Test: Go Vacation

Test: Go Vacation

Beachvolleyball hält uns am Strand auf Trab.

Wer möchte sich nicht bei diesem Wetter eine Auszeit gönnen und ans Meer fahren? Da kommt mir eine Reise zur Insel Kawawii ja ganz recht. Zusammen mit Freunden, der Familie oder einfach nur alleine gibt es in Go Vacation über 50 Aktivitäten zu entdecken. Dennoch: Auf meiner Reise wurde ich enttäuscht und das nicht nur, weil genervte Badegäste mich begrüßten.

Willkommen auf dem Inselparadies

Idyllische Sandstrände, weite Strecken grüner Wiesen, die frische Bergluft und lauter Spaß im Schnee. So stelle ich mir die vier Resorts vor, die mir präsentiert werden. See-, Stadt-, Schnee- und Bergresort bilden vier normal große Karten, auf denen es allerlei Spiel, Sport und Spaß zu sehen gibt.

Die Betonung sollte aber eher auf allerlei liegen, denn es gibt unglaublich viele Aktivitäten, die Anzahl scheint sich geradezu im Spiel zu vermehren. Also an Vielzahl und sportlicher Betätigung mangelt es dem Freizeitspiel auf keinen Fall. Aber wo bleibt die Party? Der Schuss Zitrone im erfrischenden Wasser, die funkelnden Lichter im Stadtpanorama, glitzernde Schneeflocken, die leise auf die Hand rieseln und den Winter einläuten? So oder so ähnliche Bilder kommen mir in den Sinn beim Gedanken an Urlaub, egal zu welcher Jahreszeit.

Test: Go Vacation

Sommer, Sonne, Sonnenschein beim Reiten auf der Welle.

Aber bis auf ein paar Wasserspritzer beim Surfen oder Matschspritzer beim Driften gibt es nichts an grafischer Pracht zu bewundern. Dadurch, dass auf den Inseln bis auf die Aktivitäten tote Hose ist, macht es nicht so viel Eindruck, wenn eine klappbare Pappblume bei der schönen Aussicht vom Berg die Sicht stört oder beim Erklimmen der Gipfel das Gelände so kantig wie die Ecken eines Weinglases ausschaut.

Test: Go Vacation

Da fragt man sich, wie viel sich technisch seit dem Wii-Titel getan hat.

Go Schnitzeljagd

Mit jeder abgeschlossenen Aktivität wartet ein Stempel auf euch und wenn ihr genügend zusammen gesammelt habt, schaltet ihr nach dem Seeresort die restlichen frei. Zusätzlich gibt es weitere Optionen, wie die Wahl einer Tageszeit, zu der ihr das Resort besuchen möchtet, eine Schule, in der ihr alle Techniken von Grund auf beigebracht bekommt sowie jede Menge Ballons, die ihr unterwegs sammeln könnt.

Während ihr alle möglichen Belohnungen zusammenschart, kann es passieren, dass sich die Kamera sehr unschön verhakt, wenn ihr einer Wand zu nahe kommt oder mit anderen Spielern zusammenstoßt. So kommt es öfter mal vor, dass die Kamera über den Charakter hinauszoomt und erst wieder in die normale Kameraposition finden muss.

Test: Go Vacation

Fallschirmspringen auf der Insel Kawawii

Die vier Resorts sind gleich aufgebaut. Sie beginnen mit einer Einführung und Begrüßung, bei der die Kommentatorin nicht gerade eine angenehme Stimme besitzt, sondern wegen der nervtötenden Sounds, eher die eigene Geduld strapaziert. Dann heißt es, den Auflauf an Aktivitäten erledigen und schließlich mit genügend Stempeln den Fuß zum nächsten Urlaubsort setzen. Somit sind alle Orte sehr repetitiv aufgebaut. Zusätzlich gibt es ein Villengelände, auf dem ihr euer eigenes Haus gestalten könnt. Bei jedem Levelaufstieg sammelt ihr Schlüssel – juhu, noch mehr zum Sammeln -, mit denen ihr Möbel zum Einrichten eurer Wohnung freischalten könnt. Damit wirkt es wie eine Mischung aus Animal Crossing und Wii Sports Resort.

Test: Go Vacation

Der Ausblick aus der eigenen Villa.

Apropos Levelaufstieg: Je nachdem, auf welchem Niveau ihr eine Aktivität gespielt habt, bekommt ihr entsprechend Punkte dafür. Wie viele das genau sind und was ihr bis zum nächsten Aufstieg benötigt, ist unklar. Aber ihr freut euch, wenn ihr trotzdem zufällig ein Level aufsteigt. Auch wenn das Levelsystem keinen weiteren Zweck hat.

Klecks On The Beach — Technisch verschüttete Grafikspritzer

Test: Go Vacation

Der See wirkt schon fast tot, hoffentlich sind es die Fische nicht…

Egal wie das Wetter draußen ist, mit Go Vacation verwandelt ihr euer Wohnzimmer in ein buntes Spieleparadies. Die jüngeren unter den Gamern finden mit Sicherheit Unterhaltung. Aber wenn ich so mit meinem pixeligen Charakter über den Strand laufe, gibt es mehr Kleckse als schön animierte Wellenspritzer zu sehen. Das zieht sich leider durch die gesamte Grafik.

Da sieht der Strand wie ein Klecks aus und hat wenig mit HD zu tun. Ein Kunstwerk à la Hirameki, wie die Kunst des Klecksens genannt wird. Deswegen gibt’s leider niente zu sehen. Keine Ente im See. Dafür aber Bieber. Und Steinböcke und Schafe in den Bergen. Tierisch bunt kann man sagen. Interagieren tut ihr mit ihnen aber nur insofern, dass ihr sie wie Kunstwerke fotografieren und eure Speicherkarte damit vollstopfen könnt. Ganz nett, aber auch Kinder und Jugendliche hätten sich über das Füttern von Tieren mehr als über das Anstarren gefreut.

Urlaub mit der Familie und Freunden — Auch die Steuerung schwimmt

Test: Go Vacation

Der Absprung von der Skischanze sorgt für etwas Nervenkitzel.

Jeder kennt das: Sobald man am Reiseziel angekommen ist, geht’s im Sommerurlaub erstmal ins kühle Nass. In Go Vacation ist es nichts anders, nur dass gleich neben der Grafik auch die Steuerung ins Wasser fällt. Das macht den umfangreichen Urlaubsspaß leider nicht einfacher. Denn obgleich es eine gewaltige Vielfalt zu erkunden gibt, muss jeder sich im Klaren sein, dass das Zielen und Treffen von Zielscheiben nicht optimal ist, nicht jeder Trick beim Jet-, Ski- oder Skateboardfahren wirklich immer funktioniert. Das gilt natürlich auch für alle anderen Aktivitäten.

Beachvolleyball, Surfen, Tauchen und Jetfahren sind ein Klecks in Sachen Gameplay. Reflexe braucht ihr keine. Komplexe Gameplaysituationen können aufgrund der einfachen und immer gleich belegten Steuerung nicht auftreten. Somit heißt die Devise relaxen. Sozusagen: Relaxe ohne komplexe Reflexe. Tut mir leid, jetzt habe ich mich übernommen.

Wer also ein paar Rettungsreifen zur Hand hat, findet hier den passenden Einsatz. Denn die Spielelemente wiederholen sich häufig, wodurch die Steuerung ebenfalls keine Abwechslung hat. Sie ist sehr einfach gehalten, aber trotzdem unklar und schwammig. Das macht das Original mit dem Wii-Controller durch die freihändige Bedienung auf jeden Fall besser. Die Steuerung ist in der Portierung ohne das Schwingen (bis auf vereinzeltes Schütteln der Controller) und freie Bewegen im Raum mehr auf Button-Mashing ausgelegt, als auf den Eindruck, sich sportlich zu betätigen.

Gerade im Vergleich zum neuen Mario Tennis Aces aus dem Hause Nintendo wirken die Aktivitäten mehr wie Minispiele, weil meist nur zwei Tastenbelegungen ausreichen, um das gesamte Match zu spielen. Hier im Tennis also, um genau zu sein, das Aufschlagen und Parieren.

Multikulti im Multiplayer

Test: Go Vacation

Hier driftet ihr mit Freunden auf der Rennstrecke.

Mit Vieren macht der Ferienurlaub noch mehr Spaß. Stellt den Schwierigkeitsgrad als Anfänger oder Profi ein und schon kann es zu Pferd, Unterwasser, mit dem Schneemobil, der Tram, dem Geländewagen oder den Inlineskates oder aber dem Kajak und vielem mehr losgehen. Hierbei gibt es jede Menge Tumult, wenn es daran geht, als erster im Ziel zu sein oder am meisten Punkte beim Tricksen zu erlangen. Damit seid ihr also für jeden Kindergeburtstag bestens gewappnet.

Ihr könnt eure bereits erstellten Miis als Charaktere übernehmen oder neue Avatare erstellen. Wenn sich Familie und Freunde schließlich angemeldet haben, besuchen euch die Figuren die Resorts und treten in den Minispielen gegen euch an.

Unterschiede zum Wii-Original

Test: Go Vacation

Weicht ihr allen Hindernissen auf, nehmt ihr genug Geschwindigkeit auf und führt.

Wirklich viel hat sich im Port nicht getan. Aber Sammler kommen auf ihre Kosten, denn die Switch-Version bietet noch mehr zum Zustauben auf den Regalen. Schießt Schnappschüsse von noch mehr Tierarten an Land, in der Luft und unter Wasser. Und wenn ihr Glück habt, findet ihr eine der Truhen, die die Flieger abwerfen. Da drin findet ihr noch mehr Belohnungen, die zu den täglichen Gimmicks hinzukommen.

Große Resorts und Landstriche zu entdecken
Viele Charakterdesigns zur Auswahl
Links- und Rechtshändermodus
Anfänger- und Profimodus
Joy-Con-Lenkrad kompatibel
Grafisch kein Hingucker
Resorts sind sehr repetitiv
Kein Freihand-Modus
Nervige Kommentatorin
Steuerung unklar und ungenau

Jennifer K.

Dann doch lieber arbeiten als Urlaub machen. Der Sprung auf die Nintendo Switch funktioniert mit Go Vacation mehr schlecht als recht. Wenig Interaktion mit anderen Urlaubern lässt das Spiel extrem leer erscheinen. Aber sobald ihr zusammen mit Freunden und Familie gegeneinander antretet, zeigt Go Vacation seinen gesamten Charme. Und das ist vor allem Spielspaß für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren. Alle anderen sollten durch keine richtige Zielvorgabe mit wenig Herausforderung und grafischer Leistung rechnen. Für 49,99 Euro gibt es einen teuren Port mit wenig neuen Inhalten und eigenständigen Modi im Gegensatz zum Wii-Original.
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