Test: Hitman 2

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Hitman 2 im Test: Agent 47 ist wieder auf Mördertour – Bildquelle: Warner Bros. Games

Alles ist eine Waffe: So wurde die Marke Hitman beim Relaunch der Serie vor zwei Jahren beworben. Mit der nun veröffentlichten Fortsetzung Hitman 2 trifft dies mehr zu denn je. Wieder dürfen wir in die Rolle des Assassinen Agent 47 schlüpfen und auf professionelle Art und Weise Auftragsziele ausschalten. Das hat schon vor 18 Jahren viel Spaß gemacht, als das Franchise seine Geburt erlebt hat, und daran hat sich bis heute nicht viel verändert. Dies ist aber nicht nur dem Spielprinzip, sondern vor allem der großartigen Arbeit seitens IO Interactive zu verdanken, die Hitman 2 mit zahllosen intelligenten Möglichkeiten befüllt haben, damit wir unseren Job durchführen können – und das auf möglichst abwechslungsreiche Art und Weise. Trotz einiger Makel, können wir  hier bereits verkünden, dass Hitman 2 zu einem der besten Ableger der Serie zählt, und zugleich auch bei Einsteigern für beste Unterhaltung und große Frustmomente sorgt.

Geduld ist Trumpf

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100 Wege, ins Gras zu beißen – Bildquelle: Warner Bros. Games

Hitman 2 kommt, im Gegensatz zum Vorgänger, nicht mehr in der zuletzt neu eingeführten Episoden-Manier daher. Statt sich nun Monate zu gedulden, bis die nächsten Aufträge verfügbar sind, erhalten wir direkt zum Launch alle sechs Missionen abgeliefert. Diese sind auch relativ schnell durchgespielt, sodass die Story in kurzer Zeit genossen werden kann. Wer allerdings mehr als sechs Stunden Spielspaß für einen Vollpreistitel haben möchte, den können wir beruhigen. Obwohl ihr so schnell mit der Story durch seid, steht noch Arbeit für Dutzende weiterer Stunden im Raum – und das ganz ohne repetitiv zu werden.

Wie beim Hitman Franchise üblich, liegt es ganz allein an euch, wie ihr euren Auftrag abschließen möchtet. Ihr könnt bei Bedarf einfach eurem Ziel auflauern, die Waffe zücken und ihm eine Kugel in den Kopf jagen, oder aber ihr geht gewitzter vor. Variante zwei macht dabei den großen Reiz des Spiels aus, denn in den riesigen und komplex-verschachtelten Leveln stehen euch zum Abschluss viele Gelegenheiten, Werkzeuge und Situationen zur Verfügung. Idealerweise solltet ihr es schaffen, eurer Ziel so zu eliminieren, dass es wie ein Unfall aussieht. Eine lockere Aufhängung und schon übernimmt die Schwerkraft unsere Arbeit für uns. Ein technischer Defekt und schon verabschiedet sich ein Rennwagen gegen eine Wand und die Insassin ist Mus. Möglichkeiten gibt es viele.

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Wer ist das nächste Opfer? – Bildquelle: Warner Brox. Games

Gerade diese Vielzahl von Gelegenheiten bereitet Hitman 2 auch seinen großen Wiederspielwert – man möchte einfach all die humoristischen und skurrilen Tode miterleben, den eure Zielperson erleiden kann. Verstärkt wird dieser noch durch gigantische Levelgebiete. Die fallen so riesig und komplex aus, dass es schwer fällt, hier die Orientierung zu behalten. Obendrein gilt es stets die verschiedenen Typen von NPCs im Auge zu behalten, um euch unentdeckt durch die Level zu schleichen. Ihr könnt natürlich auch Gegner betäuben und deren Kleidung nutzen, doch auch dies ist kein Garant für einen freien Weg. Denn natürlich können euch „Arbeitskollegen“ enttarnen, die euch misstrauisch beäugen und feststellen, dass ihr gar kein Mitarbeiter seid. Entsprechend ist hier viel Geduld angesagt, sofern ihr perfekt vorgehen möchtet.

Staffel 2: Es geht weiter

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Standbilder statt Zwischensequenzen – Bildquelle: Warner Bros. Games

Während wir uns mit Hitman 2 nicht mehr auf die Veröffentlichung neuer Episoden gefasst machen müssen, so stellen die unterschiedlichen Missionen steng genommen doch noch immer einzelne Episoden dar. Besitzt ihr den Vorgänger, so bekommt ihr beide Spiele im selben Hauptmenü angezeigt und könnt bequem auch die damaligen Missionen auswählen und spielen. Und auch an die Story des Spiels aus 2016 setzt IO Interactive hier bravurös an. Dabei wird eine relativ spannende Geschichte erzählt, was insofern positiv ist, da die Story bei der Marke nie sonderlich im Rampenlicht stand.

Allerdings kommt die technische Seite auch als zweischneidiges Schwert daher. Dies beginnt beim Storytelling, welches in Form von animierten Standbildern daherkommt. Hier hat man sich gegen hochkarätig animierte cinematische Zwischensequenzen entschieden, was vielleicht auf das eigentliche Budget des Titels zurückzuführen ist. Hitman 2 gehört nicht unbedingt zu den Mainstream-Games auf dem Markt, sodass die Absatzzahlen hier auch eher überschaubar bleiben. Dass man zudem zum Weihnachtsgeschäft veröffentlicht, und das trotz großer Konkurrenz wie Red Dead Redemption 2 und Call of Duty, könnte mit einkalkuliert oder zumindest mutig sein.

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Vom Dschungel in die Großstadt: Attentäter braucht es überall – Bildquelle: Warner Bros. Games

Die Präsentation des Spiels bleibt hingegen gestochen scharf und wunderschön. Die Levelgebiete wirken atemberaubend, abwechslungsreich, detailliert und die tollen Lichteffekte unterstreichen das Ambiente zusätzlich. Allerdings ist auch zu merken, dass die Glacier Engine des Entwicklers in gewissen Bereichen an ihre Grenzen stößt. Dies gilt bspw. gerade im Bereich der Gesichtsanimationen. Diese sind steif und ausdruckslos – allerdings fällt dies selten auf, da wir meist das Ganze Bild im Blick haben und selten die Zeit für Nahaufnahmen von Gesichtern finden.

Der Weg ist das Ziel

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Meucheln: Jetzt auch gegen die Konkurrenz – Bildquelle: Warner Bros. Games

Wenn IO Interactive eines vorzuhalten ist, dann dass Hitman 2 eine Mission weniger groß ist als noch im Vorgänger. Allerdings ist dies nur ein kleiner Makel, denn die verschiedenen Level sind dieses Mal alle herausragend gut. Sei es in einem kolumbianischen Fischerdorf, im Großstadt-Flair Mumbais, in einem kleinen verschlafenen US-Vorstadt-Nest oder abseits der Rennstrecke in Miami: Jede Mission ist gigantisch, wunderschön und einzigartig designt.

Sich einfach in eine Mission reinzustürzen ist aber selten die beste Idee. Zu viele Möglichkeiten gibt es, das Ziel auszuschalten, wozu auch vorgefertigte Storyfetzen zählen. In diesen könnt ihr mehr zu euren Auftrag und dessen Drumherum lernen, was zusätzliche Tiefe im Bereich Story verleiht. Habt ihr das Ziel schlussendlich erreicht und die Mission abgeschlossen, winken zudem massig Punkte. Darüber hinaus nehmen euch die kleinen Geschichten deutlich mehr an die Hand als es in den Vorgängern der Fall war und machen Hitman 2 zum wohl einsteigerfreundlichsten Ableger der Reihe.

Wer den Highscore will, schlägt leise zu – Bildquelle: Warner Bros. Games

Die Punktewertung zieht unterschiedlichste Faktoren mit ein. Wurdet ihr entdeckt? Wurde Alarm geschlagen? Habt ihr Informationen sammeln oder Security-Daten vernichten können? Besonders viele Punkte bekommt ihr, wenn ihr komplett unentdeckt bleibt und die Mission abschließt, ohne eure Kleidung zu wechseln. Die Punkte stellen dabei mehr als nur einen Highscore dar. Diese schalten zusätzliche Mittel und Optionen frei. Startet ihr die Mission erneut, könnt ihr so Ausrüstung in der Welt versteckt platziert auffinden, oder an unterschiedlichen Startpunkten euren Auftrag beginnen.

Eine spannende Ergänzung stellt zudem ein neuer Modus in Hitman 2 dar: Der Ghost Mode. Hier tretet ihr live gegen einen anderen Spieler an, wenn auch indirekt. Ihr müsst getrennt voneinander und jeder für sich dieselbe Mission spielen. Dabei gilt es verschiedene Feinde ausschalten und das schneller und besser als euer Gegenspieler. Eine gut umgesetzte Neuerung, die ebenso positiv wie der Sniper-Modus ausfällt. Bei Letzterem müsst ihr aus der Ferne eine Hochzeit sprengen, bzw. drei Ziele und deren Wachen auf dieser ausschalten. Diese Mission ist sogar im Koop spielbar. Allerdings ist es schade, dass dies aktuell die einzige Sniper-Mission darstellt, denn sie macht unfassbar viel Spaß!

Zahllose Möglichkeiten des Abschlusses
Tolle Grafik...
Bombastisches Leveldesign
Die Soundarbeiten sind subtil, aber großartig
Neue Modi (Ghost und Sniper)
Viele Freiheiten
Originelle Kills
Solide Storyinzenierung
Mangelhafte KI
...abgesehen von Gesichtsanimationen
Zwischensequenzen nur in Form animierter Standbilder

Daniel Meyer

Hitman 2 ist ohne Frage einer der besten und schönsten Ableger der Serie. Dabei können insbesondere das großartige Leveldesign sowie die zahllosen Möglichkeiten, eure Missionsziele zu eliminieren, überzeugen. Aber auch abseits der hochkarätigen Storymissionen sind wieder viele Extras mit dabei, wie der Ghost- und der Sniper-Mode. Doch das Herz des Spiels liegt ohne Frage in den Standard-Missionen, sowie dem großartigen Gefühl, wenn man eine solche perfekt abgeschlossen hat. Und da wir schier endlos viele Möglichkeiten haben, die Missionen zu beenden, möchte man auch gerne alles herausfinden, alles freischalten und alle möglichen Wege bestreiten.
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