Test: Holmes

Das ewige Duell Sherlock Holmes gegen Professor James Moriarty geht in eine neue Runde. Nach etlichen Film- und Videospielbegegnungen kommt es diesmal zu einem Aufeinandertreffen auf dem Brett. Das neue Zwei-Personen-Brettspiel aus dem Hause Kosmos hört schlicht auf den Namen Holmes und steht ab sofort im Handel.

In London plant Moriarty wieder mal ein krummes Ding. Diesmal geht es um einen Anschlag auf das britische Parlament. Da Scotland Yard wieder einmal im Dunklen tappt, ist die Hilfe von Sherlock Holmes gefragt. Der Detektiv ermittelt auf eigene Faust, befragt bekannte Personen aus dem Holmes-Universum und versucht genügend Hinweise zu sammeln, bevor sein Gegenspieler seinen Plan in die Tat umsetzen kann. Moriarty bleibt in der Zwischenzeit allerdings nicht untätig. Mit allen Mitteln versucht er seine eigenen Spuren zu verwischen und die Aufklärung des Falls somit zu vereiteln.

Holmes vs. Moriarty

Bei Holmes handelt es sich um ein Spiel für genau zwei Personen. Ihr übernehmt dabei entweder die Rolle von Sherlock Holmes oder von James Moriarty. Im Spiel trefft ihr dabei auch auf viele andere bekannte Figuren wie Dr. Watson, Irene Adler oder Inspektor Lestrade. Überhaupt wurde die ganze Welt von Sherlock Holmes sehr schön ins Spiel eingebunden. Das fängt schon beim eher kleinen Spielbrett an. Zusammengeklappt ist es das Tagebuch von Dr. Watson. Klappt ihr es auf, baut sich vor euch das Spielfeld auf, das aber gerade mal aus zwölf Feldern besteht.

Auf jedes dieser Felder kommt im Verlauf des Spiels eine Charakterkarte. Ein Feld ist für den Personenstapel reserviert. Von dort zieht ihr die Charakterkarten nach, die zu einem späteren Zeitpunkt ins Spiel kommen. Weitere drei Felder sind bereits bedruckt und mit vorgegebenen Personen belegt. Dabei handelt es sich um Dr. Watson, Mrs. Hudson und Inspektor Lestrade.

Die anderen acht Kartenplätze bleiben zunächst leer. Ihr findet darauf den Verlauf einer Woche, von Tag 1 bis Tag 7. Das Spiel wird entsprechend über sieben Runden gespielt. An jedem Tag wird ein neuer Charakter aufgedeckt. Lediglich am ersten Tag legt ihr gleich zwei Charakterkarten aus. Mit den drei vorgedruckten Charakteren liegen am ersten Tag also schon insgesamt fünf Personen aus.

Hinweise suchen

Jeder bekommt vor Beginn des Spiels noch seine drei Aktionsfiguren sowie sechs Einflussmarker. An jedem Tag könnt ihr drei Aktionen durchführen, indem ihr die ausliegenden Charaktere nach Hinweisen befragt. Dazu zieht ihr eine der eigenen Aktionsfiguren auf die gewünschte Karte und legt sie hin. Durch das Legen wird angezeigt, dass diese Figur in der laufenden Runde schon verwendet wurde. Am Rundenende werden alle Aktionsfiguren wieder aufgestellt und ihr könnt sie erneut einsetzen.

Beim Bewegen der Figuren habt ihr weitgehend freie Hand. Ihr dürft eine Figur lediglich nicht auf eine Karte platzieren, auf der sich schon eine andere Figur eurer Farbe befindet, egal ob stehend oder liegend. Ansonsten habt ihr die freie Wahl. Ihr könnt mit einer Aktion sogar den gleichen Charakter befragen wie euer Gegenspieler. In diesem Fall taucht diese Person in der nächsten Runde allerdings ab und kann dann nicht befragt werden. Erst in der übernächsten Runde steht sie euch wieder zur Verfügung.

Jede Charakterkarte, die ihr mit einer Figur ansteuert, löst einen individuellen Effekt aus. Dabei dreht sich alles um die Beschaffung von Hinweisen, die ebenfalls durch Karten dargestellt werden. Im Spiel findet ihr sieben unterschiedliche Hinweise wieder. Dabei hat jeder Hinweis einen unterschiedlichen Wert. Die Bandbreite geht hier von 3-9 Punkten. Sowohl Holmes als auch Moriarty versuchen nun die meisten und wertvollsten Hinweise zu sammeln.

Gezielte Personenbefragung

Um an die Hinweise zu kommen, klappert ihr jetzt abwechselnd die Kontakte in London ab. Stattet ihr dem treuen Watson etwa einen Besuch ab, so bekommt ihr eine Hinweiskarte aus der offenen Auslage, müsst aber einen eurer Einflussmarker dafür opfern. Diese erhaltet ihr wiederum bei Mrs. Hudson, wenn sie euch zum 5-Uhr-Tee einlädt. In Holmes gibt es zehn unterschiedliche Charaktere, von denen im Spiel aber nur acht zum Einsatz kommen. Hinzu kommen noch die drei vorgedruckten Personen auf dem Spielbrett. Durch sie interagiert ihr mit allen verfügbaren Instanzen. Ihr erhaltet Hinweise aus der Auslage, vom Nachzieh- oder Ablagestapel oder auch vom Gegner selbst. Recht häufig werden auch Einflussmarker benötigt, um eine Aktion überhaupt erst auslösen zu können. Hin und wieder kommt auch ein Überraschungseffekt ins Spiel. Dies passiert dann, wenn ihr einzelne Karten verdeckt zu eurer Sammlung legen könnt. Dann kann der Gegner kaum noch abschätzen, in welcher Hinweis-Kategorie ihr gut aufgestellt seid.

Nach sieben Tagen geht die Jagd nach Hinweisen zu Ende. Zuvor werdet ihr zahlreiche Hinweise ergattert haben, die ihr offen nach Art des Hinweises vor euch sortiert. Darunter werden sich möglicherweise auch diverse Joker befinden, die sich für Hinweise jeden Typs einsetzen lassen. Jetzt kommt es zur Endabrechnung.

Auswertung am Spielende

Prinzipiell bekommt ihr nur Punkte für eine Hinweiskategorie, wenn ihr über eine Mehrheit verfügt. Habt ihr beispielsweise mehr 9er-Hinweise als der Gegenspieler gesammelt, bekommt ihr dafür 9 Punkte zugesprochen. Für jede 9er-Karte des Gegners müsst ihr jedoch wieder einen Punkt davon abziehen. Folgerichtig ist die Mehrheit bei den 5er-Hinweisen dann auch fünf Punkte wert, bei denen es aber auch wieder nach dem gleichen Vorbild Abzüge geben kann.

Eine Sonderrolle spielt die Karte des Parlaments, die in fünf Teile zerlegt wurde. Diese fünf Karten haben sich ebenfalls unter die Hinweiskarten gemischt und können ebenso gesammelt werden. Je mehr Kartenfragmente ihr bei Spielende besitzt, desto mehr Bonuspunkte bekommt ihr auch.

Damit wäre der Spielablauf auch schon erläutert. Das Regelheft bietet allerdings noch ein paar Zusatzvarianten an, die ihr ganz nach Belieben einbauen könnt. Es besteht etwa die Möglichkeit, sich vorab bestimmte Karten aus der offenen Auslage zu reservieren. Diese Karte kann dann nicht vom Gegner ins Visier genommen werden. Sobald ihr auf einem Weg Zugriff auf die offene Auslage erhaltet, könnt ihr euch stattdessen die reservierte Karte nehmen und in eure Sammlung einreihen. Habt ihr die Reservierungsfunktion aber einmal eingesetzt, geht dieses Recht an den Gegner über. So kann das Reservierungsrecht im Spiel mehrfach hin und her wechseln.

Etwas schwerer wird es mit den beiden Mycroft-Karten, die ihr unter die Hinweise mischt. Kommt die Razzia-Karte zum Vorschein, müssen sowohl Holmes als auch Moriarty zwei Hinweise wieder abgeben. Die Gala-Dinner hingegen entschleunigt das Spiel ein wenig. Statt eine Befragung durchzuführen, müsst ihr die Zeit auf dem Galaabend absitzen. Eine Aktionsfigur könnt ihr in dieser Runde dann nicht einsetzen. Eine Partie Holmes dauert rund eine halbe Stunde. Das Spiel steht ab sofort im Handel und kostet etwa 15-17€.

kompaktes Design
starkes Thema
taktisch fordernd
Deduktion nicht gefragt

Sebastian Hamers

Die Zwei-Spieler-Reihe von Kosmos besitzt bereits einige wirklich lohnenswerte Titel. In die Kategorie „lohnenswert“ fällt auch Holmes. Positiv fällt die gute Einbindung des Themas auf. Solltet ihr euch ein wenig mit den Geschichten des britischen Detektivs befasst haben, werdet ihr auf viele bekannte Gesichter treffen. Wenn ihr euch angesichts des Themas aber ein Deduktionsspiel erhofft habt, werdet ihr enttäuscht. Geknobelt und gerätselt wird im Spiel eher nicht. Dafür kommt das taktische Element nicht zu kurz sowie die Interaktion mit dem Gegner. Ihr müsst schon genau im Auge behalten, was der Rivale denn so treibt und ihm falls nötig auch mal kräftig in die Suppe spucken. Holmes ist ein schönes Zwei-Personen-Spiel mit starkem Thema zu einem günstigen Preis. Solltet ihr also noch auf der Suche nach einem Titel dieser Art sein, dann ist Holmes ein guter Griff.
Test: Intervention - Griff nach den Sternen Test: Portal - Das Brettspiel
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