Test: Hotline Miami 2 – Wrong Numbers

Test - Hotline Miami 2 Wrong NumbersLive. Die. Repeat. Schon im ersten Teil von Hotline Miami ist man buchstäblich tausend Tode gestorben. Doch während der erste Teil noch eine kleine Revolution in Sachen Präsentation und Storytelling war, fragen wir uns jetzt: Kann der zweite Teil da überhaupt noch mithalten? Unser Testbericht gibt euch die Antwort.

Ein ewiges hin und her…

Neben dem erbarmungslosen Gameplay und der Pixelgrafik haben die Entwickler von Hotline Miami auch bewiesen, dass sie ein Händchen für Storytelling haben. Alle, die den ersten Teil der Reihe gespielt haben, wissen, dass es nicht immer leicht war die einzelnen Puzzleteile der Story zusammenzusetzen. Wer jetzt denkt, dass der zweite Teil die Geschichte etwas geordneter aufbaut, den müssen wir leider enttäuschen.

Die Handlung von Hotline Miami 2: Wrong Numbers ist alles andere als übersichtlich. Der Hauptteil der Erzählung ist kurz nach den Erlebnissen aus dem ersten Teil angesiedelt. Gleichzeitig gibt es aber auch immer mal wieder Rückblenden, die man im ersten Moment absolut nicht einordnen kann und euch mit großen Fragezeichen über eurem Kopf zurücklassen.

Während wir im ersten Ableger der Reihe nur einen Charakter spielen durften, der je nach Maskenauswahl mit unterschiedlichen Fähigkeiten aufwarten konnte, schlüpfen wir dieses Mal in die Rollen vieler unterschiedlicher Persönlichkeiten, die alle unterschiedliche Ziele verfolgen und somit mal mehr, mal weniger miteinander zu tun haben.

Test - Hotline Miami 2 Wrong Numbers

Dieses Mal spielt man mehr als einen einzigen Charakter

Mal spielt man einen Autor, der gerade an der Stoffsammlung für sein nächstes Buch sitzt, im nächsten Abschnitt findet ihr euch als Soldat auf Kuba wieder und versucht die Lager eurer Feinde dem Erdboden gleichzumachen. Dabei findet ihr immer wieder Leute, die ihr vielleicht schon aus dem ersten Teil kennt und somit auch diese Geschichte weiter ausfüllen.

Mit Hotline Miami 2 – Wrong Numbers verhält es sich ähnlich, wie mit dem Film „Shutter Island“. Nachdem man sich den Film einmal angeguckt hat, sollte ihn man sich unbedingt noch einmal angucken – erst dann werden einem viele Dinge auffallen, die vorher verborgen blieben.

1000 Tode sterben…und zwar wörtlich genommen

Das Gameplay von Hotline Miami 2 – Wrong Numbers ist genauso erbarmungslos, wie das seines Vorgänger. Macht ihr auch nur einen Fehler, seid ihr tot und dürft den Abschnitt noch einmal wiederholen. Und so kämpft ihr euch Stück für Stück immer weiter durch die Level, die euch in der Top-Down Perspektive präsentiert werden. Das hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Zu den Vorteilen zählt ganz eindeutig, dass ihr euch einen ziemlich guten Überblick über das Level verschaffen könnt, noch bevor ihr überhaupt den ersten Schritt macht. Die Perspektive erlaubt es euch auch Räume zu erblicken, die ihr in der First- oder Third-Person Perspektive nicht sehen würdet. Somit habt ihr jederzeit einen fast kompletten Überblick über den Levelabschnitt.

Doch genau da liegt der Knackpunkt. Durch die Top-Down Sicht kann es sein, dass ihr bei langgezogenen Räumen auch mal nicht das Ende des Ganges erblicken könnt. Mit trügerischer Sicherheit bewegt ihr euch dann durch das Level und werdet plötzlich von einem Gegner überrascht, den ihr vorher nicht sehen konntet. Da die Reaktionszeit der KI wirklich nur wenige Millisekunden beträgt, schafft ihr es in dieser kurzen Zeit meist nicht zu reagieren und werdet zu einem kleinen Haufen Pixelblut zusammengeschossen.

Test - Hotline Miami 2 Wrong Numbers

Manchmal braucht man auch einfach pures Glück!

Außerdem passiert meist so viel gleichzeitig auf dem Bildschirm, dass es des Öfteren schwierig fällt normale Gegenstände von Gegnern zu unterscheiden. Ist das nur eine ziemlich große Lampe oder doch ein russischer Gangster? Mir ist es auf jeden Fall öfters passiert, dass ich in einen Raum gegangen bin von dem ich 100%ig sicher war, dass er „sauber“ ist und plötzlich doch noch von irgendeinem Typen über den Haufen geschossen wurde.

Der Schwierigkeitsgrad schwankt ab und an ziemlich stark. Manchmal habt ihr ein Level vor euch, dass ihr fast beim ersten Versuch erfolgreich abschließt, anschließend hängt ihr in der nächsten Mission mal 30 Minuten im ersten Levelabschnitt fest. Das kann auch schon mal recht frustrierend sein. Besonders dann, wenn ihr euch in eurer Wut dazu entschließt das Spiel über die gute alte Tastenkombination Alt+F4 zu beenden. Dann werden eure Checkpoints innerhalb des letzten Levels nämlich zurückgesetzt und ihr dürft wieder von vorne anfangen. Das kann einem die Lust aufs Spiel schon vor dem nächsten Spielstart schon einmal vermiesen.

Während ihr im ersten Teil noch eure Fähigkeiten anhand der unterschiedlichen Masken aussuchen konntet, werdet ihr bei Hotline Miami 2 – Wrong Numbers gezwungen euch dem Spielstil des Charakters anzupassen. Das klingt im ersten Moment vielleicht doof und gemein, aber es sorgt dafür, dass ihr eben nicht jedes Level auf die gleiche Art und Weise angehen könnt. Das kann zwar auch wieder dafür sorgen, dass euer Wut-O-Meter an die Decke steigt, verschafft euch dann aber nach dem erfolgreichen Abschluss eines Levels eine umso größere Genugtuung.

Für wahre Masochisten gibt es nach dem ersten Spieldurchlauf auch noch die Möglichkeit das Spiel noch einmal im Hardmode durchzuspielen. Zum Schutze meiner geistigen Unversehrtheit habe ich den jedoch ausgelassen.

Keine Grafik, sondern Style

An die Pixeloptik und die Top-Down Sicht des Shooters muss man sich erstmal gewöhnen – keine Frage. Besonders Grafikfetischisten könnte die Pixeloptik in den ersten paar Spielminuten sauer aufstoßen. Irgendwann begreift man aber, dass das Spiel nur so wirklich Spaß macht und auch Sinn ergibt. Durch die kleinen Klötzchen, die sich da auf dem Bildschirm bewegen, wirkt das ganze etwas abstrakt und das ist es schließlich auch. Hotline Miami 2 – Wrong Numbers will kein möglichst realitätsnahe Setting erschaffen, sondern einfach Hotline Miami sein. Und das kann es wirklich gut!

Test - Hotline Miami 2 Wrong Numbers

Selbst das Pause-Menü ist stilsicher ins Spiel integriert

Die Musik macht’s!

Ein wichtiger Bestandteil von Hotline Miami war der Soundtrack, der dafür gesorgt hat, dass das Adrenalin durch eure Adern schießt und euch zur Höchstform angetrieben hat. Auch dieses Mal haben die Jungs wieder fantastische Titel ausgegraben, die die Stimmung bei den Schießereien noch mehr zum Kochen bringt, während sie in den Zwischensequenzen wunderbar auf die einzelnen Situationen der Charaktere zugeschnitten ist.

Natürlich ist wieder viel elektronischer Sound dabei, aber auch ruhigere Tracks haben es dieses Mal ins Spiel geschafft. Etwas mehr als 3 Stunden unterschiedliche Songs werdet ihr im Verlauf des Spiels auf die Ohren bekommen und zu keinem Zeitpunkt fühlte sich eines der Lieder auch nur im Entferntesten deplatziert an. Also Headset auf, Lautstärke hochdrehen und auf in die Schlacht!

Hotline Miami 2 – Wrong Numbers ist seit dem 15. März 2015 für den PC, PlayStation 3, Xbox 360, PlayStation 4, Xbox One und die PS Vita als digitaler Download für knapp 15€ erhältlich.

gut inszenierte Geschichte...
klasse Soundtrack
stimmiger Grafikstil
forderndes Gameplay
...die etwas verworren erzählt wird
manchmal unfair und frustrierend

Robert K.

Hotline Miami 2 - Wrong Numbers ist genau das, was auch schon der Vorgänger war: Ein bockschwerer Top-Down Shooter. Noch gnadenloser als Dark Souls oder Bloodborne, dafür mit einer mindestens genauso verzwickten Story. Mit viel Neuem kann der Titel zwar nicht aufwarten, dass heißt aber nicht, dass ich das Spiel hinter seinem älteren Bruder verstecken muss. Die Idee mit den unterschiedlichen Perspektiven der einzelnen Charaktere und deren Fähigkeiten wirkt zwar am Anfang etwas suspekt, aber wenn man dem Spiel etwas Zeit gibt, wandelt sich der anfängliche Frust immer mehr in Spaß und Ehrgeiz um. Fans des Vorgängers können ohne Bedenken zugreifen, Leute mit einer relativ geringen Frustrationstoleranz hingegen sollten den Kauf vielleicht vorher noch einmal überdenken. Wer nach einem Spiel sucht, dass einen fordert und einen auch mal gnadenlos auf die Fresse fallen lässt, der wird hier fündig werden. Die 15€ könntet ihr definitiv schlechter anlegen.
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