Test: God of War (PS4)

Test: God of War (PS4)9Lange Zeit war er es ruhig um den Kriegsgott Kratos. So ruhig, dass ihr wirklich hättet glauben können, der zornige Antiheld hätte sich tatsächlich zur Ruhe gesetzt. In Sachen Storyline kommt dies in der Tat sogar recht gut hin, doch beim Rest weht ein komplett frischer Wind im ersten richtigen God of War auf der PlayStation 4. Doch reicht das, damit Santa Monica Studios an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen können? Der Druck ist groß, der Hype noch größer! Wir klären, ob Kratos weiterhin Videospiel-Gott bleibt.

Spoilerwarnung: Der folgende Text enthält minimale Spoiler!

Ein nordischer Neustart

Test: God of War (PS4)5Die offensichtlichen Dinge vorab: Kratos lebt zwar als Mensch, aber er lebt. Zudem ist er sichtlich älter geworden, hat einen weiteren Sohn und einen Bart bekommen und er tummelt sich nicht mehr auf dem Olymp rum, um Götter zu vermöbeln. Doch wer jetzt an Ruhestand denkt, wird schnell eines Besseren belehrt, denn der zornige Göttertöter hat sich als Pensionsort das Reich der nordischen Götter und Monster ausgesucht. Doch von wegen Walhalla mit Füße hoch und am Pool hocken. Es ist ein rauer, unerbittlicher Ort, wo Überleben auf der Tagesordnung steht.

Dass dies scheinbar nicht immer glimpflich ausgeht, wird gleich zu Beginn deutlich und so muss Kratos eine weitere Frau an seiner Seite zu Grabe tragen. Um ihr Antlitz zur ehren, wollen sein Sohn Atreus und er ihre Asche auf den Gipfel eines riesigen Berges bringen. Von da an beginnt eure gemeinsame und mehr als 12-stündige  Reise, in der ihr nicht nur mehr über die Familienentstehung erfahrt, sondern auch, was sonst so mit dem Kriegsgott passiert ist.

Das Ganze entpuppt sich für alle Beteiligten als kompletter Neustart. Und das gilt wirklich auf vielen unterschiedlichen Ebenen. Zum einen für den Entwickler, die Santa Monica Studios, zum anderen für uns Spieler, aber auch für den God of War himself. Und mit diesem wollen wir auch gleich anfangen, denn in keinem Teil konnte der Charakter so überzeugen wie in seinem Debüt auf der PS4.

Son of War

Test: God of War (PS4)4

Der Grund hierfür ist ganz klar die epische Geschichte, die ihn nicht nur als schlechtgelaunten, weißroten Göttertöter zeigt. Was genau passiert, wollen wir euch an dieser Stelle natürlich nicht verraten, aber es erwartet euch geballte Action mit vielen emotionalen Momenten und überraschenden Wendungen. Dabei trefft ihr auf eurem Weg auf allerhand nordische Wesen und Charaktere, die allesamt unterhaltsam und interessant ausgearbeitet sind.

An erster Stelle steht dabei natürlich Kratos Sohn Atreus. Die beiden sind aber anfänglich alles andere als ein Dreamteam. Kein Wunder, denn Kratos ist weder das perfekte Vorbild noch Bilderbuchdaddy. Deswegen hat sein Sohn keine leichte Schule mit ihm. Bisher scheinbar von der Mutter etwas behütet und stets beschützt, geht es nun darum, zu jagen und den fiesen nordischen Monstern zu trotzen. Für Kratos hingegen dreht sich vielmehr alles darum, seinen Zorn zu kontrollieren, den Sohn zu beschützen und vor allem in die Rolle des alleinerziehenden Vaters reinzuwachsen.

Kein einfaches Unterfangen, besonders dann nicht, wenn man nicht gerade der gesprächigste und geduldigste Zeitgenosse ist. Genau diese toll herausgearbeiteten Unterschiede der Charaktere machen ganz klar den Reiz des Duos aus. Klar, die Sidekick-Idee ist nicht neu und ähnlich schon in The Last of Us und Uncharted 4 toll umgesetzt, doch tut dies der Sache keinen Abbruch. Und analog zu diesen Titeln ändert sich auch bei God of War einiges am Gameplay – doch immer der Reihe nach.

Vom Hack and Slay zur offenen Welt

Test: God of War (PS4)7Während alle vorherigen Teile der Serie ganz klar in die Kategorie „Hack and Slay-Aushängeschild“ gefallen sind, ist aus God of War auf der PlayStation 4 ein waschechtes Action-Rollenspiel geworden. Vorbei sind die Zeiten, in denen ihr in festen oder halbfesten Kamerawinkeln 700er Kombos austeilt. Dank neuer Third-Person-Perspektive habt ihr nämlich nicht nur die volle Kontrolle über Kratos, sondern auch über die Kamera. Dies gilt auch für die Bewegung durch die großen Open-World-Abschnitte, die allesamt nahtlos miteinander verbunden sind. Hierbei gibt es jede Menge zu entdecken, weshalb ihr euch immer die Zeit nehmen solltet, euch umzuschauen. Es lohnt sich.

Um euch zurecht zu finden, gibt es über den Druck aufs Touchpad auch gleich Zugang zur schicken neuen Karte, die euch einen guten Überblick gibt, wo ihr euch befindet und was es in den jeweiligen Gebieten noch zu entdecken gibt. Mit der neuen Kamera-, Bewegungs- und Entdeckungsfreiheit mussten und haben die Entwickler auch das Steuerungsschema komplett überarbeitet.

Anstatt der normalen Tasten sind  Angriff und Verteidigung nämlich komplett auf die Schultertasten gerutscht. Damit ihr eure Widersacher auch trefft, könnt ihr sie nun auch via Druck auf den Analogstick einzeln anvisieren. Schade ist nur, dass das Wechseln des Ziels ein wenig hakelig vonstatten geht. Dies sollte euch normalerweise kaum stören, aber gerade in Kämpfen mit mehr als zwei Gegnern kann es schon mal zu eurem Ableben führen.

Ein schnelles Dark Souls

Test: God of War (PS4)10Bereits beim ersten Monster wird euch sofort auffallen, das jeder Gegner auch über eine Anzeige verfügt, die euch anzeigt, wie lange ihr noch auf ihn eindreschen müsst. Dies wäre auch der letzte Grund, warum wir uns an der Stelle den Vergleich zu Dark Souls doch nicht verkneifen können.

Solltet ihr einen Souls-Titel gespielt haben, fühlt ihr euch mit Kratos gleich ganz heimisch. Jedoch solltet ihr euch in Sachen Tempo auf deutlich dynamischere und schnellere Gefechte gefasst machen. Wer Dark Souls oder Bloodborne verpasst haben sollte, der muss sich auf ein bisschen Eingewöhnungszeit einstellen. Diese verlängert sich im Übrigen noch durch den brachialen Schwierigkeitgrad vom neuen God of War.

Zum Start könnt ihr hier gleich aus vier Stück auswählen. Ab dem dritten solltet ihr unbedingt die Warnungen, für welche Spieler dieser geeignet ist, ernst nehmen, oder ihr werdet wahrscheinlich die zehnfache Zeit benötigen, um das Spiel zu beenden. Denn je schwerer ihr spielt, desto weniger Treffer könnt ihr einstecken und dementsprechend weniger Schaden austeilen. Hinzu kommt noch, dass die Gegner um einiges aggressiver auf euch zugehen. Wer also eine echte Herausforderung sucht, der wird sie hier finden!

Axt und Sohn statt Schwert und Kette

Test: God of War (PS4)2Damit ihr den wirklich vielschichtigen und unterschiedlichen Gegnern etwas entgegen zusetzen habt, hat Kratos seine Schwerter und Ketten gegen eine magische Axt und einen Schild getauscht. Die Leviathanaxt lässt sich nicht nur schwingen, sondern auch werfen und mit zusätzlichen Zaubereffekten belegen. Das Wächterschild hingen dient primär der Verteidigung und um zusätzliche Spezialattaken auszuführen.

Wer jetzt glaubt, dass damit der Knallfaktor ein bisschen runtergeschraubt worden ist, der irrt sich gewaltig. In der Verbindung mit der neuen Kameraperspektive wirkt alles, was der Kriegsgott austeilt, aber auch einsteckt, noch wuchtiger und gewaltiger. Selten haben wir ein Spiel in den Händen gehabt, bei dem es sich so echt anfühlt, Schläge auszuteilen oder sie auch einzustecken. Das führt zu einem tollen, neuen, dynamischen und actionreichen Spielgefühl, bei dem sich Spiele wie eben Dark Souls schon etwas langsam dagegen anfühlen.

Jetzt fragt ihr euch bestimmt wie sich Atreus in die Kämpfe einfügt. Die Antwort ist simpel: Ziemlich gut. Dank ihm könnt ihr nämlich extra Aktionen ausführen, an neue Orte gelangen und Geheimnisse entschlüsseln. So ist Atreus zu jeder Zeit sinnvoll intrigiert und nie wirklich ein Störfaktor, von minimalen Aussetzern mal abgesehen. Erfreulicherweise findet auch auf dieser Ebene im Laufe des Spiels eine Entwicklung statt, denn zu Beginn passen die beiden analog zur Geschichte noch nicht wirklich zusammen, was sich jedoch schnell ändert. Gerade im Kampf wird Atreus so ein wichtiger Faktor, da er Feinde ablenkt, aufhält, angreift, euch heilt, wiederbelebt und mehr.

Kriegsgott im Rollenspiel

Test: God of War (PS4)3Damit wären wir auch bei den klassischen Rollenspielelementen angelangt, die schnell deutlich werden, wenn ihr zum ersten Mal das Menü betretet. Der gute Kratos besitzt jetzt nämlich ein Level bzw. eine Stufe und ingesamt sechs unterschiedliche Attribute wie Stärke, Vitalität oder Abwehr. Erhöhen könnt ihr diese Werte, indem ihr eure Axt verbessert. Diese steigt dann ebenfalls im Laufe der Zeit in ihrer Stufe.

Doch nicht nur die Waffen können verbessert werden, sondern auch eure Rüstungsteile. Im Übrigen ist fast alles, was ihr so im einsetzen, finden oder herstellen könnt, in Klassen eingeteilt von gewöhnlich bis episch. Wie ihr euch an dieser Stelle vielleicht schon denken könnt, ist mit den ganzen Gegenständen auch eine Art Crafting System verbunden, welches aber einfach und motivierend gehalten ist. Dafür müsst ihr nämlich in der Welt nur Augen und Ohren offen halten, damit ihr möglichst viele Materialen und Hacksilber (Ingame-Währung) unterwegs findet. Habt ihr sie, könnt ihr für Vater und Sohn neue Rüstungsteile in der Schmiede herstellen, die ihr dann wiederum verbessern könnt.

Das Schöne hieran ist, dass unterschiedliche Rüstungsteile zur Auswahl stehen, die sich nicht nur in ihrem Look unterscheiden, sondern auch in ihren Werten. Damit könnt ihr das Duo so verbessern, dass es möglichst gut zu eurem Spielstil passt. Doch nicht nur Rüstungen lassen sich anpassen, sondern auch die Waffen, die ihr mit euch tragt. In die lassen sich unterschiedliche Runensteinen oder Talismane einsetzen und so neue Fähigkeiten oder Zauber freischalten sowie alte verbessern.

Um eure vielen Fähigkeiten zu verbessern, braucht ihr natürlich Erfahrungspunkte (XP). Diese bekommt ihr immer, wenn ihr erfolgreich Gegner besiegt, Haupt und Nebenmissionen abschliesst oder weitere Ziele erfüllt wie eine bestimmte Anzahl an Gegnertypen zu erledigen oder bestimmte Angriffe erfolgreich auszuführen. Es gibt also jede Menge zu tun, auch abseits der Geschichte.

Göttliche Präsentation

Test: God of War (PS4)6Kommen wir nun zum dem Punkt, der euch gleich von Beginn an aus den Socken haut und zwar die Präsentation. Hier können wir es kurz und knapp machen, denn es gibt derzeit kein Spiel, das besser aussieht, sich besser anhört, oder besser anfühlt als God of War. Das gilt wirklich für alles, egal ob Charaktere, deren Animationen, die Levelgebiete an sich oder aber die Monster.  Nochmal verstärkt wird dies auf der PS4 Pro und einem 4K-HDR-TV. Solltet ihr so ein Setup euer Eigen nennen, bekommt ihr ein audiovisuelles Feuerwerk präsentiert, welches selbst mit großen AAA-Titeln den Boden aufwischt. Und nur hier könnt ihr unterschiedliche Grafikmodi auswählen, die ihren Fokus auf Präsentation oder die Framerate legt. Wolltet ihr also schon immer euer Heimokino auflveln, hier ist euer Kaufgrund für TV und Konsole.

Umgesetzt wird das Ganze durch einen atemberaubenden visuellen Stil, der sowohl viele God of War typische Elemente als auch die neuen Themen der nordischen Götterwelt perfekt miteinander verbindet. Damit ist es stellenweise gar nicht schlimm, wenn ihr den Bildschirmtot erleidet, weil ihr so die vielen abwechslungsreichen Gegner noch mal genießen könnt. Trotzdem merkt ihr deutlich, dass dieser Perfektionismus stellenweise an der Grenze das Machbaren wandert.

Test: God of War (PS4)1So kommt es im visuellen Modus immer wieder zu minimalen Slowdowns, welche die Spielbarkeit aber niemals beflussen. Und auch sonst fallen die kleinen Bugs kaum negativ auf, aber trotzdem sind wir währends unseres Tests auf einige Popups und Clipping-Fehler gestoßen. Diese werdet ihr aber eh so gut wie gar nicht wahrnehmen, weil eure Augen zu viel damit zu tun haben werden, nicht rauszufallen, bei dem was ihr so auf dem Bildschirm geboten bekommt. Das Gleiche gibt im übrigen auch für den Klang des Spiels, der sich einfach nur als episch beschreiben lässt und bei dem wir selbst die deutsche Vertonung loben müssen.

Epische Geschichte in einem tollen Setting
Präsentation, die euch umhaut
Neues, flüssiges, schnelles und dynamisches Gameplay
Gelungener Genrewechsel zum Rollenspiel
Motivierendes Craftingsystem
Atreus richtig integriert in Story und Gameplay
Offene Areale, die zum Entdecken einladen
Spielerisch eine echte Herausforderung
Viel Sammelbares und kleine Rätsel
Minimale technische Schnitzer

Marco K.

Die Santa Monica Studio haben gut daran getan, Kratos eine längere Pause zu gönnen, um damit den Freiraum für Veränderungen zu schaffen. An diesen Neuanfang müsst ihr euch als Spieler so sehr gewöhnen wie Kratos an seinen Sprößling Arteus. Doch dank der tollen Geschichte, dem butterweichen Gameplay und ausgefeilten Rollenspiel-Mechaniken werdet ihr schnell die Vergangenheit hinter euch gelassen haben. Zudem werdet ihr eh kaum Zeit zum Nachdenken haben, da euch die nordischen Monster das Leben nicht leicht machen. Dazu kommt noch, dass ihr ständig aufpassen müsst, dass eure Augen nicht rausfallen und euer Kiefer vor Erstaunen auf den Boden fällt, denn das, was ihr auf dem Bild zu sehen bekommt, lässt sich eigentlich kaum in Worte fassen. Kratos Einstand auf der PS4 markiert damit gleich mal einen Meilenstein im Lebenzyklus der PS4 und einen klaren Kaufgrund.
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