Test: Hero Realms – Der Untergang Thandars

Ihr seid von Hearthtstone enttäuscht? Artifact ist euch zu komplex für ein kleines Kartenspiel? Dann ist vielleicht jetzt der richtige Zeitpunkt, um einen Blick in die analoge Welt der Spiele zu werfen. Dort tummeln sich zahlreiche Spiele, die immer wieder mit neuem Content versorgt werden. Die Rede ist dabei gar nicht mal zwingend von den Trading Card Games à la Magic, die euch mit ständig neuen Boosterpaketen das Geld aus der Tasche ziehen. Als günstige Alternative hat sich das Kartenspiel Hero Realms einen ausgezeichneten Ruf gesichert. Bereits im April hatten wir Hero Realms ausführlich vorgestellt. Passend zum Weihnachtsgeschäft stehen nun gleich mehrere Erweiterungen in Haus.

Das Basisspiel von Hero Realms trat eigentlich als klassisches Duell-Spiel an. Zwei mächtige Zauberer bekämpfen sich, indem sie sich ihre Kreaturen auf den Hals hetzen und sich Feuerbälle um die Ohren werfen. Das Besondere an Hero Realms war der wirklich sehr simple Spielablauf, der aber trotzdem eine hohe Spieltiefe verspricht. Das sind im Grund die Stärken, die Hearthstone damals so beliebt gemacht haben. Diesem Grundprinzip bleibt Hero Realms auch mit den Erweiterungen treu, hebt das Spiel dabei aber auf eine ganz andere Ebene.

Neue Spielmodi

Zum normalen Duell-Modus gesellt sich mit der Erweiterung „Der Untergang Thandars“ jetzt auch noch eine kooperative Spielvariante hinzu. Es wird noch besser, der Koop-Modus wurde eingebettet in eine fortlaufende Geschichte. Spielt ihr Hero Realms im Team, könnt ihr eine Kampagne in 16 Kapiteln erleben. Im Verlauf können die Helden mächtige Schätze erbeuten und sich in ihren Fähigkeiten und Talenten verbessern.

Um in die Welt von Hero Realms einzutauchen, benötigt ihr zunächst nur das Grundspiel. Mit knapp 20€ seid ihr dabei und könnt das Spiel im Duell-Modus kennenlernen. Für die Erweiterung „Der Untergang Thandars“ fallen weitere 20€ an. Leider ist es das noch nicht ganz gewesen. Für das Spielen der Kampagne benötigt ihr zwingend die Character-Boostersets. Mit diesen erhaltet ihr individuelle Startkarten für euer Deck, je nach gewähltem Charakter. Zur Verfügung stehen folgende Helden: Waldläufer, Kämpfer, Magier, Dieb und Kleriker. Jedes Boosterpaket kostet euch nochmal je 5€. Für das komplette Set müsst ihr dann also doch rund 60€ investieren. Dafür dürft ihr dann aber auch gleich mit bis zu vier Spielern in den Kampf ziehen.

Alle gegen den Meister

Die Grundregeln von Hero Realms haben sich nicht großartig verändert. Immer noch müsst ihr im laufenden Kampf euer Kartendeck stetig weiter ausbauen. Dazu kauft ihr in jeder Runde neue Karten vom Markt und fügt sie eurem Deck hinzu. Mit der Erweiterung kommt nochmals ein ganzer Stapel mit neuen Karten hinzu.

Bevor es in die Schlacht geht, verlest ihr zunächst die kleine Geschichte, die es für jedes Kapitel gibt. Der nachfolgende Spielaufbau ist schnell abgehandelt. Die Decks der Spieler bestehen im Wesentlichen aus den Karten des Character-Packs. Hinzu kommen noch etwaige erbeutete Schätze. Doch auch der Gegner verfügt über einen eigenen Kartenstapel. Gesteuert wird der Feind komplett durch die Mechanik des Spiels. Es muss also kein Spieler in die Rolle des Superschurken schlüpfen, sondern ihr dürft das Spiel vollkooperativ erleben.

Strategische Kämpfe

So laufen die Gefechte auch stets nach dem gleichen Schema ab. Zunächst attackiert der Meister den aktiven Spieler, der dann anschließend mit seinem Zug an der Reihe ist. Es folgt der zweite Spieler mit seinem Zug, indem nun ebenfalls zunächst der Meister seinen Angriff gegen ihn startet. Der Meister zieht dabei das ganze Repertoire hervor, das auch den Spielern zur Verfügung steht. In seinem Deck befinden sich mächtige Zauber, aber auch Kreaturen.

Neue Kreaturen werden immer in den persönlichen Bereich des aktiven Spielers ausgelegt. Feinde in diesem Bereich attackieren dann natürlich auch immer nur diesen Spieler. Ausliegende Feinde können jedoch auch von anderen Helden angegriffen werden, solange sie benachbart zu diesem Spieler sitzen. Die Sitzreihenfolge von euch spielt in der Hero-Realms-Kampagne eine Rolle.

Diese lässt sich natürlich auch strategisch nutzen. Der starke Kämpfer kann mit seinen durchschlagskräftigen Hieben so möglicherweise für etwas Entlastung beim Zauberer sorgen. Dem Kleriker ist es auch erlaubt, seine Heilzauber auf benachbarte Charaktere zu richten. Wenn ihr euch gut absprecht, habt ihr in der Kampagne deutlich bessere Chancen zu überleben. Dennoch müsst ihr zunächst immer die Gegner in der eigenen Zone ausschalten. Sie ziehen die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Erst wenn ihr eure Zone von Feinden gesäubert habt, dürft ihr auch in anderen Bereichen aushelfen.

Anpassbare Schwierigkeit

Je mehr Abenteuer ihr besteht, desto mächtiger werden auch eure Helden. Manchmal gibt es als Belohnung eine neue Schatzkarte für das Startdeck, manchmal springen auch Charakterpunkte heraus. Diese lassen sich zur individuellen Entwicklung des Charakters einsetzen. Sicherlich hilfreich sind zum Beispiel weitere Lebenspunkte. Aber auch neue Fähigkeiten und Talente erweitern eure Möglichkeiten im Spiel. Dazu steht euch sogar ein kleiner Fähigkeitenbaum zur Verfügung. Der Baum erreicht zwar nicht gerade diablo’sche Ausmaße, bietet aber immer ein paar Möglichkeiten der Individualisierung. Es macht viel Freude zu sehen, wie die eigene Spielfigur stückweise immer stärker wird.

Das Aufleveln ist aber auch dringend nötig, denn die Herausforderungen werden nicht kleiner. Habt ihr dennoch das Gefühl, ihr kommt viel zu leicht durch die Abenteuer, lässt sich der Schwierigkeitsgrad in vier Stufen einstellen. Möchtet ihr Hero Realms wirklich meistern, findet ihr im Experten-Modus die wahre Herausforderung.

Noch mehr Erweiterungen

Zeitgleich mit „Der Untergang Thandars“ sind noch zwei weitere Mini-Erweiterungen erschienen. Mit den Boss Decks kommt nochmal eine ganz andere Variante hinzu. Ein Spieler kann die Rolle des Boss-Monsters übernehmen und gegen die Heldengruppe antreten. Erhältlich sind bislang die beiden Bosse Lich und Drache. Beide Bosse haben es in sich und sind für die Helden nur schwer zu überwinden. Am Spielablauf ändert sich mit den Bossen nicht viel. Es kann aber sehr reizvoll sein, mal die Funktion des mächtigen Oberschurken zu übernehmen. Mit 5-6€ fällt der Preis für ein Boss Deck auch noch recht moderat aus.

Mit derÜbersetzung von „Der Untergang Thandars“ sowie den beiden Boss-Paketen hat die deutsche Ausgabe nun endlich zum englischsprachigen Original aufgeschlossen. Die nächsten Erweiterungen sollten aber nicht mehr lange auf sich warten lassen. Auf Kickstarter wurde die Journeys-Erweiterung schon erfolgreich finanziert. Um das Finanzierungsziel zu erreichen, brauchte es nur eine Stunde. Am Ende der Kampagne wurde dieses Ziel um mehr als 1000% übertroffen. Diese Zahlen belegen eindrucksvoll, wie gut Hero Realms in Spielerkreisen eingeschlagen hat.

vollkooperativ oder semikooperativ spielbar
levelbare Charaktere
immer noch sehr zugänglich
skalierbarer Schwierigkeitsgrad
teure Character-Packs zum Spielen nötig

Sebastian Hames

Die Realms-Reihe begleitet mich nun schon eine lange Zeit. Angefangen mit der SciFi-Variante Star Realms, über den Ableger Cthulhu Realms bis hin zu meinem aktuellen Favoriten Hero Realms. Als Duell-Spiel ist die Fantasy-Version des Deckbuilders für mich schon lange an den digitalen Konkurrenten wie Hearthstone vorbeigezogen. Trotz des schlanken Regelwerks erfordert das Spiel ein taktisches Händchen von den Spielern. Diese Mischung wurde bei den Erweiterungen zum Glück beibehalten. Ein aufgeblähtes Regelheft müsst ihr nicht befürchten. Dieses Phänomen tritt häufig bei vollkooperativen Spielen auf, Hero Realms hat diese Klippe aber elegant umschifft. „Der Untergang Thandars“ bietet viele Spielstunden Spaß im kooperativen Modus und ist daher auch mein Highlight unter den aktuellen Erweiterungen. Die beiden Boss-Pakete nehme ich trotzdem gerne mit. Sie erweitern die Möglichkeiten des Spiels wieder ein Stück weit. Ich blicke bereits heute mit viel Vorfreude auf die Journeys-Erweiterung und hoffe stark, dass sie dann auch in deutscher Sprache verfügbar sein wird.
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