Test: Homefront: The Revolution

Test: Homefront: The Revolution

Nach dem ein oder anderen Wechsel des Entwicklerstudios ist es nun endlich da: Das neue Homefront.

Da fällt einmal weltweit der Strom aus und schon marschieren die Koreaner in die USA ein und das Land der Freiheit wird zur Kriegsfront. Dies war die Prämisse des 2011 erschienenen Homefront. Nach den überwiegend negativen Kritiken zu dem Titel wurde mit Homefront: The Revolution ein neuer Teil ins Rennen geschickt, der nach öfteren Wechseln des Entwicklerstudios endlich am 20. Mai 2016 in den Läden erschien. Ob der Titel eine ernsthafte Konkurrenz für die aktuellen Open-World-Shooter ist, erfahrt ihr jetzt.

Immer diese Koreaner

Das dubiose Szenario aus dem Vorgänger wurde auch bei Homefront: The Revolution als Grundlage für die Story benutzt. Die Rede ist selbstverständlich von der Besetzung Amerikas durch die Koreaner. Doch wie ist es überhaupt zu dieser Situation gekommen?

Der Ausgangspunkt ist diesmal die negative Handelsbilanz der USA. Diese haben in jüngster Vergangenheit gekauft und gekauft und zwar von Korea. Und als hätte man es gewusst, haben die Nordkoreaner all ihre verkauften Elektronik- und Kriegsgeräte mit einer Art Trojaner versehen. So mussten die „Norks“ nichts weiter tun als einmal aufs Knöpfchen zu drücken und ehe man sich versah waren die Vereinigten Statten von den Kommunisten besetzt.

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Nicht lange und die Koreaner haben den Amerikanern ihre Kultur aufgezwungen.

Im Jahre 2029 – vier Jahre nach dem Einmarsch – schlüpfen wir in die Rolle von Brady – ein Mitglied des Widerstands in Philadelphia – und dürfen mitansehen, wie der Revolutionsanführer Walker in feindliche Gefangenschaft gerät. Nun gilt es diesen zu befreien, die bestehende Rebellion ordentlich anzukurbeln und der Besatzungsmacht kräftig in den Hintern zu treten. Dabei ist die Story an sich ganz gediegen – wenn man mal von dem Hang zum Überdramatisieren absieht. Doch sind es die Charaktere die aufgrund fehlender Charaktertiefe ziemlich oberflächlich gezeichnet sind und somit kaum zum mitfiebern anregen.

Die roten Zonen

Nach einer raschen Einführung bei der ihr mit den grundlegenden Elementen und Mechaniken des Spiels vertraut gemacht werdet, kommt ihr auch schon direkt in die erste rote Zone. Bei diesen Zonen handelt es sich um die zerbombten Bereiche der Stadt, in denen Zivilisten der Zutritt strikt untersagt ist. Werdet ihr als von einer der zahlreichen Patrouillen entdeckt heißt es Feuer frei.

Da die roten Zonen deutlich größer sind als die gelben, befinden sich überall Container des Widerstands, in denen ihr nicht nur eure Ausrüstung auffüllen könnt, sondern euch auch auf ein Motorrad schwingen könnt um die langen Distanzen schneller zu überbrücken.

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Mit dem Motorrad seid ihr meist schneller am Ziel – sofern ihr mit der Steuerung klarkommt.

Allerdings gibt es hier das erste große Manko, denn das Gefährt steuert sich nicht nur grässlich, was durch die scheinbar grenzenlose Physik des Spiels besonders in rasanten Passagen verschlimmert wird. So könnt ihr mit Höchstgeschwindigkeit frontal auf eine Mauer zurasen und nichts passiert. Ebenso könnt ihr Feinde überfahren, die dann entweder plump zur Seite geschoben werden oder sich schlicht und einfach in Luft auflösen. Nebenbei habt ihr zudem nicht nur mit den Feinden zu kämpfen, sondern mit der furchtbaren Kamera auf dem Bike, die mit einer absoluten Überempfindlichkeit unkontrollierbar scheint. Und wenn ihr mal sterben solltet und wieder beim letzten Container wiederbelebt werdet, guckt ihr oftmals in die Röhre, da beim Sterben euer fahrbarer Untersatz an eurem Todesort liegen bleibt und euch so nur der Fußbuß bleibt, was mehr als nervig ist und den Spielfluss und Spaß ordentlich trübt.

Wo Rot ist, ist auch Gelb

Wenn ihr eure Arbeit in der roten Zone verrichtet habt, die gelben Zonen. Hier versucht der Titel das Spielgefühl in eine andere Richtung zu lenken, da ihr hier mit eingesteckter Waffe inmitten der unterdrückten Bevölkerung inkognito unterwegs seid. Kommt es mal doch zum Konflikt, habt ihr die Wahl zwischen Kampf oder Flucht. Entscheidet ihr euch für letzteres, so müsst ihr einfach nur aus dem Sichtfeld der Wachen verschwinden und schon lehrt sich der Alarmbalken.

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Befreit hilflose Bürger aus den Fesseln der KVA, um die Rebellion voranzutreiben.

In den gelben Zonen von Philly liegt der Fokus vor allem auf dem Ausbau der Rebellion. Damit der Widerstand wächst stehen euch mehrere Nebenaufgaben zur Verfügung. Ihr könnt Gefangene aus den Händen der Besatzungsmacht befreien, Radiosender aktivieren, die die Bevölkerung zum Aufstand anstiften oder feindliche Überwachungstechnik sabotieren. Nebenbei gibt es in jedem Viertel einen Stützpunkt, der nur danach ruft von euch eingenommen zu werden. Ist dieser unter eurer Kontrolle, habt ihr einen weiteren Rückzugspunkt gewonnen. Allerdings gleichen sich diese Aufgaben meist  immer wieder wodurch schnell Eintönigkeit aufkommt.

Die Rache des kleinen Mannes

Wächst der Widerstand macht sich das deutlich bemerkbar. Die Straßen die zuvor von der KVA kontrolliert wurden, werden nun von der rebellierenden Bevölkerung überrannt und alle Feinde dem Erdboden gleichgemacht. Ein wahres revolutionäres Gefühl kommt also auf und das fühlt sich gut an!

Schade nur das die Spielwelt allerdings nicht allzu interessant ist, da vor allem in den roten Zonen eine zerfallene Betonbaute aussieht wie die andere. Auch an Interaktionsmöglichkeiten mangelt es hier sichtlich. Da sind die gelben Zonen deutlich spannender und auch abwechslungsreicher. Die offene Spielwelt ist allerdings nicht so offen, wie es im Vorfeld versprochen wurde. Die einzelnen Zonen werden nämlich durch U-Bahn-Tunnel bzw. lange Ladezeiten voneinander getrennt.

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Schafft ihr es neue Widerstandskämpfer zu rekrutieren, so macht sich dies sofort bemerkbar.

Transformierende Schießeisen

Gameplaytechnisch fühlt sich Homefront: The Revolution an wie die meisten Shooter, jedoch mit ein paar merklichen Abstrichen. Die Waffen fühlen sich vom Schießgefühl alle gleich an, das Trefferfeedback ist bis auf einen Hitmarker quasi gar nicht vorhanden und die Hitboxen der Gegner sind so gesetzt, dass ihr sie in der Deckung überhaupt nicht treffen könnt – selbst dann nicht, wenn ihr ganzer Kopf über die Deckung schaut. Das wirkt sich auf das sonst so solide Spielgefühl ziemlich destruktiv aus.

Lobenswert ist hingegen, das Waffenarsenal, oder besser gesagt die mobile Waffenwerkstatt. Sobald ihr euch eine Waffe gekauft habt, könnt ihr diese immer und überall modifizieren und damit ist nicht nur das An- und Abschrauben von Aufsätzen gemeint, sondern ihr könnt sogar die Waffenart schnurstracks umwandeln. Habt ihr beispielsweise eine Pistole, so könnt ihr den Lauf wechseln, ein größeres Magazin reinstecken und hier und da ein weitere kleine Änderungen vornehmen und schwups haltet plötzlich eine MP in der Hand. Ein cooles Feature, das perfekt in das Setting passt.

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Was wäre ein Aufstand ohne ein paar teuflische Molotowcocktails?

Durch den zahlreichen Krimskrams den ihr in der Spielwelt finden und looten könnt, bastelt ihr Ausrüstungsgegenstände wie etwa Ablenkungsmaßnahmen, Gerätschaften zum hacken feindlicher Elektronik oder den klassischen Molotowcocktail, der bei einer Auflehnung gegen eine unterdrückende Macht natürlich nicht fehlen darf. Die Idee des improvisierten Bastelns verleiht dem Ganzen dann den so nötigen frischen Wind.

Sieh zu und lerne… oder auch nicht

Anscheinend hat Brady bei seiner Ausbildung zum Widerstandskämpfer das Klettertraining versäumt, denn dieses Spielelement stellt ein großes Problem dar. Die Mechanik wirkt völlig unausgereift und die Steuerung zusätzlich staksig. Vor allem wenn ihr einen Wachposten einnehmt müsst ihr einige Kletterpassagen überwinden und wenn ihr dann auch noch eine Truppe feindlicher Soldaten im Nacken sitzen habt, ärgert ihr euch umso mehr, wenn ihr an einer Kante nicht hochkommt und dadurch ins Gras beißt.

Damit wären dann auh schon bei der technischen Seite angelangt welche mit großen Problem zu kämpfen hat und zwar leider auf allen Plattformen. Das hat zur Folge, das Ruckler und Framerateeinsürze an der Tagesordnung sind und den Spielfluß merklich stören. Weiter treiben euch dann die NPCs treiben mit ihren Fehlfunktion oder als menschliche Türsperre in den Wahnsinn. Hinzu kommen weitere Performance-Probleme wie ein kurzes Standbild während jedem automatischen Speicherpunkts oder skurrile Grafikbugs, die einen jedes Mal aus dem Spiel reißen. Man merkt deutlich, dass hier der letzte und notwendige Feinschliff fehlt.

Test: Homefront: The Revolution

Während die gelben Zonen noch halbwegs interessant sind, findet ihr in den roten nicht außer Schutt und Asche.

Auch die eigentliche Grafik kann hier trotz Crytek Engine bedauernswerterweise auch nichts mehr rausreißen. Der Großteil des Spiels sieht mit seinem etwas staubigen Look zwar fast zeitgemäß aus, doch an vielen Stellen werden einem matschige Texturen vor die Augen geknallt, bei denen man sich fragt auf welcher Konsolengeneration man eigentlich spielt.

Zusammen rebellieren

Neben der Story könnt ihr euch mit drei eurer Freunde in den Koop-Modus stürzen. Hier wählt ihr zunächst einen Charakter aus und je nachdem welchen Job dieser hat, bekommt ihr ein anderes Talent. So kann der Tankstellenwärter mit seiner Erfahrung im Umgang mit Brandstoffen bessere Brandbomben bauen. Habt ihr euer Team zusammen startet  ihr die insgesamt 6 Koop-Missionen und sammelt fleißig Geld und Erfahrungspunkte. Mit dem Geld kauft ihr euch neue Ausrüstung und die Erfahrung investiert ihr in weitere Talente. Wie auch in der Einzelspielerkampagne kommt aber auch hier schnell ein sich wiederholendes Gefühl auf. Trotzdem bleibt der Koop-Modus auf jeden Falle eine spannende Alternative da hier durch den sozialen Aspekt Spielspaß aufkommt.

Innovatives Waffensystem
Vernünftiges Loot-System
Netter Koop-Modus
Langweilige Charaktere
Kitschige Überdramatisierung
Grausige Motorradeinlagen
Matschige Texturen
Fürchterliche Klettermechanik
Shooter-Gameplay nicht ausgereift
Nervige Ruckler und Bugs

Oliver K.

Homefront: The Revolution ist ein Spiel mit viel Potential, doch leider ist eben dieses bei der Entwicklung auf der Strecke geblieben. Insgesamt macht der Titel nicht viel neu, doch wenn man gerade nicht den zigsten Außenposten befreit oder mit dem Motorrad durch das triste Philadelphia heizt, gibt es hier und da auch mal Ausschnitte, in denen für einen kurzen Moment ein Hauch von Spielspaß auflodert. Aufgrund der leider mangelhaften Performance auf allen Plattformen hält dieser aber nicht allzu lange an, wodurch sich das Spiel schnell abgenutzt anfühlt. Wir hätten uns hier einfach etwas mehr Liebe und Zeit in der Entwicklung gewünscht, mit der Hoffnung auf ein besseres Endprodukt.
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