Test: Indian Summer

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Brettspiel-Autor Uwe Rosenberg ist wieder einmal im Puzzle-Fieber. Nach Patchwork, Ein Fest für Odin oder Cottage Garden folgt nun mit Indian Summer ein weiteres Spiel, das auf dieses Spielprinzip setzt. Diesmal werden wir in die herbstlichen Gefilde von Neuengland entführt. Stellt euch ein auf einen atmosphärischen Spaziergang im Wald, bei dem es neben seinen Früchten auch einige Tiere zu entdecken gibt.

In Indian Summer bedeckt jeder Spieler sein eigenes Stückchen Waldfläche. Genutzt werden dazu überwiegend Laubplättchen in unterschiedlichen Formen und Farben. Unter dem Herbstlaub blitzt an einigen Stellen mal eine Beere, ein Pilz, eine Nuss oder sogar eine Feder hervor, mit denen ihr Sonderaktionen ausführen könnt. Für weitere Aktionsmöglichkeiten sorgen auch die Tiere des Waldes, die euch bei der Waldarbeit unterstützen, sofern ihr zuvor gut gepuzzelt habt.

Bunter Herbstwald in voller Blüte

Euer kleiner Privatwald besteht aus sechs Bereichen mit jeweils zwölf Feldern. Die gesamte Fläche müsst ihr mit Laub bedecken, je schneller, desto besser. Wer diese Aufgabe zuerst erfüllt, gewinnt das Spiel. Dabei können euch die Früchte des Waldes behilflich sein. Diese seht ihr bereits als festen Aufdruck auf dem Waldbodenplan. Durch das Abdecken des Plans mit Laubplättchen verschwinden auch Beeren und Pilze unter dem Blätterteppich. Glücklicherweise befinden sich in den Puzzleteilen Löcher an unterschiedlichen Stellen. So lugt so manches Mal eine Beere oder etwas Anderes unter dem Laub hervor.

In diesem Fall legt ihr einen passenden Marker auf das Loch im Puzzlestück. Die Marker lassen sich später ernten und zu eurem Vorteil einsetzen. Die Erntezeit beginnt, sobald einer der sechs Bereiche des Waldbodens komplett abgedeckt wurde. Dann dürft ihr alle Marker in diesem Bereich zu eurem persönlichen Vorrat hinzufügen.

Tierischer Spaß im Wald

Eine besondere Rolle spielen auch die Tiere des Waldes. Sie werden zu Spielbeginn in die allgemeine Auslage gelegt, auf die jeder Spieler zugreifen kann. Die Tierplättchen könnt ihr zwar jederzeit in eurem Zug einsetzen, allerdings darf das Plättchen nur auf durchgehende Laubflächen mit Löchern gelegt werden. Ihr müsst vor dem Einsatz der Tiere also erstmal eine passende Verkettung von Lochflächen zusammenbasteln. Gar nicht so einfach, hier sind eure Puzzlekünste tatsächlich richtig gefordert.

Der Aufwand lohnt sich jedoch. Jede einzelne Waldfrucht, die ihr durch passende Löcher im Laub schon einmal geerntet habt, dürft ihr euch jetzt gleich nochmal abgreifen. Mit frisch gefülltem Waffenarsenal kommt ihr im Wettlauf gegen die anderen Spieler nun deutlich schneller voran.

Herbstlicher Wanderpfad

Die Waldtiere sind auch deshalb so wertvoll, da die Verwendung nicht auf Kosten einer Aktion geht. In jedem Zug könnt ihr im Normalfall nur eine einzige Hauptaktion durchführen. Diese besteht üblicherweise darin, ein Laubplättchen aus dem eigenen Vorrat auf dem Waldbodenplan zu platzieren. Bei Spielbeginn besteht der eigene Vorrat an Laubplättchen aus fünf Puzzleteilen. Erst wenn alle fünf Plättchen verwendet wurden, wird der Vorrat wieder komplett aufgefrischt.

Der allgemeine Vorrat an Laubplättchen wird kreisförmig um die Auslage mit den Tieren angereiht. Somit könnt ihr immer schon sehen, welche Plättchen ihr erhalten werdet. So lässt es sich ganz gut vorausplanen… jedenfalls solange euch kein anderer Spieler dazwischenfunkt, denn auch das ist möglich.

Die Fundstücke des Waldes

Für Überraschungsmomente dieser Art sorgen die vielen Fundstücke, die ihr durch geschicktes Puzzeln erhalten könnt. Setzt ihr eine Beere ein, könnt ihr euren eigenen Vorrat schon vorzeitig wieder auf fünf Laubplättchen auffüllen. Wenn ihr bereits fünf Plättchen im Vorrat habt und dennoch eine Beere investiert, dürft ihr euch sogar noch ein sechstes Plättchen dazu nehmen. Damit wird die vorgesehene Verteilung der Laubplättchen natürlich verändert, was die Beere zu einem wichtigen strategischen Element werden lässt. Die Beeren könnt ihr zudem zusätzlich zur Hauptaktion einsetzen, so dass ihr keinen Geschwindigkeitsnachteil erleidet.

Gleiches gilt auch für die Nüsse. Sie zählen ebenso nicht als Hauptaktion und können in beliebiger Anzahl in einem Zug eingesetzt werden. Auf Kosten einer Nuss dürft ihr euch ein Eichhörnchen nehmen und es direkt auf dem Waldboden verbauen. Bei den Eichhörnchen handelt es sich um Plättchen, die lediglich ein Feld abdecken. Sie eignen sich damit gut zum Füllen von kleinen Lücken. Regulär könnt ihr die Eichhörnchen auch alternativ zu einem Laubplättchen einsetzen. Allerdings geht dies dann zu Lasten der Hauptaktion, die mit dem Einsatz des Nagers abgegolten ist.

Mit dem Pilz könnt ihr eure Gegenspieler ganz direkt ärgern. Von zwei Mitspielern könnt ihr euch jeweils ein Laubplättchen stibitzen und direkt auf dem eigenen Waldboden auslegen. Der Einsatz eines Pilzes gilt jedoch als Hauptaktion, weiteres Laub aus dem eigenen Vorrat könnt ihr also in diesem Zug nicht mehr einsetzen.

Damit bleibt noch die Feder als viertes und letztes Fundstück. Eine Feder erlaubt es euch, gleich zwei Puzzlestücke aus dem eigenen Vorrat ins Spiel zu bringen. Wie schon beim Pilz, gilt der Einsatz einer Feder als Hauptaktion.

Die Waldfundstücke lassen sich zudem auch tauschen. Im Spiel werden diese nach Wertigkeit sortiert. Die Beere steht dabei auf der untersten Stufe, dann folgen die Nüsse, Pilze und schließlich die Federn. Entsprechend der Wertigkeiten ergibt sich ein einfaches Schema, nach dem ihr die gewünschten Fundstücke eintauschen könnt und dafür andere erhaltet.

Gefüllter Blätterwald

Das Spiel endet, sobald es einem Spieler gelungen ist, seinen Waldboden komplett mit Laub (oder Eichhörnchen) zu bedecken. Die laufende Runde wird dann noch zu Ende gespielt. Außerdem können verbleibende Fundstücke am Ende noch in Nüsse und somit letztlich in Eichhörnchen umgewandelt werden, mit denen sich noch letzte Lücken auf dem Waldboden schließen lassen. Sollte sich jetzt noch ein Gleichstand ergeben, also mehrere Spieler den gesamten Waldboden abgedeckt haben, gewinnt der Spieler mit den meisten verbleibenden Nüssen.

Am Indian Summer können sich bis zu vier Spieler gleichzeitig erfreuen. Dabei bietet das Spiel sogar eine entspannende Solovariante. Eine Partie dauert 45-60 Minuten. Indian Summer ist über Pegasusspiele erschienen und kostet rund 35€.

beruhigend und erholsam
optisch ansprechend
Puzzeln macht Spaß
eher geringe Interaktivität

Sebastian Hamers

Indian Summer ist wie ein erholsamer Spaziergang durch einen Herbstwald bei milden Temperaturen. Das Spiel strahlt eine angenehme Ruhe aus, Hektik ist hier nicht angesagt. Jeder Spieler puzzelt sein eigenes Stückchen Wald mit Laub zu und erfreut sich am wachsenden Blättermeer. Das beruhigt und schont die Nerven. Die Interaktion unter den Spielern ist zwar vielleicht nicht ganz so stark ausgeprägt wie bei anderen Spielen, ist aber dennoch ein wichtiger Bestandteil des Spiels, vor allem bei erfahrenen Spielern. Für die Interaktion sind die Fundstücke des Waldes verantwortlich, die dem Spiel einen besonderen Kniff verleihen. Gut gefallen hat mir auch die thematische Umsetzung des Herbst-Settings. Ist es nicht immer wieder schön, wenn man zwischen dem ganzen Herbstlaub mal einen leckeren Pilz oder eine schöne Feder entdeckt? Mit dieser Mechanik gewinnt Indian Summer auch genug Eigenständigkeit. Selbst Besitzer von anderen Rosenberg’schen Spielen wie Cottage Garden oder Patchwork, sollten sich dieses Spiel unbedingt genauer ansehen. Wenn ihr noch keine Erfahrungen mit Puzzle-Brettspielen gemacht habt, dann ist Indian Summer darüber hinaus ein guter Einstieg in das Genre.
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