Test: Game of Thrones (Episode 1-3) Update: Episoden 4 & 5

Wer auf storylastige Spiele steht, ist bei Telltale Games auf jeden Fall an der richtigen Adresse. Nach Tales from the Borderlands und The Wolf Among Us bieten uns die Entwickler nun einen richtigen Leckerbissen dar, der auf der größten Hype-Welle surft, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Es geht um Game of Thrones und damit eine der erfolgreichsten Fernsehserien, wenn es ums Fantasy-Genre geht. Dass man aus diesem Allround-Talent und so viel Material durchaus ein richtig gutes Game zaubern kann, will Telltale in insgesamt 6 Episoden beweisen, die in unterschiedlichen Abständen für den PC, die PlayStation 4, PlayStation 3, Xbox 360 und Xbox One erscheinen. Es wird also fast jede nur denkbare Plattform bedient und öffnet damit die Pforten für eine breite Schar an Fans, aber auch Skeptikern.

Damit ihr einen Zwischenstand bekommt, findet ihr folgend eine Art Halbzeit-Bericht. Nach der dritten Episode möchten wir nun nämlich auch mal unseren Senf zu diesem Format dazugeben und euch an unseren Gedanken und Meinungen teilhaben lassen. Oder interessiert es euch etwa nicht, warum auch hartgesottene Kameraden das eine oder andere Tränchen vergossen haben?

Spoilergefahr: Neulinge sollten gleich zum Fazit springen oder einen anderen Artikel auswählen. Nur kleine Spoiler vorhanden, die euch aber nicht den Spielspaß/Serienspaß kaputt machen sollen.

Game of Thrones: Neue Screenshots zeigen Drachen

Dieser lustige Kamerad wartet in Episode 3 auf euch: Los gehts!

Ihr braucht jede Menge Mut..

Die zentrale Geschichte von Game of Thrones: A Telltales Games Series dreht sich um die Familie Forrester, ihrerseits loyaler Vasall des Hauses Stark. Im Laufe der Roten Hochzeit und allen Ereignissen, die sich darum ranken, bricht der Einfluss und die Macht der Forresters zunehmend unter dem Druck von außen. Fehlende Verbündete, interne Familienschwierigkeiten und nicht zuletzt die Vielzahl an Feinden gefährden ihre Zukunft und darüber hinaus auch die der Untertanen. Um das Schicksal irgendwie wieder zum Guten wenden zu können, schlüpfen wir in unterschiedliche Rollen – darunter Mira Forrester (Tochter), Rodrik Forrester (Sohn) und Knappe Gared Tuttle.

Was zu Beginn sehr verwirrend sein kann, offenbart sich im Laufe der ersten drei Episoden als gut durchdachte, einfühlsame Geschichte, die aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und verändert werden kann. Allen gleich ist jedoch das Bedürfnis, die Forresters zu schützen und ihrer Familie zu neuem Glanz zu verhelfen. Im Wege stehen euch dabei nicht nur Gegner mit hohem politischen Einfluss, sondern auch Figuren wie Gryff Whitehill, der mich mit seiner dämlichen, blonden Mähne und dem arroganten Gesicht immer an Draco Malfoy erinnert. Pfui! Wem menschliche Herausforderungen nicht genügen, wird besonders in Episode 3 auf seine Kosten kommen und sich mit einem waschechten Drachen anlegen dürfen.

Klingt alles erstmal platt, zugegeben. Und jeder Fan der Serie hat diese Story schon dutzende Male in ähnlicher Ausführung über den Bildschirm flimmern sehen – Ehre,Ruhm und (vermeintliche) Gerechtigkeit sind drei Hauptaspekte in Game of Thrones, gleichzeitig auch noch meist die Wurzel allen Übels. Die Thematik bedient sich also an dem, was George R. R. Martin vorgelegt hat – doch darüber hinaus verbirgt sich hinter diesem Titel weitaus mehr als einfach nur ein Game of Thrones-Abklatsch. Glaubt einem Skeptiker wie mir!

Game of Thrones Test Bild 1

..und noch mehr Rückrad

Ganz in Telltale-Manier müsst ihr im Laufe des Spiels viele überlebenswichtige und ungeliebte Entscheidungen treffen, deren Ausgänge euch mehr oder weniger zufrieden stellen werden. Ich habe mich oft selbst dabei erwischt, eine getroffene Wahl zu bereuen oder die Klappe weiter aufgerissen zu haben als es vielleicht gesund gewesen wäre. Ob es tatsächlich Einfluss auf die Gesamtstory nimmt, welche Entscheidungen wir fällen, bleibt zumindest nach der dritten Episode noch fraglich – uns wird aber auf jeden Fall erfolgreich suggeriert, dass dies der Fall ist. Zwar gibt es feste Instanzen im Spiel, denen ihr euch unabhängig von eurer Attitüde stellen müsst und die euch – ich sag es gleich direkt – nicht glücklich (!) machen werden, doch alles in allem macht Game of Thrones in dieser Version einen flexiblen, vielschichtigen Eindruck, der euch gefangen nehmen wird. Ihr müsst Opfer bringen, Abstriche machen, Prioritäten setzen und wisst bei alledem noch nicht einmal, ob es sich am Ende überhaupt auszahlt.

Wie auch in der Serie müsst ihr euch im Spiel darüber im Klaren sein, wem ihr trauen könnt und vor allem, trauen wollt. An mehreren Stellen wird von euch Loyalität verlangt, die man zu Beginn vielleicht gerne verspricht, aber im Laufe der Zeit doch relativieren muss. Wem seid ihr schließlich verpflichtet: eurer Familie, euren Verbündeten, euch selbst? Nicht wissend, wo Treue anfängt und wo sie wieder aufhört, steht ihr mit den unterschiedlichen Figuren ebenso unterschiedliche Kämpfe durch, mögen sie nun körperlicher oder verbaler Natur sein, und werdet euch über kurz oder lang die Frage stellen, welchen Preis all das hat. Da muss man schon mal eigene Grenzen und Regeln setzen, um mit heiler Haut davon zu kommen.

Game of Thrones Test Bild 2

Zwischen Selbstjustiz und Gnade

Ein ganz elementarer Baustein bei Game of Thrones aus dem Haus Telltale ist die Entscheidung, sein eigenes Schicksal und die individuelle Vorstellung von Gerechtigkeit durchzusetzen – oder eben nicht. Was bei Gared Tuttle der Moment ist, in dem er die Möglichkeit hat den Mörder seiner Familie zu töten, finden wir auch in den Szenen von Mira, die zwischen ihren Pflichten als Dienstmagd und der Sorge um ihre Liebsten förmlich zerrissen wird. Da ist es nicht immer leicht, eine „kluge“ Entscheidung zu treffen. Mit Wut, Angst oder Frust im Bauch – und das pflanzt Telltale in allen drei Episoden gleichermaßen erfolgreich – bringen wir manchmal nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Begleiter in Gefahr. In Kombination mit Ehre und Stolz ist das durchaus eine gefährlich explosive Mischung – und macht richtig Bock auf alles, was uns in den kommenden Episoden noch erwarten wird.

Game of Thrones: Neue Screenshots zeigen DrachenEin Outfit der etwas anderen Art

Freunde der Telltale-Serie haben in der Vergangenheit sicher schon Bekanntschaft mit The Wolf among us gemacht haben. Dort im Comic-Stil für den Spieler visualisiert, bedienen sich die erfolgreichen Entwickler auch bei Game of Thrones einer besonderen Grafik, die für frischen Wind und einen Hauch Nostalgie sorgt.

Auf den ersten Blick mag der Auftritt im Ölfarben-Kleid etwas ungewohnt wirken, ich spreche da aus Erfahrung. Im Laufe des Spiels und mit jeder neuen Szene werdet ihr euch aber ein Stückchen mehr verlieben, versprochen. Denn bei dieser außergewöhnlichen Grafik haben die Genies von Telltale einen richtigen Volltreffer gelandet, mit dem sie die entsprechende Stimmung und den einzigartigen Flair von Westeros und Essos geschickt einfangen können. Da stören auch vereinzelte Ruckler oder doch etwas zu unscharfe Ränder nicht allzu sehr und schaffen es nicht, die Faszination zu schmälern oder den Spaß zu verderben. Der Sound ist wie in beiden Episoden zuvor sehr gut, stimmig und besticht besonders in Episode 2 mit tiefen Gefühlen, die selbst die Härtesten unter uns zu Tränen rühren werden. Wem die junge Talia, die ihren verstorbenen Vater und Zwillingsbruder mit einem eigens geschriebenen Lied besingt, nicht an die Nieren geht, der kann sich auch ohne Bedenken der Night’s Watch anschließen: ihr gefühllosen Barbaren!

Ein Manko gibt es an dieser Stelle dann leider doch noch: die fehlende deutsche Sprachausgabe. Natürlich sind wir der englischen Sprache mächtig und verstehen, was feindliche und verbündete Figuren in Game of Thrones von uns wollen. Zudem ist die Synchronisation ziemlich gut und macht Freude am Zuhören. Nichtsdestotrotz hätten wir uns über etwas mehr Sprachvielfalt gefreut, die nicht zuletzt auch eine breitere Masse an Spielern angesprochen hätte.

Game of Thrones: Neue Screenshots zeigen Drachen

Königin Cersei kann uns leider nicht sonderlich gut leiden..

Das besondere Etwas

Game of Thrones ist vielleicht nicht das stärkste Spiel, das Telltales jemals entwickelt hat, doch es macht auf der anderen Seite vieles richtig. Die Charaktere, derer wir uns im Laufe der bisherigen drei Episoden annehmen konnten, waren facettenreich und sympathisch ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Das ist wichtig, weil nur dann ein Gefühl von Mitleid, Wut oder Trauer erzeugt werden kann, was den Spieler letztendlich an die Story bindet. Egal ob Protagonist oder Antagonist, ob Neben- oder Schlüsselfigur; sie alle sind echt, tiefgehend und haben eine individuelle Vergangenheit, die es zu erforschen und vor allem zu verstehen gilt. Das macht den besonderen Reiz bei Game of Thrones: A Telltale Games Series aus und weckt das Interesse. Man hat das Gefühl, etwas bewirken zu können – aber auch die Angst, etwas zu verlieren.

Faszinierend ist darüber hinaus die Tatsache, dass Telltales das Aussehen der bekannten Charaktere wie Tyrion, Cersei oder auch Jon Snow nicht an die Büchern, sondern an die Serie angelehnt hat. Der Wiedererkennungswert ist damit enorm hoch und erleichtert es, durch die Gesamtstory durchzusteigen.

Update: Episoden 4 und 5

Game of Thrones scheint sich von Episode zu Episode zu steigern, so zumindest mein Eindruck. Die Episoden 4 und 5 erwiesen sich als actionreicher wie seine Vorgänger, wenn man denn in einem Telltale-Spiel wirklich von Action sprechen kann. So konnte ich mich, aufgrund der häufigeren, aber zugegeben nach wie vor kurzen, Szenen, in welchen man die Charaktere direkt steuert, sowie der regelmäßigen Quick-Time-Event-Kämpfe, durchaus mehr in das Spiel hineinsteigern.

Abgesehen davon, nimmt auch die Story immer mehr Fahrt auf. Es treten immer wieder aus der Serie bekannte Vorkommnisse auf, die einem zwar die Möglichkeit geben, sich zeitlich zu orientieren, aber nie so sehr in den Vordergrund rücken, als dass sie die eigentliche Story verdrängen könnten. Außerdem nähern sich die unterschiedlichen Storylines langsam einander an, was uns gespannt auf die letzte und finale Episode von Telltale’s Game of Thrones warten lässt.

Vorläufiges Fazit

Als Game of Thrones-Skeptiker muss ich zugeben: ja, das ist verdammt gut! Telltale macht einen erfolgreichen Job und entführt euch in den bisherigen drei Episoden in die Welt von Starks, Lannisters und Co. ohne der Serie in irgendetwas nachzustehen. Dabei wird aber deutlich, dass sich die Geschichte der Forresters um die Geschehnisse von Game of Thrones herumwickelt, was die Eigendynamik der zentralen Story ein bisschen beschränkt. Trotzdem absolut spiel- und sehenswert!

Game of Thrones erzählt eine berührende Story, die mich als Fan der Serie, sowie der Telltale-Spiele durchaus fesseln kann. Möchte man jedoch den Maßstab anlegen, kann es meines Erachtens nach einfach nicht gegen, das parallel erscheinende, Tales from the Borderlands bestehen. – Alexander M.

Journey – Eine Liebeserklärung der Redaktion Test: God of War 3 Remastered
Comments