eines Planeten startet das Sternenvolk zunächst mit einer einfachen Mine. Diese kann in vier Schritten bis zur Akademie aufgewertet werden. Jeder Gebäudetyp bringt euch andere Vorteile ein. Neben den bereits angesprochenen Technologien können auch die einzigartigen Zusatzfähigkeiten der Völker freigeschaltet werden.

Stattliche vierzehn Sternenvölker stehen zur Wahl. Jedes Volk spielt sich tatsächlich auch ein wenig anders. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Lebensräume, Startbedingungen und den speziellen Fähigkeiten. Gaia Project bietet reichlich Raum zum Experimentieren. Dazu tragen nicht nur die unterschiedlichen Völker bei, sondern auch die vielfältigen Möglichkeiten beim Aufbau des Spielfelds. Ein starres Spielbrett sucht ihr bei Gaia Project vergebens. Vielmehr steckt ihr das Spielfeld aus zehn Raumsektoren zusammen. Nach Belieben lässt sich so bei jeder Partie eine andere Anordnung der Planeten zusammenstecken.

Allianzen schließen

Die Planetenkonstellation ist taktisch von hoher Bedeutung. Natürlich möchte jedes Volk möglichst viele Planeten in greifbarer Nähe haben, die sich mit geringem Aufwand in eine für sie bewohnbare Welt verwandeln lassen. Größere Distanzen lassen sich leider nicht ohne Weiteres überwinden. Um entferntere Planeten zu bevölkern, müsst ihr erst einen Fortschritt in der Navigationsforschung erzielt haben. Je besser eure Forschung in diesem Bereich ausgebaut ist, desto größer ist die Reichweite bei der eigenen Expansionsplanung.

Doch es geht nicht um den Lebensraum allein. Mehrere Planeten lassen sich zu mächtigen Allianzen vereinen. Um Allianzen zu schließen, braucht ihr allerdings die passenden Gebäude auf den ausgewählten Planeten. Außerdem müsst ihr noch die Kommunikation zwischen den beteiligten Planeten sicherstellen. Dies geschieht durch die Installation von Satelliten. Leider müssen diese teuer bezahlt werden. Die Bezahlung erfolgt in Form von Machtsteinen, die dafür sogar ganz aus dem Spiel genommen werden müssen. Die Machtsteine stehen euch jetzt für andere Aktionen nicht mehr zur Verfügung. Ihr müsst also Wege suchen, um wieder an neue Machtsteine zu gelangen. Wie an so vielen anderen Stellen im Spiel, ist auch hier wieder geschicktes Ressourcenmanagement gefragt.

Die Investition könnte sich aber schnell wieder auszahlen. Eine geschlossene Allianz bringt euch neben Siegpunkten und Ressourcen zudem einen Allianzmarker ein. Diesen benötigt ihr um Zugriff auf sogenannten Ausbautechnologien zu erhalten. Doch auch für die Forschung ist der Allianzmarker bedeutsam. Ohne ihn könnt ihr die letzte Ausbaustufe einer Forschungskategorie nicht erreichen.

Eine Frage der Strategie

Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl von Faktoren, die eure Strategie beeinflussen können. Das Konzept der Variabilität hat hier weiterhin Bestand. In jeder Spielrunde lässt sich für bestimmte Fortschritte ein Bonus abgreifen. Ebenso gibt es gleich mehrere Plättchen, die sich auf die Endauswertung auswirken. Damit nicht genug, weiterhin gibt es noch eine Auswahl an Rundenboostern. Sie spendieren ihrem Besitzer einen bestimmten Bonus, der jedoch nur für den Verlauf einer Spielrunde aktiv ist. Nach Abschluss der Spielrunde werden die Rundenbooster unter den Spielern neu verteilt.

In Gaia Project müsst ihr so einige Abläufe im Blick behalten. Es gibt an vielen Stellen ein paar zusätzliche Ressourcen, Siegpunkte oder etwas anderes zu gewinnen. Das macht das Spiel herausfordernd, richtig unübersichtlich wird es aber kaum. Dafür sorgen die aussagekräftigen Symbole im Spiel. Nehmt euch etwas Zeit für den Einstieg, dann werdet ihr recht bald merken, dass die Abläufe gar nicht so kompliziert sind. Kenner des Vorgängers Terra Mystica finden sich in Gaia Project ohnehin noch etwas schneller zurecht.

Um mit dem Spiel schnell vertraut zu werden, eignet sich auch der Solo-Modus. Hier bietet Gaia Project ein abgewandeltes Regelwerk an. Ihr könnt euch also sogar ohne Mitspieler mit Gaia Project beschäftigen. Ansonsten können bis zu vier Spieler an einer Partie teilnehmen. Für einen Durchgang müsst ihr mit etwa zwei Stunden Spielzeit rechnen. Gaia Project ist seit Oktober im Handel und kostet etwa 60€.

variabler Spielaufbau
spielt sich sehr flüssig
große Spieltiefe
mit Solo-Modus
optisch nicht ganz so schick wie sein Vorgänger

Sebastian Hamers

Das lange Warten hat sich gelohnt. Gaia Project ist ein würdiger Nachfolger von Terra Mystica geworden. Die Befürchtung das gleiche Spiel als neuen Aufguss in einem Science-Fiction-Szenario zu erhalten, kann in jedem Fall entkräftet werden. Die großen Stärken des Vorgängers bleiben erhalten, werden jedoch um ein paar Extras ergänzt, die sich gut in das Weltraum-Setting einfügen. Vorbildlich ist weiterhin das Ineinandergreifen der Spielmechaniken. Hier läuft alles geschmeidig, wie in einem gut geölten Zahnrad. Ein großer Trumpf von Gaia Project ist natürlich auch seine Vielseitigkeit. Neben den vierzehn Völkern um dem wandelbaren Spielfeld gibt es etliche Faktoren, die immer wieder verändert werden können. Trotz der vielen Möglichkeiten, die das Spiel bietet, ist Gaia Project ziemlich zugänglich. Nach einer ersten Probepartie könnt ihr in die Vollen gehen und tief in das Spiel eintauchen. Lediglich in Bezug auf die grafische Gestaltung kann Gaia Project nicht ganz mit seinem bunteren Vorgänger Terra Mystica mithalten. Diesen kleinen Wehrmutstropfen nehme ich aber gerne in Kauf. Denn ansonsten ist Gaia Project ein tolles Spiel geworden, das meine ohnehin schon sehr hohen Erwartungen voll und ganz erfüllt hat.
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