Test: Isle of Skye – Wanderer

Im letzten Jahr räumte Isle of Skye die begehrte Auszeichnung „Kennerspiel des Jahres“ ab. Mit der Verleihung des Preises werden meist auch die Verkaufszahlen eines Spiels in die Höhe getrieben, folgerichtig erhöhen sich dadurch auch die Chancen auf eine Erweiterung erheblich. Dieser Marktmechanismus greift nun auch bei Isle of Skye. Rund ein Jahr nach dem Gewinn des Preises, gibt es jetzt mit „Wanderer“ den erwarteten Ausbau des Spiels.

Bei vielen Brettspielen mit strategischem Tiefgang steht vor dem Spielspaß zunächst eine große Hürde: Das Regelstudium. Nicht selten müssen erst einmal etliche Seiten gewälzt werden. Bei Isle of Skye fällt das Kennenlernen des Regelwerks angenehm kurz aus. Zehn Minuten reichen locker aus, um sich mit den Inhalten vertraut zu machen. Dennoch hat das Spiel eine ordentliche Spieltiefe und ist somit ein würdiger Preisträger.

Geld regiert die Welt

Für diejenigen, die das Kennerspiel des Jahres 2016 bislang verpasst haben, sei an dieser Stelle der grobe Ablauf kurz zusammengefasst. Jeder Spieler baut sein eigenes Gebiet vor sich auf. Ihr beginnt das Spiel mit einem quadratischen Plättchen, auf dem sich eure Burg befindet. Die Burg bringt euch jede Spielrunde ein Grundeinkommen von fünf Münzen ein. Im Spielverlauf zieht ihr weitere Plättchen aus einem Stoffbeutel, um das Gebiet zu erweitern. Die gezogenen Plättchen gehören aber nicht zwingend euch selbst. Ihr müsst alle gezogenen Gebiete zum Verkauf anbieten. Die Preise für die Plättchen legt ihr hinter einem Sichtschirm fest. Eines der drei Gebiete kommt nicht in den Verkauf. Statt einer Anzahl von Münzen legt ihr einen Abwurfmarker hinter den Sichtschirm. Dieses Gebiet kommt auf den Abwurfstapel.

Haben alle Spieler ihre Preise festgelegt, werden die Sichtschirme entfernt. Jetzt ist die Einkaufstour eröffnet. Jeder Spieler darf bei einem beliebigen Mitspieler ein Plättchen seiner Wahl erwerben, natürlich zum angegebenen Preis. Eventuell nicht verkaufte Gebiete dürft ihr selbst in eurem Clangebiet auslegen. Den angegebenen Verkaufspreis müsst ihr nun jedoch selbst zahlen. Das Festlegen eines Preises wird damit zu einer schweren Entscheidung. Legt ihr den Preis zu niedrig fest, wird euch das Plättchen sofort weggekauft. Ist der Preis zu hoch, bleibt ihr selbst auf den hohen Kosten sitzen.

Das Clangebiet erweitern

Jetzt dürfen alle erworbenen Plättchen verbaut werden. Auf den Gebietsplättchen seht ihr unterschiedliche Elemente, die euch später Siegpunkte oder zusätzlichen Einkommen einbringen können. Beim Anlegen ist zudem darauf zu achten, dass die geographischen Gegebenheiten stimmig sind. Ein Berg darf also nicht urplötzlich in einer Wiese münden. Lediglich die Straßen können in einer Sackgasse enden. Straßen sind bedeutsam für die Versorgung eurer Burg mit Whisky. Auf einigen Gebietsplättchen befinden sich Whiskyfässer, die euch ein zusätzliches Einkommen bescheren, jedoch nur wenn eine durchgängige Straßenverbindung zur Burg besteht.

Am Rundenende werden die Siegpunkte vergeben. Hier kommen wir schon zu einer weiteren Besonderheit von Isle of Skye. Im Basisspiel befinden sich 16 Wertungsplättchen, von denen in einer Partie aber immer nur vier zum Einsatz kommen. Jedes Wertungsplättchen legt andere Bedingungen fest, für die ihr Siegpunkte erhaltet. Entsprechend müsst ihr eure Taktik also auf die Gegebenheiten ausrichten. In jeder Partie könnt ihr die Wertungsplättchen wieder neu legen, so dass es immer andere Elemente von Bedeutung sind.

Der Wanderer durchstreift das Königreich

Kommen wir aber nun endlich zur Wanderer-Erweiterung. Das gesamte Material passt so gerade noch in die Box des Basisspiels. Damit könnt ihr das gesamte Spielmaterial gut in einer Box aufbewahren. Jeder Spieler erhält mit der Erweiterung einen Wanderer, der durch das Königreich streift und der Bevölkerung verkündet, was für ein toller Herrscher ihr doch seid. Auf diese Art und Weise rekrutiert ihr euch neue Kriegsleute, zieht Händler auf eure Seite und natürlich auch die Landbevölkerung. Dadurch ist das Volk durchaus gewillt, seinen Beitrag zur Weiterentwicklung des Landes beizutragen.

Als neues Spielelement kommt das sogenannte Fortschrittstableau hinzu. Es zeigt an, wie weit die Kunde eurer Herrlichkeit schon in die Welt getragen wurde. Prinzipiell wird der Fortschritt in drei Bereiche eingeteilt. Festgehalten wird der Fortschritt bei den Kriegsleuten, den Händlern und der Landbevölkerung. Dabei könnt ihr zahlreiche Boni generieren, die euch im Spielverlauf neue Möglichkeiten erschließen.

Jeder Spieler bekommt eine Wanderer-Figur, die bei Spielbeginn auf der eigenen Burg steht. Dazu gibt es noch zwei Wegmarker, mit denen ihr die Route des Wanderers festlegt. Auf jedem Gebietsplättchen mit einem Wegmarker macht der Wandere einen Zwischenstopp und posaunt die Worte des Königs hinaus. Ein dritter Wegmarker kann zusätzlich noch während des Spiels erworben werden.

Mehr von allem

Dank der guten Arbeit des Wanderers steigt euer Ansehen bei den drei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Auf dem Tableau könnt ihr den Fortschritt festhalten. Für den Fortschritt muss der Wanderer jedoch bestimmte Etappen ablaufen. Mal muss er ein Plättchen mit einem Schaf angelaufen haben, mal ist ein Schiff oder auch ein Whiskyfass gefordert. Möglich sind auch Besuche von abgeschlossenen Gebirgen oder Gewässern, selbst eine Reise zum nördlichsten Punkt der Karte ist gewünscht.

Die Reise des Wanderers muss also gut geplant werden. Auf Schusters Rappen ist der Weg allerdings beschwerlich. Es stehen ihm nur eine begrenzte Anzahl von Bewegungspunkten zur Verfügung, die im Spielverlauf aber noch erhöht werden kann. Der Weg über eine Straße ist da sehr willkommen, hier kommt der Wanderer deutlich schneller voran.

Auf dem Fortschrittstableau werden weiterhin noch einige Bonusplättchen platziert. Sobald ihr sie auf der Leiste erreicht habt, dürft ihr sie an euch nehmen und einlösen. Hier gibt es mal zusätzliches Gold, Extraschritte für den Wanderer oder ihr dürft auf dem Fortschrittstableau in einer Leiste einen Schritt nach vorne rücken. Dort bekommt ihr auch Zugriff auf weitere Straßen. Dabei handelt es sich um weiße Streifen, die ihr im Clangebiet verlegen dürft. So könnt ihr Straßennetze erschließen, um vielleicht den Whiskytransport zur Burg zu gewährleisten oder die Arbeit des Wanderers zu erleichtern. Im letzten Drittel des Tableaus befinden sich besonders mächtige Boni. Mit ihnen könnt ihr zum Beispiel die Bank für eure Gebietseinkäufe zahlen lassen oder pro Runde gleich zwei Einkäufe tätigen.

Reiche Könige

Es sind jedoch nicht nur die Bonusplättchen, die euch neue Möglichkeiten eröffnen. Fast jeder Fortschritt zahlt sich aus. Es gibt zusätzliches Einkommen, mehr Siegpunkte pro Runde oder ihr erhöht die Reichweite des Wanderers und zwischendurch gibt es immer wieder mal einen einmaligen Siegpunkt-Boost. Im Vergleich zum reinen Basis-Spiel werdet ihr also deutlich mehr Siegpunkte einstreichen und auch das Festgeldkonto wird explodieren. Die Beträge für Gebietseinkäufe könnten also bislang ungeahnte Höhen erreichen. Gleiches gilt für die Siegpunkte. Auf dem Fortschrittstableau gibt es so viele Bonuspunkte einzukassieren, dass der Erweiterung gleich noch Marker beiliegen, damit ihr die gestiegenen Siegpunkte auch noch komfortabel nachhalten könnt. Als kleines Goodie gibt es zudem noch vier neue Wertungsplättchen, mit denen ihr die ohnehin schon breite Auswahl der Siegbedingungen nochmals erweitern könnt. Dazu liegen dem Paket noch weitere Münzen und acht neue Landschaftsplättchen bei.

Die Wanderer-Erweiterung zu Isle of Skye sollte mittlerweile im Handel eingetroffen sein. Das Paket kostet zwischen 15€ und 18€.

zusätzliche logistische Komponente
taktischer als das reine Grundspiel
Regeln immer noch überschaubar
lädt Grübler zum Planungsmarathon ein

Sebastian Hamers

Mir hat das Basis-Spiel Isle of Skye vor einem Jahr schon ziemlich gut gefallen. Beeindruckt hat mich vor allem, dass es trotz seines dünnen Regelwerks einen großen taktischen Einschlag hat. Mit der Wanderer-Erweiterung müsst ihr euch nun jedoch doch einiges mehr an Regeln draufschaufeln. Insgesamt bleibt der Aufwand für das Studium der Regeln aber immer noch überschaubar. Deutlich gestiegen ist hingegen der Aufwand, der für die Planung des eigenen Zugs investiert werden kann. Schon das Grundspiel hat grüblerische Naturen dazu eingeladen, eine gefühlte Ewigkeit für die strategischen Überlegungen zu benötigen. Die Wanderer-Erweiterung reduziert dieses Problem nun auch nicht gerade. Dafür bietet der Wanderer aber natürlich auch sehr viele neue Möglichkeiten, den Zug zu optimieren. Zum Glück können alle Spieler die Planung zeitgleich anstellen. Dadurch fallen die Grübler nicht mehr ganz so negativ ins Gewicht. Die Erweiterung ist auf jeden Fall eine sinnvolle Ergänzung zum Hauptspiel und fühlt sich auch nicht draufgeklatscht an. Mir hat es viel Freude bereitet, den Wanderer auf Tour zu schicken, um möglichst viele hilfreiche Stellen in einem Zug abzuklappern. So bringt der Wanderer nochmal eine logistische Komponente mit ins Spiel. Freunde des Grundspiels machen mit der Erweiterung sicher nichts falsch. Zu einem angemessenen Preis bekommt ihr mit dem Wanderer ein ordentlich aufgemotztes Spiel.
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