Test: Imhotep – Das Duell

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Im Test: Imhotep- Das Duell

Zur Spiel-des-Jahres-Auszeichnung hat es für Imhotep im Jahr 2016 nicht ganz gereicht. Immerhin kam das Brettspiel des australischen Spieleerfinders Phil Walker-Harding auf die Auswahlliste mit insgesamt drei Nominierten. Dieser große Erfolg hat den Autoren nun wohl ermutigt, die Saga um den großen Baumeister des Alten Ägypten fortzusetzen. Vor wenigen Monaten veröffentlichte der Kosmos-Verlag das neue Spiel der Reihe. Statt dem Motto „höher, schneller, weiter“ zu folgen, hat sich Walker-Harding jedoch dazu entschieden, das neue Imhotep auf das Wesentliche zu reduzieren und bringt es mit kleiner Verpackung als Zwei-Personen-Spiel in den Handel.

Obwohl Imhotep: Das Duell in seinen Ausmaßen im Vergleich zum großen Bruder doch erheblich geschrumpft ist, bietet die Duell-Variante alle wesentlichen Funktionen, die schon der Spiel-des-Jahres-Nominierte auszeichnete. Immer noch liefert ihr mit euren Schiffen dicke Steinquader aus, um damit altägyptische Monumente zu errichten. Euer logistisches Geschick ist dabei gefordert, um eure Handlager zum günstigen Zeitpunkt an die richtigen Baustellen zu lotsen.

Baumeister im Alten Ägypten

Ausgangspunkt aller Aktionen ist einmal mehr die Hafenstadt. Dort ankern zunächst sämtliche Schiffe. Sie sind bereits zu Spielbeginn mit unterschiedlichen Gütern beladen. Auf den Schiffen lagern Materialien, die ihr zum Bau der Monumente benötigt. Eure Aufgabe ist es, die eigenen Arbeiter ins Hafenviertel zu senden, um bestimmte Materialien für euch zu erwerben.

Im Spielverlauf arbeitet ihr an vier verschiedenen Bauwerken. Jeder von euch ist dabei an seinen eigenen Monumenten tätig. Es gilt den Ausbau von Tempelanlage, Obelisk, Grabkammer und Pyramide möglichst schnell voranzutreiben. So erbeutet ihr möglichst viele Siegpunkte, die euch am Spielende den Titel des größten Baumeisters von Ägypten bescheren.

Ein Problem der Logistik

Schon bei den alten Ägyptern war die Frage der Logistik nicht zu unterschätzen. Damit die Arbeiten an den Bauwerken vorangetrieben werden konnten, musste schließlich erst einmal das nötige Material beschafft werden. Dieses ist bereits im Hafen für euch verfügbar, ihr müsst es euch nur noch sichern und auf die Reise zur Baustelle schicken.

Am Hafenplättchen liegen zweimal drei Schiffe vor Anker. Drei Schiffe legen an der rechten Seite des Plättchens an, drei weitere Schiffe befinden sich an der Unterseite der Tafel. Der Hafen selbst verfügt über ein Raster aus 3×3 Feldern. In diese stellt ihr im Spielverlauf eure Arbeiter und reserviert euch damit bestimmte Materialien, die schon auf den Schiffen lagern.

Eine Reise ins Ungewisse

Prinzipiell könnt ihr mit einem eingesetzten Arbeiter auf zwei Materialien zugreifen. Später, wenn die ankernden Schiffe in See stechen, wird das Material an Bord unter den Spielern verteilt. Steht ein Arbeiter von euch in einer Reihe ganz vorne, bekommt ihr auch das Materialplättchen, das im Boot am weitesten vorne liegt. Belegt der Gegenspieler das mittlere Feld, bekommt er das zweite Plättchen auf dem Schiff zugesprochen. Es folgt der Spieler, der den dritten Arbeiter kontrolliert. Er bekommt das Plättchen, das sich im Schiff ganz hinten befindet. Anschließend werden alle Arbeiter wieder aus dem Hafen entfernt. Ihr dürft sie in den kommenden Runden wieder neu im Hafen platzieren. Das entladene Schiff wird gleich wieder mit drei neuen zufälligen Waren bestückt und legt erneut im Hafen an.

Aus diesen simplen Spielprinzip ergibt sich ein besonderes Problem für die Baumeister. Drei Schiffe fahren los und nehmen alle Arbeiter mit, die sich in der gleichen Reihe befinden wie das Schiff selbst. Die anderen drei Boote hingegen sammeln die Arbeiter ein, die sich in der gleichen Spalte befinden. Ihr könnt euch also nie ganz sicher sein, welches Material euer Arbeiter letztlich anschleppt. Entweder ist es das reservierte Plättchen der gleichen Reihe oder das der gleichen Spalte.

Leinen los!

Anstatt einen Arbeiter einzusetzen, dürft ihr auch ein Schiff in See stechen lassen. Ihr verzichtet also auf den Erwerb einer wertvollen Ressource. Dafür erhaltet ihr Kontrolle darüber, welches Schiff seine gelagerten Waren nun ausliefert. Alle ausgelieferten Waren werden an ihren Besitzer übergeben, der das Material nun in seinen Monumenten verbauen darf.

Es gibt lediglich eine Bedingung, die erfüllt werden muss, um ein Boot auf die Reise zu schicken. Mindestens zwei Arbeiter müssen in der Reihe oder Spalte bereits angelegt sein, um sich dort einen Warenzugriff gesichert zu haben. Dabei muss nicht einmal zwingend ein eigener Arbeiter mit an Bord sein. Wenn es der besseren Verteilung des Materials dient, dürft ihr auch Boote ohne eigene Beteiligung losschicken. Mit so einer Aktion könnt ihr euren Baumeister-Rivalen vielleicht überraschen und euch mit einem anderen Zug ein wichtiges Plättchen sichern.

Was baue ich heute?

Wenn ein Schiff den Hafen verlässt, werden alle gelagerten Materialien an ihren Besitzer ausgeliefert. Dabei ist es egal, ob ihr selbst oder euer Mitspieler das Schiff losgeschickt hat. Alle erhaltenen Bauteile dürft ihr jetzt an eure Monumente anlegen. Jedem Bauteil ist sein Verwendungszweck vorherbestimmt. So findet ihr Materialplättchen im Spiel, die sich nur in den Tempeln, nur in der Grabkammer, nur im Obelisken oder nur in der Pyramide verwenden lassen.

Jedes Plättchen, das ihr im Obelisken verbaut, bringt euch einen Siegpunkt ein. Wenn ihr am Spielende mehr Plättchen im Obelisken abgelegt habt als euer Gegner, erhaltet ihr zudem einen Bonus von sechs Punkten. Tempelplättchen sind hingegen mit Kreis-Symbolen versehen. Jedes Kreis-Symbol auf dem Plättchen bringt euch einen Punkt ein.

Die vier Statussymbole der Ägypter

Von den Pyramiden dürft ihr sogar gleich zwei bauen, eine helle und eine dunkle Pyramide. Jedes Pyramidenplättchen muss in die passende Pyramide gebaut werden. Eine Pyramide kann aus maximal sechs Plättchen bestehen. Je mehr Material ihr der Pyramide zugefügt habt, desto mehr Siegpunkte springen für euch heraus. Für den Bau der Grabkammer müsst ihr besonders viel logistisches Geschick aufbringen. Die Plättchen für die Grabkammer sind mit Ziffern von eins bis zwölf durchnummeriert. Eure Aufgabe ist es, eine möglichst lange und lückenlose Ziffernreihenfolge aufzubauen. Auch hier gilt natürlich, je länger die Reihe, desto mehr Punkte gibt es auch.

Eine Sonderrolle nehmen die Aktionsplättchen ein, die sich zwischendurch immer mal wieder zwischen die Materialplättchen schummeln. Im Spielverlauf gelangen sie genauso auf die Schiffe wie alle anderen Waren auch. Ergattert ihr ein solches Aktionsplättchen, dürft ihr es zu einem beliebigen Zeitpunkt im Spiel einsetzen. Der Einsatz eines Aktionsplättchen geht allerdings auf Kosten der normalen Aktion. In dieser Runde dürft ihr also weder einen Arbeiter einsetzen, noch ein Schiff auf die Reise schicken.

Sonderaktionen sorgen für den Extra-Kniff

Doch auch wenn ihr eine Aktion verliert, der Einsatz der Aktionsplättchen ist meist sehr lohnend. Manchmal dürft ihr gleich bis zu drei Arbeiter mit einem Schlag einsetzen, mal dürft ihr einen Arbeiter stellen und anschließend auch noch bis zu zwei Schiffe lossenden. Mit einem Aktionsplättchen dürft ihr euch auch direkt ein beliebiges Warenplättchen von einem Schiff stibitzen. Dies kann zum Beispiel sehr hilfreich sein, um eine Lücke in der Grabkammer-Reihe zu schließen. Durch die Aktionsplättchen erhaltet ihr ein weiteres taktisches Element hinzu, was den Spielablauf zusätzlich auflockert.

Für fortgeschrittene Spieler gibt es ebenso die Möglichkeit, den Bau der vier Monumente etwas abzuändern. Jedes Bauwerk verfügt über eine B-Seite, die alternativ eingesetzt werden kann. Auf den B-Seiten gibt es veränderte Punktewertungen für den Aufbau. Ihr könnt die beiden Seiten der Denkmäler beliebig im Spiel verwenden, solange ihr euch auf eine Seite einigt.

Kurz und knackig

Das Spiel endet, sobald wenn das vorletzte Boot nicht mehr mit drei Materialplättchen bestückt werden kann. Zuvor scheiden bereits erste Schiffe, die nicht mehr befüllt werden können, aus dem Spiel aus. Jetzt gilt es noch schnell die letzten Waren an sich zu raffen und sich so die letzten Punkte zu sichern. Bis zum Spielende vergeht selten mehr als eine halbe Stunde. Imhotep: Das Duell steht ab sofort im Handel und kostet etwa 15€.

leicht erlernbar
dennoch herausfordernd
kompakt
hohe Interaktion
spielt sich sehr flüssig
nur zu zweit spielbar

Sebastian Hamers

Schon als Imhotep im Jahr 2016 für das Spiel des Jahres nominiert wurde, erschien es mir wie ein würdiger Titelträger. Die Regeln sind so einfach und doch steckt im Spiel eine große Herausforderung. Der nächste dicke Pluspunkt war die geringe Wartezeit bis zum nächsten eigenen Zug. Mit der Reduzierung von lediglich einer Aktion pro Zug, wird jeder Spieler fast durchgehend aktiv gehalten. Die Stärken des großen Bruders finden sich zum Glück auch in der Duell-Variante wieder. Die hohe Zugänglichkeit ist immer noch Trumpf. Trotzdem fordert euch Imhotep: Das Duell eine gute Portion logistisches Geschick ab. Nicht nur das Einsetzen der Arbeiter will gut durchdacht sein, auch ein gutes Timing beim Entladen der Boote ist von hoher Bedeutung. Wenn ihr ein Schiff ohne eigenen Arbeiter in See stechen lasst, könnt ihr möglicherweise einen gut durchdachten Zug des Mitspielers durcheinanderbringen. Die Interaktion im Duell um die Baumeister-Krone ist jedenfalls hoch. Keine Frage: als reines Zwei-Personen-Spiel macht Imhotep: Das Duell einen guten Job.
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