Test: GRIP: Combat Racing

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Im Test: Action-Racing in GRIP: Combat Racing

Erinnert ihr euch noch an Rollcage? Dieses Action-Rennspiel für PS1? Nein? Gut, wir nämlich auch nicht. Aber dass wir einen kleinen Fun-Racer wie diesen nicht kennen, heißt nicht, dass er komplett in der Versenkung verschwunden ist. Ganz im Gegenteil: Mit Caged Element aus Canada hat sich ein Entwicklerstudio zur Aufgabe gemacht, einen geistigen Nachfolger zu Rollcage zu entwickeln. Dieser geistige Nachfolger heißt inzwischen Grip: Combat Racing und hat die letzten zwei Jahre im Early Access verbracht

Jetzt ist das Spiel fertig und erscheint sowohl für PC als auch für alle gängigen Heimkonsolen. Mit Grip versprechen Caged Element halsbrecherische Geschwindigkeiten, brachiale Feuergefechte und nahezu unmögliche Stunts. Es soll die Rückkehr des Hardcore-Action-Racer-Genres bringen, das in den 90ern und frühen 2000ern dank Burnout, Twisted Metal und Konsorten große Beliebtheit genoss.

Wägelchen, dreh dich

Das definierende Feature von Grip fällt schon beim ersten Blick auf: Die Vehikel. Wie auch früher bei Rollcage zeichnen sich eure Autos durch überdimensionierte Reifen aus, durch die sie quasi auf dem Kopf stehend fahrbar sind. Und nicht nur das, zusätzlich haben die Autos einen extrem starken Antrieb, durch den ihr auch an Wänden und bei entsprechender Geschwindigkeit sogar an Decken fahren könnt. Das war damals schon eine geniale Idee und ist es heute immer noch, da es eine starke vertikale Komponente in das Renngeschehen bringt.

Generell gehört das Fahrgefühl der Autos zum Besten, was Arcade-Racer in dieser Generation bisher zu bieten haben. Ihr beschleunigt ordentlich schnell und erreicht gut und gerne mal Geschwindigkeiten, die über 600km/h hinausgehen, das Handling bleibt aber glücklicherweise nicht auf der Strecke. Je schneller ihr werdet, desto behäbiger steuern die Autos, aber nie so weit, dass ein Gefühl von Kontrollverlust aufkommt. Es sorgt lediglich dafür, dass den Autos ein gewisses Gewicht verliehen wird. Was die Kontrollierbarkeit der Autos weiter fördert, ist die Möglichkeit, ihre Lage in der Luft zu steuern. Schnell passiert es mal, dass ihr bei größeren Sprüngen ungünstig liegt und Gefahr lauft, eine schlechte Landung hinzulegen. Wenn ihr aber die Luftsteuerung meistert, könnt ihr auch nach besonders großen Flugeinlagen euren Wagen entsprechend ausrichten, um nach der Landung bestmöglich weiterzufahren.

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Kontrolliertes Chaos

Insgesamt enthält Grip 22 Strecken, verteilt über 4 verschiedene Planeten. Die Rennstrecken sind entsprechend rund um das Konzept der Autos herum designt, um ihr Potenzial aufs Vollste auszureizen. Überall zweigen sich die Strecken in mehrere Routen ab, Boosts und Pick-Ups sind an Wänden und Decken verteilt und in Röhren-ähnlichen Tunneln verschwimmt schnell die Grenze zwischen oben und unten. Mal springt ihr zwischen Wänden hin und her, ein anderes Mal donnert ihr kopfüber durch die Strecke, während sich eure Gegner unter euch mit Raketen durchlöchern. Bei aller Geschwindigkeit und Verworrenheit machen die Strecken allerdings einen guten Job darin, euch konstant weiter voranzutreiben. Nur äußerst selten hatten wir das Gefühl, nicht zu wissen in welche Richtung wir der Strecke zu folgen hatten und auch beim Fahren an vertikalen Oberflächen kam es dank der gut angepassten Kamera kaum vor, dass wir mal die Orientierung verloren.

Ballert, Bruder

Damit die Rennen bloß nicht zu gesittet bleiben, könnt ihr euch eurer Konkurrenz mit allerhand Waffen entledigen. Das Arsenal umfasst 9 verschiedene Pick-Ups, die allesamt das Spielgeschehen wesentlich beeinflussen können. Dieses reicht von Turbos und Schilden über Maschinengewehre bis hin zu zielsuchenden Raketen. Jede Waffe hat ihren rechtmäßigen Platz und der Effekt ist konstant verheerend. Mit nur einem gezielt eingesetzten Raketenschwarm könnt ihr von hinten das Feld komplett aufräumen und euch zurück an die Spitze kämpfen. Die daraus entstehenden Explosionen und das wuchtige Sounddesign tun dabei ihr Übriges. Letzteres gilt übrigens nicht nur für die Waffen, auch die mächtigen Motorgeräusche der Autos geben ein Gefühl von ordentlich Power unter der Haube.

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Reichlich viel zu tun

Das kampfzentrierte Gameplay ist aber nicht nur Beiwerk, sondern je nach Spielmodus sogar integraler Bestandteil der Spielerfahrung. Modi gibt es nämlich eine ganze Menge. Neben den üblichen Time Trials und Standardrennen stehen auch „Ultimative Rennen“, in denen die Platzierung mit den erzielten Abschüssen verrechnet wird, Eliminator-Rennen, Tempoteufel-Rennen und sogar Deathmatch-Arenen zur Verfügung, in denen es einzig und allein darauf ankommt, wie viel Schaden ihr anrichtet. Zuletzt gibt es den Carkour-Modus, in dem ihr auf kurzen Strecken in bester Trackmania-Manier eine möglichst knappe Bestzeit aufstellen müsst.

Jeden dieser Rennmodi könnt ihr nicht nur in Einzelrennen ausprobieren, auch einen Karrieremodus könnt ihr durchspielen. In insgesamt 11 progressiv schwieriger werdenden Ligen könnt ihr euch mit der KI messen, jede Liga besteht dabei aus bis zu vier einzelnen Turnieren. Am Ende von so mancher Liga steht ein letztes Rennen im 1-zu-1 gegen einen besonders harten Rivalen. Mit verdienten Erfahrungspunkten schaltet ihr neue Wagen und Anpassungsmöglichkeiten frei, um so nach und nach euren Fuhrpark zu erweitern.

Aber es muss nicht beim Solo-Rennen bleiben, auch für Mehrspieler-Partien bietet Grip einiges an Auswahl. Neben einem obligatorischen Online-Modus könnt ihr auch im Splitscreen mit bis zu 4 Spielern die Rennstrecken unsicher machen. Dafür steht euch jeder Spielmodus zur Verfügung, den ihr auch im Einzelspieler spielen könnt. Ihr merkt, an Umfang mangelt es Grip definitiv nicht.

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Von Unfairness und Performance-Problemen

Bei aller Lobhudelei ist Grip: Combat Racing aber bei Weitem kein perfektes Spiel. Die Fehler beginnen zum Beispiel bei der Gegner-KI. Auf den ersten Rängen der Karriere sind wir im Normalfall noch immer auf dem ersten Platz gelandet. Ab dem ersten Rivalen-1-gegen-1 fiel das recht starke Rubberbanding allerdings arg auf. Häufig soll dieses eher dem Spieler dienen, um nach eingesteckten Treffern besser wieder aufzuschließen, verkommt aber zu schlichter Unfairness, wenn bei nahezu jedem Versuch der Rivale uns nach durchgängiger Führung im letzten Drittel der letzten Runde mit einer Raketensalve aus dem Rennen kickt. Leider ist das nicht nur auf die Rivalenrennen beschränkt und wird mit fortlaufendem Karrierefortschritt immer auffälliger. Damit verkommt das Durchspielen der Karriere schnell eher zum Test der eigenen Frustresistenz.

Auch problematisch sind die stellenweise heftigen Performanceeinbrüche. Gründsätzlich sieht Grip dank Unreal Engine 4 recht hübsch aus und läuft mit bis zu 60 FPS, was bei Rennspielen dieser Art die Norm sein sollte. Sobald ihr aber in den Splitscreen einsteigen wollt, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Mit zwei Spielern könnt ihr noch recht problemlos mit stabiler Framerate spielen. Mit drei oder gar vier Spielern gleichzeitig kommt es jedoch zu massiven Einbrüchen der Performance. Hier sinken die Frames pro Sekunde teilweise unter die 30-FPS-Grenze, was dem Spielspaß schon einen gewissen Abbruch tut.

Verbuggtes Wirrwarr im Splitscreen

Das wäre aber halb so schlimm, wenn der Splitscreen-Modus zumindest fehlerfrei funktionieren würde. Bei zwei Spielern tut er das noch, aber auch hier gilt: Ab drei Spielern gleichzeitig treten Probleme auf. So ist es in unserer Multiplayer-Session passiert, dass die Fahrzeug-Auswahl für den zweiten Spieler nicht gespeichert wurde, der dritte Spieler gar nicht erst ein Auto auswählen konnte und wir völlig wirr durch die verschiedenen Auswahlmenüs geschmissen wurden. Das war nicht nur verwirrend, es hat auch die Freude aufs Spielen maßgeblich getrübt. Hoffentlich liefern Caged Element möglichst bald einen Patch nach, der diese gröberen Fehler behebt. Dann könnte der Multiplayer von Grip mit Leichtigkeit ein heißer Kandidat für laute und chaotische Spieleabende werden.

Superschnelle, actionreiche Rennen
Tolles, vertracktes Streckendesign
Massiver Umfang in 7 verschiedenen Modi
Splitscreen für bis zu vier Spieler…
Schwierige bis unfaire Gegner-KI
Teilweise deutlich merkbare Performance-Einbrüche
…der mit mehr als zwei Spielern kaum funktioniert.

Joost Rademacher

Eigentlich könnten bei Grip: Combat Racing alle Anzeigen auf Vollgas stehen. Das Fahrgefühl und der Flow, der beim Streckendesign aufkommt, sind so manch anderem Genrevertreter weit voraus. Hinzu kommt, dass der Umfang an Spielmodi und die Karriere euch stundenlang unterhalten dürften. Getrübt wird das Gesamtbild aber durch den unnötig frustrierenden Schwierigkeitsgrad im späteren Verlauf und die schlechte Performance im Multiplayer. Am Ende ist Grip: Combat Racing ein gutes Rennspiel mit kreativen Ideen und großartigem Gameplay, steht sich aber selbst zu sehr im Weg, als dass es der große Wurf wird, der es sein könnte.
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