Test: Intervention – Griff nach den Sternen

Kaum ein anderes Spiel wird derzeit so kontrovers diskutiert wie Mass Effect: Andromeda. Falls ihr vom Spiel enttäuscht seid, dann haben wir jetzt möglicherweise eine analoge Alternative zum SciFi-Epos von BioWare. Intervention – Griff nach den Sternen bietet Weltraum-Schlachten ebenso wie Erkundungsreisen im All oder Handelsabkommen mit fremden Völkern. Klingt spannend? Finden wir auch!

Der Vergleich von Mass Effect und Intervention hinkt natürlich gewaltig. Nicht nur wegen des unterschiedlichen Mediums, sondern auch, weil das Brettspiel auf ein ungleich geringeres Budget bei der Produktion zurückgreifen konnte. Selbst im Brettspiel-Universum handelt es sich bei Poltergeist Spiele, den Machern von Intervention, um einen kleinen Player im Geschäft. Hinter dem Spiel steckt kein großer Verlag, sondern ein kleines Team rund um den Spieledesigner Daniel Frese.

Die Sternenvölker im Intervention-Universum

Gemein mit Mass Effect hat Intervention jedoch wiederum die Vielfalt an interstellaren Völkern. Jeder von euch lenkt die Geschicke eines von insgesamt vier Sternenvölkern. Das wären zum Beispiel die wissbegierigen Quant ´Volt, die eine ausgeprägte Affinität zur Technologie besitzen, im Kampf aber etwas schlechter dastehen. Das Madhen Konglomerat hat sich hingegen dem Handel verschrieben. Sie rüsten ihre Raumschiffe aber so prunkvoll aus, dass sie dadurch etwas an Kampfkraft einbüßen.

Im Intervention-Universum gibt es jedoch auch echte Krieger. Der Wohurd Clan setzt alles auf die Karte Kampf. Sie besitzen die durchschlagkräftigsten Schiffe der Galaxie und bei ihnen gilt das Recht des Stärkeren. Die Kunst der Diplomatie steht dafür bei der Periden Konföderation hoch im Kurs. Sie schließen geschickt Allianzen mit kleinen Völkern und ziehen daraus ihre Vorteile.

Viele Wege führen zum Sieg

Je nachdem für welches Volk ihr euch entschieden habt, werdet ihr also möglicherweise eine andere Strategie wählen, um das Spiel zu gewinnen. Für den Sieg müsst ihr eins von drei Zielen als erstes erreichen. Angriffslustige Naturen können etwa versuchen, den letzten Planeten eines Spielers zu erobern. Alternativ dazu könnt ihr auch als erste Partei drei der sogenannten Supertechnologien entwickeln. Der dritte Weg führt über die Siegpunkte. Bei 30 Siegpunkten habt ihr das Spiel gewonnen. Siegpunkte gibt es zum Beispiel für zerstörte gegnerische Raumschiffe, eroberte Planeten, aber auch für entwickelte Technologien und geschmiedete Allianzen mit Kleinvölkern.

Doch nicht nur die Wahl des Volkes mag eure Vorgehensweise beeinflussen. Vor euch liegt die große Weite des Weltalls und ihr habt keine Ahnung, welche Überraschungen sie für euch bereithält. Das Spielfeld besteht aus 9×9 Feldern. Bei Spielbeginn sind lediglich die Positionen der vier Heimatplaneten bekannt. Jeder von euch beginnt das Spiel also an einer anderen Stelle im Universum. In unmittelbarer Nähe der Heimatplaneten befinden sich noch Asteroiden, die später in Beschlag und ausgebeutet werden können. Die restliche Galaxis werdet ihr erst im Spielverlauf nach und nach erkunden.

Ressourcenmanagement für Sternfahrer

Die Sternfahrt ist allerdings kein günstiges Unterfangen, das dürfte bekannt sein. Es bedarf den Einsatz unterschiedlicher Ressourcen. Mit ausreichend Nahrung, Produktionspunkten, Mineralien und Gold steht euch die Galaxie offen. Um die Ressourcen zu verwalten, bekommt jeder sein eigenes Spielertableau.

Auf diesem findet ihr alle wichtigen Angaben zu eurem Volk wieder. Mit kleinen Kügelchen, die magnetisch am Tableau haften bleiben, könnt ihr das eigene Einkommen aller Ressourcen sowie auch die Siegpunkte stets gut im Blick behalten. Mit dem Tableau und seiner magnetischen Funktion hat Poltergeist eine ziemlich elegante Form der Ressourcen-Verwaltung gefunden.

Die Weiten des Weltalls erkunden

Nachdem die Rahmenbedingungen geklärt sind, geht es nun aber endlich ans eigentliche Spiel. Seid ihr am Zug, führt ihr nacheinander vier Phasen aus. Zunächst würfelt ihr und zieht entsprechend einen Spielstein an der Spielfeld-Umrandung weiter. Dort kann euer Spielstein auf einem Feld landen, das eine Aktion ausführt. Dies kann das Ziehen einer Ereigniskarte mit sich bringen. Das Ereignis wird dann auch direkt ausgeführt. Manchmal dürft ihr auch eine verdeckte Karte auf dem Spielplan aufdecken und so ein kleines Stück der Galaxis freilegen. Als dritte mögliche Aktion könnt ihr euch eine Ressource nehmen.

In der zweiten Phase sammelt ihr euer Einkommen ein. Wie viele Ressourcen ihr erhaltet, zeigt euch das Spielertableau mit den magnetischen Steinchen an. Die Ressourcen selbst erhaltet ihr in Form von Chips. Ressourcen bekommt ihr durch den Heimatplaneten und unterworfene Sterne. Auch Allianzen mit kleinen Sternenvölkern können das Einkommen dauerhaft erhöhen. Befindet sich ein eigenes Schiff auf einem Asteroiden- oder Neutronenfeld, gibt es ebenso ein Bonuseinkommen. Als letzte Möglichkeit kommen noch diverse Technologien hinzu, die für ein Wachstum sorgen können. Diese müsst ihr aber natürlich erst zuvor entwickeln.

Interstellarer Schiffsbau

Bevor ihr in der letzten Phase prüft, ob ihr schon die Siegbedingungen erfüllt habt, geht es noch in die dritten Phase, in der die Aktionen durchgeführt werden. Hier dürft ihr beliebig viele Aktionen tätigen, solange ihr sie bezahlen könnt. Ressourcenaufwändig ist natürlich das Bauen von Raumschiffen. Intervention kennt sechs unterschiedliche Schiffsklassen. Darunter fallen einfache Späher zum Erkunden des Weltraums, Kolonieschiffe zum Transport von Kolonisten und natürlich militärische Einheiten unterschiedlicher Kampfstärke.

Die neu gebauten Raumschiffe könnt ihr fortan natürlich auch durch die Galaxie bewegen. So erforscht ihr die Karte immer weiter und lasst euren Machtbezirk stetig anwachsen. Setzt ihr auf technologischen Fortschritt, könnt ihr auch in die Forschung investieren. Dadurch bekommt ihr Technologiekarten, die eure Raumschiffe verbessern, euch Siegpunkte geben oder das Einkommen erhöhen. Erhaltet ihr drei Supertechnologien hat ihr das Spiel außerdem sofort gewonnen.

Im Weltraum werdet ihr auch auf unbewohnte Planeten treffen, die ihr kolonisieren könnt. Dazu müsst ihr zuerst ein Kolonieschiff bauen. Das Schiff dient den neuen Planetenbewohnern gleichzeitig als erstes Gebäude. Wollt ihr einen weiteren Planeten besiedeln, müsst ihr also ein weiteres Schiff bauen. Leider steigen die Kosten für den Bau dieser Schiffe immer weiter an, da ihr den Siedlern einen Umzug vom Heimatplaneten mit immer mehr Ressourcen schmackhaft machen müsst. Dafür könnt ihr die neue Kolonie ab sofort in die eigene Produktionskette einbeziehen, sie beliefert euch jetzt mit weiteren Ressourcen.

Neue Völker kennenlernen

Nicht alle Planeten im All sind jedoch unbewohnt. Ab und zu werdet ihr dort kleinere Völker antreffen, die es mit eurer Macht zwar nicht aufnehmen können, aber dennoch wertvolle Verbündete darstellen. Eine geschlossene Allianz bringt euch neben etwas Gold, Nahrung, Produktionspunkte oder Mineralien auch zwei Siegpunkte ein. Als kleinen Bonus gibt es zudem ein kleines Militärschiff dazu. Ferner könnt ihr mit den Kleinvölkern auch Handel betreiben und bestimmte Ressourcen mit ihnen tauschen.

Wenn ihr es lieber aggressiver angehen lassen wollt, könnt ihr den bewohnten Planeten auch erobern. Keine große Schwierigkeit, schließlich ist euer Volk dem Gegner militärisch weit überlegen. Für den Kampf müsst ihr allerdings drei Produktionspunkte investieren. Ab sofort arbeitet der Planet dann für euch und übergibt euch seine Produktion.

Ein weiterer wichtiger Aspekt im Spiel ist der Handel. Transaktionen lassen sich mit verbündeten Kleinvölkern durchführen, aber auch die Spieler untereinander dürfen ihre Waren untereinander tauschen. Ansonsten müsst ihr notfalls auf die Bank zurückgreifen, die euch Ressourcen zu einem schlechteren Kurs anbietet. Im Weltall findet ihr aber auch ein paar Handelsstationen, wo ihr zu besseren Konditionen tauschen könnt.

Weltraum-Schlachten

Nicht zu kurz kommen darf natürlich auch der Kampf. Nicht alle Konflikte lassen sich friedlich regeln, schon gar nicht, wenn die kriegerischen Wohurd mit von der Partie sind. Gekämpft wird ausschließlich mit den Raumschiffen. Wie bereits erwähnt, findet ihr sechs Schiffsklassen im Spiel wieder. Beim Späher und dem Kolonieschiff handelt es sich um zivile Einheiten ohne Kampfkraft. Werden sie attackiert, verlieren sie den Kampf automatisch und sind somit zerstört. Es sei denn sie werden von einem oder mehreren Militärschiffen eskortiert. In diesem Fall treten erst einmal die Kriegsschiffe gegeneinander an.

Auf einem Feld könnt ihr auch gleich eine ganze Flotte von Raumschiffen positionieren. Die Kampfkraft der Raumschiff-Armee wird dann entsprechend erhöht. Vor dem Kampf berechnet jede Partei die eigene Kampfstärke. Die Berechnung fällt leider ein wenig fummelig aus, obwohl die wesentlichen Daten auf dem Spielertableau vermerkt sind. Ein einzelnes Schiff darf mit einem sechsseitigen Würfel würfeln. Dazu gibt es noch einen fixen Modifikator, je nach Kampfstärke des Raumschiffs. Der Spieler mit dem höheren Wert gewinnt den Kampf. Soweit so einfach.

Ein wenig komplizierter wird es, wenn gleich mehrere Raumschiffe am Kampf beteiligt sind. Zunächst prüft jeder Spieler, welche Schiffsklasse bei sich am Ort des Kampfes am höchsten ist. Habt ihr mehr als eines dieser Raumschiffe im Kampf, dann werden zwei Schiffe zusammengezogen und als ein Schiff der nächsthöheren Klasse bewertet. Alle weiteren Schiffe geben jetzt noch einen Bonus, abhängig von seinem Typ. Daraus ergibt sich ein neuer Modifikator, der auf den Würfelwurf addiert wird. Der Kampf wird nun über mehrere Runden ausgetragen, da mit jedem Würfelwurf immer nur ein Schiff zerstört wird. Das fühlt sich nicht immer ganz so rund an, da nach jeder Kampfrunde die Kampfwerte neu ermittelt werden müssen. Mit ein wenig Übung geht aber auch das schnell von der Hand, ist zu Beginn aber noch etwas gewöhnungsbedürftig.

Die Geschichte lebt

Erwähnenswert ist auch die Homepage zum Spiel, die ständig erweitert wird. Dort findet ihr auch eine Storyline wieder, die dem Spiel etwas mehr Flair verleiht. Ihr könnt euch dort in die Welt von Intervention einlesen und mehr über die Völker und seine Helden erfahren. Ein Spiel dauert etwa 90-120 Minuten. Die Länge hängt dabei stark von der gewählten Strategie der einzelnen Spieler ab. Das Regelwerk bietet zudem ein kürzeres Spiel mit verkleinerter Spielfläche an. Ihr könnt das Spiel über die Homepage des Verlags zum Preis von 40€ beziehen.

Völker spielen sich unterschiedlich
spannendes Erkunden des Weltraums
Spielertableaus mit Magnetfunktion
Kämpfe etwas umständlich
weniger gut mit 2 oder 3 Spielern

Sebastian Hamers

Intervention – Griff zu den Sternen ist ein ambitioniertes Projekt eines kleinen Verlages. Es ist kein leichtes Unterfangen, eine komplexe SciFi-Welt zu erstellen, die Völker gut zu balancen, dabei Kampf, Handel und Ressourcenmanagement unter einen Hut zu bringen. Daran sind auch schon erfahrene Spielemacher und große Verlage gescheitert. Intervention hat seine Sache wirklich gut gemacht. Auch wenn der Kampf zu Beginn nach etwas hakelig ist, trumpft das Spiel durch seinen großen Abwechslungsreichtum auf. Vor allem das Erkunden des Weltraums hat mir großen Spaß gemacht. Immer wieder stößt man auch neue Gegebenheiten, auf die es zu reagieren gilt. Durch die drei Sieg-Optionen habt ihr zudem eine größere Bandbreite für mögliche Strategien. Intervention funktioniert am besten mit vier Spielern. Bei drei Spielern besteht leider die Gefahr, dass sich zwei Parteien gegenseitig ausschalten, während der dritte Spieler dem Sieg gemütlich entgegentrotten kann. Wenn ihr eine Vierer-Runde auf die Beine stellen könnt, gebe ich euch eine klare Empfehlung. Ich wünsche euch viel Spaß beim Erkunden des Weltraums.
Test: Mass Effect: Andromeda Test: Holmes
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