Test: Kingdom Hearts 3 – Das perfekte Ende einer Ära?

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Kingdom Hearts III: Der beste Teil der Reihe?

Kingdom Hearts 3 ist das fulminante Ende der Dark Seekers Saga, deren Geschichte Fans schon seit 2002 begleitet. In den vergangenen fast zwei Dekaden ist die Marke Kingdom Hearts zu einer echten Gaming Institution geworden. Mit dutzenden Releases und Re-Releases auf diversen Plattformen fesselte das Franchise abertausende Fans mit seinem unorthodoxen Mix aus Square Enix- und Disney-Charme. Jede Veröffentlichung der Reihe kam mit seiner ganz eigenen Besonderheit, verzauberte auf immer neue Weise und etablierte im Laufe der Zeit einen stattlichen Cast an Charakteren.

Der dritte, mit einer natürlichen Zahl bezifferte Teil der Reihe, soll nun alle Eigenheiten und Story-Ausflüge der Vorgänger organisch zu einem Gesamtwerk verbinden. Aber kann das lang ersehnte Finale, nach etlichen Verzögerungen im Produktionsablauf, auch nur hoffen, seinem Hype gerecht zu werden?

Kingdom Hearts 3 – Die Reise ins Ich

KINGDOM HEARTS III-Sora Goofy und Donald-Olym

Bildquelle: Square Enix.

Kingdom Hearts 3 spielt direkt nach den Ereignissen von Dream Drop Distance. Nachdem ihr zuvor gescheitert seid, euch als Schlüsselschwert Meister zu beweisen, reist ihr als Sora durch verschiedenste Welten in dem Versuch, eure verlorene Stärke wiederzufinden.

Auf dem Weg versucht ihr außerdem einige alte Verbündete erneut für den Kampf gegen die omnipräsente Bedrohung Xehanort und die Organisation zusammenzubringen. In traditioneller Kingdom Hearts Manier erkundet ihr dabei eine Fülle an Disney Welten. Von Klassikern wie dem Olymp, geht es zu Rapunzel und in die Spielzeugkiste der Toy Story. Ja, selbst Piratenkapitän Jack Sparrow stattet ihr einen Besuch ab. Seid ihr mit eurem Gumi-Jet erst einmal auf einer Welt gelandet, dauert es meist keine zwei Augenaufschläge, bis ihr knietief in die Misere der jeweiligen Geschichte involviert seid.

Ich bin Sora, wie kann ich helfen?

KINGDOM HEARTS Ⅲ-Selfie mit Rapunzel

Selfie mit Rapunzel, das Gumi-Phone macht’s möglich./ Square Enix.

Wie ein intergalaktischer Domian helft ihr den Disney Helden und Heldinnen nicht nur bei ihren individuellen Herzschmerzen, sondern schwingt auch euren Schlüssel gegen alle Herzlosen und Niemande, die euch die Organisation dabei auf die übergroßen Fersen hetzt.

Wie gewohnt stellt der Plot die überwiegend bunten und leichtherzigen Disney Welten vorn an, bevor es im letzten Akt ans Eingemachte geht. Obgleich eine ganze Riege an Antagonisten auch schon in der ersten Spielhälfte ihre stachelhaarigen Kapuzenköpfe in die Disney Welten stecken, werden ihre Machenschaften erst nach dem Ende aller Disney Geschichten wirklich relevant.

Tatsächlich funktioniert das hervorragend. Casual Fans und Neulinge bekommen die spaßig, knallige Disney Action direkt von Anfang an und Die-hard-Kingdom-Hearts-Jünger dürfen sich auf einen furiosen Schlussakt freuen.

Das Storytelling

Kingdom Hearts 3-Hades-Olymp

Bildquelle: Square Enix.

Wie kaum eine andere Spielereihe ist Kingdom Hearts für ihre verschachtelte und ungewöhnliche Narrative bekannt. Zwar würden die meisten Kingdom Hearts Fans auch noch ihre letzte Unterhose verkaufen, um ihre Freunde davon zu überzeugen, dass es die Geschichte am Ende wert gewesen sein wird, aber gerade Neulinge hatten bisweilen Schwierigkeiten, auf Anhieb zurecht zu kommen. Umso mehr gebührt den Autoren des dritten Teils ein Lob für die außerordentliche Story Arbeit, die hier geleistet wurde.

Nicht nur führt Kingdom Hearts 3 fast alle „vier Millionen“ Storystränge sinnvoll zusammen, es gelingt dem dritten Teil auch, für absolute Neulinge verständlich zu bleiben, ohne nennenswert an Tiefgang einzubüßen. Somit schafft Kingdom Hearts 3 den nicht für möglich gehaltenen Spagat zwischen einer spannenden und einsteigerfreundlichen Erzählung und dem fulminanten Ende einer epischen Reise.

Selbst diejenigen unter euch, welche die letzten Jahre ihres Lebens vorrangig auf dieses Spiel gewartet haben, sollten von den letzten fünf Stunden des dritten Teils begeistert sein. Die Geschichte ist unglaublich dicht und reich an bedeutenden Wendungen. Vor allem aber schaffen es die Autoren, nahezu alle losen Enden einleuchtend zusammenzuführen.

Die Präsentation

Fast zehn Jahre war das Kingdom Hearts Franchise und damit das inszenatorische Potential der Reihe auf Handheld-Konsolen eingepfercht. Nun bringt der dritte Teil dem Universum endlich den gebührenden Glanz und unvergleichlichen Zauber, den es in den Köpfen der Fans schon seit dem ersten Titel hatte. Nie war Kingdom Hearts bunter, nie so realistisch und zornig – nie so vielseitig.

KINGDOM HEARTS Ⅲ_Rapunzel-Corona-Laternen

Bildquelle: Square Enix.

Die Grafik des Spiels ist größtenteils wunderschön, die Animationen gestochen scharf und der Stil einfach nur magisch. Mit einer Detailverliebtheit, die den Handheld-Teilen ob ihrer technischen Limitationen bisher abhanden ging, zaubert Kingdom Hearts 3 einen visuellen Wirbel auf den Bildschirm. Ein ums andere Mal ertappten wir uns dabei, wie das spaßige Spektakel uns allein durch seine Präsentation ein kindliches Grinsen aufs Gesicht malte. Ganz besonders der Detailgrad der Charaktermodelle trägt immens dazu bei, die märchenhafte Welt zum Leben zu erwecken.

Kingdom Hearts III-Jack Sparrow

Wahnsinn. So vielseitig sah Kingdom Hearts noch nie aus. / Square Enix.

Die insgesamt zehn Welten, die ihr bereist, nutzen stellenweise ihren ganz eigenen Rendering-Stil. Von Pastelfarben mit starken Konturlinien, zu fast fotorealistischen Passagen hat Kingdom Hearts 3 optisch einiges zu bieten.

Ein Märchen zum selbst erkunden

Die Welten selbst sind offener geworden. Anstatt der per Ladescreen verbunden Instanzen, sind die Areale des Spiels jetzt um einiges weitläufiger und frei erkundbar. Sobald ihr den ersten Einstiegsabschnitt hinter euch gebracht habt, flaniert ihr durch die lebendig gefüllten Straßen von Corona oder staunt Lastwagen große Bauklötze im Galaxy Toys Spielzeugladen des Toy Story Abschnitts.

KINGDOM HEARTS Ⅲ-Stadt-Detaildichte

Bildquelle: Square Enix.

Trotz der unheimlichen Detaildichte in manchen Arealen, muss das Spiel selten nachladen, was den Welten erstmals ein organisches Gefühl der Zusammengehörigkeit verleiht. Gegen Ende des Spiels findet ihr euch sogar in einigen Arealen wieder, die auch in einem Open-World-Sandbox-Spiel nicht fehl am Platz gewesen wären.

Die offeneren Spielwelten haben dabei allerdings wenig Einfluss auf den gewohnten Spielablauf. Zumeist sind die Areale in klassischer Open-Schlauch-Tradition linear verbunden. Schnell werdet ihr durch die auf Filmniveau vertonten Charaktere in die jeweilige Misere der Disney Ikonen gesogen und angenehm gradlinig durch die Levels geleitet.

KINGDOM HEARTS Ⅲ-Tanzen mit Rapunzel

In welchem Spiel könnt ihr schon mit Rapunzel tanzen?/ Square Enix.

Nie kommt Langeweile auf und nur äußerst selten verlauft ihr euch. Kingdom Hearts 3 fühlt sich dabei an wie ein guter Freund oder Freundin, die oder der euch an die Hand nimmt und auf angenehm vertraute Weise in eine fremde Welt entführt. Bereitwillig nehmt ihr das Angebot an und seht über kleine Unstimmigkeiten oder die übersimplifizierten Filmplots hinweg.

Mittlerweile könnt ihr auch bis zu fünf Helden mit in eure Party nehmen, weshalb eure treuen Kompagnons Goofy und Donald nicht mehr von eurer Seite weichen. Glücklicherweise sind die auch zwischen den Kämpfen etwas mehr als Dekoration, so geben eure Gefährten Kommentare zu der Welt um euch herum ab, oder unterhalten sich miteinander. Hinzu kommen diverse Interaktionsmöglichkeiten mit Gegenständen in den Welten und ein Füllhorn an sammelbaren Waren.

Ein Soundtrack wie aus einem Disney Film

KINGDOM HEARTS Ⅲ_Corona-Schloss-Laternen

Bildquelle: Square Enix.

Wenig überraschend sind sowohl Sounddesign als auch Soundtrack wieder ausgezeichnet. Jede Welt begeistert durch ihre eigenen musikalischen Themen. Dabei werdet ihr sowohl mit Neuarrangements alter Perlen, als auch mit Neuschöpfungen verwöhnt. Yoko Shimomura zeigt hier eine bemerkenswerte musikalische Range und eine Finesse ganz besonders in puncto instrumentalische Begleitung, die wir so noch nicht in der Reihe gehört haben.

Mit unzähligen Klassikern und fantastischen neuen Tracks verwöhnt Kingdom Hearts Sammelsurium an Triple-A-Lizenzen jeden Fan der Spielereihe oder des Disney Materials. Selbst das Skrillex und Hikaru Utada Theme, das als Einstieg und Storyrecap am Anfang des Titels steht, passt sich organisch in den vielseitigen Score ein. Die Musik von Kingdom Hearts ist letztlich ebenso ikonisch wie seine Charaktere.

Die audiovisuelle Inszenierung und der damit verbundene Sprung in die aktuelle Hardware Generation ist den Entwicklern schlicht und ergreifend mit Bravour gelungen. Bleibt die Frage zu klären, wie spielt sich Kingdom Hearts 3?

Zu viele Köche verderben den Brei?

Kingdom Hearts III-Rapunzel-Flynn Rider-Bratpfanne

Bildquelle: Square Enix.

Mit einem bunten Potpourri an verschiedenen Gameplay-Elementen aus den unzähligen Spinoffs und Prequels der Reihe, hatte es Square nicht leicht, genau die Elemente herauszusuchen, die auf eine neuartige Kingdom Hearts Erfahrung passen würden.

Gerade da viele vergangene Titel eher den Fokus auf kleinere Spielereien, anstatt tiefgreifend-taktische Kämpfe gelegt haben, war sich die Community bis zum Schluss nicht einig, welche Richtung das Finale der Saga einschlagen würde. Glücklicherweise ist es den Entwicklern gelungen, sich am Stil der Konsolenableger zu orientieren und trotzdem viele Mechaniken der Handheld-Teile mitzunehmen.

Eure Schläge fühlen sich wuchtig an, das Trefferfeedback ist spaßig und motivierend. Problemlos reiht ihr fantastische Kombos aneinander und entfesselt machtvolle Magie, die in einem irrsinnigen Partikelspektakel auf dem Bildschirm explodieren.

So macht kämpfen Spaß

Kingdom Hearts III-Toy Story-Spezialangriff

Die Team-Up-Angriffe hauen richtig rein und sehen toll aus./ Square Enix.

Ihr beginnt das Spiel mit einem sehr limitierten Pool an Basis-Fähigkeiten, die ihr im Handumdrehen um Kombo-Modifikatoren und Bewegungs-Optionen erweitert habt. Aber keine Angst, Kingdom Hearts 3 beschränkt sich keineswegs nur auf einfache Schlag- und Zauber-Kombos. Sora hat Zugang zu nahezu allen Kampftechniken und Fähigkeiten aus seinen früheren Abenteuern.

Wie in den ersten beiden Spielen beschwört ihr Freunde, die euch im Kampf unterstützen. Ganz wie in Birth by Sleep lassen sich eure Waffen transformieren und ihr seid in der Lage, Elektrizität zu nutzen, um eure Widersacher für kurze Zeit zu betäuben. Mithilfe des Flows bewegt ihr euch rasend schnell durch die Gegnermassen und verpasst den Herzlosen ein Schleudertrauma, wie sie es bisher nur aus Dream Drop Distance kannten.

KINGDOM HEARTS Ⅲ-Hercules-Spezialangriff

Mit viel Tamtam rückt Pegasus euren Gegnern zu Leibe./ Square Enix.

Der Clou? All die irrsinnigen Fähigkeiten aus den alten Spielen wurden fantastisch angepasst, sodass keine Fähigkeit übermächtig wirkt und zu jeder Zeit ausreichend taktische Finesse fürs Ausprobieren und Kombinieren lässt. Besonders die Flow-Motion-Mechanik wurde überarbeitet. Damit ihr im Kampf aber auch keine Sekunde untätig seid, stellen euch die Entwickler im neusten Streich der Reihe massig Spielzeug zur Seite.

Auf nach Disneyland

So könnt ihr neben den diversen Team-Up-Spezialattacken auch eine Fülle von Disneyland Attraktionen heraufbeschwören. Die Attraktionen verwandeln das Treiben auf dem Bildschirm allerdings nicht nur in einen märchenhaften Vergnügungspark, sondern teilen auch kräftig aus. Alternativ nutzt ihr die mächtigeren Varianten eurer Zauber, die ihr durch das geschickte Einbinden der Sprüche in eure Kombos freischaltet.

KINGDOM HEARTS Ⅲ-Toy Story-Mecha

Bildquelle: Square Enix.

Abwechslung und Tiefgang wird in Kingdom Hearts 3 groß geschrieben, so könnt ihre eure Kampftaktiken durch Buff Food und die Optimierung eurer Schnellzugriffe noch weiter verfeinern. Hinzu kommen die etlichen Variationen der Kämpfe, die in den verschiedenen Disney Welten auf euch warten. In der Toy Story Welt etwa hüpft ihr in Voltron-artige Spielzeugmechs, um euren Widersachern einzuheizen.

Der Gumi-Jet: Quietscheente oder cooles Feature?

Auch der Gummi-Jet feiert in der neusten Kingdom Hearts Iteration sein Comeback. Zwar waren die bisherigen Auftritte der fliegenden Gummizelle mit gemischten Gefühlen verbunden, diesmal machen sich die Ausflüge in der Schaumstoffschüssel aber nicht schlecht. Um von einer Welt zur anderen zu gelangen, durchreist ihr erstmals weitläufige Weltraumareale, in denen ihr euch frei entscheiden könnt, ob ihr euer nächstes Ziel direkt ansteuert oder erstmal auf Erkundungstour geht.

KINGDOM-HEARTS-Ⅲ-Der Gumi-Jet

Bildquelle Square Enix

Es liegt ganz bei euch, ob ihr als frischgebackener Weltraumpirat nach Schätzen sucht oder gegen andere Schiffe kämpft. Jede Begegnung ist optional und kann einfach umgangen, oder auf Knopfdruck wieder verlassen werden. Die Scharmützel selbst spielen sich dabei klassisch. Neben der ikonischen Barrelroll und der Schusstaste, hat eure Quietscheente nicht viel zu bieten. Space in KH3 ist ein interessanter Ort, der ausreichend mit Goodies und Crafting Material angereichert wurde, um motivierend zu wirken.

Hat jemand mal n‘ größeren Schlüsselring?

Kingdom Hearts 3-Die Magie der Schlüsselschwerter

Bildquelle: Square Enix.

Die wohl spannendste spielerische Neuerung des Titels findet sich allerdings nicht im Weltraum. Durch einen einfachen Druck auf das Digipad seid ihr nun in der Lage, jederzeit im Kampf zwischen euren Schlüsselschwertern zu wechseln. So banal diese Änderung erst einmal klingt, erlaubt sie euch doch, auf die ganze taktische Fülle eurer Waffen zurückzugreifen. Da die sich allesamt gänzlich voneinander unterscheiden, ist diese kleine Änderung ein echter Dealbreaker. Besonders auf dem höheren Schwierigkeitsgrad seid ihr auf die verschieden Stärken und Schwächen eurer Schlüsselschwerter angewiesen.

In keinem anderen Teil der Reihe waren Kämpfe so vielseitig, so bunt und komplex wie in KH3. Fast alle Mechaniken sind fein aufeinander abgestimmt und tragen in bedeutsamer Art und Weise dem Spielgefühl und der Präsentation bei. Jedes Schwert hat seine eigenen Werte und Transformationen.  Auch wenn einige bereits bekannte Versionen dabei kopiert wurden, eröffnet dieser Kniff noch nie dagewesene Möglichkeiten im Kampf. Durch ein klassisches Crafting System modifiziert ihr eure Lieblingswaffen an eurem prall gefüllten Schlüsselring zusätzlich und erschafft so tödliche Klingen.

Macht Kingdom Hearts 3 das Unmögliche möglich?

Kingdom Hearts III-Spezialattacken

Bildquelle: Square Enix.

Kingdom Hearts 3 gelingt das scheinbar Unmögliche. Nicht nur vereint der Teil alle bekannten Mechaniken aus den Vorgängern, er addiert auch unzählige neue Features hinzu, ohne dabei ein überforderndes oder verwirrendes Spielgefühl zu erzeugen. Obgleich die schiere Menge an Fähigkeiten und Möglichkeiten des Kampfsystems erschlagend wirkt, passt der bunte Mix auf Anhieb. Nie sind wir überfordert und werden immer dann mit neuen Mechaniken verwöhnt, wenn wir uns gerade an die alten gewöhnt haben.

Nichtsdestotrotz fluten die Spezial- und Vergnügungsparkangriffe euren Screen teilweise derart, dass ihr eine Aktion an die nächste reihen könnt, ohne dabei einen nennenswerten Nachteil zu verbuchen. Zwar ist Kingdom Hearts gerade auf den höheren Schwierigkeiten noch lange kein einfaches Spiel, nimmt sich aber stellenweise selbst etwas taktischen Tiefgang. Spielt ihr das Spiel allerdings auf Normal oder gar Leicht, richten die Vergnügungsparkattacken lächerlich hohen Schaden an und bieten euch ein so dichtes Sicherheitsnetz, dass es einiger Fantasie bedarf, überhaupt mal ins Gras zu beißen.

Donald please…

Kingdom Hearts III-Donald Raketenangriff

Bildquelle: Square Enix.

So wunderbar sich der Wirbel durch das Disney Märchenland auch spielt, ist KH3 kein perfektes Spiel. Gerade der Auftakt ist entsetzlich langsam und die Dialoge wirken stellenweise so hölzern und kitschig, dass sich mit dem Gumi-Jet kaum zu überbrückende Qualitätslöcher zwischen den Welten auftun.

Besonders weil Kingdom Hearts überproportional viel Geschichte in Cutscenes erzählt, sind schlecht geschriebenen Dialoge doppelt ärgerlich. Auch das gehetzte Storytelling in den Disney Welten ist ein Problem. Meistens müssen in den drei bis vier Stunden, die ihr in jeder Welt verbringt, nicht nur die gesamten Filmgeschichten sondern auch die wichtigsten Plotthinweise der KH Geschichte selbst unterkommen. Das führt zu teils schizophrenem Pacing und missverständlicher Charakterentwicklung. Hier und da fehlen bedeutende Charaktere sogar ganz oder werden unzureichend etabliert.

Die meisten Welten kommen mit dem geschichtlichen Splitt verhältnismäßig gut zurecht. In anderen seid ihr ohne Kenntnisse der Disney Vorlage hoffnungslos verloren.

Geniale Symbiose aus allen Gameplayelementen des Franchises
Märchenhafte Präsentation
Einer der besten Soundtracks in einem Videospiel bislang
Einzigartig, verrückter Spaß
Sinnvolle narrative Zusammenführung, die trotzdem verhältnismäßig zugänglich bleibt
Die Fülle an Spezialattacken überfrachtet die Kämpfe, zu Lasten von Tiefgang und Spannung
Einige Dialoge wirken hölzern
Das Pacing in den Disney Welten ist häufig nicht überzeugend

Vincent

Kingdom Hearts 3 ist das Ende einer Ära und das Ende langer Jahre des Wartens auf einen weitern Kingdom Hearts Konsolen-Titel. Nach so vielen Jahren und so vielen Gesichten, Freunden und Widersachern, die wir mit der Zeit kennen, lieben und auch hassen gelernt haben, gelingt es dem furiosen Finale tatsächlich, viele unbeantwortete Fragen und ungelöste Enden zusammenzunähen. Gleichzeitig stellt Kingodm Hearts 3 aber auch genügend interessante Fragen, die schon jetzt Lust auf mehr machen und eine hoffnungsvolle Zukunft für das Franchise zeichnen. Kingdom Hearts 3 ist ein liebevoll handgemachtes Spiel, das mit seiner Sammlung an spaßigen Disney Abenteuern und tiefgängigem Gameplay für jeden, Fan oder Neuling, etwas im Gepäck hat. Der vorerst letzte Teil der Reihe ist ohne Frage auch der bisher beste Teil. Die Geschichte ist episch und größtenteils spannend. Gerade das eigenwillige und doch ungewohnt elegante Gameplay rundet ein sowieso schon unorthodoxes Spiel gekonnt ab. Kingdom Hearts 3 schafft, was vielen Spielen in dem so ernst gewordenen Videospiel-Markt häufig verloren geht: Es macht Spaß zu seiner obersten Maxime.
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